Inhaltsverzeichnis
S.
1 Einleitung 3
2 Das bewegte Leben des Fritz Perls 3
2.1 Kindheit und Kriegswirren 4
2.2 Arbeit als Psychoanalytiker: Laura, Freud 4
2.3 Amsterdam, Johannesburg 5
2.4 Gestalt Therapy und Tod 6
3 Die theoretische Basis der klassischen Gestalttherapie 7
3.1 Der Holismus 7
3.2 Die Feldtheorie 9
3.3 Die Zyklen der Erfahrung 10
3.4 Der Kontakt und die Assimilation 11
3.5 Die Theorie des Selbst 11
3.6 Die psychologische Störung 12
4 Der systemische Ansatz als Ergänzung 13
4.1 Angewandte Kunsttherapie 14
5 Kritische Reflexion/Schlussbetrachtung/Ausblick 17
Literaturverzeichnis 20
2
1 Einleitung 1
Gestalttherapie beschäftigt sich mit der Wirklichkeitskonstruktion von Individuen. Jeder Mensch organisiert und strukturiert Wahrgenommenes auf eine für ihn sinnvolle Art und Weise. Manchmal kann es dabei jedoch für den jeweiligen Menschen zu belastenden Problemen kommen, wenn z.B. durch Hoffnungen oder Befürchtungen der Blick von der Gegenwart entfernt wird. Die Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit ihrer KlientInnen ist primäres Ziel der
GestaltpsychotherapeutInnen. Dabei wird von einem ganzheitlichen Ansatz ausgegangen. Im Rahmen einer psychisch-mentalen Zentrierung des Individuums kann die Gestalttherapie sehr hilfreich sein. In meiner Arbeit möchte ich die theoretischen Grundlagen dieser Therapieform vorstellen. Hierbei konzentriere ich mich hauptsächlich auf Paradigmen, Modelle, Gedanken und Konzepte von Fritz Perls, dem Mitbegründer dieser Richtung. Weiterhin gebe ich einen kurzen Einblick in den systemischen Ansatz, wobei ich die theoretische Fundierung außen vor lasse und lediglich Gesichtspunkte aufgreife, die für den abschließenden Teil interessant sind. Dort liegt der Fokus auf einer Verknüpfung der beiden Richtungen in kunsttherapeutischer Praxis, wie es die Gestaltpsychotherapeutin Reddemann praktiziert. Dieser Abschnitt wurde intensiv in unserer Referatsgruppe im Seminar bearbeitet und präsentiert.
Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit in punkto der von mir herangezogenen Quellen. Einige bedeutende Werke bekannter
GestalttherapeutInnen habe ich nicht miteinbezogen, um mich intensiver mit dem „Urvater“ dieser Richtung auseinander zu setzen. Zu diesem Zwecke widme ich einen Schwerpunkt meiner Arbeit der Biographieanalyse; hieraus gehen Kerngedanken der Gestalttherapie hervor.
2 Das bewegte Leben des Fritz Perls 2
Zum besseren Verständnis der Denkweise Fritz Perls’ ist es wichtig einen detaillierten Blick auf seinen Lebenslauf zu werfen. Als Kosmopolit wurde sein späterer Ansatz durch intensive politische und menschliche Kontakte geprägt.
1 Vgl. Doubrawa 2002, S.119
2 Vgl. Clarkson, Mackewn 1995, S.7
3
2.1 Kindheit und Kriegswirren 3
Friedrich Salomon Perls wurde am 08.07.1893 als jüngstes von drei Kindern am Rande Berlins in einem jüdischen Viertel geboren. Seine Eltern entfremdeten sich mit den Jahren mehr und mehr voneinander, der Kontakt zu seinem Vater wurde dabei ebenfalls immer schlechter. Den größten Einfluss auf die Entwicklung von Fritz Perls hatte seine Mutter. Die Liebe zum Theater und für die Kunst hatte er von ihr. Nach dem Abitur begann er ein Medizinstudium an der Universität zu Berlin.
Als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg musste er miterleben wie sein bester Freund ums Leben kam. Die sinnlose Zerstörung, deren Zeuge er wurde, prägte seine politische Haltung. Nach dem Krieg engagierte er sich in der linksgerichteten Politik und war immer wieder in Bewegungen gegen die herrschenden Gesellschaftsebenen aktiv.
