Inhalt
1 Einleitung 1
2 Beruflicher Werdegang von Susanne Göpferich 2
3 Adressaten und Grundlagen von Göpferichs Modell 3
4 Evaluierung des Schreibprozessmodells von Hayes und Göpferichs Didaktik-
orientiertes Schreibprozessmodell 4
4.1 Schreibumgebung 6
4.2 Individuum 8
4.2.1 Langzeitgedächtnis 8
4.2.2 Arbeitsgedächtnis 9
4.2.3 Kognitive Prozesse 10
4.2.3.1 Informationsgewinnung 11
4.2.3.2 Reflexion 11
4.2.3.3 Textproduktion 11
4.2.3.4 Evaluation 13
4.2.3.5 Abfolge und Steuerung der Prozesse 14
5 Anwendbarkeit von Göpferichs Modell auf die technische Redaktion 15
6 Fazit 18
A Didaktik-orientiertes Schreibprozessmodell 19
Literatur 20
1 Einleitung
Das in dieser Arbeit vorgestellte Schreibprozessmodell wurde von Susanne Göpferich im Rahmen ihrer im Jahr 2002 veröffentlichten Habilitationsschrift entwickelt. Ihr Ziel war es, den Schreibprozess in seine einzelnen Phasen zu zerlegen und die individuellen Prozesse dann auf potentielle Mängel zu untersuchen, um Textproduktionsschwächen abbauen zu können. Hierzu erarbeitete sie ihr Didaktik-orientiertes Schreibprozessmodell, das auf die fachbezogene Textproduktion im Zeitalter der Globalisierung ausgerichtet ist. Es basiert auf dem Erkenntnisstand der Schreibprozessforschung (vgl. Göpferich 2002: 231 f). Die Schreibforschung, die sich mit dem Schreibprozess und der Schreibentwicklung beschäftigt, entstand Mitte der 70er Jahre in den USA und in England. Sie erforscht, „was (kompetente) Schreiber tun, wenn sie einen Text verfassen - und rückt damit den Schreibprozess selbst in den Fokus“ (Becker-Mrotzek 2007: 41). Das grundlegende Modell zum Schreibprozess stammt von Hayes und Flower (1980), welches auch Göpferich in ihr Modell einbezieht. Göpferichs disziplinenunabhängige Fragestellung lautet:
„Welche Bausteine muss ein didaktisches Konzept aufweisen, mit dem sich die Textproduktionskompetenz auf möglichst allen für die erfolgreiche interfachliche und fachexterne Kommunikation relevanten Ebenen optimieren lässt?“ (Göpferich 2002: 14)
Diese Frage versucht sie in ihrem Modell zu beantworten, indem sie zunächst eine Zweiteilung in die Bereiche „Individuum“ und „Schreibumgebung“ vornimmt und dann innerhalb dieser Bereiche weiter differenziert. Auf diese Weise entstand ein sehr komplexes Modell, das ich nach einem Einblick in den beruflichen Werdegang Göpferichs und einer Einführung in das Thema im Vergleich zum Modell von Hayes/Flower (1980) bzw. Hayes (1996) beschreiben werde. Anschließend werde ich die Utilität ihres Modells für die technische Redaktion prüfen und die Anwendbarkeit unter Berücksichtigung dieses speziellen Berufsfeldes in den Vordergrund der Betrachtung rücken.
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2 Beruflicher Werdegang von Susanne Göpferich
Susanne Göpferich studierte von 1984 bis 1989 Angewandte Sprachwissenschaft mit den Fächern Englisch, Französisch und Technik am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim und schloss ihr Studium als Diplom-Übersetzerin ab. Von 1991 bis 1994 folgte ein Promotionsstudium im selben Fachbereich, und zwar für die Fächer Anglistik, Romanistik und Angewandte Sprachwissenschaft. Dieses Studium schloss sie mit dem Doktor der Philologie ab. Im Jahr 2002 habilitierte sie an der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig und erhielt die Lehrbefähigung für Angewandte Sprach- und Übersetzungswissenschaft (Englisch/Deutsch).
In den Jahren 1989/1990 arbeitete Göpferich als Teachware-Entwicklerin (Technische Autorin). Von 1989 bis 1991 hat sie ebenfalls als Terminographin am Fachwörterbuch der Kfz-Technik mitgearbeitet. Zudem war sie von 1990 bis 1996 an der Universität Mainz in Germersheim zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Institut für Anglistik und Amerikanistik, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Sprach- und Kulturwissenschaft beschäftigt. Hier leitete sie u. a. das Modellprojekt „Interkulturelles Technical Writing“. Zusätzlich arbeitete Göpferich seit 1990 freiberuflich als Technische Autorin, Fachübersetzerin, Industriedozentin und Unternehmensberaterin in den Bereichen Übersetzen, Technische Kommunikation sowie Interkulturelle Kommunikation.
