ABSTRACT
Anliegen dieser Arbeit ist eine medienphilosophische Reflexion über die Möglichkeiten der Nutzung von Internetdiensten anhand der Termini-Spur Daten - Information - Kommunikation - Kooperation unter besonderer Berücksichtung des Computer Supported Cooperative Work Tools Wiki-Web im österreichischen Schulwesen, wobei auf Grund der Budgetsituation im Pflichtschulbereich besonderes Augenmerk auf kostenlose Möglichkeiten der Implementation und Nutzung derselben gelegt wurde.
Formale Anmerkung:
Um dem Anspruch nach einer gleichberechtigten emanzipatorischen Schreibweise gerecht zu werden, ohne die Lesbarkeit der Arbeit dadurch zu beeinträchtigen, habe ich mich für die Regelung entschieden, ausschließlich die weibliche Schreibweise mit Großbuchstaben zu verwenden, wiewohl diese selbstredend für beide Geschlechter Gültigkeit hat.
3
INHALT
Eidesstattliche Erklärung 2
Abstract 3
Inhalt 4
Einleitung. 7
1 Das Netz 15
1.1 Zur Begrifflichkeit 15
1.1.1 Netz 16
1.1.2 Vernetzung. 19
1.1.3 Netzwerk. 20
1.1.4 Gaia. 24
1.1.5 Rhizom 24
1.2 Historische Wurzeln des Netz-Begriffs. 27
1.3 Der Netzbegriff im Internet 29
1.4 Schulnetze 31
2 Das Netz der Netze 34
2.1 Die erste amerikanische Webseite. 37
2.2 Internet ist nicht gleich World Wide Web 38
2.3 Grundlagen der web-basierten Anwendungsentwicklung. 38
2.4 Eigenschaften des Internets 39
2.5 Internet - vom Naturraum zum Cyberspace. 42
2.6 Small World Phänomen 45
2.7 Internet-Zugang für Lehrer 46
3 Information. 48
3.1 Daten-Information-Wissen. 49
3.1.1 Wissen 50
3.1.2 Wissen schaffen - Wissensmanagement. 51
3.1.3 Wissensspirale von Nonaka. 53
3.1.4 Wissensmanagement-Technologien 57
4
INHALT
3.2 Information-Overload. 58
3.2.1 Kognitive Dissonanz 59
3.2.2 Browsing 60
3.2.3 Serendipity 60
3.2.4 Memory Extender. 60
3.2.5 Information-Retrieval. 62
3.3 Kostenlose Webhost-Angebote. 64
4 Kommunikation. 66
4.1 Unmittelbare Kommunikation 71
4.2 Vermittelte Kommunikation - mediale Kommunikation 71
4.3 Vorteile medialer Kommunikation 73
4.4 Synchrone - asynchrone Kommunikation. 73
4.5 Das österreichische Schulportal 74
4.5.1 Community - Tool für Bildungskooperationen. 74
4.5.1.1 Anlegen einer Community 76
4.5.1.2 Module des Community-Tools: 77
4.5.2 Lehrerhomepage für schule.at-User 77
5 Kooperation 79
5.1 Allgem. Werkzeuge medialer Kooperation. 80
5.1.1 Groupware. 80
5.1.1.1 Kommunikation 81
5.1.1.2 Koordination 81
5.1.1.3 Datenablage. 81
5.1.1.4 Kostenfreie Lösungen 82
5.1.2 Collaboration Software 83
5.1.3 Social Software 85
6 Wiki-Webs. 87
6.1 Begrifflichkeit 88
6.2 Historische Wurzeln 88
6.3 Was ist ein Wiki? 90
5
INHALT
6.3.1 Anwendungsmöglichkeiten 91
6.3.1.1 Wiki als Diskussionsforum 91
6.3.1.2 Wiki als Web Content Management System. 91
6.3.1.3 Wiki als Groupware 92
6.3.1.4 Wiki als Personal Information Manager. 92
6.4 Wiki-Konzept 93
6.4.1 Wiki Words. 95
6.4.2 Unterschiede zwischen Wiki und Weblog. 97
6.4.3 Wiki-Engines 101
6.4.3.1 Wiki-Engine Vergleich. 102
6.4.3.2 Wiki-Engines-Auflistung. 103
6.4.4 Wiki-Funktionalität. 104
6.4.5 Wiki-Kultur. 110
6.4.5.1 Kommunikationskultur 111
6.4.5.2 Wiki-Philosophie 112
6.4.5.3 Wiki-Probleme. 114
6.5 Wiki in der Schule ? 116
6.6 Aufbau eines Wiki-Webs in der Schule 118
6.6.1 Planung. 118
6.6.2 Organisation 120
6.6.3 Kontrolle. 122
6.6.4 PmWiki Engine 123
6.6.4.1 Wiki Engine Implementation 123
6.6.4.1.1 Installation. 123
6.6.4.1.2 Setup 126
7 Nach-Gedanken. 128
8 Literatur 136
8.1 Printquellen: 136
8.2 Abbildungsverzeichnis 140
8.3 Tabellenverzeichnis 142
6
EINLEITUNG
Bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hielten Computer, damals noch Großrechenanlagen, Einzug in Österreichs Schulen, wobei SchülerInnen nur disloziert - in Großrechenzentren - erste Kontakte mit Rechnern wahrnehmen konnten. Mathematiker waren die ‚Early Adopters’ wenn nicht sogar die ‚Innovators’ auf dem Gebiet der ADV - Automatischen Datenverarbeitung - bzw. EDV - Elektronischen Datenverarbeitung - wie damals die Fachbezeichnung für Computerunterricht hieß, was nicht weiter verwundert, waren doch die frühen Rechner, die damals gängige eingedeutschte Bezeichnung für Computer, fast ausschließlich Hilfsmittel für mathematische Berechnungen.
