Regionales Proseminar Südostasien SS 2003
Industrialisierungsansätze am Beispiel Malaysia und Vietnam
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Gliederung :
I. Malaysia
I.1. Allgemeine Daten zu Malaysia S. 2- 3
I.2. Einleitung 4
I.3. New Economic Policy und New Development Policy (NEP und NDP) S. 4- 7
I.4. Das “flying geese - Modell S. 7- 8
I.5. Die 1980er Jahre S. 8- 9
I.6. Gründe/ Erklärungsansätze für den Erfolg der malaiischen WirtschaftspolitikS.9-10
I.7. Regionale Disparitäten S. 10- 11
I.8. Malaysia und die Asienkrise 11
I.9. Vision 2020 und der Multimedia Super Corridor (MS)C S. 11- 13
I.10. Der Bundesstaat Penang
I.10.1. Einleitung 13
I.10.2. Wirtschaft 14
I.10.3. Transport und Verkehr 14
I.10.4. Landnutzung 14
I.10.5. Lebensbedingungen 14
I.11. Ausblick 15
II. Vietnam
II.1. Allgemeine Daten zu Vietnam S. 15- 17
II.2. Einleitung S. 17- 18
II.3. Die Doi- Moi Politik des 6. Parteikongresses von 1986 S. 19- 20
II.4. Sektorale Zusammensetzung ausländischer Direktinvestitionen S. 20- 21
II.5. Regionale Disparitäten S. 21- 22
II.6. Ausblick 22
III.Literaturverzeichnis S. 23- 24
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Industrialisierungsansätze am Beispiel Malaysia und Vietnam
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- I.MALAYSIA
I. 1. Allgemeine Daten zu Malaysia:
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----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- I.2. Einleitung:
Während der zweiten Hälfte des 20. Jh. kam es zu der Entstehung eines dritten weltwirtschaftlichen Konzentrationsraums in SOA, innerhalb dessen auch Malaysia eine besondere Rolle zukommt. Während Malaysia zum Zeitpunkt seiner Unabhängigkeit im Jahre 1957 ein klassisches Beispiel eines Entwicklungslandes darstellte, dessen Industrie vornehm auf dem Export von Naturressourcen (Zinnbergbau [a] und Kautschukplantagen [b] entlang der Westküste; Anteil an den Exporterlösen (1957): [a] 25%; [b] 40%) aus dem sogenannten „rubber and tin belt“ gründete, konnte Malaysia im Zeitraum zwischen 1977 und 1995 für sich eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 8,3% verbuchen. Mit einem PKE von 3.890US$ (1995) gehört es heute zur Gruppe der Schwellenländer der 2. Generation, der „Newly Industrializing Countries“ (NIC). Die erzielten Fortschritte drücken sich z. B. in einer Reduzierung der Säuglingssterblichkeit von 45/1000 (1970) auf 12/1000 (1995), der Analphabetenrate von 40% (1975) auf 17% (1995) oder der Haushaltsausstattung (KFZ je 1.000 Einw. 1970: 65; 1995: 339) aus. (Kulke 1998:191). Das in Malaysia vorherrschende Politikmodell bezeichnet Johnson (1982) im Gegensatz zu dem in traditionellen Industrieländern praktizierten „market-rational state“ als „plan-rational state“. Dabei zeichnet sich das „plan-rational state“ Politikmodell dadurch aus, dass „… the government will give greatest precedence to industrial policy, that is, to a concern with the structure of domestic industry and with promoting the structure that enhences the nation’s international competitivness. The very existence of an industrial policy implies a strategic, or goal-oriented, approach to economy.” (Johnson 1982: 20; In: Wessel 1998: 165)
I. 3. New Economic Policy und New Development Policy
Gesellschaftliches Ziel der malaiischen „New Economic Policy“ (NEP) war die Verwirklichung einer nationalen Einheit des multiethnischen Staates. Zur Umsetzng dieses ehrgeizigen Zieles bediente man sich zweier Instrumente, den „two prongs“. Prong 1 betraf die Bekämpfung der Armut durch Einkommenssteigerung und gleichzeitiger Verbesserung der Beschäftigungschancen ohne ethische Bevorzugung. Wie eine Untersuchung ergab, lebten 1970 50% der malaiischen Haushalte unter der Armutsgrenze (180M$/ Monat). Ca. zwei Drittel der Malaien, 39% der Inder und 26% der Chinesen bezogen ein Einkommen, das nach offiziellen Angaben unter der Armutsgrenze lag. 86% der Armen waren in der Landwirtschaft tätig; 44% der betroffenen Haushalte gehörten zur Gruppe der Reisbauern und Kautschukpflanzer. Auf die untersten 20% der Bevölkerung entfielen lediglich 3,3% des Gesamthaushaltseinkommens; auf die obersten
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-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------20% hingegen 56,6%. Ziel war es, bis 1990 den unter der Armutsgrenze lebenden Bevölkerungsanteil auf 16% zu reduzieren. (Schwinghammer 1997: 117f.; Kulke 1998: 192) Prong 2 betraf die Umstrukturierung der Gesellschaft mit dem Ziele des
Ungleichgewichtsabbaus zwischen den verschiedenen malaiischen Ethnizitäten. Bis dato dominierten einzelne Ethnien in bestimmten Berufssektoren. Mit Prong 2 wollte man erreichen, dass die Beschäftigtenstruktur in allen Wirtschaftsbereichen der ethnischen Bevölkerungszusammensetzung entspräche, d. h. auf die heutige Situation übertragen ca. 60% Bumiputras (= Söhne des Landes), 30% Chinesen und 10% Inder. Des weiteren wollte man die Beteiligung der Malaien, die bisher vornehmlich in der Landwirtschaft tätig waren, im urbanen und industriellen Bereich steigern, und dies sowohl als Arbeiter, als auch als Mitbesitzer. Die Ausgangssituation im Jahr 1970 war, dass die Malaien nur ca. 1,9% des Nominalkapitals von Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die Chinesen ca. 22, 5%, die Inder ca. 1% und die Ausländer ca. 60, 7% besaßen. Bis 1990 sollten die Bumiputras 30%, die Chinesen 40% und die Ausländer 30% aller Kapitalanteile an Unternehmen besitzen (Schwinghammer 1997: 118f.).
