Inhalt
Vorwort: Gletscher bis Dresden und Fürstenfeldbruck / Seite 7
Deutschland im Eiszeitalter / Seite 9
Die Prätegelen-Kaltzeit und die Biber-Eiszeiten / Seite 14
Die Tegelen-Warmzeit / Seite 17
Die Eburon-Kaltzeit und die Donau-Kaltzeiten / Seite 19
Die Waal-Warmzeit / Seite 21
Das Bavelium / Seite 22
Die Menap-Kaltzeit und die Günz-Eiszeit / Seite 28
Der Cromer-Komplex / Seite 29
Die Elster- und die Mindel-Eiszeit / Seite 46
Die Holstein-Warmzeit / Seite 50
Die Saale- und die Riss-Eiszeit / Seite 56
Die Eem-Warmzeit / Seite 60
Die Weichsel- und die Würm-Eiszeit / Seite 66
Der Autor / Seite 89
Literatur / Seite 91
Bildquellen / Seite 92
B ücher von Ernst Probst / Seite 95
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Vorwort
Gletscher bis Dresden
und Fürstenfeldbruck
Das Taschenbuch „Deutschland im Eiszeitalter“ des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst schildert den wechselvollen Verlauf der von starken Klimaschwankungen geprägten Epoche der Erdgeschichte vor etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahren. In diesem Zeitabschnitt, der Eiszeitalter oder Pleistozän genannt wird, gab es Warmzeiten, in denen zwischen Nordseeküste und Alpenrand ähnliche Verhältnisse wie heute in Afrika herrschten. Andererseits rückten in Eiszeiten die Gletscher aus dem Norden bis in die Gegend von Dresden, Erfurt und Recklinghausen sowie aus dem Süden bis Biberach an der Riss, Fürstenfeldbruck und Burghausen an der Salzach vor und begruben die Landschaft unter einem dicken Eispanzer. Während der Warmphasen schwammen Flusspferde im Rhein und in anderen Flüssen. Dagegen lebten in Kaltphasen zottelige Mammute, Fellnashörner und Moschusochsen auf dem Festland. Im Eiszeitalter existierten zu unterschiedlichen Zeiten die „Heidelberg-Menschen“, Neandertaler und ersten anatomisch modernen Menschen. Aus der Feder von Ernst Probst stammen auch die Taschenbücher „Rekorde der Urzeit“, „Rekorde der Urmenschen“, „Der Ur-Rhein“, „Höhlenlöwen“, „Der Mosbacher Löwe“, Säbelzahnkatzen“ und „Der Höhlenbär“.
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Deutschland im Eiszeitalter
Das Quartär vor etwa 2,6 Millionen Jahren bis heute ist eine der kürzesten und zugleich die jüngste Periode der Erdgeschichte, die bereits vor etwa 4,6 Milliarden Jahren begonnen hatte. Seine erste und längere Epoche ist das Pleistozän (etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahre), das auch Eiszeitalter genannt wird. Die zweite und kürzere Epoche heißt Holozän, Heutzeit oder Jetztzeit. Sie begann vor etwa 11.700 Jahren und währt heute noch an. Bei der Erforschung des Quartär leisteten deutsche Wissenschaftler entscheidende Beiträge. Der badische Naturforscher Karl Friedrich Schimper (1803-1867) prägte 1837 den Begriff „quartäre Eiszeit“. Er ging damals noch von einer einzigen Eiszeit im gesamten Quartär aus. Der Berliner Geograph Albrecht Penck (1858-1945) und dessen Schüler Eduard Brückner (1862-1927) führten 1909 für das Gebiet der Alpen die heute noch in Süd-deutschland gültige Gliederung in vier Eiszeiten und drei dazwischenliegende Warmzeiten ein. Die Eiszeiten (Glaziale) wurden nach den kleinen Alpenflüssen Günz, Mindel, Riss und Würm benannt, in deren Umgebung Gletscherablagerungen nachgewiesen werden konnten. Die Warmzeiten (Interglaziale) erhielten die Namen Günz-Mindel-Interglazial, Mindel-Riss-Interglazial und Riss-Würm-Interglazial. Der Berliner Geologe Konrad Keilhack (1858-1944) schlug 1909 vor, für die in Norddeutschland nachgewiesenen Vereisungen die Namen Elster-Eiszeit, Saale-Eiszeit und Weichsel-Eiszeit zu verwenden, um sie nach süddeutschem Vorbild ebenfalls nach Flüssen zu bezeichnen. Die zwischen den norddeutschen Eiszeiten liegenden Warmzeiten wurden zunächst Elster-Saale-Interglazial und Saale-Weichsel-Interglazial genannt. Heute bezeichnet man diese Interglaziale in Deutschland als Holstein-Warmzeit und Eem-Warmzeit.