1 auf http://www.educa.ch/dyn/9.asp?url=20055%2Ehtm [9. 9. 2004]
7
Anfangs der 70er Jahre waren Rechner in großen Firmen und Hochschulen bereits dermaßen verbreitet und weiterentwickelt, dass sich eine neue Wissenschaft etablierte: die Informatik als Strukturwissenschaft, die „Kategorien, Verfahren und Regeln bereitstellt, mit deren Hilfe Phänomene aus der Wirklichkeit in eine Struktur überführt werden, die eine unmittelbare Transformation in Programmiersprachen erlaubt.“ 1
In den späten 80er Jahren gab es für SchülerInnen an einigen Schulen die Möglichkeit, Informatikunterricht zu besuchen, nicht zuletzt auch dadurch ermöglicht, dass der Personal Computer aufgrund kompakter Maße und erschwinglicher Kosten Einzug in die KMUs 2 , den Freizeit- und Privatbereich und schließlich in die Schulen hielt.
Stand größtenteils bis Anfang der 90er Jahre EDV auf dem Stundenplan, so mutierte nun die Fachbezeichnung für Computerunterricht zu Informatik -Automatische Verarbeitung von Informationen - jene Definition, die sich als minimaler Konsens für den Begriff Informatik aus der Wortbedeutung ergibt. Ab 1990 gab es den Bildungsauftrag für österreichische Hauptschulen, Informatikunterricht anzubieten, wobei es schon damals die Unterscheidung zwischen Computer als Werkzeug in allen Fachgegenständen und Computer als Unterrichtsinhalt eines selbigen Fachgegenstands gab. Lehrplanmäßige Berücksichtigung informatischer Bildungsinhalte in einzelnen Unterrichtsfächern sowie computergestütztes Arbeiten erfolgte seit Beginn des Schuljahres 1990/91 in der gesamten 7. und 8. Schulstufe.
Häufig wird in der historischen Darstellung über den Verlauf der Entwicklung der neuen Technologien bzw. der Informatik der Begriff ‚Revolution’ verwendet. 1995 spricht Susan Merrit 3 von drei Revolutionen, die in der jüngsten Zeit
1 Forneck zit. in Eberle 1996, S. 88
2 Klein- und mittelständische Unternehmen 3 vgl. Merrit in Hüffel/Reiter 1996, S. 26-28
8
für den Erziehungsbereich kennzeichnend sind, nämlich die Computer-Revolution, die Telekommunikations-Revolution und schließlich von der noch verdeckten 3. [R]Evolution 1 - Merrit bezeichnet diese als Evolution - die auf eine breite Verankerung der Informations- und Kommunikationstechnologien in allen Lebensbereichen abzielt.
Während der Begriff ‚Revolution’ eine Aufhebung, eine Umwälzung der bisher als gültig anerkannten Gesetze oder der bisher geübten Praxis durch neue Erkenntnisse und Methoden intendiert, zielt der Ausdruck ‚Evolution’ auf die allmählich fortschreitende Entwicklung, auf die Fortentwicklung im Geschichtsablauf, die durch eine Revolution ihren Ausgang genommen hat, ab. Informations- und Kommunikationstechnologien sollen für die sie benutzenden Menschen zur Selbstverständlichkeit werden.
Heute, im Jahr 2004, befinden wir uns inmitten dieser Evolution. Wer von uns besitzt noch kein Handy, keinen PC, keinen Zugang zum „Inter-Net“ oder denkt zumindest daran, sich in nächster Zukunft an dieser Revolution aktiv zu beteiligen!
Weltbild und Wahrnehmung sind in zentraler Weise durch die Medien geprägt, die ihrerseits in nicht unerheblichem Maße von den technischen Grundlagen bestimmt werden. Hier ist ein enormer Verschmelzungsprozess von Medientechnik, Nachrichtentechnik und Informatik hin zu digitalen Medien zu beobachten. Die durch die rasche Entfaltung dieser technischen Revolution verursachten gesellschaftlichen Veränderungen sind bislang nur schemenhaft erkennbar. Spätestens durch die Synthese der Rechner mit den digitalisierten Medien greifen die sozialen und politisch-rechtlichen Wirkungen der Informatik in die kulturelle Sphäre über. Die ‚Globale Vernetzung’ stellt die Gesellschaft und somit auch den Bildungsbereich vor völlig neue Heraus-forderungen.
