HS : Politische Geographie und Geopolitik WS 2003/ 2004
Armutsbek ämpfung im Rahmen der Entwicklungshilfe Fallbeispiel Äthiopien
GLIEDERUNG :
I. Einleitung 1-2
II. Armut
II.1. Definitionen und Bemessungstechniken bezüglich Armut 2
II.1.1. Definition Armut S. 2- 4
II.1.2. Indices zur Armutsbemessung S. 4- 5
II.2. Armut als Mangel an Kapital S. 5- 9
II.3. Verwundbarkeit 9
II.3.1. Definition Verwundbarkeit S. 9- 10
III. Entwicklungshilfe 10
III.1. Definitionen und Begriffsbestimmung 10
III.1.1. Definition Entwicklung S. 10- 11
III.1.2. Arbeitsdefinition Entwicklungshilfe ( Ziele) S. 11- 12
III.1.3. Definition Entwicklungshilfe 12
III.1.4. Definition partizipative Entwicklung’ 12
III.1.5. Definition Hilfe zur Selbsthilfe 12
III.1.6. Das Konzept der Grundbedürfnisbefriedigung 13
III.1.7. Entwicklungshilfe als Nahrungsmittelhilfe 13
III.1.8. Regionalentwicklung von unten’ 14
III.1.9. Definition Least Developed Countries (LLD)C S. 14- 15
III.2. Ehrgeizige Entwicklungsziele auf dem Weg ins neue Jahrtausend 15
III.2.1. Die Millennium Declaration’ der UNO 15
III.2.2. Die Millenniumsziele der Vereinten Nationen S. 16- 17
III.3. Das Aktionsprogramm 2015 der deutschen Bundesregierung S. 17- 22
III.4. Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) S. 22- 23
III.5. Entwicklungszusammenarbeit, die U-N Konferenz über Entwicklungs-
finanzierung und der Konsens von Monterrey S. 23- 25
III.5.1. Die U-N Konferenz von Monterrey S. 25- 26
IV. Äthiopien
IV. 1. Allgemeine Daten zu Äthiopien S. 26- 30
IV.2. Geomorphologie Äthiopiens S. 30- 31
IV.3. Klimageographie Äthiopiens S. 31- 32
IV.4. Landesspezifische Hintergründe zum Armutsproblem in Äthiopien 32
IV.4.1. Demographische, wirtschaftliche, politische und klimatische Faktoren S. 32- 34
IV.4.2. Verschuldung 34
IV.4.3. Ausländische Hilfe S. 34- 35
IV.5. Nicht- Regierungsorganisationen (NRO) 35
IV.5.1. Die Anfänge der NRO- Tätigkeiten in Äthiopien 35
IV.5.2. Die heutige Situation der NRO: Kategorisierung und Rollenverständnis S. 36- 37
IV.5.3. Kritische Einschätzung der entwicklungsorientierten Arbeit der NRO S. 37- 42
IV.6. Fallbeispiele
IV.6.1. Ländliches Entwicklungsprojekt Alitena, Provinz Tigre S. 42- 45
IV.6.2. Staatsfarm von Uke, Nekemte S. 45- 46
IV.6.3. World Vision 46
IV.6.3.1. Regionales Entwicklungsprojekt: Ephrata ADP S. 47- 50
IV.6.4. Die GTZ in Äthiopien S. 50- 53
IV.6.5. Konzeptionelle Fragen bei Entwicklungsprojekten in der Dritten Welt S. 53- 56
V. Schlussbemerkung S. 56- 63
VI. Bibliographie S. 63- 67
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I. EINLEITUNG
Zwei der bedeutendsten Schlagwörter der deutschen und internationalen politischen Agenda seit den 1960er Jahren sind sowohl Armutsbekämpfung, als auch Entwicklungshilfe. Mit den sogenannten ‚millennium goals’ der Vereinten Nationen, sowie der 1996 gestarteten Kölner ‚HIPC- Initiative’ zum Schuldenerlass der LLDC und u.a. dem Johannesburger Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung, rückten beide nach dem ‚verlorenen Jahrzehnt’ der 1980er Jahre wieder zunehmend ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit.