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Die süddeutsche Gliederung wurde später um die ältere Eiszeitgruppe Biber-Donau-Komplex ergänzt. Der norddeutschen Gliederung fügte man den Cromer-, Bavel-, Waal-, Eburon-, Tegelen- und den Prätegelen-Komplex hinzu. Von einer Eiszeit spricht man dann, wenn eine Abkühlung des Klimas mit Gletschervorstößen verbunden ist, während einer Kaltzeit sind solche Gletscherstöße nicht erkennbar. Ein mehrfacher Wechsel von Kalt- und Warmzeiten innerhalb von Großzyklen werden als Komplexe bezeichnet.
Die gegenwärtig in Deutschland gebräuchlichen Gliederungen des Quartär entsprechen indes nicht mehr dem neuesten Forschungsstand. Da die Experten mit einem Kalt-Warm-Zyklus von etwa 100.000 Jahren rechnen, wovon jeweils rund 80.000 Jahre kalt- und etwa 20.000 Jahre warmzeitlich sind, müsste es im Quartär mehr als 20 solcher Zyklen gegeben haben. Die Gliederungen weisen aber weniger Zyklen aus. Nachfolgendeteilweise überarbeitete - Gliederung des Eiszeitalters stammt aus dem Buch „Deutschland in der Urzeit“ (1986) von Ernst Probst. Es sei nicht verschwiegen, dass in der Fachliteratur zahlreiche sehr unterschiedliche Gliederungen des Eiszeitalters kursieren, was einen Laien sicherlich eher verwirrt als informiert.
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Die Prätegelen-Kaltzeit
und die Biber-Eiszeiten
Zu Beginn des Eiszeitalters lag der größte Teil Deutschlands trocken. Sogar das Ostseebecken war Festland. Die Nordsee hatte sich weit von der Küste zurückgezogen. Der älteste Abschnitt des Eiszeitalters ist die Prätegelen-Kaltzeit (etwa 2,6 bis 1,96 Millionen Jahre), aus der bisher in Norddeutschland keine Gletschervorstöße des nordischen Inlandseises bekannt sind. Von einer Kaltzeit spricht man immer dann, wenn keine Gletschervorstöße erfolgten.
Die Klimaverschlechterung in diesem Abschnitt wurde 1950 von den niederländischen Wissenschaftlern Isaac Martinus van der Vlerk (1892-1974) vom ehemaligen Geologischen Institut der Rijksuniversiteit Leiden und Frans Florschütz (1887-1965) vom Botanischen Institut der Rijksunversiteit Utrecht in den Niederlanden nachgewiesen.
In die Prätegelen-Kaltzeit fiel teilweise die so genannte Gauss-Epoche (etwa 3,3 bis 2,4 Millionen Jahre), in der die Gesteine normal magnetisiert waren. Das heißt: Die Gesteine aus dieser Epoche beeinflussen die Richtung einer Kompassnadel nicht. Die Gauss-Epoche ist nach dem deutschen Mathematiker, Astronom und Physiker Carl Friedrich Gauss (1777-1855) benannt.