1 Schreibweise Merrits
9
1995 hielt erstmals das Internet Einzug in die Schulen. Damit zusammenfallend kann eine neuerliche Umbenennung des Fachgegenstandes von Informatik zu IKT - Informations- und Kommunikationstechnologie - ausgemacht werden. Vereinfacht ausgedrückt kann somit die Entwicklung des Computerunterrichts an österrischen Schulen reduziert werden auf die Schiene: Daten (EDV) - Information (Informatik) - Kommunikation (IKT). Heute, in der Phase der ‚Late Majority’, muss m.E. unbedingt noch das weite Feld der Kooperation im Sinne eines Social Networkings mitgedacht werden, was zu einer zeitlichen Schiene Daten - Information - Kommunikation -Kollaboration - Kooperation führt, die jedem Social Networking Prozess immanent innewohnt; hier sei im Speziellen Computer Supported Cooperative Work (CSCW) und als ein Tool die ‚Wiki-Web-Technologie’ angedacht. Baier 1 unterscheidet vier Formen der Zusammenarbeit [Informieren-Koordi-nieren-Kollaborieren-Kooperieren], die sich hinsichtlich der Intensität der Kommunikationsprozesse innerhalb der Gruppe /des Teams unterscheiden. Charakteristisch für die Kooperation zwischen Personen ist die starke Übereinstimmung in den Zielen und die gemeinsame Verantwortung für das Arbeitsergebnis. Hiervon abzugrenzen ist, obwohl die Übergänge fließend sind, die Kollaboration. Zwischen kollaborierenden Personen besteht nur eine teilweise Übereinstimmung in den Zielen. Ferner sind Einzelbeiträge im Ergebnis erkennbar. Haben die beteiligten Personen kein gemeinsames Ziel, aber übereinstimmende Interessen, so spricht man von Koordination, sofern organisatorische Zusammengehörigkeit die Abstimmung der Tätigkeiten erfordert. Die hinsichtlich der Intensität der Zusammenarbeit schwächste Form der gemeinsamen Arbeit ist die Information. Informationsanbieter müssen nicht notwendigerweise wissen, wer die Empfänger der Information sind. Die Kommunikation zwischen den Team-/Gruppenmitgliedern verläuft meist unidirektional.
1 Baier, J. H.: Supporting Cooperative Work with Computers: Addressing Meeting Mania. In: IEEE Intellectual Digest of Papers. COMPCON ’89. 1989.
10
Mit zunehmender Verbreitung hat sich das Internet zu einem ‚Ort’ entwickelt, in dem Personen sozial miteinander interagieren. Computer und Netze beginnen als soziale Umgebung genutzt zu werden.
Eng mit dem Internet verbunden ist der Begriff des Netzes, der häufig als Metapher verwendet wird, wie auch eine Pressemitteilung des Unterrichtsministeriums zeigt. „Wien, 27. Oktober 1997/22:34
Unterrichtsministerium jetzt online! Schon 1000 Österreichische Schulen im Netz“ 1
1997 (Stand 15. Oktober) hatten von 6212 österr. Schulen 978 einen Internetanschluss, wovon 535 nur einen E-Mail-Account zur Verfügung hatten. 54 Schulen hatten nur WWW, 388 E-Mail und WWW. Laut der ASN-Gesamtübersicht (Stand 1. Oktober 1997) hatten 301 Schulen eine eigene Homepage. 2 Das ‚Lehrerforum’ fragte in einer Stellungnahme zu dieser Pressetext.austria-Meldung u.a.: „Was aber heisst, sie seien „im Netz“? “ 3
Heute, im Jahr 2004, würde sich keiner mehr die Blöße geben und ernsthaft fragen: ‚Was heißt, sie sind im Netz?’, wobei m.E. die Frage eher rhetorisch gemeint war denn als Verständnisfrage.
Auf der Web-Site des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur [www.bmuk.gv.at] war im Juli 2000 zum Projekt e-Austria in e-Europe unter der Überschrift
„Lernen - Lehren - Forschen für eine vernetzte Wissensgesellschaft. Aufbruch zu e-learning und Internet.“
1 Quelle: pressetext.austria vom 27. Oktober 1997 auf:
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=971027010 [5. 8. 2004] 2 http://web.archive.org/web/19971012020540/www.bmuvie.gv.at/schuleni.htm [5. 8. 2004] 3 http://paedpsych.jk.uni-
linz.ac.at/PAEDPSYCH/NETSCHULE/NetSchuleEinleitung.html [5. 8. 2004]
11
Folgendes zu lesen:
„Folgende Maßnahmen im Bildungsbereich sind notwendig: […]Lernen am Netz [Hervorhebung durch die Autorin, sic!] muss für Jugendliche und Erwachsene zur Selbstverständlichkeit werden.“ 1
Der Einzug des Internets in die Klassenzimmer unserer Schulen hat nicht nur neues Leben in manche Konferenzzimmer gebracht, er hat auch den traditionellen Informatikunterricht zumindest dazu animiert, die linear-kausale Denkschiene zu hinterfragen. „Wie unterrichte ich Internet“? Das Konstrukt mancher Pädagogen, das diese auf die Einführung des Fernsehens erdachten, nämlich die Kinder und Jugendlichen am besten vor dessen Einfluss zu bewahren, hat sich als nicht gangbar erwiesen.
„Und selbst ein die moderne ‚Bewusstseins-Industrie‘ [ - mit welcher ausgezeichneten Benennung das feinmaschige Netz vielfältiger Beeinflussung und Steuerung der Meinung der Staatsbürger durch die Massenmedien, die Politiker, die Wissenschaft, Werbung, usw. gemeint ist] so kompromisslos ablehnender Denker wie Enzensberger betont, dass es mit der bloßen Ablehnung nicht getan ist; es bleibt vielmehr ‚zwischen Unbestechlichkeit und Defaitismus zu unterscheiden. Es handelt sich nicht darum, die Bewusstseins-Industrie ohnmächtig zu verwerfen, sondern darum, sich auf ihr gefährliches Spiel einzulassen. Dazu gehören neue Kenntnisse …’“ 2 und m.E. auch ein Bewusstwerden um Entwicklungsverläufe der Medien i.B. des Internets aus der Zeit heraus.
