Gliederung:
Seite
1. Einleitung 2
1.1. Kurz Biografie der Mathilde von Tuszien 2
1.2. Zur Literatur- und Quellenlage bezüglich der Markgräfin 3
2. Die Protektionspolitik und Einflussnahme der Markgräfin
Mathilde von Tuszien im Investiturstreit
2.1. Mathilde als Mittlerin zwischen Regnum und Sacerdotium 4
2.2. Parteinahme zu Gunsten von Papst Gregor VII.
und der zähe Kampf gegen Heinrich IV. 6
2.3. Mathilde und Heinrich V. 9
3. Resümee 10
3.1. Mathilde, die „Braut Gottes“ 10
Literatur - und Quellenverzeichnis 12
1
1. Einleitung
1.1. Kurzbiografie der Mathilde von Tuszien
Mathilde von Tuszien wird im April des Jahres 1046 als Tochter des mächtigen Markgrafen Bonifaz III. von Canossa und seiner Gemahlin Beatrix von Lothringen geboren. Als Geburtsort ist Mantua, die damalige Hauptresidenz des Adelsgeschlechts Canossa anzunehmen. Über die Kindertage der jungen Mathilde ist nichts bekannt. Es muss jedoch erwähnt werden, dass ihre Geschwister Friedrich und Beatrix 1 schon sehr jung verstorben sind. Ihr Vater wird am 6.Mai des Jahres 1052 auf der Jagd ermordet. Diese dramatischen Todesfälle dürften die Umgebung und die Gefühlswelt Mathildes in jenen ersten Jahren ihres Lebens bestimmt haben.
1054 heiratet Mathildes Mutter ihren Cousin Gottfried den Bärtigen. 1055 werden Beatrix und Mathilde von Kaiser Heinrich III. in Florenz gefangen genommen und nach Deutschland gebracht. Dem Kaiser missfallen das Unabhängigkeitsbestreben und der Machtanspruch des Canossa-Geschlechts. 1056 dürfen beide wieder nach Italien zurückkehren. Man wählt Gottfried den Buckligen, den Sohn von Gottfried dem Bärtigen als ihren Ehemann aus. Die Ehe sollte jedoch nicht lang andauern, Gottfried verstarb am 1076 an den Folgen eines Attentats.
1069 stirbt ihr Stiefvater. Somit sind Beatrix und Mathilde fortan in der Regierungs-verantwortung. In den folgenden Jahren baut Mathilde ein vertrauensvolles Verhältnis zu Papst Gregor VII. auf. Als es zum offenen Konflikt zwischen Papst und Kaiser kommt, greift Mathilde als Vermittlerin ein (1077). 1079 vermacht die Markgräfin ihr gesamtes Vermögen inklusive ihrer Ländereien dem Heiligen Stuhl. Der Papst gibt ihr im Gegenzug ihre Lehen auf Lebenszeit zurück. Als der Investiturstreit 1080 wieder in Fahrt kommt 2 , bezieht Mathilde klar Stellung auf der Seite des Papstes. Sie widersetzt sich den königstreuen Lombarden.
Als Heinrich IV. im Frühjahr 1081 über die Alpen zieht, ist ihr Widerstand jedoch gebrochen. Der König belegt sie mit dem Bann und bemüht sich ihre Ländereien einzuziehen. Es folgt ein langer und zäher Kampf um die Herrschaft in Norditalien. 1092 sieht sich Mathilde am Rande einer Niederlage und nimmt Verhandlungen mit Heinrich IV. auf. Doch das Kriegsglück wendet sich und Heinrichs Truppen ziehen ab. Mathildes zweiter Ehemann, Welf V. Herzog
1 Donizone, Vita Mathildis, I, Vv. 833-834
2 Gregor VII. bannt Heinrich IV. erneut. Auf der Synode von Brixen wird Gregor VII. für abgesetzt erklärt und man wählt Wibert von Ravenna zum Gegenpapst.
2
von Bayern, den sie 1089 geheiratet hatte, verlässt sie 1097, da sie sich standhaft weigert, ihn als Erben einzusetzen.
1110 zieht Heinrich V., der Sohn Heinrich IV., nach Rom, um sich zum Kaiser krönen zu lassen. Mathilde empfängt ihn mit offenen Armen. Als Zeichen ihrer Treue und Untergebenheit setzt sie ihn als Erben ihrer Güter ein. Bald darauf widerruft sie ihren Beschluss. Ihre letzten Lebenstage verbringt die Markgräfin von Gicht und Fieber gequält in dem kleinen Dorf Bondanazzo bei Mantua. Sie stirbt am 24.Juli 1115 und wurde im Kloster San Benedetto Po begraben. Ihre Gottesergebenheit und Treue zum Papst erhielt ihren Namen sehr lang am Leben. Um 1610 überführte man ihren Leichnam nach Lucca und 1644 fand ihre sterbliche Hülle in einer Seitenkapelle des Petersdoms eine endgültige letzte Ruhestätte.
1.2. Zur Literatur- und Quellenlage bezüglich der Markgräfin
Die meisten Geschichtsschreiber des Hochmittelalters erwähnen die Markgräfin Mathilde von Tuszien nur ihrer Beteiligung an wichtigen politischen Ereignissen wie etwa dem Gang nach Canossa oder Ihre Schenkungen an die Cathedra Petri wegen. Die ausführlichste uns erhaltene Quelle ist die „Vita Mathildis“ des Mönchs Donizone. Er beschreibt ausführlich das Leben der Mathilde und ihrer ruhmreichen Ahnen. Auch erlaubt er uns zu weilen einen Blick in das alltägliche Leben und die Gefühlswelt der Gräfin. Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, wie nahe Donizone seiner Herrin stand. Die Mönche seines Klosters lebten von den Spenden der Markgräfin und waren ihrem Gutdünken ausgesetzt. Deshalb verwundert es nicht, dass Donizone zu Übertreibungen neigt und die Markgräfin stellenweise glorifiziert.
Die Literatur zur Markgräfin Mathilde verzeichnet in den letzten Jahren zahlreiche Zuwächse, meist aus dem italienisch-sprachigen Raum. In dieser Arbeit sollen hauptsächlich die Monographien von Vito Fumagalli 3 und Paolo Golinello 4 Platz finden. Die meisten weiteren Schriften befassen sich mit der Geschichte der Mathildeschen Güter und sind deshalb für diese Arbeit nicht zu verwenden.
3 Vito Fumagalli, Mathilde von Canossa, Bologna 1996
4 Paolo Golinello, Mathilde und der Gang nach Canossa, Düsseldorf 1998
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Arbeit zitieren:
Matthias Felsch, 2005, Die „Braut Gottes“, München, GRIN Verlag GmbH
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