Vorwort
Im Jahr 1995 haben wir uns in der „Ressortübergreifenden Präventionskommission Osnabrück“ („RePrOS“) 1 zu einer „Kriminologischen Regionalanalyse Osnabrück“ („KRA OS“) entschlossen, um uns bei der Bewertung der Kriminalitätslage nicht nur auf die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die die objektive Sicherheit bewerten, zu verlassen. Die erste „KRA“ wurde in den Jahren 1996/97 durchgeführt 2 . Im Fokus des Interesses standen eine Bevölkerungs-/Bürger- und eine Schülerbefragung, um so u.a. die subjektive Sicherheit (Sicherheitsgefühl, Sicherheitsempfinden) einschätzen zu können.
Bereits mit Abschluss der „KRA OS 1996/97“ waren wir uns als Durchführungsverantwortliche darüber im Klaren, dass eine einmalige Analyse dieser Art nur den Ist-Stand erhebt und beschreibt. Um die Konsequenzen und die Wirkungen feststellen zu können, war eine Wiederholungserhebung unabdingbar, sodass es 2002/03 zu einer weiteren „KRA“ kam („KRA OS 2002/03“) 3 . Im Mittelpunkt standen erneut eine Bevölkerungs/Bürger- und eine Schülerbefragung. Die Ergebnisse dieser „KRA“ zeigten bereits - positive - Wirkungen auf. 4
Aber damit nicht genug: Nach fünf Jahren kam es zur Durchführung der „KRA OS 2007/08“ 5 mit einer Bevölkerungs-/Bürgerbefragung. Auf eine Schülerbefragung musste diesmal auf Grund verschiedener Umstände
1 Die „Ressortübergreifende Präventionskommission Osnabrück“ („RePrOS“) hat sich im Dezember 1989 konstituiert und war nach dem „Kriminalpräventiven Rat Delmenhorst“ das zweite kommunale institutionalisierte Präventionsgremium im Land Niedersachsen. Näheres zur „RePrOS“: Hunsicker, Ernst, Entwicklung der kommunalen Kriminalprävention in Osnabrück seit 1989 (S. 945 ff.), in: Kriminalpolitik und ihre wissenschaftlichen Grundlagen - Festschrift für Professor Dr. Hans-Dieter Schwind zum 70. Geburtstag, Herausgegeben von Feltes, Thomas/Pfeiffer, Christian/Steinhilper, Gernot (2006), C.F. Müller Verlag Heidelberg.
2 Wissenschaftlich begleitet durch Prof. Dr. Bernhard Bruns, Kath. Fachhochschule Norddeutschland in Osnabrück, Fachbereich Sozialwesen.
3 Mit wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Manfred Rolfes, Uni Osnabrück, Fachgebiet Geographie im Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften.
4 Hunsicker, Ernst,
- Kriminologische Regionalanalysen in der Stadt Osnabrück - Plädoyer für ein unverzichtbares Instrumentarium, in: forum kriminalprävention 1/2006, S. 9 ff.
- Polizeistrategische Erhebungs-, Analyse-, Planungs- und Messinstrumentarien»Progressivmodell Osnabrück«, in: DIE POLIZEI 11/2006, S. 336 ff. (Überblick als Anhang 5)
5 Wiederum durch Prof. Dr. Manfred Rolfes, Universität Potsdam, Institut für Geographie, wissenschaftlich begleitet.
5
(Vorbehalte von Schulen, keine ausreichenden Finanzen) verzichtet werden.
Die durchaus positiven Ergebnisse (Erhebungen, Lösungsansätze, Umsetzungen, Wirkungen) der drei „KRA OS“ waren Voraussetzung, uns für den Städtepreis der „Stiftung Kriminalprävention“ - erfolgreich - zu bewerben.
Die Stifter haben angeregt, die Ergebnisse im Vergleich der drei „KRA OS“ plakativ aufzulisten, was sich als eine große Herausforderung erwiesen hat und im Umfang von so genannten „Seitenpapieren“ kaum realisierbar ist.