Erst eine Auseinandersetzung mit der Perturbation Internet, sofern es als solche erfasst wird, verhilft vielleicht dazu, neue Kenntnisse zu erlangen und in weiterer Folge zu einer subjektiv sinnvollen Nutzung des Internets und seiner
1 http://web.archive.org/web/20000621132729/www.bmuk.gv.at/pneu/pk.htm [25. 3. 2004]
2 Enzensberger zit. in Watzlawick 1982, S. 15
12
[auch zukünftigen] Möglichkeiten zu gelangen. Neue Kenntnisse im Zusammenhang mit Internet dürfen aber nicht in der Bedienbarkeit des Browsers, dem softwaremäßigen Tor in diese Welt, gipfeln, sondern neue Kenntnisse erfordern auch von LehrerInnen Lernen, Neugierig sein auf die Vieldimensionalität, die Pluralität, die Offenheit des Systems.
Sofern im Kontext nur ansatzweise erkennbar ist, dass es um Technologie geht, assoziieren wir in unserer jetzigen europäischen Gesellschaft mit Netz unweigerlich entweder das Internet oder Netzwerktechnologien, wie LAN u.dgl.m. Dass das Wort Netz somit im Jetzt auf ein Minimum reduziert wird, soll die nachfolgende Ausseinandersetzung mit dem Begriff zeigen. Auch hier ist m.E. vernetztes Denken angebracht, um nicht der Verkürzung eines Begriffes, der eine vielschichtige Bedeutungstiefe hat, zu erliegen.
Internet, als eine inzwischen die Gesellschaft durchdringende Technologie -Im 1. Quartal 2003 wurde das Internet von 41% der Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren genutzt (2002: 37%). 47% dieser Internetnutzer waren nahezu täglich im Netz. Weitere 42% nutzten das Internet zumindest einmal in der Woche. 1 -, braucht das Verständnis um die Netzmetapher, um von der Wurzel in seiner Vieldimensionalität erfahrbar zu werden, weshalb ich mich in Kapitel 1 auf die Spurensuche des Netzbegriffs mache. Im weiteren Fortgang der Arbeit versuche ich diese Spurensuche dann auf die Termini-Schiene ‚Netz der Netze/Internet [Kapitel 2] - Information [Kapitel 3] - Kommunikation [Kapitel 4] - Kooperation [Kapitel 5]’ auszudehnen und so den Formen der Interaktion näher auf den Grund zu kommen, die sozusagen als Inkredientien für Computer Supported Cooperativ Work angesehen werden können.
1 vgl. STATISTIK AUSTRIA auf http://www.statistik.at/, Seite wurde am 26.1.2004 von Huber-Bachmann aktualisiert. [7. 7. 2004]
13
Kapitel 6 stellt schließlich die Wiki-Web-Technologie als ein Computer Sup-ported Cooperativ Work Tool, das auch im Pflichtschulbereich gewinnbringend im Sinne von Kompetenzförderung im Bereich Social Networking sein könnte, näher vor.
Dennoch, wie viele im ersten Augenblick als positiv fortschrittlich auszumachende Wirkungen neuer Technologien auf die Gesellschaft auch erkannt werden mögen, auf jeden Fall hat der Computer seine Grenze dort, wo Verständnis, Einsicht und Intuition gefordert sind. Einige Gedanken diesbezüglich möchte ich im Kapitel 7 ‚Nach-Gedanken’ anreißen, wie wohl sich diese Arbeit nicht mit Technikfolgen und Technikgeneseforschung, mit Informatik und Gesellschaft bzw. Ethik befasst hat.
Prämisse der gesamten Arbeit war es auch, einen medienphilosophischen, in mancher Hinsicht auch soziologischen Blick auf - für uns LehrerInnen oftmals nur - ‚Schlagwörter’ unserer Zeit im Zusammenhang mit Internet und Schule zu machen. Weiters wollte ich Möglichkeiten aufzeigen, Internet und seine Technologien für Lehrzwecke kostengünstig von zu Hause [Kapitel 2.6 Internet-Zugang für LehrerInnen], bzw. kostenlos [Kapitel 3.3 Kostenlose Webhost-Angebote] zu nutzen. So stand bei allen Überlegungen zu diversen allgemeinen Werkzeugen medialer Kommunikation und Kooperation, die völlige Kostenneutralität neben einer einfachen Bedienbarkeit im Vordergrund, weshalb auch nur Gratis-Systeme, die kein spezielles technisches Studium voraussetzen, aufgeführt werden [Kapitel 5.5 Das österreichische Schulportal, Kapitel 6.1.2 Collaboration Software, Kapitel 7 Wiki Webs].
Nicht beschäftigt sich diese Arbeit mit methodisch-didaktischen Implikationen neuer Technologien in den Unterricht.