2.2 Arbeit als Psychoanalytiker: Laura, Freud 4
1920 promovierte Perls in Freiburg (Doktor der Medizin). Als Neuropsychiater arbeitete er in Berlin und New York. Hierbei pflegte er Kontakt zur Bohéme-Szene, traf sich mit Künstlern, Lyrikern, Architekten, Schriftstellern, Schauspielern, linksgerichteten Intellektuellen, Mitgliedern der Bauhaus-Gruppe und machte erste Erfahrungen mit der Psychoanalyse. Durch die Freundschaft zu einer jungen Psychologie-Absolventin (Laura Posner) bekam er vertiefende Einblicke in die Gestaltpsychologie und in existentielle Ideen. Seine späteren Arbeiten waren geprägt von Vorstellungen der Gestaltpsychologie, des Existentialismus und der Phänomenologie. Außerdem übernahm er von Wilhelm Reich, einem bekannten Analytiker und Freud-Kritiker, den persönlichen Stil der Beziehungsaufnahme und das Wissen um Körpersprache. Während seiner Aufenthalte in Wien und Berlin zwischen 1927 und 1933 arbeitete er als anerkannter freudscher Psychoanalytiker. Im August 1929 heirateten Fritz Perls und Laura Posner.
3 Vgl. Clarkson, Mackewn 1995, S.14-18
4 Vgl. Clarkson, Mackewn 1995, S.18-28
4
2.3 Amsterdam, Johannesburg 5
In den Jahren um 1933 waren beide in antifaschistischen Bewegungen aktiv; diese Tatsache und ihre jüdische Abstammung veranlassten die Perls’ im Frühjahr 1933 nach Holland zu emigrieren. Dort lebten sie beinahe ein Jahr in ärmlichen Verhältnissen in einer zugigen Dachkammer in Amsterdam, bis sie 1934 mit dem Schiff nach Südafrika reisten. In Johannesburg richteten sie psychoanalytische Praxen ein und hatten schnell Erfolge zu verbuchen. Mit den beiden Kindern lebten sie einige Zeit glücklich in einem luxuriösen Haus im Bauhaus-Stil. Sie gründeten das Südafrikanische Institut für Psychoanalyse und bildeten einige Leute als PsychoanalytikerInnen aus. Nach dem Beschluss der Internationalen Psychologischen Vereinigung, PsychoanalytikerInnen, die nicht als TrainerInnen in Europa gearbeitet hatten, die Arbeitserlaubnis im Ausland zu entziehen, entfernte sich Perls zunehmend von der psychoanalytischen Gemeinschaft um Freud.
Ab 1936 wurde er geprägt von den Ansätzen Jan Smuts, der damals Premierminister in Südafrika war. Als General und Philosoph war Smuts sehr erfolgreich und u.a. an der Gründung der Vereinten Nationen beteiligt. Er postulierte die holistische Natur des Menschen und des Universums, die Verbundenheit alles Lebendigen und Nicht-Lebendigen und betonte den Prozesscharakter gegenüber den gängigen wissenschaftlichen Meinungen des 19. Jahrhunderts, bei denen es vielmehr darum ging, alles in Einheiten zu zerlegen, um es dann anschließend zu untersuchen. Perls übernahm viele dieser Gedanken in seine späteren Werke, wohl auch die Idee der zyklischen Wechselbeziehung von Organismus und Umwelt.
1942 veröffentlichte Perls sein erstes Buch: Ego, Hunger and Aggression 6 . Einige zentrale Gedanken der späteren Gestaltpsychotherapie sind hier zu finden. Von 1942 bis 1945 arbeitete Fritz Perls als Sanitätsoffizier und Psychiater der Armee und kam nur selten nach Hause. Mit der Einführung der Apartheid in Südafrika
5 Vgl. Clarkson, Mackewn 1995, S.28-32
6 Dtsch. Titel: Das Ich, der Hunger und die Aggression (siehe Literaturverzeichnis)
5
Arbeit zitieren:
Martin Nahlik, 2003, Die Gestalttherapie als eine Form psychisch-mentaler Zentrierung, München, GRIN Verlag GmbH
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