Inhaltsverzeichnis
1. Vorgehensweise 3
2. Persönlicher Zugang zur Perikope Mk 2,1-12 3
3. Exegetische Betrachtungen zur Perikope Mk 2,1-12 4
3.1 Textinhalt 4
3.2 Textpragmatik 5
3.3 Arbeitsübersetzung von Mk 2,1-12 9
4. Systematische Betrachtungen zur Perikope Mk 2,1-12 10
5. Homiletische Überlegungen 12
6. Liturgische Anmerkungen 16
7. Die Predigt 17
8. Anhang 21
9. Literaturverzeichnis 24
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1. Vorgehensweise
In der vorliegenden Proseminararbeit erfolgt die homiletische Ausarbeitung zu der Perikope Mk 2,1-12, welche die Heilung eines Gelähmten durch Jesus wie auch ein Streitgespräch zwischen Jesus und den Schriftgelehrten enthält. Im ersten Schritt wird der persönliche Zugang zum Text dargestellt. Im weiteren Verlauf wird der Bibelabschnitt theologisch reflektiert, was die exegetische Untersuchung von Mk 2,1-12 sowie systematischen bzw. dogmatischen Betrachtungen beinhaltet. Danach erfolgt die homiletische Auseinandersetzung, wo die theologischen Ausarbeitungen mit
Predigtentwurf zusammenlaufen. Abschließend werden liturgischen Anmerkungen erfolgen und die ausformulierte Predigt ist einsehbar.
2. Persönlicher Zugang zur Perikope Mk 2,1-12
Als Erstes verbinde ich mit der Perikope Mk 2,1-12 die psychische Lähmung, was sich im Heilungswunder präsentiert, sowie selbstgerechter Heilsegoismus, der sich in den Schriftgelehrten zeigt. Die psychische Lähmung definiere ich als den Verlust des Seelen-friedens, was ich als einen zerbrochenen Zustand charakterisiere. So gar Jesus verdeutlicht in Mk 2,9 mit der pointierten Gegenfrage, dass die Lähmung eine seelische Ursache hat. In diesem Kontext ist der Tun-Ergehen-Zusammenhang zu erwähnen, wonach körperliches Leiden als Konsequenz von Sündhaftigkeit gesehen wird. Demzufolge schien dieser Gewissens-konflikt den Gelähmten dermaßen belastet zu haben, dass er innerlich wie gelähmt war und durch den Zuspruch der Sündenvergebung von Jesus wurde ihm diese psychische Belastung genommen. Die Schriftgelehrten sehe ich in dieser markinischen Heilungserzählung als den Inbegriff des selbstgerechten Heilsegoismus’. Die Schriftgelehrten sträuben sich nämlich vehement dagegen, dass der Gelähmte Heilung durch Gott erfährt. Es wird erkennbar, dass die Schriftgelehrten den Gelähmten vom Heil ausschließen wollen, ergo wird hier Heilsegoismus von Seiten der Schriftgelehrten feststellbar. Des Weiteren weisen die Schriftgelehrten eine selbstgerechte Haltung auf. Sie maßen sich an, vor Gott gerechtere Menschen zu sein als der Gelähmte. Der jüdische Pharisäismus in der Antike war gekennzeichnet durch Werk-gerechtigkeit und Leistungsfrömmigkeit, wonach die guten Werke die Bedingung für das Heil
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sind und demzufolge das Heil aus eigener Kraft zu bewirken sei. Kein Mensch kann schließlich ohne jegliche Zweifel sagen, dass er vollkommen und fehlerfrei ist. Des Weiteren läuft man mit der Werkgerechtigkeit Gefahr, dass man sich selbst über andere erhöht und für seine eigenen Fehler blind wird.