14
1 DAS NETZ
1.1 Zur Begrifflichkeit
Es erscheint mir wichtig, einigen Begriffen, wie Vernetzung, Netzwerk, Gaia, Rhizom u.a. rund um das Wort Netz näher auf die Spur zu kommen. Der Begriff des Netzes ist philosophisch und kulturgeschichtlich ein inhaltsreiches Thema. Es gibt Netze und Netzwerke der verschiedensten Art. Gemeinsam ist ihnen allen die Aufgabe, wie es Sabine Bauer in einem Vortrag ausdrückte, „…Teile zu verbinden und aufeinander zu beziehen, zu schützen, zu umhüllen […], sie dienen zum Binden und zum Fangen, bringen Dinge, Wesen, Materialien miteinander in Beziehung.“ 2
1 http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/aphdt.html [30. 4. 2004] 2 Bauer, Sabine: Das Netz als Symbol und Metapher. Bremer Vorträge 2. 2000
15
In diversen Lexika findet man hiezu Synonyme, wie Geknüpftes, Geflecht, Maschenwerk, Verbundsystem, Liniensystem. Die Encyclopaedia Britannica meint zum Begriff ‚net’:
„an open fabric of thread, cord, or wire, the intersections of which are looped or knotted so as to form a mesh. Nets are primarily used for fishing.“ 1
Als Netz bezeichnet man - und diese Aufzählung erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit:
• ein geknüpftes stoffliches Netz,
• ein nichtstoffliches Netz, z.B.: Intrigennetz, ‚Netz der Angst’, Beziehungsnetz
• eine netzartige oder netzartig gedachte Struktur
• ein neuronales Netz
• eine Infrastruktur oder ihr Versorgungsnetz
• Wissensnetz
• Kommunikationsnetz
• in der Mathematik eine Verallgemeinerung des Folgenbegriffs
• das Stromnetz (Verbundnetz, etc.), Wassernetz, …
• das Internet
Der semantische Kern von ‚Netz’ ist dinglich, siehe Fischernetz oder Spinnennetz; wir verstehen heute das Wort Netz jedoch nicht mehr alleinig aus der
1 auf http://www.britannica.com/eb/article?eu=56731 [5. 7. 2004]
16
Sicht einer Agrargesellschaft, sondern häufiger als abstrakte Konstruktion systemischer Zusammenhänge.
Was die Bauform von Netzen betrifft, so kann festgestellt werden, dass, neben dem Kreuz [+/x] als Grundstruktur des Netzes, sie entweder baumförmig, sternförmig, vermascht 1 oder ringförmig aufgebaut sind, was sich z.B. auch in konkreter Form bei Bauplänen div. Lokal Area Networks visuell nachvollziehen lässt. Diese Visualisierungen von Netzen haben aber selbstredend nicht nur im technischen, respektive im computertechnischen Bereich Anwendung, sondern können ebenfalls im sozialen, im biologischen, im ökonomischen, im ökologischen Bereich u.a. zur Klärung von Beziehungsstrukturen eingesetzt werden. Netze kann man abstrakt als Graphen darstellen, die aus Punkten und Linien bestehen, wobei die Punkte die Knoten, die sowohl Vermittlungsstellen als auch Personen oder Endgeräte sein können, symbolisieren und die Linien für die Verbindungen stehen.
Kandinsky bezeichnet den Punkt (Knoten) als unsichtbares Wesen, welches materiell gedacht einer Null gleicht.
„In dieser Null sind aber verschiedene Eigenschaften verborgen, die ‚menschlich’ sind. […] und zur selben Zeit ist er eine Brücke von einem Sein zum anderen.“ 2 Der Punkt symbolisiert auf div. Graphen [s. auch Abb. 2 Netzwerktopologien] einen PC, der durch die ‚Linie’ (Vernetzung mittels Kabel oder auch Funk) zum Terminal wird. Bei der Datenfernübertragung wird der eigene Computer im Prinzip immer zum Terminal, das auf die Daten des Host zugreift, was rein technisch natürlich auch vice versa möglich ist. Der Punkt, der PC und der diesen bedienende Mensch mit seinen gespeicherten Daten wird somit zur Brücke.
Die Linie ist nun die Spur des sich bewegenden Punktes und somit
1 siehe hiezu auch http://www.ibiblio.org/pioneers/baran.html [7. 7. 2004] 2 Kandinsky 1973 S. 21
17
„…der Sprung aus dem Statischen in das Dynamische.[…]die Gerade, die also in ihrer Spannung die knappste Form der unendlichen Bewegungsmöglichkeit darstellt.“
1
„Ein Netz ist die Verbindung vieler Lebewesen zu einer neuen, funktionierenden Einheit. Lebewesen sind die Knoten eines Netzes. Es besitzt Eigenschaften, die auf der Ebene seiner Knoten noch nicht existieren. Diese neuen Qualitäten entstehen durch die Zahl und die Anordnung der Knoten und vor allem durch die Interaktion zwischen ihnen.“ 2
Der Mensch ist ohne Netze, zum Bespiel die Beziehungen zu anderen Menschen, gar nicht denkbar. Netze sind die Grundlage des Lebens. Das Bild eines Netzes macht zugleich deutlich, dass es keine Ganzheit ist, die erkannt wird, da gibt es zu viele Maschen, sondern dass es die Strukturen sind, die wie ‚rote Fäden’ Beziehungen erkennbar machen. Netze verbinden vielfältigste Knoten zu einem einheitlichen Ganzen, balancieren Chaos und Ordnung aus, organisieren Beziehungen und halten Attacken von außen besser stand als jedes hierarchische System.
Abb. 1 Imagination eines Netzes 3
1 Kandinsky 1973 S. 58
2 Gleich 2002 S. 36
3 vgl. Bild auf: http://www.ivt.baum.ethz.ch/vrp/vrp_d.html [24. 6. 2004]
18
Vernetzung ist auch ein Begriff aus der Systemtheorie. Ein System besteht aus einzelnen Teilen, die durch Ursache-Wirkung-Beziehungen und allgemeine und besondere Systemeigenschaften miteinander vielfältig verknüpft sind. Bildhaft spricht man daher von einem ‚Beziehungsnetz’, welches erklärt werden kann als:
„…die wechselseitige Verknüpfung und Beeinflussung der Elemente eines komplexen Systems. Dabei kann es sich um natürl., techn., soziale oder ökonom. Systeme handeln, deren Elemente untereinander in Wechselwirkung stehen oder in ein Beziehungsgeflecht eingebunden sind (vernetztes System).“ 1 Das mit Vernetzung verbundene prozesshafte Tun und Handeln sowie die damit verbundene Vielfalt an Möglichkeiten bringen es mit sich, dass Vernetzung in einem Rahmen schillernder Bedeutungsvielfalt steht. Diese Bedeutungsvielfalt umfasst alle illusionären Facetten normativer bis utopischer Aspekte.