Führt man sich die globale Vermögensverteilung vor Augen, so fällt der eklatante Gegensatz zwischen Armen und Reichen dieser Welt, sowohl in relativen, als auch in absoluten Zahlen auf. Das reichste Fünftel der Weltbevölkerung besitzt 80% des Weltkapitals, wohingegen der Anteil der ärmsten 20% der Weltbevölkerung lediglich 1,4% des Weltbruttosozialprodukts ausmacht (Nuscheler 1998). Innerhalb der Entwicklungspolitik stellt Armutsbekämpfung eine überwölbende Aufgabe dar, zu welcher Maßnahmen aus allen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (soziale Gerechtigkeit,
ökologische Verträglichkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie Maßnahmen zur Förderung von ‚good governance’) berücksichtigt werden müssen. Diesbezüglich sollen die sechs vom Rio- Bericht von 1977 formulierten Leitprinzipien, entlang derer sich Entwicklung entfalten soll, als Orientierungspunkt dienen, die da lauten: Gleichheit, Freiheit, Demokratie und Partizipation, Solidarität, kulturelle Verschiedenheit und gesunde Umwelt. (Nuscheler 1993: 65) Auf ein zunehmendes Interesse innerhalb der Armuts- und Entwicklungsdebatte stieß auch die Diskussion um die sogenannten ‚vulnerable groups’, womit sozial marginalisierte Gruppen - vor allem
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Frauen (Stichwort „Feminisierung der Armut“ 1 ) und Kinder sowie ethnische, religiöse oder andere Minderheiten gemeint sind, welche besonders stark von Armut und Unterentwicklung 2 betroffen sind. Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich mich zunächst einem theoretischen Themenkomplex widmen, beginnend mit Definitionen und Erscheinungsformen der Armut (wobei ich diesbezüglich auf die Arbeit meiner Koreferentin Anna Matern verweisen möchte), gefolgt von den Definitionen und aktuellen Konzepten der Entwicklungshilfestrategien. Es folgen sodann die Millenniumsziele der Vereinten Nationen, das Aktionsprogramm 2015 der deutschen Bundesregierung und die UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung von Monterrey. Mein zweiter Hauptteil ist mit Äthiopien dem ärmsten Land der Welt gewidmet. Nach einigen landesbezogenen Zahlen und Daten skizziere ich kurz die geomorphologischen und klimageographischen Gegebenheiten
Äthiopiens, bevor ich dann auf die NRO- Tätigkeiten in Äthiopien und einige Fallbeispiele zu sprechen komme.
II. ARMUT
II.1. Definitionen und Bemessungstechniken bezüglich Armut
II.1.1.Definition Armut:
Die Menschenrechtskommission der UNO definiert Armut als „a human condition characterized by the sustained or chronic deprivation of the resources, capabilities, choices, security and power necessary for the
1 (Nuscheler 1995: 128)
2 Die einfachste und eingängigste Gleichung von Unterentwicklung lautet: Unterentwicklung = Hunger + Krankheit + Unwissen (Analphabetismus). (Nuscheler 1993: 31)
= Kernbestand der ‚absoluten Armut’
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enjoyment of an adequate standard of living and other fundamental civil, cultural, economic, political and social rights.” (UNHCR 2002) Diese facettenreiche Armutsdefinition der Vereinten Nationen basiert auf einem breit gefächerten Konzept der Armutsproblematik. Sie entspringt einem tiefgreifenden Verständnis mit materieller Armut einhergehenden Freiheitseinschränkungen und Rechtsverlusten sowie einem sozialen Abstieg bis hin zur gesellschaftlichen Marginalisierung. Neben den rein ökonomisch-finanziellen Aspekten wird auch die soziale, politische und kulturelle Komponente der Armut betont.
Zur einfacheren Klassifizierung rein materieller Armut hat die Weltbank zwei Definitionen, die der ‚extremen-’ und die der ‚relativen Armut’, eingeführt, welche hier kurz genannt werden sollen.