3. Exegetische Betrachtungen zur Perikope Mk 2,1-12
3.1 Textinhalt
Die Rollen in dem Bibelabschnitt Mk 2,1-12 sind auf einen Gelähmten, Jesus, vier Träger und die Gruppe der Schriftgelehrten sowie die Menschenmenge verteilt. Nach Darstellungen von W. Ritter 1 ist ein dreiteiliger Aufbau in dieser Perikope festzustellen: die Exposition von Mk 2,1-4, die Darstellung des Heilungsvorganges von Mk 2,5-11a sowie der Erzählabschluss in Mk 2,11b.c. Die Exposition beinhaltet die Ausgangssituation von einem Gelähmten, der von vier Menschen, welche vermutlich in einem freundschaftlichen Verhältnis zum Gelähmten stehen, engagiert wie auch unter Überwindung einiger Hürden zu Jesus getragen wird. In der Darstellung des Heilungsvorganges ist vor allem die Sündenvergebung in Mk 2,5 von zentraler Bedeutung wie auch das “machtvolle Wort Jesu“ in Mk 2,11, wie es W. Ritter beschreibt, was einzig und allein durch den Zuspruch Jesu geschieht. Der Erzählabschluss ist mit Worten von W. Ritter als “klassischer Chorschluss“ zu befinden, was mit dem Staunen der Anwesenden einsetzt und von einem “Außer-sich-Geraten“ gefolgt wird sowie mit einer finalen Doxologie Gottes vergleichbar mit einem Chor endet. Zum einen ist die Szene des Heilungswunders in der Perikope Mk 2,1-12 enthalten und zum anderen die Auseinandersetzung Jesu mit den Schriftgelehrte, die als “typisierte Feinde“ nach Feststellung von W. Ritter dargestellt werden. Wie Prof. theol. Reinmuth und Dr. theol. Bull in ihrem Lehrbuch “Proseminar Neues Testament“ 2 ebenfalls konstatieren, sind zwei Szenarien miteinander kombiniert, und zwar mit dem Vokabular W. Ritters ausgedrückt eine “Verquickung einer Heilsgeschichte mit einem Streitgespräch“. Es ist folglich zu konstatieren, dass die Wunderheilung den äußeren Rahmen für das Streitgespräch bildet. Laut Ansicht von Reinmuth und Bull erfolgt “eine zweiteilige Einleitung (Mk 2,1.2), -----1 RITTER, W. In: LACHMANN, R. (Hrsg.), Elementare Bibeltexte, 2008, 282/283
2 REINMUTH,E./BULL, KL., Proseminar Neues Testament, 2006, 34
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die als Hinführung zu Mk 2,5 zu verstehen ist, wo Jesus die Sündenvergebung dem Gelähmten zusagt. Ab Mk 2,8 setzt das Streitgespräch ein, das mit einer inneren Ablehnungshaltung der Schriftgelehrten gegenüber der Sündenvergebung als innerer Monolog dargestellt wird und sie stellen Jesus unter Verdacht der Gotteslästerung, was von Jesus durchschaut wird sowie in Mk 2,9 in Abrede gestellt wird. Jesus entkräftet den Vorwurf der Schriftgelehrten in zweierlei Hinsicht: Zum einen durch die Sündenvergebung (Mk 2,5) wie auch der für sich beanspruchten Vollmacht (Mk 2,10) und zum anderen durch die souveräne Heilung des Gelähmten. W. Ritter charakterisiert die Reaktion der Schriftgelehrten als widersprechend und sieht die Heilung im thematischen Vordergrund. Als Bindeglied zwischen der Wunderheilung und dem Streitgespräch wird von E. Reinmuth bzw. K. Bull die Vollmacht Jesu erachtet. Nach ihrem Standpunkt ist Mk 2,10 als Kernaussage in der Perikope Mk 2,1-12 zu betrachten. Zudem ist die Kernaussage in Mk 2,10 durch einen destruierten Satzbau