Die auch zusammenfassende Darstellung von Ergebnissen und Wirkungen ist - ausgewählt - auf die wesentlichen Erhebungsbereiche begrenzt, wie sie in der nachfolgenden Inhaltsübersicht aufgeführt sind. Alle Aktivitäten würden den Rahmen erheblich sprengen. Ein Eindruck bezüglich der „KRA OS 1996/97“ lässt sich wie folgt vermitteln: Die Fachbereiche der Stadtverwaltung Osnabrück und die Frauenbeauftragte 6 der Stadt Osnabrück haben Papiere zur Realisierungsphase erarbeitet und vorgelegt (Bezeichnung der Problemkreise, Zwischenergebnisse, Lösungsansätze), und zwar zu folgenden Punkten:
- Kinder- und Jugenddelinquenz,
- Infrastruktur, bauliches Umfeld,
- Städteplanerische Maßnahmen [Verbesserung „FrauenNachtTaxi“, subjektive und objektive Sicherheitsdefizite (bauliche Ursachen), Sicherheitsgefühl bei Dunkelheit (Verbesserung der Beleuchtung)],
- Fehlende Präsenz von Ordnungskräften,
- Verbesserung der Verkehrssicherheit.
Die Maßnahmen der Polizei sind in einem Papier der Polizeiinspektion Osnabrück-Stadt mit Datum vom 21.06.1999 unter
„Polizeiliche Prioritäten und Aktivitäten aufgrund der KRA OS 96/97 (…)“ genannt: In das kommunale Gesamtkonzept der zu realisierenden präventiven und repressiven Programme etc. war die Polizei Osnabrück wie folgt eingebunden: … 7 (Einzelheiten ergeben sich nachfolgend aus dem jeweiligen Kapitel 1. bis 9.)
6 Bezeichnung inzwischen Gleichstellungsbeauftragte.
7 Hunsicker, Ernst, Bürgerbefragungen zur subjektiven Sicherheit in Osnabrück - oder: Ertrag und Wirkung von (kommunaler) Kriminalprävention, in: Angewandte Kriminologie und Kriminalprävention; Entwicklungen, Sachstand und Perspektiven (Festschrift für Dr. Joachim Jäger zum 65. Geburtstag), Schriftenreihe der Polizei-Führungs-Akademie 2/2003, S. 127 ff. (137 ff.).
6
Es muss darauf hingewiesen werden, dass die - überwiegend positiven -Ergebnisse und Wirkungen nicht nur auf die drei durchgeführten „KRA OS“ und daraus resultierende Konsequenzen (Maßnahmen, Projekte, Kampagnen usw.) zurückzuführen sind. Auch die in der „Ressortübergreifenden Präventionskommission Osnabrück“ / „RePrOS“ (1989 bis 2004) bzw. im „Kriminalpräventionsrat Osnabrück“ / „KPR OS“ (seit 2005) 8 vertretenen und weitere Stellen, die mehr oder weniger (kriminal-)präventiv arbeiten, haben einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet. So auch Oevermann et al.:
Auch wenn dieses Ergebnis signifikant ist, lässt sich nicht belegen, dass diese Veränderungen ausschließlich auf die seit 1997 oder 2002 umgesetzten Maßnahmen im Bereich der kommunalen Kriminalprävention zurückzuführen sind. Das Sicherheitsempfinden der Osnabrücker Bevölkerung ist auch von landes- und bundesweiten, meist über die Medien vermittelten Diskussion über die „innere Sicherheit“ abhängig. 9
8 Kriminalpräventionsrat Osnabrück: Aktuelle Projekte bzw. Beteiligung an aktuellen Projekten als Anhang 3.
9 Oevermann, Martin/Rolfes, Manfred/Hunsicker, Ernst/Wellmann, Wolfgang/Zimmerer, Wolfgang/Voges, Oliver, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 2007/08 zum Thema „Sicherheit und soziales Leben in Osnabrück“ (Forschungsbericht, 165 Seiten - ohne Anlagen), S. 140.
