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1. Einleitendes 1
2. Theorie: Übersetzungskritik in der Übersetzungswissenschaft 3
2.1 Definition und Gegenstand: Adäquatheit vs. Äquivalenz 3
2.2 Übersetzungsmethoden und Übersetzungsverfahren 6
2.2.1 Einbürgernde vs. verfremdende Übersetzungsmethode 6
2.2.2 Übersetzungsverfahren und deren Klassifikation 7
3. Fallbeispiel: "La Casa de Bernarda Alba" (3. Akt/ 1. Teil): 9
Die Becksche Übersetzung im Fokus der Übersetzungskritik
4. Erkenntnis: Grenzen und Möglichkeiten der Übersetzungskritik 12
5. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitendes
Übersetzungskritik ist so alt wie das Übersetzen selbst. Besteht die Aufgabe der übersetzerischen Tätigkeit darin, weniger dem Leser das Original zu ersetzen, als vielmehr ihm eine bestimmte Rezeption zu vermitteln, können wir für die Übersetzungskritik jenes Ziel festhalten: sie solle dem Leser erläutern, in welchem Verhältnis das Original und Übersetzung stehen 1 , notwendigerweise unter der Berücksichtigung ihrer Entstehungszeit sowie - bedingungen. 2
Die folgende Abhandlung soll weniger einer Hommage an den großartigen Dichter und Autoren García Lorca gleichen. Vielmehr wird sein „kongenialer Nachdichter“ 3 und „Henker“ (Ernst Rudin) in den Fokus gerückt: der Fall Heinrich Enrique Beck stellt wohl eine Einzigartigkeit für die Literaturwelt dar und stellt sich der vorliegenden Arbeit als Titelgeber vor.
Bereits obiges Urteilsspektrum lässt die Flut an kritischen Diskussionen erahnen, meist mehr oder minder durch wissenschaftliche Arbeiten und Argumenten. Lang herrschten in der Übersetzungskritik solch stereotype Beurteilungen wie gut oder schlecht, sowie sorgfältig oder liederlich oder auch zuverlässig oder ungenau vor. Erst allmählich entwickelte und etablierte sich eine wissenschaftlich fundierte Übersetzungskritik, die sich der Verschiedenheit der einzelnen Sprachstrukturen bewusst wird. 4 Für einen wissenschaftlichen Diskurs legt sie wesentliche (Mindest-)Anforderungen zugrunde. Zum einen soll zunächst der Ausgangstext im Zusammenhang der Literatur seiner Entstehungssprache charakterisiert werden. Gleichermaßen soll der übersetzte Text in die Literatur der Zielsprache eingebettet und vergleichend analysiert werden. 5
Theoretische Grundlagen sollen im Anschluss geschaffen werden. Zentral für das Ziel dieser Abhandlung, Grenzen und Möglichkeiten einer argumentierenden Übersetzungskritik aufzuzeigen, wird die wissenschaftliche Diskussion um Äquivalenz sein. Bereits eine Definition zeigt sich problematisch; zwar bezeichnet der Begriff unbestritten eine „Relation zwischen Ausgangs- und Zieltext“, konkretere Ausgestaltungen bleiben allerdings diffus. Inhalt und deren Verwendung werden ungenügend präzisiert und eingegrenzt. 6 Die Charakterisierung der verschiedenen Typen von Äquivalenz soll weniger einer allzu ins Detail führenden Illustration dienen, als vielmehr dem grundlegenden Verständnis und dem Gespür für den Gegenstand der Übersetzungskritik. Äquivalenz als Kriterium einer Übersetzungskritik muss dabei als flexibel beurteilt werden, demnach zwingend unter Berücksichtigung von Entstehungszeit und deren Bedingungen 7 . Es soll darüber hinaus versucht werden, einige Gedanken zu Apels These, das grundsätzliche Qualitätskriterium einer Übersetzung scheint in ihrer eigentlichen Unsichtbarkeit zu gründen 8 , abzubilden und
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zu diskutieren. Wir werden auf einige wesentliche Bemerkungen zu Problematik und allgemeinen Schwierigkeiten der übersetzungskritischen Tätigkeit hinweisen.