Im Rahmen der „New Development Policy“ (NDP) kam es zu einer Anpassung der Ziele des NEP. Einerseits protestierten die Nicht- Malaien ständig gegen die praktizierte Politik, welche ihrer Meinung nach die Malaien zu stark berücksichtigte, während den Interessen der Nicht- Malaien in zu geringem Ausmaße genüge getan wurde; andererseits war die wirtschaftliche Rezession der 1980er Jahre verantwortlich. Vorrangiges Ziel war nun: „[…] to attain balanced development in order to create a more united and just society.“ (Schwinghammer 1997: 123) Mit der NDP wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass die verteilungspolitischen Ziele der NEP nur mit einem angemessenen Wirtschaftswachstum erreichbar sind. Während bei der NEP der gesellschaftsinternen Umverteilung Vorrang vor einem möglichst hohen Wirtschaftswachstum eingeräumt wurde, so betont die NDP stärker das Wirtschaftswachstum als notwendige Bedingung einer gesellschaftlichen Umverteilung.
Seit der Einführung der NEP ist Planung in Malaysia ein starkes politisches Instrument staatlicher Intervention, um ungleichmässige Entwicklungen auszugleichen, ethnische Bedürfnisse zu befriedigen und politische Stabilität zu erhalten. Planung erfolgte dabei nicht nur unter rein wirtschaftlich-ökonomischen Gesichtspunkten, sondern wurde in einen politischen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmen eingebettet. Dabei stellte die malaiische Regierung langfristige wirtschafts- und gesellschaftspolitische Ziele auf (bis
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-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------1990 20 a; seit 1990 10 a), die in einem sogenannten „Outline Perspective Plan“ (OPP) festgehalten wurden. Um die hierin formulierten Ziele zu erreichen, wurden jeweils Fünfjahrespläne mit konkreten Massnahmen zur nationalen Entwicklung ausgearbeitet.
Die wirtschaftspolitischen Massnahmen zur Industrialisierung Malaysias umfassten (endogene Faktoren):
- einer - weitgehend dem Listschen Merkantilismus entsprechenden - Strategie der selektiven Weltmarktintegration (Schutz der Infant- Industrien vor der Weltmarktkonkurrenz, Auswahl von Wachstumsindustrien zum Beispiel durch die Vergabe von Industrielizenzen oder Exportförderung) insbesondere in der Anfangsphase der Industrialisierung, wobei mit fortschreitender Entwicklung eine abnehmende Eingriffsintensität des Staates und eine zunehmende Liberalisierung feststellbar ist.
- Enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Politik, die es erlaubt, schnell und flexibel auf Veränderungen der nationalen oder internationalen Wirtschaftslage zu reagieren;
- Konzentration der staatlichen Ausgaben auf die Bereiche Infrastruktur, Kommunikation und Bildung sowie mit fortschreitender Entwicklung auch auf den Bereich Forschung und Entwicklung (Wessel 1998: 165)
- Parallele Verfolgung einer Exportdiversifikations- und Importsubstitutionsstrategie (Kulke 1998: 192)
Zudem betrieb der malaiische Staat eine antizyklische, phasenangepasste Wirtschaftspolitik indem er sich bei einem Wirtschaftsrückgang verstärkt einschaltete (z. B. durch Investitionen, direkte und indirekte Subventionen, Infrastrukturprojekte) und bei starkem wirtschaftlichen Wachstum eher zurückhaltend agierte. In einer ersten Phase der Wirtschaftspolitik, die von Beginn der Siebziger bis Mitte der Achtziger Jahre dauerte, bemühte sich der Staat um eine Diversifikation der inländischen Ressourcenausnutzung, eine Weiterverarbeitung der Rohstoffe sowie um den Aufbau einer arbeitsintensiven Industrie (Textil- und Bekleidungsindustrie; Montage von Elektrogeräten). Zudem gelang es, eine Intensivierung und Ertragssteigerung in der Landwirtschaft zu erreichen und die Produktpalette zum Export bestimmter Primärgüter zu diversifizieren (Ölpalmenplantagen, Tropenholzeinschlag, Erdgas und Rohölförderung im Südchinesischen Meer). Bei einem insgesamt starken Zuwachs der Exporte gelang es, den Anteil des Zinn am Gesamtvolumen von 19,6% (1970) auf 3,0% (1984) und den von Kautschuk von 33,4% auf 9,5% zu senken, während gleichzeitig derjenige von Palmöl von 5,1% auf 7,3% und der von Rohöl von
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Arbeit zitieren:
Jamil Claude, 2003, Industrialisierungsansätze am Beispiel von Vietnam und Malaysia, München, GRIN Verlag GmbH
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