a) absolute Armut:
Der ehemalige Präsident der Weltbank, Robert McNamara, beschrieb absolute Armut in seiner Nairobi- Rede 1973, als „einen Zustand solch entwürdigender Lebensbedingungen wie Krankheit, Analphabetentum, Unterernährung und Verwahrlosung (…), dass die Opfer (…) nicht einmal die grundlegendsten menschlichen Existenzbedürfnisse befriedigen können.“ (McNamara; In: Nohlen 1993: 32) Nach den sogenannten ‚Food- Adequacy- Standards’ der Weltbank gelten die Personengruppen als absolut arm, welche mehr als 70% ihres Einkommens für die Ernährung aufwenden müssen (vgl.: Kaloriengrenze = 2250 kcal/ Pers./ Tag). (Krings 2002: 6) Je nach Länderindikator des betreffenden Landes unterscheidet die Weltbank zwischen einer ‚unteren’ und einer ‚oberen’; der „<1 US$/ Tag-“ und der „<2 US$/ Tag-“ Armutsgrenze, wobei Letztere vornehmlich bei Ländern mit mittlerem Einkommen angewandt wird.
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b) relative Armut:
Hauser und Neumann (1993) definieren relative Armut als ein „Mangel an Mitteln (…), die zur Sicherung des Lebensbedarfes auf dem jeweils historisch geltenden, sozialen und kulturellen, typischen Standard einer jeweiligen Gesellschaft beruht.“ (Hauser/ Neumann; In: Sautter 1993: 10) Relative Armutsbemessungen beziehen sich im Gegensatz zu den absoluten Armutsbemessungen nicht auf die Entwicklungs-, sondern auf die Industrieländer.
c) Armutsgrenze:
Die ‚International Development Agency’ definiert die Armutsgrenze folgendermaßen: „jährliches Pro- Kopf- Einkommen unter 150 US$; täglicher Kalorienverbrauch unter 2160 bis 2670 kcal (je nach Land); Lebenserwartung unter 55 Jahren; Kindersterblichkeit über 33 pro Tausend; Geburtenrate über 25 pro Tausend.“ (Nohlen 1998: 63)
II.1.2. Indices zur Armutsbemessung:
- Physical Quality of Life Index (University of Denver): gemessen werden Analphabetenrate, Säuglingssterblichkeit und Lebenserwartung.
- Human Poverty Index for Developing Countries (UNDP): gemessen werden Lebenserwartung, Analphabetentum und Unterernährung von Kleinkindern
- Human Development Index (UNDP):
Der HDI ist der derzeit wohl wichtigste Indikator zur statistischen Erfassung des Entwicklungsstandes einer Gesellschaft.
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Er setzt sich aus drei verschiedenen Faktoren zusammen. Als Indikator für die Lebensdauer dient die Lebenserwartung bei Geburt, für das Wissen zu zwei Dritteln die Alphabetisierungsrate und zu einem Drittel die Schulbesuchsquote. Zur Messung des Lebensstandards hat man die reale Kaufkraft (PPP) des Pro- Kopf-Einkommens (PKE), den Prozentsatz der Menschen, die keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung und sauberem Trinkwasser haben, sowie den Anteil der Unterernährten Kinder unter fünf Jahren berücksichtigt. Die Werte von 174 Staaten für diese drei Indikatoren werden auf einer Skala von 0 bis 1 projiziert, indem z. B. die niedrigste Alphabetisierungsrate 0 und die höchste 1 gesetzt wird. Der Mittelwert aus den drei auf diese Weise gefundenen Messzahlen ergibt den HDI. (Dittrich 2003)
- Gender- related Development Index (UNDP):
Um die unterschiedlichen Entwicklungschancen von Männern und Frauen besser messen und beurteilen zu können, führte das UNDP 1995 den sogenannten GDI ein, welchem genau die gleichen Berechnungen wie dem HDI zugrunde liegen, allerdings wird hier ausschließlich die Situation der Frauen berücksichtigt. Äthiopiens GDI- Wert liegt bei lediglich 0, 313 (2000), womit es den 142. Rang unter 168 bewerteten Staaten belegt (Stiftung Entwicklung und Frieden 2003: 332; nach UNDP 2002/ BMZ 2003).
II.2. Armut als Mangel an Kapital (Weltbank 2001)
Die Weltbank (2001) definiert Armut als einen Mangel an Kapital, wobei sich dieses in fünf verschiedene Kapitalarten aufgliedert.