7
Seite
Vorbemerkungen ……………………………………………... 13
Primäre Literatur (Forschungsberichte)……………………….. 19
Kapitel/ Ziffern
1. (Un-)Sicherheitsgefühl zur Tages- und zur Nachtzeit“(objektive und subjektive Sicherheit in der Stadt Osnabrück) …………………………...… 21 …
1.5 Zusammenfassung: … …………………………………. 31
2. Bewertung der Polizeiarbeit …………………………. 33 …
2.4 Zusammenfassung: … ………………………………..... 45
3. Konsum legaler und illegaler Drogen durch Schüler/innen ………………………………………….. 47 …
3.3 Zusammenfassung: … ………………………………..... 50
4. Selbstbehauptete Delinquenz von Schülern/innen …. 53 …
4.3 Zusammenfassung: … ………………………………..... 57
5. Bedrohung/Beunruhigung durch Straftaten bzw. durch gesellschaftliche Entwicklungen ………... 59 …
5.4 Zusammenfassung: … ………………………………..... 70
6. Sachbeschädigung durch Graffiti …………………… 73 …
6.4 Zusammenfassung: … ………………………………..... 79
7. Wahrnehmung von Alltagsirritationen bzw. dringendste Probleme im Stadtteil ………………….. 81 …
11
Kapitel/ Seite Ziffern
7.4 Zusammenfassung: … ………………………………..... 91
8. Verbesserungsvorschläge und Wünsche …………….. 95 …
8.3 Zusammenfassung: … …………………………………. 100
9. Videoüberwachung …………………………………… 101 …
9.4 Zusammenfassung: … …………………………………. 113
Anhang 1
Deutscher Förderpreis Kriminalprävention 2009 (Städtepreis); Bewerbung ……………………………………………………. 115
Anhang 2
Website „Kriminalpräventionsrat Osnabrück“; Illegales Graffiti ………………………………………………. 117
Anhang 3
Kriminalpräventionsrat Osnabrück (KPR OS); Aktuelle Projekte bzw. Beteiligung an aktuellen Projekten ….. 119
Anhang 4
Geförderte Projekte des PrävOS e.V. im Jahr 2009 ………….. 121
Anhang 5
Polizeistrategische Erhebungs-, Analyse-, Planungs- und Messinstrumentarien; »Progressivmodell Osnabrück« im Überblick ………………………………………………….. 123
Anhang 6
Konzeption „Vernetzte Kriminalprävention Osnabrück“ …….. 125 ______
(Fach-)Bücher
von Ernst Hunsicker ………………………………………….. 127 mit Ernst Hunsicker …………………………………………... 128
Berufliche Vita des Verfassers in Kurzform ………………….. 129
12
Vorbemerkungen
1. Kriminologische Regionalanalysen (allgemein) und in der Stadt Osnabrück (speziell)
Die drei „Kriminologischen Regionalanalysen“ („KRA“) in der Stadt Osnabrück aus den Jahren 1996/97, 2002/03 und 2007/08 orientieren sich an dem „Aufbauschema Kriminologische Regionalanalyse“ (Jä- ger 1976 10 ,später Koch 1992 11 ).
In diesem Rahmen sind etwa ● (schriftliche oder telefonische) Befragungsaktionen (auch von Experten: Schwarzenegger/Müller 2008, 36) sinnvoll und üblich: etwa zur (stadtteilbezogenen: Legge/Bathsteen 1994, 96) Kriminalitätsfurcht, zur Opfersituation (zur Dunkelfeldforschung vgl. Rdn. 33 ff zu § 2; zum Anzeigeverhalten Rdn. 4 ff zu § 20) sowie zur Zufriedenheit mit der Wohnsituation, mit den Freizeitangeboten sowie mit der Arbeit der Polizei usw. (Musterfragebogen bei Dölling u.a. 2003, 281 ff). Die Erhebungen, zu denen auch ● Dokumentenanalysen (Aktenanalysen) gehören, sollten sich (nach Ammer in: Feltes 1994, 12 f) primär auf etwa folgende Informationen beziehen:
- Sozialdemographische Basisdaten …
- Kommunale Sozialdaten …
- Infrastrukturdaten …
- ein tatgelegenheitsspezifisches Sozialprofil … . 12 Die „KRA“ ist sowohl Planungsgrundlage für die kommunale Kriminalpolitik als auch Gradmesser für den Ertrag und die Wirkung kommunaler und lokaler Kriminalprävention. Die Analyseergebnisse müssen deshalb nicht nur bewertet, sondern anschließend in Kampagnen, Projekte und Maßnahmen umgesetzt werden. […] Die Stadt Osnabrück ist für die systematische Durchführung solcher Datenerhebungen und die sich anschließende „Verarbeitung“ dieser Daten vielleicht beispielgebend. 13
10 Jäger, Joachim, Die kriminologische Regionalanalyse, in: Schriftenreihe der Polizei-Führungsakademie 4/1976, S. 63 ff.
11 Koch, Karl-Friedrich, Kriminalitätslagebilder - Zur Erstellung überregionaler Kriminalitätslagebilder auf der Basis von Kriminologischen Regionalanalysen, in: BKA-Forschungsreihe (Sonderband), Bundeskriminalamt Wiesbaden 1992, S. 37.
12 Schwind, Hans-Dieter, Kriminologie - Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen, 20., neubearbeitete und erweiterte Auflage 2010, § 18 Rdn. 35 (S. 379 ff.).