Der Begriff kommt außerdem im Bereich der Informationstechnik zum Einsatz, wenn im Allgemeinen die Infrastruktur zwischen elektronischen Geräten, also die Verkabelung, gemeint ist z.B. bei Computernetzwerken. Im Bereich der Informatik entstand die Disziplin des Knowledge Managements (nach Uwe Hannig 2 versteht man unter Wissensmanagement bzw. Knowledge Management die Nutzbarmachung des einer Organisation zugänglichen Wissens für deren Mitglieder), Knowledge Engineerings (ist in der künstlichen Intelligenz der Prozess des Aufbaus einer Wissensbasis, wie sie für Expertensysteme benötigt wird) in dessen Zusammenhang Vernetzung die Verknüpfung von Wissensfragmenten zu neuen Ideen bedeutet. [Siehe auch 3.1.2 Wissen schaffen -Wissensmanagement]
1 Brockhaus Bd. 23, S. 213
2 Vorstand des Instituts für Knowledge Management (IKM) in Zwickau
19
Abstrakte Definitionen von Netzwerk, z.B. als aus Knotenpunkten und Verbindungen bestehende Struktur, helfen wenig bei der Anwendung auf komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge.
Ein Musterbeispiel eines Netzwerkes wäre das Zentralnervensystem (bestehend aus Gehirn und Rückenmark) des menschlichen Körpers. Die Wahrnehmung der Lebenswelt als ein Netzwerk, das Denken in Netzwerken, ist ein Element des Systemdenkens, das sich in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen als ein vorrangiges Paradigma modernen Denkens etabliert hat. In den USA ist mit Social Software (Weblogs u.a.) der Trend entstanden, die Möglichkeiten des Internet für die Bildung virtueller sozialer Netzwerke zu nutzen. Besonderer Vorteil gegenüber realen sozialen Netzwerken ist die Orts-ungebundenheit und der geringe Aufwand zur Netzwerkpflege. Die einzelnen Netzwerkknoten (Punkte) können in unterschiedlicher räumlicher Anordnung formiert sein. Die daraus resultierende Netzwerkstruktur (Stern, Ring, Vermascht, Baum) nennt man Netzwerktopologie (Topologie = Struktur).
Stern Ring Teilvermascht Vollvermascht Baum
Abb. 2 Netzwerktopologien
1 http://www.lassalle-institut.org/presse/Capra_in_Swiss_Engineering.pdf [6. 6. 2004]
20
Vilém Flusser
(1920-1991) hat eine praktische Theorie zur Kommunikation, die Kommunikologie
1
, aufgestellt. Wenn Kommunikation jener Prozess ist, durch den erworbene Information gespeichert, verarbeitet und weitergegeben wird, dann schafft es die Kommunikologie, diesen Prozess nach genetischen, strukturalen und dynamischen Aspekten zu analysieren. Obwohl
Flusser
sehr genau über die Eigenschaften einer digitalen Kultur und ihrer Quervernetzungen nachgedacht hat, konnte er das Medium Internet nicht in voller Schärfe vorhersehen, welches den dialogischen Charakter des Telefons mit dem diskursiven Charakter hierarchischer Botschaftverteilung durch das Fernsehen verbindet. In seinen Vorlesungen zur ‚Kommunikologie’ relativiert
Flusser
implizit den Ansatz
McLuhans:
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt die zweite industrielle Revolution, welche über die Elektrizität die Speicher- und Übertragungsmedien einsetzt, ihre Effekte zu zeitigen. War die erste industrielle Revolution mit den mechanischen Maschinen die technische Simulation menschlicher Muskelkraft, so besteht die zweite in der technischen Simulation der menschlichen Sinnesnerven (McLuhan spricht von einer Ausweitung des Zentralnervensystems).
Flusser hat Kommunikationsstrukturen zunächst in zwei Kategorien eingeteilt; die diskursive Struktur, die klar zwischen Autor, Sender und Empfänger unterscheidet - allein der Autor kann gleichzeitig auch Sender sein - und die zweite, übergeordnete Struktur, die dialogische, in der es keine Trennung der Funktion von Autor, Sender und Empfänger mehr gibt und alle Beteiligten sowohl Sender als auch Empfänger sind.
Real existierende technische Netzwerke (Netzwerktopologien) lassen sich strukturell eins zu eins auf Flussers Formationen der Kommunikation übertragen:
1 vgl. Flusser 1998 S. 9-73
21
•
Netzwerktopologie des Sterns oder der
Amphitheaterdiskurs:
• Netzwerktopologie des Ringes oder der Kreisdialog:
• Netzwerktopologie des Baumes oder der Baumdiskurs:
• Netzwerktopologie „Vermascht“ oder der Netzdialog:
Nach
Flusser
bildet der Netzdialog die Grundlage aller Kommunikation, welche letztlich alle vom Menschen ausgearbeiteten Informationen in sich aufsaugt. Diese Formation ist demokratisch in einem ganz authentischen Sinn und erzeugt eine Unmenge neuer Informationen. Diese Kommunikationsstruktur bildet das elementare Grundnetz aller menschlichen Kommunikation und damit von Gesellschaft überhaupt.
Flusser
ging davon aus, dass gut ausgearbeitete Netzsysteme dem Amphitheater der Massenmedien die Stirn bieten können.