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- Humankapital besteht aus dem Wissen, den Fähigkeiten, dem Arbeitsvermögen und der Gesundheit, die einen Menschen dazu befähigen, seinen Lebensstrategien nachzugehen. Auf der Haushaltsebene ist Humankapital ein Faktor des Ausmaßes und der Qualität der gesamten zur Verfügung stehenden Arbeitskraft. Humankapital bezieht seine existenzielle Bedeutung dadurch, dass es dazu befähigt, sich jegliche andere Kapitalart zu eigen zu machen. Es ist daher notwendig, aber nicht alleine ausreichend, um eine Verbesserung der Lebensqualität zu erlangen. Dabei kann eine Akkumulation des Humankapitals sowohl direkt, als auch indirekt unterstützt werden; direkt zum Beispiel durch Verbesserung der Infrastruktur im Gesundheits- und Bildungsbereich, indirekt über die Strukturen und Prozesse, zum Beispiel durch Reformen des Gesundheits- und Bildungswesens. (DFID 1999: 2.3.1.)
- Natürliches Kapital/ Naturkapital bildet sich aus den natürlichen Ressourcenflüssen, welche zur Lebenshaltung notwendig sind (z. B.: Land, Wasser, Luftqualität, Fauna, Ausmaß und Veränderungen der Biodiversität usw.). Naturkapital ist eminent wichtig, da Gesundheit und Lebensqualität direkt von funktionierenden Ökosystemen abhängig sind. Daher besteht auch eine sehr enge wechselseitige Beziehung zwischen Naturkapital und dem Verwundbarkeitskontext. Vermehrung des Naturkapitals ist direkt zum Beispiel durch Artenerhalt möglich, indirekt über die Strukturen und Prozesse, wie zum Beispiel die Unterstützung von Marktentwicklungen, die den Wert der land- und forstwirtschaftlichen Produkte sowie denen aus der Fischerei erhöhen. (DFID 1999: 2.3.3.)
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- Physisches Kapital/ Sachkapital besteht aus grundlegender Infrastruktur und Gütern für die Produktion, welche für die Lebenserhaltung notwendig sind. Dazu zählen beispielsweise Transport, Unterkunft, Wasserversorgung und sanitäre Anlagen, Energie und Zugang zu Informationen. Fehlendes oder mangelndes Sachkapital wird oft als einer der wichtigsten Faktoren der Armut gesehen, da es dazu führt, dass viel Zeit und Energie für nichtproduktive Arbeiten aufgewendet werden muss. Sachkapital kann direkt, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Infrastruktur, gefördert und im wahrsten Sinne des Wortes ausgebaut werden, ist allerdings sowohl bei der Bereitstellung, als auch beim Erhalt sehr kostenintensiv. (DFID 1999: 2.3.4.)
- Finanzielles Kapital kann aus zwei verschiedenen Quellen bezogen werden. Zum Einen kann es sich dabei um Ersparnisse (Bargeld, Konten, Viehbestand, Schmuck) handeln, welches den Vorteil bietet, dass es frei von Abhängigkeitsbeziehungen ist. Zum Anderen kann es sich um regelmäßige Einkommen wie Lohn, Renten und andere Gelder vom Staat handeln, welche oft eine nicht allzu verlässliche Einkommensquelle darstellen und zudem mit
Abhängigkeitsbeziehungen verbunden sind. Finanzkapital ist die Kapitalart, welche am vielfältigsten einsetzbar ist, da es in andere Kapitalformen umgesetzt werden, oder direkt zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann. Zudem kann es auch in eine weitere Kapitalart, nämlich politisches Kapital, umgewandelt werden. Bezogen auf Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung sollte die Vermehrung des Finanzkapitals im Sinne der Nachhaltigkeit allerdings nicht direkt, also durch Zuschüsse, Spenden u. ä., sondern indirekt erfolgen, indem beispielsweise die Entwicklung von Institutionen,
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Organisationen und Verbänden des Finanzdienstleistungsbereichs (z. B. Versicherungen, Kredite) unterstützt und gefördert werden. (DFID 1999: 2.3.5.)
