DE REGIMINE PRINCIPUM AD REGEM CYPRI -
DIE FRAGE NACH DEM VERHÄLTNIS VON GEISTIGER
UND WELTLICHER GEWALT IM DENKEN DES THOMAS VON AQUIN
Daniel Brombacher
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 2
2. Die thomasische Konzeption der Gesellschaft
2.1. Zur natürlichen Begründung der Gesellschaft 3
2.2. Vernunft und Teleologie 5
3. Die Aufgaben der weltlichen und geistlichen Macht und deren Verhältnis 7
4. Bedeutung und Einordnung 12
5. Fazit 17
6. Literaturverzeichnis 18
1. EINLEITUNG
Thomas von Aquin (1224/25 - 1274) "[...] gilt vielfach als der Denker des Mittelalters schlechthin.1" Selbst an erster Stelle Theologe, wandelte er die jenseitig orientierte Theologie durch seine Betonung der Natürlichkeit der Welt und der Vernunftmäßigkeit des Menschen. Thomas ging in seinen Erörterungen nicht mehr nur vom Jenseitigen aus, sondern auch von der Welt und dem Menschen an sich. Daraus folgte, als ein Bruch mit der augustinischen Denktradition, eine Aufwertung der Bedeutung des politisch-weltlichen und den damit verbundenen, nun positiv bewerteten Fragestellungen 2. Sein Verständnis des Verhältnisses zwischen geistlicher und weltlicher Macht mag in diesem Kontext als bedeutsam erscheinen, da wohl kaum eine andere politheoretische Frage im europäischen Mittelalter solche Bedeutung erlangte, ja solche Konsequenzen nach sich zog. Folgende Arbeit soll sich mit diesem Aspekt im thomasischen Denken befassen, jedoch auch darüber hinausgehen, um eine kurze Einordnung in den geistesgeschichtlichen Kontext und eine Bewertung vollziehen zu können. Die Arbeit wird sich vorrangig auf die im Verhältnis zum Gesamtwerk des Thomas von Aquin eher kleine Schrift De Regimine Principum ad Regem Cypri beziehen, in der die thomasische Politik Darstellung findet: "Eigentlich als Fürstenspiegel für einen namentlich nicht genannten König von Zypern in pragmatischer Absicht verfasst, stellt das unvollendet gebliebene Werk die erste christliche Staatsphilosophie auf der Grundlage der aristotelischen Politik dar 3." Und weiterhin: "Immerhin ermöglicht das erste ausgeführte Teilstück eine Rekonstruktion der politischen Ansichten des Thomas von Aquin, ist hier doch ein neuer theoretischer Anlauf für eine Betrachtung der Politik und der politischen Verfassung der Menschen versucht.4" In keinem anderen Werk äußerst er sich so explizit zu dem, was dieser Arbeit als Fragestellung dienen soll. Dabei gestaltet sich die Darstellung eines Teilaspekts des politischen Denkens des Thomas als äußerst schwierig, da sich dieses in einer umfassenden Ganzheit repräsentiert, die kaum eine selektive Darstellung zulässt und als solche nur in Bezugnahme auf das Gesamtwerk, dabei vor allem auf die Summa Theologica, verdeutlich werden kann; "Einer der üblichen Fürstenspiegel kann ja nicht die vielfältigen Fragen anschneiden und beantworten, die die volle Ausgestaltung einer normativen Lebensordnung aufwirft5." Nichtsdestotrotz erlaubt der knappe Rahmen der Arbeit nur eine gelegentliche Bezugnahme auf die Summa Theologica, was vor allem anhand von Sekundärliteratur geschehen wird, da eine tiefere Betrachtung hier den Umfang sprengen würde.
Um trotzdem zu einer angemessenen Darstellung zu gelangen, soll im folgenden Teil der Arbeit die Anthropologie und Gesellschaftskonzeption des Thomas in kurzen Zügen dargestellt werden, um darauf aufbauend zu den Aufgaben, Zielsetzungen und dem Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht zu gelangen. Im fünften Kapitel wird versucht werden die dargestellte thomasische Konzeption grob in den geistes- und politikhistorischen Kontext einzuordnen, um zu einer Bewertung zu gelangen. Abschließend soll ein Fazit gezogen werden. Aus Gründen der Lesefreundlichkeit werden die Zitate aus dem Werk des Thomas von Aquin den deutschen Übersetzungen entnommen.
2. DIE THOMASISCHE KONZEPTION DER GESELLSCHAFT
2.1. ZUR NATÜRLICHEN BEGRÜNDUNG DER GESELLSCHAFT
[...]
1 Mensching, Günther: Thomas von Aquin, Frankfurt/New York, 1995, S. 20.
2 Vgl. Matz, Ulrich: Thomas von Aquin, in: Hans Maier, Heinz Rausch u. Horst Denzer (Hg.): Klassiker des politischen Denkens, München, 1968, S. 110 – 131, hier S. 110 – 113.
3 Philipp, Michael: Thomas von Aquin: De Regimine Principum ad Regem Cypri, in: Gisela Riescher, Theo Stammen u. Wilhelm Hofmann (Hg.): Hauptwerke der politischen Theorie, Stuttgart, 1997, S. 486 – 491, hier: S. 496. Thomas beendete das Werk wohl nie: erhalten sind nur der erste der vier Teile vollständig, der zweite nur teilweise, die übrigen gar nicht.
4 Miethke, Jürgen: De potestate papae, Die päpstliche Amtskompetenz im Widerstreit der politischen Theorie von Thomas von Aquin bis Wilhelm von Ockham, Tübingen, 2000, S. 30.
5 Dempf, Alois: Die Politik des Thomas von Aquin, in: Peter von Sivers (Hg.): Respublica Christiana, Politisches Denken im orthodoxen Christentum des Mittelalters, Sacerdotium ac Imperium, München, 1969, S 73 – 103, hier: S. 73.
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Daniel Brombacher, 2003, DE REGIMINE PRINCIPUM AD REGEM CYPRI - Zur Frage nach dem Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht im Denken des Thomas von Aquin, Munich, GRIN Publishing GmbH
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