Im Sprachgebrauch des Jahres 2004 wird Netzwerk häufig auch als Synonym für ein Computernetzwerk, das ist ein Zusammenschluss von verschiedenen technischen Systemen (wie z.B.Computern, Handys, PDAs, Sensoren, Aktoren usw.) zum Zweck der Kommunikation, gebraucht. Unterschieden werden lokale Netzwerke (LAN), nicht-lokale Netzwerke (MAN, WAN, GAN, Extranet), drahtgebundene Netzwerke (z.B. Ethernet) und drahtlose Netzwerke (Wireless LAN, Bluetooth, GSM, UMTS). Die Kommunikation erfolgt über verschiedene Protokolle, die mittels des ISO/OSI-Modells klassifiziert werden können.
Das Netz ist zum zentralen Begriff für die Informationskultur avanciert.
Die Vernetzung ist nicht nur ein technischer Vorgang, sondern sie beeinflusst darüber hinaus die Herangehensweise vieler Akteure an ökonomische und soziale Fragestellungen, was aber nicht „Andenkpunkt“ dieser Arbeit ist. Robert Metcalfe weist mit seinem „Gesetz“, wie er es selbst bezeichnet, darauf hin, dass der Nutzen eines Netzes exponential mit der Zahl seiner Teilnehmer steige 1 , was aber weiter gedacht bedeutet, dass auch das Risiko - welcher Art auch immer - exponential wächst.
1 vgl. http://www.wissensnavigator.com/interface2/communication/nets/metcalfes_law/ [3.1. 2005]
23
Florian Rötzer verwendet den Begriff ‚Gaia’ um das Leben als eine Art Super-organimus zu erklären, der aus einem komplizierten Netz von Netzen besteht. Dieser mythische Name der archaischen Muttergöttin trat ein für eine Theorie [Gaia-Hypothese von James Lovelock], welche die Vernetzungstechnik als den Grundmechanismus des Lebendigen ausmachte. Gaia ist ein Prozess, der in Selbstorganisation neue Strukturen hervorbringt, wodurch das Leben genau jene Bedingungen erzeugt, die es zum Überleben braucht. 2
1.1.5 Rhizom
Als Rhizom bezeichnen Deleuze und Guattari in der Philosophie ein Modell für eine mimetisch-ästhetische Praxis, bei der die Metapher des Wurzelstocks das hierarchische und verzweigende Denken ersetzt, das Deleuze und Guattari kritisieren. Ein Rhizom ist - im Kontext der Botanik - ein Wurzelsystem, das keine Hauptwurzel hat. Eine rhizomorphe Kommunikation wäre demzufolge eine solche, bei der keine Sender-Empfänger-Struktur angenommen wird, sondern ein System reziproken Austauschs zwischen allen gleichberechtigten Kommunikatoren.
1 http://www.schule.suedtirol.it/blikk/angebote/schulegestalten/se_suedtirol/ Projektmanagement.pdf [30. 7. 2004] 2 vgl. Gleich 2002 S. 34ff
24
Abb. 3 Rhizom
Nach Deleuze und Guattari hat das Rhizom sechs grundlegende Merkmale:
• Das Prinzip der Konnexion, Heterogenität und Vielfalt: Diese Prinzipien implizieren sowohl, dass jeder Punkt mit jedem anderen beliebigen Punkt verbunden werden kann und muss (Konnexion), als auch, dass eben jene Verbindungen eigenständig und unabhängig voneinander bleiben. Howard Bloom (Global Brain) ist der Ansicht, dass man in dem Moment, wo eine soziale Gruppe über das Nachahmungslernen verfügt, von einem Datennetzwerk sprechen kann.
„Staatenbildende Insekten gelten mit Recht als Elite unter den Netzwerkern. Ameisen, Bienen oder Termiten, die alle nur über winzige Gehirne verfügen, beweisen als vernetzter Superorganismus eine überragende Intelligenz.“ 1
• Das Prinzip des asignifikanten Bruchs:
Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen oder zerstört werden; es wuchert entlang seiner eigenen oder anderer Linien weiter.
• Das Prinzip der Kartographie und Dekalkomonie:
Ziel ist es nicht Kopien zu erstellen, sondern Karten zu machen. Die Karte ist offen, sie kann in allen ihren Dimensionen verbunden, demontiert und umgekehrt werden, sie ist ständig modifizierbar. Im Unterschied zur Kopie, die eine
1 Gleich 2002 S. 48
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möglichst identische Repräsentation darstellt, selektiert eine Karte bestimmte Informationen aus dem Abzubildenden. Die Karte kann und wird je nach Situation und Bedürfnis daher verändert und erweitert.
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Das gesamte WWW ist ein sich ständig veränderndes und expandierendes Netz von Schnittstellen, in dem es keinen Ursprung gibt. Es gibt keine richtigen oder falschen, sondern nur individuell verschiedene Wege. „Internet-Theoretiker greifen gern auf den Begriff des Rhizoms zurück, um Hypertext oder das Internet beschreiben zu können. Das greift allerdings meist zu kurz: Hypertext als vollkommen rhizomatisches Medium zu bezeichnen, unterschlägt, dass ein Hypertext, wie verschachtelt auch immer, insofern weiterhin ein linearer Text ist, als er von einem Autor ausgeht und als Kommunikat vom Rezipienten nicht mehr zu verändern ist.“ 2
Die obige Aussage ist auf Grund neuer Webtechnologien, hier sei als ein Beispiel auf die WikiWikiWeb-Technologie [s. auch 6 ] verwiesen, ver-Wiki-Webs 3 zu verändern. altet, da es hier auch dem Rezipienten möglich ist, den Content
1 vgl. Deleuze/ Guattari 1992 S. 13 - 38
2 Düppe, Stephan/Niehaus, Alexander auf: http://www.ruhr-uni-bochum.de/www-public/ niehaabp/Rhizom/filet.htm [7. 7. 2004]
3 Der Begriff Content wird hier im umfassenden Sinne, also für all das, was der Web-Site-Besucher beim Aufruf einer Internetseite unmittelbar wahrnimmt, gebraucht. Diese Wahrnehmung können Texte, Bilder, Bewegtbilder und/oder Klänge umfassen - ähnlich dem modernen Textbegriff in der Medienpädagogik.