- Soziales Kapital besteht aus den „sozialen Ressourcen“, welche sich Menschen zu Nutze machen, um ihre Lebenshaltungsziele zu erreichen. Dies können zum Beispiel Netzwerke sein, welche das Vertrauen und die Fähigkeiten der Menschen, zusammenzuarbeiten, verbessern. Netzwerke können sowohl vertikal (z. B. Grundbesitzer/ Pächter), als auch horizontal (zwischen Individuen mit den gleichen Interessen) angeordnet sein. Des Weiteren fällt unter Sozialkapital auch die Mitgliedschaft in Gruppen und Vertrauensbeziehungen zu anderen. Sozialkapital ist daher wichtig, weil es die Kosten der Zusammenarbeit reduziert und damit direkten Einfluss auf andere Kapitalarten ausübt: auf das Naturkapital zum Beispiel durch verbessertes Management der gemeinsamen Ressourcen, auf das Finanzkapital beispielsweise durch eine Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen oder aber auf das physische Kapital (Sachkapital) beispielsweise durch verbesserte Pflege und Instandhaltung gemeinschaftlicher Infrastruktur. Durch das Stärken örtlicher Einrichtungen und Institutionen wird eine Vermehrung des Sozialkapitals gefördert. Allerdings muss einschränkend bedacht werden, dass Sozialkapital sowohl eine positive, als auch eine negative Komponente inne hat, da Mitgliedschaften in Gruppen, Vereinen u. ä. stets auch eine verbindliche Seite hat, die zu negativen Einschränkungen führen kann. (DFID 1999: 2.3.2.) (vgl. auch: Seragedelin 1996: 6ff.)
Anfang des 21. Jahrhunderts erweiterte der Weltentwicklungsbericht die Palette der Armutserscheinungen um eine politische Dimension. Der Hauptkritikpunkt am HDI war, dass er die Menschenrechtssituation und
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andere politische Faktoren nicht berücksichtigte (Nohlen 1998). In der Studie ‚Voices of the Poor’, die erstmals für den Weltentwicklungsbericht 2000/ 2001 durchgeführt wurde (Weltbank 2001), beschreiben Arme die Hauptprobleme in dem politischen System. Häufig kommt es in Drittweltländern durch ‚bad governance’ zu massiver Korruption der staatlichen Organe durch die politischen Eliten und die reiche soziale Oberschicht und münden in gravierenden Menschenrechtsverletzungen, wie beispielsweise die Verweigerung eines ordentlichen
Gerichtsverfahrens oder Schutz durch den Staat (Worldbank 2002). So wird auch humanitäre Hilfe oft durch korrupte staatliche Stellen unterlaufen und kommt nicht den armen Zielgruppen zugute (ebd.). Neu ist auch das Konzept der kulturellen Armut, mit welchem der „Verlust kultureller Identität und Erosion von sinnstiftenden Traditionsbeständen“ gemeint ist (Nuscheler 1998: 19).
II.3. Verwundbarkeit
Zum Ende der 1980er/ Anfang 1990er Jahre kam mit dem Verwundbarkeitskonzept ein neuer Aspekt innerhalb der
Armutsdiskussion auf, welchen ich hier nur kurz erwähnen, nicht aber näher erläutern will.
II.3.1. Definition Verwundbarkeit:
„Vulnerability, though, is not the same as poverty. It means not lack or want, but defencelessness, insecurity, and exposure to risk, shocks and stress.” (Chambers 1989: 1)
“Vulnerabilty here refers to the exposure to contigencies and stress, and difficulty in coping with them. Vulnerability has thus two sides: an external side of risks, shocks and stress to which an individual or
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household is subject, and an internal side which is defencelessness, meaning lack of means to cope without damaging loss.” (ebd.)
III. ENTWICKLUNGSHILFE
III.1. Definitionen, Begriffsbestimmung und Strategien
III.1.1. Definition Entwicklung:
Heister (1988) definiert Entwicklung als „Prozeß der Verbesserung ungünstiger und Erhaltung günstiger Lebenslagen der Menschen in der Dritten Welt unter besonderer Beachtung der kulturellen Lebenslagen dieser Menschen.“ (In: Bugmann 1991: 185) „Der Kern eines Rechts auf Entwicklung setzt sich aus folgenden Rechten zusammen: das Recht auf Leben, das Recht auf ein angemessenes Minimum an Nahrung, Kleidung, Wohnraum und medizinischer Versorgung, das Recht auf ein Minimum an garantierter Sicherheit und Unverletzlichkeit der Person, das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit und das Recht auf Teilhabe (Partizipation), das zur Ausübung der anderen genannten Rechte unerlässlich ist. Wir stimmen mit denen überein, die das Recht auf Entwicklung als Kombination von bereits früher definierten Menschenrechten, verbunden mit dem Gedanken des Fortschritts und der Entwicklung der Gesellschaften und ihrer individuellen Mitglieder ansehen.“ (Unterkommission der UN- Menschenrechtskommission; zit. nach Riedel 1989: 60; in: Nuscheler 1995: 185f.)
