0. Einleitung
Im Folgenden handelt es sich um eine eingeleitete Feldarbeit. Das Forschungsprojekt hat zum Thema Hochbegabung, welches im Zusammenhang mit dem Kinder -College in Neu - Wied / Begabtenzentrum Rheinland - Pfalz veranschaulicht wird. Zur wissenschaftlichen Analyse wurden qualitative Interviews mit hochbegabten Kindern durchgeführt, die im Folgenden als Auswertung dargestellt werden. Befragt werden vierzehn Kinder und zwei Mentoren. Das Ziel der folgenden wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, die Erlebniswelt des Befragten nachzuvollziehen. Das qualitative Interview ermöglicht es, die Realität, die der Befragte wahrnimmt, nachzuvollziehen und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Es ermöglicht uns, mit den Interviews intern zu arbeiten, das heißt zu überlegen, warum der Befragte etwas auf eine bestimmte Art und Weise erzählt.
1. Das Kinder - College
Das Kinder - College in Neuwied - Irlich bietet sowohl hochbegabten Kindern als auch deren Eltern die Möglichkeit, sich mit dem Thema Hochbegabung auseinanderzusetzen. Die Gründerin und Leiterin Helga Thieroff ist Psychologin und hat das Kinder - College im Auftrag von adäquater Förderung für Begabte im Jahr 2000 gegründet. Sie selbst ist Mutter eines hoch begabten Kindes und hat aufgrund von fehlenden Institutionen für Hochbegabte das Kinder - College institutionalisiert. Für die Kinder steht ein vielseitiges Programm zur Verfügung, das in Form von Kursen, ähnlich wie an Volkshochschulen, in denen man sich in die Kurse einschreiben muss, durchgeführt wird. Diese Kurse befinden sich auf dem Gebiet Mathematik, Naturwissenschaften, Philosophie, Medien, Computer, Kunst, Lernen, kreatives Schreiben, Marketing, Computer, Logik und Fremdsprachen (s. Anhang). Es soll ein exquisites Programm darstellen, das mit dem Schulcurriculum nichts gemein hat, damit die Kinder die Möglichkeit erhalten, über dem Schulthema hinaus zu arbeiten. Allerdings wird dort die Lerntechnik gelehrt, da hoch begabte Kinder häufig keine besitzen. Es gibt am Kinder - College 19 Dozenten, welche im Hauptberuf aus diversen Gebieten kommen. Lehrer, Spezialisten für einen bestimmten Bereich oder Mentoren. Zur Zeit der Befragung befinden sich drei
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Mentoren am Kinder - College, welche die Aufgabe haben, die Kurse zusammen mit dem Lehrenden mitzugestalten. Die Kurse richten sich an Kinder zwischen drei und sechzehn Jahren, wobei sich die Altersstufen unterteilen in Kinder - Club [drei bis sechs Jahre] und Kinder - College [sechs bis sechzehn Jahre]. Das Ziel des Kinder -College, mit dem wir uns befassen besteht darin, den Kindern ein Lernangebot zu ermöglichen, das sie in der Schule vermissen um ihre Begabung zu fördern und zu entwickeln. Außerdem soll den Eltern die Möglichkeit gegeben werden, von der Wissbegier ihrer Kinder `entlastet` zu werden. Neben den Kursangeboten bietet das Kinder - College individuelle Beratungen an, die da wären: Frühzeitiges Erkennen von Begabungen, rechtzeitige Förderung von Begabung, Persönlichkeitsentwicklung und Entwicklung von Sozialkompetenz und Verantwortungsbereitschaft im sozialen Kontext des Kinder - College. Heute besuchen zwischen fünfhundert und siebenhundert Kinder das Kinder - College. Am Kinder - College sind nicht nur Begabte Kinder erwünscht, sondern auch solche, die sich auf einem Gebiet verbessern wollen, sei es für die Schule oder aus privaten Gründen (vgl. http://www.kinder-college.de).