Auf die Gauss-Epoche folgte die Matuyama-Epoche (etwa 2,4 Millionen bis 700.000 Jahre), in der die Gesteine umgekehrt magnetisiert waren. Das heißt: Die Kompassnadel dreht sich nun um 180 Grad. Die Ursache für eine solche Umpolung des Erdmagnetfeldes, die in regelmäßigen Abständen erfolgt, ist noch unklar. Die Matuyma-Epoche ist nach dem japanischen Geophysiker Monotori Matuyama (1884-1958) bezeichnet, der
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Mathematiker , Astronom und Physiker
Carl Friedrich Gauss (1777-1855)
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1929 nachwies, dass sich die Magnetisierung altquartärer Laven von der in jüngeren Laven in Japan und der Mandschurei unterscheidet.
Etwa zur selben Zeit wie die Prätegelen-Kaltzeit in den Niederlanden und in Norddeutschland herrschten in Süd-deutschland die Biber-Eiszeiten, aus denen Zeugnisse von Gletschervorstößen vorliegen. Von einer Eiszeit spricht man dann, wenn eine Abkühlung des Klimas mit Gletschervorstößen verbunden ist.
Die Biber-Eiszeiten wurden 1956 von Ingo Schaefer vom Geographischen Institut der Universität Regensburg beschrieben. Er erkannte Schotterablagerungen im Raum Augsburg als Relikte einer frühen Eiszeitengruppe, die er nach dem kleinen Bach Biber, einem Zufluss des Flüsschens Schmutter nordwestlich von Augsburg, benannte. Die Biber-Eiszeiten umfassen vermutlich zwei kalte Abschnitte.
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Die Tegelen-Warmzeit
In der Tegelen-Warmzeit (etwa 1,96 bis 1,78 Millionen Jahre) ließ eine Klimaverbesserung wieder die Wälder wachsen. Tegelen ist ein Ort in den Südniederlanden, von dem zahlreiche Überreste wärmeliebender Pflanzen und Tiere bekannt sind. Der Begriff Tegelen-Warmzeit wurde 1905 von dem niederländischen Paläontologen Eugène Dubois (1858-1940) eingeführt. Während der Tegelen-Warmzeit währte die Matuyama-Epoche (2,4 Millionen bis 700.000 Jahre) fort, in der die Gesteine umgekehrt magnetisiert waren.
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Die Eburon-Kaltzeit
und die Donau-Eiszeiten
Die Eburon-Kaltzeit (etwa 1,78 bis 1,30 Millionen Jahre) wurde 1957 von dem niederländischen Geologen Waldo H. Zagwijn vom Rijksgeologischen Dienst in Haarlem aufgrund des Rückganges wärmeliebender Pflanzen nachgewiesen, der in Pollenprofilen dokumentiert ist. In Norddeutschland gab es im Eburon keine Gletschervorstöße.
Ähnlich alt wie die Eburon-Kaltzeit in den Niederlanden und in Norddeutschland dürften die süddeutschen Donau-Eiszeiten sein, die vermutlich drei kalte Abschnitte umfassen. Zeugnisse dieser Alpenvorland-Vergletscherung wurden 1930 von dem katholischen Geistlichen Bartholomäus Eberl (1883-1960) aus Obergünzburg im Bereich von Memmingen entdeckt. Eberl wählte den Begriff „Donau“ in Anlehnung an das System von Albrecht Penck, der die süddeutschen Eiszeiten nach Flüssen im Alpenvorland benannte.
In den Donau-Eiszeiten stieß der westliche Teil des Lechgletschers bis Kaufbeuren vor. An diesen Vorstoß erinnern heute Gletscherablagerungen (Moränen) bei Bickenried.
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2010, Deutschland im Eiszeitalter, München, GRIN Verlag GmbH
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