Im Weiteren wird kurz die Herausbildung einer bis heute vorzufindenden Dichotomie zweier Übersetzungsstrategien vorgestellt: die inzwischen weit verbreiteten bildhaften Ausdrücke Einbürgerung und Verfremdung sollen hierbei allerdings nicht als jeweilige Synonyme für frei beziehungsweise wörtlich missverstanden werden. Letztere haben lediglich für sprachliche Besonderheiten, wie etwa in der spezifischen Problematik von Falschen Freunden Geltungsbereich. Literaturhistorisch herrschte zunächst Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Epoche der belles infidèles (die „schöne Ungetreue“) aus dem Französischen das einbürgernde Übersetzen vor, nicht zuletzt um dem eigenen (nationalen) Wertemaßstab Nachdruck zu verleihen. Erst nach der Romantik erkannte man in den verschiedenen Sprachen und Völkern individuelle Kulturen. Mithilfe einer verfremdenden Übersetzungsmethode konnte nun dem Leser über Fremdartigkeit und Sprachbarrieren hinweg geholfen werden. Wie Albrecht hervorhebt, erfolgte dieses Hervorgehen zweier Übersetzungsstrategien keinesfalls extern und zielgerichtet, vielmehr als Konsequenz aus der praktischen Entwicklung, einem „dialektischen Dreischritt“: anfänglicher Wort- für- WortÜbersetzungen folgte mit wachsendem kulturellem Selbstbewusstsein „unbekümmertes Einbürgern“, bis sich schließlich mittels besserem Wissen auf die Eigentümlichkeit des Originals besonnen wurde. 9
Nach dem praktischen Teil, in dem wir für einen Auszug aus Lorcas La Casa de Bernarda Alba mithilfe Ernst Rudins einige Becksche Übersetzungsvorschläge beispielhaft herausarbeiten und unter semantischen, lexikalischen und syntaktischen Gesichtspunkten kategorisieren und analysieren wollen, gelangen wir an die eigentliche Intention dieser Arbeit. Rudin unternimmt einen der wenigen als objektiv einzuschätzenden Versuche, Enrique
Becks Eigenheit der Lorca- Übersetzungen weniger an den Pranger zu stellen, vielmehr sie durch wissenschaftlich- sachlicher Begründung einer argumentierenden Übersetzungskritik zu unterziehen, indem er Becks Vorschläge mit denen modernerer Versionen abwägt. Fern von persönlichen Befindlichkeiten und Voreingenommenheit wählt er als möglichst intersubjektiv nachvollziehbares Kriterium das der Äquivalenz. Durch Addieren solcher Fehlerstellen in den jeweiligen Übersetzungen ergibt sich für Rudin eine Tendenz, dass neuartigere Veröffentlichungen als die äquivalenteren gelten dürfen. Die Problematik jener Übersetzungskritik scheint offensichtlich: die fehlende qualitative Berücksichtigung mangelnder Äquivalenz führt zu einem rein quantitativen Ergebnis. Die gewonnenen allgemein- theoretischen Grundlagen sollen über
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unser konkretes Fallbeispiel auf wesentliche Erkenntnisse der Übersetzungskritik angewendet werden.
2. Theorie: Übersetzungskritik in der Übersetzungswissenschaft
2.1 Definition und Gegenstand: Adäquatheit vs. Äquivalenz
Um dem Ziel einer wissenschaftlichen Diskussion einer Übersetzungskritik gerecht zu werden, scheint es unumgänglich, intersubjektiv nachvollziehbare Faktoren heraus zustellen. Die Adäquatheit und die Äquivalenz sollen im Folgenden als Schlüsselbegriffe der Übersetzungskritik definiert und dabei voneinander abgegrenzt werden. Wie Snell- Hornby feststellt, werden diese in der Literatur oftmals fälschlicherweise gar als Synonyme verwandt. 10
Adäquatheit bezeichnet ganz allgemein laut lexikalischen Eintrag eine gewisse Angemessenheit. Hierzu ergibt sich beinahe selbstverständlich, dass sie keine absolute Größe ist, sondern immer im Zusammenhang als Relation zwischen Mittel und Zweck betrachtet werde muss. Auf den Übersetzungsprozess übertragen gelangen wir zu dem Schluss, dass jegliche übersetzungsrelevanten Entscheidungen jenem Zweck der eigentlichen Übersetzung dienen, ihm angemessen sein müssen.
Äquivalenz wiederum lässt sich mit Gleichwertigkeit übersetzen. Sie ist weniger eine handlungsorientierte als vielmehr eine relative Größe zwischen Ausgangs- und Zielprodukt allgemein. Für die Übersetzungswissenschaft bedeutet dies die Gegenüberstellung des Produkts des Ausgangstextes mit dem des Zieltextes.