1.1 Hochbegabung
Hoch begabte Kinder zeichnen sich durch ihre intellektuelle Entwicklung und durch ihre unersättliche Wissbegier aus. Sie sind belastbar und wollen Leistungen erbringen, was ihr Selbstwertgefühl stärkt. Häufig sind sie kreativ und motiviert zum Lernen. Im Unterschied zu `normalen` Kindern sind sie auf dem Wissensstand ihren Altersgenossen weit voraus, darüber hinaus gibt es aber keine weiteren Unterschiede zwischen hoch begabten und normal begabten Kindern. Eine solche Begabung will gefördert werden, andernfalls besteht die Gefahr, dass sie mit der Zeit schwindet. Bei Kindern, die nicht gefördert werden, besteht die Gefahr einer Resignation bis hin zur Depression oder psychosomatischen Erkrankungen, was häufig die Mädchen betrifft. Bei Jungen äußert sich die Problematik in Verhaltensauffälligkeiten, weswegen sie in den meisten Fällen in die Kategorie der ADHS - Betroffenen eingestuft werden. In ihrem Umfeld fühlen sich solche Kinder oft einsam und missverstanden, werden als `altklug` bezeichnet oder gar ausgeschlossen. Manche dieser Kinder passen sich dem Umfeld an, die anderen resignieren und wiederum andere, die psychisch stärker sind
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oder unterstützende Eltern haben werden als hoch begabt anerkannt. Was hoch begabte Kinder brauchen ist ein Umfeld das sie akzeptiert, anerkennt, fordert und unterstützt. Schwierigkeiten ergeben sich bei der Findung von hoch begabten Kindern, da es keine genauen Persönlichkeitsmerkmale gibt, die ein solches Kind auszeichnen. In vielen Fällen verfügen hoch begabte Kinder über einen sehr guten Wortschatz, lernen schnell andere Sprachen, haben ein gutes Gedächtnis und ein ausgeprägtes Allgemeinwissen. Außerdem kann es vorkommen, dass sie schnell in der Schule arbeiten und sich im Unterricht langweilen, da sie sich unterfordert fühlen, wobei sie sich häufig als so genannte Anstrengungsvermeider auszeichnen. Eine Hochbegabung wird in der Regel diagnostiziert, wenn das Kind bei einem speziellen Test einen IQ von 130 und mehr aufweist. Dabei sollte es mindestens sechs Jahre sein, bestenfalls zehn Jahre. Man geht davon aus, dass in Deutschland zwei Prozent an Schulkindern hoch begabt sind, dies entspricht 300.000 Kindern. Acht Prozent fühlen sich in der Schule laut Studien unterfordert, was eine Zahl von 1,2 Millionen Schülern belegt (vgl. http://www.kinder-college.de/index.php?option=com_content&view=article&id=58&Itemid=67; http://www.hbf-ev.de/).
2. Leitfaden zum Interview
Bei einem Leitfadeninterview handelt es sich um eine Methode qualitativer Befragung. Es sollen subjektive Sichtweisen wie Meinungen und Erlebnisse in einem Kommunikationsprozess mit dem Befragten ermittelt werden. Dabei ist es besonders wichtig, geduldig zu sein. Schließlich geht es bei solch einem Interview darum, die Subjektivität des Anderen zu erforschen. Der Interviewer ist dabei ein Erhebungsinstrument und trägt zum Forschungsprozess bei. Ein Leitfadeninterview beginnt häufig mit alltagsnahen Gesprächen und mit small - talks, um sich einander kennen zu lernen und um Vertrauen beim Befragten aufzubauen. Zu Beginn werden Ziele und Inhalte der Befragung geäußert und beim Befragten um Erlaubnis von Aufzeichnung gebeten. In der warm - up - phase kommt es zu so genannten `Eisbrecherfragen`, wobei der Interviewer mit Techniken arbeitet, sich mit dem Thema differenziert auseinander zu setzen in Form von Fragen. Darauf hin stellt der Interviewer spezifische Nachfragen, im Interview äußert er eine Wiedergabe, was der
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Vergewisserung dient und konfrontiert den Befragten schließlich mit der widersprüchlichen Aussage, um ihn zu provozieren. In der Hauptphase arbeitet der Interviewer mit den eben genannten Techniken weiter, wobei es um zentrale Themen des Leitfadens geht. Schließlich endet ein solches Interview häufig in einem smalltalk zwischen dem Interviewer und dem Befragten. Dabei kann es passieren, dass der Befragte durch die lockere Atmosphäre viele wichtige Informationen geben kann. Wir haben uns im Kurs Schwerpunkte überlegt, aus denen passende Fragen resultieren sollten. Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass man sich mit dem Alltag des Befragten konfrontieren sollte, d.h. ob er privat viel lernt oder ob er mit Gleichgesinnten kontaktiert. Dem gegenüber war uns wichtig zu erfahren, ob seit dem Besuch am Kinder - College irgendwelche Unterschiede im Leben des Kindes aufgetreten sind und wie es dazu kam, das Kinder - College zu besuchen. Wichtig war uns ein Vergleich zwischen der Schule und dem Kinder - College. Weitere Fragen siehe Anhang.