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Sabine Bauer verweist diesbezüglich auf die griechische Mythologie. Es waren die Moiren, die drei Schicksalsgöttinnen - sie heißen Klotho (sie spinnt den Lebensfaden), Lachesis (sie misst ihn zu) und Atropos (sie schneidet ihn ab)denen die Netzarbeit, die Arbeit an der Zeit zukam.
„Auch wenn die Sinnträger wechselten, das Netz behielt seine Aufgabe als Ordnungsprinzip bei. Die Arbeit an und in den Netzen ist damit auch Arbeit an der kulturellen Tradierung.“ 1
Als weitere Beispiele früher Netzwerke seien das Bewässerungssystem Mesopotamiens, das Straßen- und Nachrichtennetz des frühen Römischen Reiches und die kognitive Vernetzung der scholastischen Theologie im Mittelalter genannt. Der Netzbegriff taucht im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit Telegraphie und Eisenbahn, Wasser- und Abwasserkanälen, Elektrizitätsleitungen und schließlich dem Telefon auf, das zum komplexesten und kapitalintensivsten technischen System aller Zeiten werden sollte. Netzwerke werden zu den Life-Lines. Netzwerke sind eine Kulturtechnik ersten Ranges. Der Netzbegriff spielt auch eine wesentliche Rolle in der Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins. In der 1938 verfassten Urfassung des Vorwortes zu den Philosophischen Untersuchungen dient das Wort ‚Netz’ als die erklärende Metapher, die den gedanklichen Aufbau des Buches beleuchten soll. Nach jahrelangen Bemühungen, ein herkömmliches Buch zu Stande zu bringen, berichtet hier Wittgenstein, musste er zur Überzeugung kommen, dass er alle solche Versuche aufzugeben hätte. 2
1 Bauer, Sabine: Das Netz als Symbol und Metapher. Bremer Vorträge 2. 2000 2 Monk 2000 S. 359ff
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Den Netzbegriff darf man nicht - obwohl es so nahe liegt - auf das Internet reduzieren: Das Internet ist nur eine technische Voraussetzung eines viel breiteren Vorgangs. Das Phänomen ‚Netz’ muss als ein Denkmuster gesehen werden, als ein neuer organisatorischer, gesellschaftlicher und kultureller Unterbau, dennoch, durch den Siegeszug des Internets ist die Netzmetapher in den letzten Jahren zu einem Dauerbrenner geworden.
Der Mensch als soziales Wesen hat sich immer schon vernetzt: in Horden und Clans, in Dorfgemeinschaften und Städtebündnissen, in Klöstern und Kaufmannschaften u. dgl.m. Hüffel und Günther 1 weisen darauf hin, dass ein Spitzenmanager der heutigen Zeit an einem Tag mit mehr Personen Kontakt hat (Netze spinnt) als ein Mensch im Mittelalter in seinem ganzen Leben. Dies nimmt nicht Wunder, da doch erst durch die technischen Instrumente, wie Computer, Modem, E-Mail, SMS u.a. Werkzeuge zur Hand sind, die es immer mehr Menschen erlauben, sich über immer größere Entfernungen hinweg immer schneller in Netze einzubinden und die Kommunikation zwischen all diesen Knoten (Punkten) aufrecht zu erhalten.
1 vgl. Hüffel/Günther 1999 S. 64
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Die nachstehende Tabelle [Tab. 1] bzw. Abbildung [Abb. 4] soll die Entwicklung der Anzahl der Begriffe ‚Netz/net’ und ‚Netzwerk/network’ im Web visualisieren. Mittels der Suchmaschine Google wurden die obigen Begriffe im Suchbereich ‚Web’ in zeitlichen Abständen eingegeben.
Tab. 1 Anzahl der Suchergebnisse in Google sortiert nach Datum
[Eingabe der Begriffe auf www.google.at - Suche im Feld „Web“]
Wenige Suchergebnisse - ca. 1% - wurden für die internationale cno-Domain 1 .net gefunden; .com kommt auf fast vier Mal so viel. [Altavista fand für .net am 3. 1. 2005 hingegen 122.000.000 zu 1.800.000.000 und Yahoo sogar 231.000.00 Ergebnisse zu 1.800.000.000 .com.]
Dennoch hat sich der Wert für die Domain .net innerhalb eines halben Jahres mehr als verdoppelt. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Endung .net heutzutage immer öfter verwendet wird, wenn der gewünschte Name unter .com nicht mehr verfügbar ist.
1 Die Abkürzung ‚cno’ steht für .com-, .net- und .org-Domains. Hierbei handelt es sich um die drei grossen internationalen, sehr weit verbreiteten TopLevel-Domains.
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Arbeit zitieren:
Karin Wurm, 2005, Schulen ans Netz - Von statischen Informationsseiten zu Computer Supported Cooperative Work?, München, GRIN Verlag GmbH
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