13 Hunsicker, Ernst, Kriminologische Regionalanalysen in der Stadt Osnabrück - Plädoyer für ein unverzichtbares Instrumentarium, a.a.O.
13
Im Jahr 1996 wurde in der seit 1989 bestehenden „Ressortübergreifenden Präventionskommission Osnabrück“ (RePrOS) die Durchführung einer „Kriminologischen Regionalanalyse Osnabrück“ („KRA OS“) angeregt und mit Zustimmung der Stadtverwaltung Osnabrück durchgeführt. Basis der Erhebungen ist das Statistikjahr 1995, also das Jahr vor der „KRA OS 1996/97“.
Mit Abschluss der „KRA OS 1996/97“ 14 war den dafür Verantwortlichen - wie bereits im Vorwort angeführt - klar, dass eine einmalige Erhebung wenig Sinn macht und nach einem Zeitraum von etwa 5 Jahren eine Wiederholung erfolgen muss. So kam es zu der „KRA OS 2002/03“ 15 und später zu der „KRA OS 2007/08“ 16 . Nach Abschluss der „KRA OS 1996/97“ und der „KRA OS 2002/03“ wurde jeweils eine „KRA“-Lenkungsgruppe 17 eingesetzt, um die Erhebungsergebnisse unter Beteiligung von Fachkräften in Maßnahmen, Projekte, Kampagnen usw. umzusetzen; nach der „KRA OS 2007/08“ erfolgte diese Umsetzung durch eine „KRA“-Arbeitsgruppe 18 .
14 Hunsicker, Ernst/Bruns, Bernhard/Oevermann, Martin/Ratermann, Martin, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 1996/97 zum Thema „Mehr Sicherheit für uns in Osnabrück“ (Forschungsbericht, 250 Seiten - ohne Anlagen, vergriffen); Projektpartner: Stadtverwaltung Osnabrück, Kath. Fachhochschule Norddeutschland in Osnabrück, Ressortübergreifende Präventionskommission Osnabrück (RePrOS), Präventionsverein Osnabrück e.V. (PrävOS), Polizeiinspektion Osnabrück-Stadt.
15 Rolfes, Manfred, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 2002/03 - Ergebnisse der Bürger- und Schülerbefragung (unter Mitarbeit von Oliver Kruth, Christine Niebuhr, Nicole Niemeier, Karen Schmidt, Matthias Stiller, Universität Osnabrück - Fachgebiet Geographie; Ernst Hunsicker, Martin Oevermann, Alexandra Rietz, Polizeiinspektion Osnabrück-Stadt), OSG - Materialien Nr. 53 - Osnabrücker Studien zur Geographie, Osnabrück 2003 (Forschungsbericht, 65 Seiten - ohne Anlagen); Projektpartner: Stadtverwaltung Osnabrück, Universität Osnabrück - Fachgebiet Geographie, Ressortübergreifende Präventionskommission Osnabrück (RePrOS), Präventionsverein Osnabrück e.V. (PrävOS), Polizeiinspektion Osnabrück-Stadt.
16 Oevermann, Martin/Rolfes, Manfred/Hunsicker, Ernst/Wellmann, Wolfgang/Zimmerer, Wolfgang/Voges, Oliver, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 2007/08 zum Thema „Sicherheit und soziales Leben in Osnabrück“ (Forschungsbericht, 165 Seiten - ohne Anlagen); Projektpartner: Stadtverwaltung Osnabrück, Universität Potsdam - Fachgebiet Geographie, Kriminalpräventionsrat (KPR) Osnabrück, Präventionsverein Osnabrück e.V. (PrävOS), Polizeiinspektion Osnabrück.