2.1 Kritische Reflexion
Bei der Erstellung des Interview - Fragebogens schien alles offensichtlich und klar zu sein. Dennoch waren einige Aspekte undurchschaubar; wie man das Kind ansprechen sollte, ob man sich seinem Niveau anpassen sollte - etwa durch ein Ausdrücken im Fachvokabular - oder ob man `normal` bleiben sollte. Demzufolge war unklar, wie man bestimmte Fragen formulieren sollte, damit das Kind nicht verschüchtert wurde. Dazu gehört beispielsweise der Vergleich zwischen Schule und dem Kinder - College. Bei der Frage, ob das Kind das Kinder - College spannender fände als die Schule bestünde die Gefahr, dass das Kind sich gezwungen fühlte, das Kinder - College vorzuziehen, da es sich bei der Befragung dort befindet. Schwierig schien die Frageformulierung auch insofern zu sein, als das man sich konzentrieren sollte, keine Suggestivfragen zu stellen. Diese beinhalten eine gewisse Manipulation und kann das Kind zu falschen Aussagen verleiten. Als kritisch wurde empfunden, wie man eine bestimmte Situation im Interview selbst bewältigen sollte. Dazu das Beispiel, dass das Kind bei der Frage, ob es Freunde am Kinder - College gefunden hätte anfängt zu weinen, überhaupt nichts sagt oder dergleichen. Schließlich begab man sich als Laie dorthin und war nicht auf alle Situationen gerüstet. Daher musste der Leitfaden für das Interview so erstellt werden, dass es auch Möglichkeiten bot,
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nach Situation zu beurteilen ob das Kind auf gewisse Fragen antworten möchte. Als Interviewer muss man dabei sehr flexibel sein. Auch sollte man sich bei der Befragung individuell jedem Kind anpassen und dabei beim Thema bleiben.
3. Interpretation des Interviews
Es stehen für die folgende Analyse sechzehn Interviews zur Verfügung, darunter zwei, die mit Mentoren geführt wurden. Acht Interviews wurden mit Jungen und sechs Interviews mit Mädchen geführt. Ein Mentor war männlich und der andere Mentor weiblich. Die Altersgruppe befindet sich zwischen sieben und vierzehn Jahren. Von den vierzehn Kindern sind ein sieben - Jähriger (m.), drei acht - Jährige (w., w., w.), zwei neun - Jährige (m., m.), zwei zehn Jährige (w., w.), zwei elf -Jährige (w., m.), zwei zwölf - Jährige (m., m.), ein dreizehn - Jähriger (m.) und ein vierzehn - Jähriger (m.). Die Mentorin ist 24 Jahre alt und der männliche Mentor besucht zum Zeitpunkt der Befragung die zehnte Klasse des Gymnasiums. Der Zeitpunkt der Befragung ist Samstag, der 03.06.2006. Anbei ist noch zu erwähnen, dass die sechzehn Interviews nicht von mir allein geführt wurden, sondern sechs von mir und weitere acht Interviews wurden von zwei Kommilitoninnen, die am selben Tag nach Neuwied fuhren, gegeben. Zwei Interviews wurden mit Mentoren des Kinder-College geführt.
3.1 Interviewbogen
Der Ablauf des Interviews sah so aus, dass ich mich zuerst einmal bei den Kindern vorgestellt habe, ihnen darauf hin kurz geschildert habe, dass ich eine Studentin an der Uni Münster bin und sie gerne über das Kinder - College befragen möchte. Daraufhin stellte ich die Frage, ob sie einige Minuten Zeit und Lust hätten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Nachdem diese bejaht hatten fragte ich die Kinder, ob sie mit einer Aufnahme am Diktiergerät einverstanden wären, woraufhin das eigentliche Interview begann. Ich habe alle Kinder auf ihre Anonymität hingewiesen, um offene Antworten zu erzielen. Demnach klärte ich sie auf, dass sie nicht verpflichtet waren, die Fragen zu beantworten und manche Fragen unbeantwortet lassen konnten bzw. das Interview abgebrochen werden konnte, falls sie dies inmitten einer Befragung wünschten. Alle Interviews wurden auf dem Gelände des
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Arbeit zitieren:
Viktoria Dell, 2006, Das Kinder-College in Neuwied, München, GRIN Verlag GmbH
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