Der Nyerere- Bericht von 1991 3 besagt, dass Entwicklung ein „Prozeß (ist), der es Menschen ermöglicht, ihre Fähigkeiten zu entfalten, Selbstvertrauen zu gewinnen und ein erfülltes menschenwürdiges Leben zu führen. Entwicklung ist ein Prozeß, der die Menschen von der Angst
3 S. 34
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vor Armut und Ausbeutung befreit. Sie ist der Ausweg aus politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Unterdrückung. Erst durch Entwicklung erlangt die politische Unabhängigkeit ihre eigentliche Bedeutung… Entwicklung ist daher gleichbedeutend mit wachsender individueller und kollektiver Eigenständigkeit.“ (In: Nuscheler 1995: 197)
III.1.2. Arbeitsdefinition Entwicklung:
Der normative Begriff Entwicklung wird verstanden als kumulative Veränderung, die eine quantitative Vermehrung (z. B. von Einkommen, Nahrungsmitteln, Erwerbsquellen, Bildungseinrichtungen) und
gleichzeitig eine qualitative Verbesserung (z. B. Lebensstandard,
Ernährungsstand, Bildung, Gesundheit, Selbst- und Mitbestimmung) umfasst. Entwicklung als Synonym für Verbesserung.
Für einen normativen Entwicklungsbegriff ergeben sich vier allgemeine Ziele:
1. Lösung existentieller Problemlagen; dazu ist zumindest eine Stabilisierung oder gar Verbesserung der
Grundbedürfnisbefriedigung erforderlich und zwar in erster Linie für jene, denen es am schlechtesten geht; d. h. eine ethisch-wertorientierte Entwicklung zeichnet sich durch Armuts- und Zielgruppenbezug aus.
2. Abbau sozialer und ökonomischer Benachteiligung und Abbau räumlicher Disparitäten.
3. Menschen müssen die Möglichkeit zur Teilnahme an Entscheidungen und zur Teilhabe an Entwicklungsergebnissen haben.
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4. Entwicklungsprozess sollte selbstbestimmt, selbsttragend und ökologisch angepasst, d. h. nachhaltig sein. (Dittrich 2003)
III.1.3. Definition Entwicklungshilfe:
Gesamtheit der Massnahmen zur Unterstützung des wirtschaftlichen Wachstums und der sozialen Entwicklung in Entwicklungsländern. Entwicklungshilfe ist bilateral, zwischen zwei Staaten, oder multilateral, über internationale Organisationen, möglich. Man unterscheidet Kapitalhilfe, technische Hilfe und Handelshilfe. (Leser, H. 1997: 174)
III.1.4. Definition „partizipative Entwicklung“:
Dieser Begriff unterstreicht die Bedeutung einer breitfundierten Beteiligung an den Produktionsprozessen und der
Entscheidungsfindung, dem Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen öffentlichen Dienstleistungen und der teilhabe an den früchten der Entwicklung als Voraussetzung für einen nachhaltigen und sozial gerechten Entwicklungsprozeß. (DAC- Jahresbericht 1989: 107; in: Nuscheler 1995: 195)
III.1.5. Definition Hilfe zur Selbsthilfe:
Entwicklungsstrategischer Grundsatz, auf dessen Basis die
Eigeninitiative bei den jeweiligen Zielgruppen, denen im Rahmen von Entwicklungsprojekten geholfen werden soll, vorrangig gefördert wird. (Leser, H. 1997: 317)
III.1.6. Entwicklungshilfe als Nahrungsmittelhilfe:
Von den gesamten Nahrungsmittelzuflüssen, welche jährlich in Entwicklungsländern ankommen, macht der Anteil der
Nahrungsmittelhilfe 10% aus. Diese lässt sich wiederum in drei verschiedene Formen aufgliedern:
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Arbeit zitieren:
Jamil Claude, 2004, Armutsbekämpfung im Rahmen der Entwicklungshilfe mit Fallbeispiel zu Äthiopien, München, GRIN Verlag GmbH
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