Von 1997 bis 2003 übernahm Göpferich die Professur für Technische Kommunikation und Dokumentation am Fachbereich Sozialwissenschaften der Fachhochschule Karlsruhe. In dieser Zeit erarbeitete sie auch das Karlsruher Verständlichkeitskonzept. Im Anschluss an diese Zeit trat sie die Professur für Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft (ITAT) der Karl-Franzens-Universität Graz an und war dort zunächst stellvertretende Leiterin und seit 2005 Leiterin des Instituts. Seit März 2010 ist Göpferich Professorin für Angewandte Linguistik und Leiterin des Zentrums für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
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Göpferich arbeitet aktiv in zahlreichen Gremien und Verbänden mit, die hier nur auszugsweise genannt werden sollen. Seit 2000 ist sie Leiterin bzw. stellvertretende Leiterin der Sektion Fachkommunikation der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL). Des Weiteren ist Göpferich Mitglied der Gesellschaft für technische Kommunikation (tekom), Fachbeirätin der Fachzeitschrift für Technische Dokumentation und Informationsmanagement technische Kommunikation, Mitglied von Redaktionsbeiräten verschiedener Zeitschriften sowie Herausgeberin der Fachzeitschrift FACHSPRACHE - International Journal of Specialized Communication gemeinsam mit Jan Engberg und Nina Janich (vgl. Göpferich 2010).
3 Adressaten und Grundlagen von Göpferichs Modell
Göpferich richtet sich mit ihrem didaktischen Schreibprozessmodell an Lehrende, d.h. beispielsweise auch an Lehrende an Schulen im muttersprachlichen Unterricht (vgl. Göpferich 2002: 232). Auch im Textproduktionsbereich tätige Dozenten und Textproduktionsexperten, wie z. B. Übersetzer und Technische Redakteure, sind von Göpferich intendierte Adressaten (vgl. Göpferich 2002: 14). Laut Göpferich (2002: 232) „kann ein Schreibprozessmodell mit seinen didaktischen Implikationen […] eine Orientierungshilfe bei der Formulierung von Aufgabenstellungen bieten, die zu einer möglichst effizienten und kontrollierten Steigerung der Textproduktionsleistungen führen“.
Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Göpferich basiert auf den Schreibprozessmodellen von Hayes/Flower aus dem Jahr 1980 sowie der Weiterentwicklung dieses Modells durch Hayes aus dem Jahr 1996. Göpferich evaluiert zunächst das Schreibprozessmodell von Hayes (1996), um daraus Schlussfolgerungen für ihr eigenes Modell ziehen zu können (vgl. Göpferich 2002: 232 f).
Problematisch bei den eben genannten Schreibprozessmodellen ist, dass sie lediglich auf Daten aus Protokollen des lauten Denkens beruhen. Beim lauten Denken äußern „die Versuchspersonen alles, was ihnen bei der Ausführung einer konkreten Aufgabe durch den Kopf geht (Gegenstand, Abstraktheitsgrad), periaktional (Verbalisierungszeitpunkt), spontan und unselektiert“ (Göpferich 2008: 22). Anhand dieser Protokolle lassen sich dementsprechend nur kognitive Prozesse
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analysieren, die beim jeweiligen Textproduzenten bewusst ablaufen. Folglich können auf diese Weise keine Aussagen über den unbewussten Prozess der Versprachlichung gemacht werden (vgl. Göpferich 2002: 233). Im Gegensatz zu Hayes und Flower möchte Göpferich die unbewussten Prozesse in ihr Modell einbeziehen. Daher präzisiert sie das Modell von Hayes/Flower mit Hilfe des „phrasenorientierten Produktionssystems“ (POPS) von Udo Günther (1993), der sich mit der Frage beschäftigt hat, „welche Prozesse während der schriftlichen Textproduktion an der Schnittstelle zwischen der Satzplanung und der Satzrealisierung auftreten“ (Günther 1993: 82). Hierzu führte er Pausenanalysen durch, die - anders als das laute Denken - nicht in den Textproduktionsprozess eingreifen und folglich keinen Einfluss auf ihn haben. Die Pausen zwischen der bei Günthers Untersuchung durch Tippen vorgenommenen Produktion von einzelnen Wörtern spiegeln zentrale Schreibprozesse wider (vgl. Günther 1993: 95).
4 Evaluierung des Schreibprozessmodells von Hayes
und Göpferichs Didaktik-orientiertes Schreibprozessmodell
Wie bereits unter Punkt 3 ausgeführt, ist das Modell
von Hayes (1996) eine Weiterentwicklung des Modells von Hayes/Flower (1980). Abbildung 1 zeigt dieses Vorläufermodell in einer Version, die von Hayes bezüglich der Terminologie und der graphischen Darstellung optimiert wurde. Dieses Modell war das erste Schreibprozessmodell, das im Rahmen der Textproduktionsforschung entwickelt wurde und mit dessen Hilfe der Schreibprozess erstmals systematisch beschrieben und in seine Teile zerlegt werden konnte (vgl. Becker-Mrotzek 2007: 42). Das Modell, das den Schreibprozess kompetenter Textproduzenten beschreibt, wurde von Hayes und Flower explizit als provisorischer Ausgangspunkt für die zukünftige Forschung
betrachtet. Sie sahen die Entwicklung von präziseren Modellen vor. Hayes
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Arbeit zitieren:
Corinna Standke, 2010, Das Textproduktionsmodell Göpferichs und seine Anwendbarkeit auf die technische Redaktion, München, GRIN Verlag GmbH
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