gekennzeichnet, was lediglich der Hervorhebung der Kernaussage dient. Gemäß Aussagen von Reinmuth bzw. Bull seien die Brüche im Satzbau von Mk 2,10 in Übersetzungen oft korrigiert worden und weiterhin sind sowohl die Schriftgelehrten als auch die intendierten Leser als Adressaten anzunehmen. W. Ritter führt in seinen Ausführungen über die Perikope noch einige Besonderheiten an. Erstens bezeichnet er das Sehen des Glaubens der vier Träger durch Christus als “ungewöhnliche Formulierung“. Ich persönlich würde als besseren Ausdruck “erkennen“ anstatt “sehen“ empfehlen. Des Weiteren bemerkt W. Ritter, dass die Sündenvergebung als Voraussetzung in der neutestamentlichen Zeit bekannt gewesen sei. Außerdem äußert W. Ritter, dass Menschensohn als reflexive Betitelung anzusehen ist, was als Vollmachtsträger Gottes zu verstehen sei sowie als denjenigen, “der den Menschen im Gottes gegenüber tritt.“
3.2 Textpragmatik
Zur Untersuchung der Textpragmatik der Bibelpassage Mk 2,1-12 wurden folgende Bibelkommentare verwendet: “Kommentar zur Bibel“
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von D. Gutherie/J.A. Motyer als Herausgeber 3 und “Das Neue Testament erklärt und ausgelegt, Band 4“ von J.F.Walvoord/R.B. Zuck als Herausgeber 4 . Beide Kommentare führen an, dass Mk 2,1-12 mit einem Gerücht über die Rückkehr Jesu beginnt und Jesus sich im Hause des Petrus’ aufhalte. Dass es sich um das Haus von Petrus handelt, werde in Mk 1,29 zuvor erwähnt (vgl. Mk 1,29 nach der Lutherübersetzung: “Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes.“) Swift stellt sich das Haus mit Flachbau und Außentreppe vor, da es auf diese Weise typisch gewesen wäre für antike Häuser aus Palästina. Grassmick charakterisiert den in Mk 1,2 beschriebenen Andrang vieler Ungeladener als jüdischen Brauch. Beide Autoren stellen fest, dass Jesus der zusammengetroffenen Menschenmenge das Wort verkündigt, was Swift konkret als die frohe Botschaft bzw. das Evangelium betrachtet, wozu Mk 4,14.33 und Apg 8,4/11,19 als Vergleichspunkte hinzuzieht. In Mk 2,3f. erfolgt der Eintritt der vier Träger mit einem gelähmten Freund, die wegen der Menschenmasse nicht zu Jesus gelangen können, sodass sie auf das Dach über eine Außentreppe steigen und ein Loch über Jesus aufreißen. Grassmick erwähnt, dass die Dächer antiker Häuser in Palästina wohlmöglich aus Gras, Lehm, Lehmziegeln und Latten bestanden haben und der Gelähmte aller Wahrscheinlichkeit nach auf seiner Schlafmatte mit herumliegenden Tauen herabgelassen wurde. Grassmick deutet das entschlossene Bemühen der Träger als “Zeichen für das Vertrauen in Christi Fähigkeit zur Heilung Kranker“. Swift beurteilt die Reaktion Jesu als “unerwartet“ und “sofortig“. Jesus hat nämlich die vier Träger nicht für die Unterbrechung seiner Predigt kritisiert und hält keine Belehrungen über Leid als unmittelbare Konsequenz von Schuld (vgl. Joh 9,2 sowie Lk 13,1-5), sondern es kommt in liebevoller zum überraschenden Vergebungszuspruch für den Gelähmten. Es ist hierin festzuhalten, dass Sünde wie auch Leid miteinander verkettet sind, wie es beispielsweise in Röm 6,23 zum Ausdruck kommt: “ Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.“ Den Hintergrund bildet der Tun-Ergehen-Zusammenhang im Alten Testament, was bedeutet,
------ 3 SWIFT, G., In: GUTHRIE,D./MOTYER,J.A., Kommentar zur Bibel - Neues Testament, 2006, 61f.
4 GRASSMICK, J.D., In: Walvoord,J.F./ZUCK, R.B., Das Neue Testament erklärt und ausgelegt -Band 4, 2000, 115
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Arbeit zitieren:
Wilhelm Weber, 2010, Homiletischer Entwurf zu Mk 2,1-12, München, GRIN Verlag GmbH
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