Der Grad an Adäquatheit beziehungsweise Angemessenheit richtet sich demnach nach seinem Zweck, und dieser kann durchaus unterschiedlich ausfallen. Darüber hinaus muss der verfolgte Zweck des Ausgangstextes nicht mit dem der zielorientierten Übersetzung übereinstimmen. Die Notwendigkeit, Adäquatheit und Äquivalenz scharf voneinander zu trennen, beschreibt Snell-Hornby anhand verschiedener Übersetzungstypen, die zum Verständnis der beiden Begriffe beitragen sollen.
In Wort- für- Wort- Übersetzungen wird für jedes Wort ein angemessenes in der Zielsprache gewählt. Es ergibt sich durch jene adäquate Wortwahl konsequenterweise zwar Wort- Äquivalenz (also die Gleichwertigkeit der einzelnen Worte), jedoch keine Text- Äquivalenz (Gleichwertigkeit unter Berücksichtigung des gesamten Kontextes) für die Gesamtheit des vorliegenden Textes. Worte und Teilstücke des Satzes können nicht isoliert betrachtet werden, auch wenn sie per se
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jeweils adäquat übersetzt wurden. In ähnlicher Weise verhält es sich für dokumentarische Übersetzungen. Der Übersetzer wählt auch hier angemessene Worte und ebenso Stilebene, indem er sich nach dem Ausgangstext richtet. Denn wie bereits Friedrich Schleiermacher argumentiert, ist es Aufgabe des Übersetzers, den Leser dem Schriftsteller “[ihm] entgegen zu bewegen”. Auch hier ist Ausgangstextadäquatheit gegeben, die Sprache des Autoren wird angemessen wiedergegeben. Allerdings bedeutet das noch keine Textäquivalenz, da der Leser nun den vorliegenden, in seine Zielsprache übersetzten Text nicht in ähnlicher- natürlicher- Weise aufnehmen wird wie es der (Ausgangs-)Leser mit dem Ausgangstext konnte. Oder anders formuliert: die Relation von Ausgangs- und Zieltext hat sich verschoben. Die Vermutung liegt nahe, dass der Ausgangstext während des Übersetzungsprozesses bewusst bearbeitet wird, sofern der Zieltext einem anderen Zweck dienen soll.
Eine Ausnahme zum bisher Gesagten bildet der kommunikative Übersetzungstyp. Durch angemessene Wortwahl und Satzbau dient Adäquatheit hierzu, Äquivalenz auf Textebene (TextÄquivalenz) herzustellen. Adäquatheit betrifft hier nicht nur isolierte Worte und Stilmittel, sondern sie berücksichtigt darüber hinaus beinahe schon selbsterklärend den sprachlichen Kontext, daneben die soziokulturelle (historische) Einbettung sowie die Funktion des Gesamttextes für das Kommunikationsgeschehen. 11
Über die Herkunft des Begriffs der Äquivalenz in der Literaturwissenschaft herrscht Uneinigkeit. Die mathematische Definition der “Möglichkeit der umkehrbar eindeutigen Zuordnung von Elementen (zweier) Mengen” 12 stößt für die “Humantranslation” an ihre Grenzen: der Maßstab einer eindeutigen 1:1- Entscheidung scheint unmöglich, bedenkt man die Dynamik und Variabilität der Sprachen und ihre Gewohnheiten. Schon eher trifft das Äquivalenzverständnis der Elektrotechnik hinsichtlich folgender Formulierung zu: “trotz verschiedenen Aufbaus [wird] gleiches Verhalten [beobachtet]”. 13 Der verschiedene Aufbau gleicht den individuellen Texttypen und Textsorten, die wiederum aufgrund unterschiedlicher Sprachstrukturen sowie kultureller Differenzen hervorgerufen werden und zu unterschiedlichen Übersetzungslösungen führen können. Auch daraus können wir an dieser Stelle ableiten, dass Äquivalenz immer auch Alternativen birgt, sodass mehrere Übersetzungsvarianten gleichwertig sein können. Der Verweis soll hier genügen; auf die Diskussion wird im weiteren Verlauf der Abhandlung noch eingegangen werden.
Generell scheint die Dynamik des Begriffes der Äquivalenz in ihrem eigenen Wesen zu gründen. Zeitgeschmack und der damit verbundene Sprachgebrauch ändern sich im Laufe Jahrhunderte wie Jahrzehnten- das Kriterium der Äquivalenz damit ebenso. Die Ausgangssprache des Originals ist einmalig, die Ansichten über die Übersetzung variieren. Übersetzer werden stetig neue
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Arbeit zitieren:
Robin Otto, 2009, Grenzen und Möglichkeiten der Übersetzungskritik: Der Fall Enrique Beck, München, GRIN Verlag GmbH
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