17 Leiter (jeweils): Rolf Elbracht, Leiter des Fachbereichs Bürger und Ordnung (Stadt Osnabrück).
18 Leiterin: Karin Heinrich, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung (Stadt Osnabrück).
14
2. Grundsätzliches zu Bürger- und Schülerbefragungen; Spezielles zu Osnabrück
Die Bewertung der Sicherheitslage (objektive und subjektive Sicherheit) gewinnt in den meisten Kommunen zunehmend an Bedeutung. Das zeigt sich z.B. an der Vielzahl durchgeführter Bürgerbefragungen (teils in Verbindung mit Schülerbefragungen), die häufig im Rahmen Kriminologischer Regionalanalysen erfolgen. Bei Aussagen zur subjektiven Sicherheit dürfen sich Politik, Kommunalverwaltung, Prävention und Polizei deshalb nicht mehr auf Schätzungen oder gar Spekulationen verlassen, sondern es bedarf hierzu aktueller, umfassender und fundierter Informationen aus dem strafrechtlich relevanten Hell- und Dunkelfeld. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), die allein das Hellfeld reflektiert, ist kein ausreichender Indikator für die Bewertung der Sicherheitslage, was auch für den Ertrag und die Wirkung von (kommunaler) Kriminalprävention gilt. Um mit verlässlichen Aussagen und Planungsdaten operieren zu können, muss das Dunkelfeld mit empirisch abgesicherten Methoden aufgehellt werden. 19
In die drei Osnabrücker Bevölkerungs-/Bürgerbefragungen („KRA OS 1996/97“, „KRA OS 2002/03“ und „KRA OS 2007/08“) wurden Osnabrücker Bürger/innen ab dem 14. Lebensjahr einbezogen. 20 Die beiden Befragungen der Schüler/innen an Osnabrücker Schulen („KRA OS 1996/07“ und „KRA OS 2002/03“) waren auf die 9. Klassen der dafür in Frage kommenden Schulen abgestellt. Das Gros der befragten Schülerinnen und Schüler war somit 15 Jahre (57,3% der Befragten) bzw. 16 Jahre (31,1% der Befragten) alt.
19 Hunsicker, Ernst, Bürgerbefragungen zur subjektiven Sicherheit in Osnabrück - oder: Ertrag und Wirkung von (kommunaler) Kriminalprävention, a.a.O., S. 127 ff. (127).
20 In einem Auswahlverfahren (Randomisierung bzw. Random-sample, siehe Schwind 1997) erstellte das Einwohnermeldeamt der Stadt Osnabrück eine Adressenliste von ca. 4% der Bevölkerung in der Altersphase von 14 Jahre und älter. (vgl. Hunsicker et al., a.a.O., S. 63)
15
Fragebogenverteilung und Rücklauf:
3. Bewerbung um den Förderpreis der „Stiftung Kriminalprävention“ (Städtepreis 2009)
Unter dem Datum vom 22.03.2009 hat sich die Stadt Osnabrück (vertreten durch den Oberbürgermeister Boris Pistorius) unter Beteiligung des Kriminalpräventionsrates Osnabrück (vertreten durch Wolfgang Wellmann und Wolfgang Zimmerer) und des Präventionsvereins Osnabrück e.V. (vertreten durch Martin Oevermann und Ernst Hunsicker) um/für diesen Präventionspreis, der mit 10.000 € dotiert ist, beworben (Bewerbung als Anhang 1). 21
4. Gespräch mit Vertretern des Vorstandes „Stiftung Kriminalprävention“
Nachdem die Stadt Osnabrück in die engere Auswahl für die Vergabe dieses Präventionspreises gekommen war, bat die „Stiftung Kriminalprävention“ um ein Gespräch „vor Ort“ mit dem Oberbürgermeister.
Gesprächsbeteiligte im Rathaus der Stadt Osnabrück am 03.12.2009:
- „Stiftung Kriminalprävention“:
Klaus Stüllenberg
(Stifter und geschäftsführender Vorstandsvor-
21 http://www.stiftung-kriminalpraevention.de/index_f.html.
16
- Stadt Osnabrück:
Boris Pistorius
(Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück),
In diesem Gespräch wurde durch die Vertreter der „Stiftung Kriminalprävention“ eine Zusammenfassung der drei „KRA“ nach folgendem Muster angeregt:
- Wesentliche Problemkreise [aus der jeweiligen „KRA“],
- Lösungsansätze [erarbeitet durch die Lenkungsgruppen („KRA OS 1996/97“ und „KRA OS 2002/03“) bzw. die „KRA“-
- Wirkungen.
Dieser Anregung wird mit dieser Arbeit nachgekommen.
17
Primäre Literatur (Forschungsberichte)
Hunsicker, Ernst/Bruns, Bernhard/Oevermann, Martin/Ratermann, Martin, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 1996/97 zum Thema „Mehr Sicherheit für uns in Osnabrück“ (Forschungsbericht, 250 Seiten - ohne Anlagen, vergriffen); zit. Hunsicker et al., a.a.O.
Rolfes, Manfred, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 2002/03 -Ergebnisse der Bürger- und Schülerbefragung (unter Mitarbeit von Oliver Kruth, Christine Niebuhr, Nicole Niemeier, Karen Schmidt, Matthias Stiller, Universität Osnabrück - Fachgebiet Geographie; Ernst Hunsicker, Martin Oevermann, Alexandra Rietz, Polizeiinspektion Osnabrück-Stadt), OSG - Materialien Nr. 53 - Osnabrücker Studien zur Geographie, Osnabrück 2003 (Forschungsbericht, 65 Seiten - ohne Anlagen); zit. Rolfes, a.a.O.
Oevermann, Martin/Rolfes, Manfred/Hunsicker, Ernst/Wellmann, Wolfgang/Zimmerer, Wolfgang/Voges, Oliver, Kriminologische Regionalanalyse Osnabrück 2007/08 zum Thema „Sicherheit und soziales Leben in Osnabrück“ (Forschungsbericht, 165 Seiten - ohne Anlagen); zit. Oevermann et al., a.a.O..
19
1. (Un-)Sicherheitsgefühl zur Tages- und zur Nachtzeit (objektive und subjektive Sicherheit in der Stadt Osnabrück)
1.1 Statistikjahr 1995 als Basis 22
1.2 „KRA OS 1996/97“
1.2.1 Sicherheitsgefühl von Bürgerinnen und Bürgern
Ein wichtiger Indikator für die Zufriedenheit von Bürgern/innen ist das Sicherheitsgefühl in ihrem Stadtteil. … 24
5.2.2.2 … nach Altersgruppen
Tabelle 10
Es ist zu beobachten, daß mit zunehmendem Alter das Sicherheitsgefühl abnimmt. … Bei Dunkelheit besteht ein erheblich höherer Unsicherheitsfaktor. … 25
22 Jahresstatistik für die Stadt Osnabrück vor der „KRA OS 1996/97“.
23 Polizeiliche Kriminalstatistik.
24 Hunsicker et al., S. 78.
25 Hunsicker et al., S. 79.
21
1.2.2 Lösungsansätze/Umsetzung (nicht abschließend)
- Städteplanerische Maßnahmen (Verbesserung „FrauenNachtTaxi“, Reduzierung der subjektiven und objektiven Sicherheitsdefi-
- Erhöhung der sichtbaren Polizeipräsenz - auch Ausbau der Kontrolldichte durch zusätzliche Fuß- und Radstreifen (unter Einbe-
- Festhalten am „Osnabrücker Anti-Drogen-Modell“ durch Repression, Prävention, Therapie und sonstige Hilfen,
- Präventionstheater der „Silberdisteln“ zum Thema „Betrug an der Haustür“,
- Schutz der Bürger vor Gewaltangriffen durch Verteilung von „Notruf-Handys“,
- Straßenverkehrsmaßnahmen („Spielstraßen“, verkehrsberuhigte Bereiche),
- Polizeiliche Mitarbeit an den „Runden Tischen“ (lokale Kriminalprävention oder auch Basisprävention) in den Stadtteilen,
- Beteiligung der 1989 gegründeten „Ressortübergreifenden Präventionskommission Osnabrück“ (RePrOS“) an Planungen zur kommunalen Kriminalprävention,
- Einbeziehung des bereits 1996 gegründeten gemeinnützigen „Präventionsvereins Osnabrück e.V.“
26
, um auch so Maßnahmen,
nalprävention insbesondere finanziell zu unterstützen, 27
- Lokale (fundamentale) Basisprävention durch Gründung von „Runden Tischen“ in mehreren Stadtteilen am Beispiel des „Run-
28
26 Website: www.praevos.de/.
27 Hunsicker, Ernst
- Vereine zur Förderung der Kriminalprävention - Oder: Gehören gemeinnützige Präventions-Fördervereine auf den Prüfstand?, in: Kriminalistik 7/96, S. 499 ff.,
- Gemeinnützige Präventionsvereine - Was (sich) der „Präventionsverein Osnabrück e.V.“ alles leisten kann, in: Kriminalistik 8-9/98, S. 590 ff.
28 Hunsicker, Ernst, Lokale Basisprävention - Oder: Was hat ein Wochenmarkt mit einem „Runden Tisch zur Kriminalitätsverhütung“ zu tun?, in: Kriminalistik 8-9/94, S. 543 f.
23
1.3 „KRA OS 2002/03“
1.3.1 Sicherheitsempfinden der Befragten tagsüber und bei Dunkelheit sowie Durchschnittsalter
… In der Tabelle 3.6 ist aufgeführt, wie sicher sich die Befragten tagsüber und bei Dunkelheit fühlen sowie das durchschnittliche Alter der jeweiligen Merkmalsausprägung. Aus der Tabelle geht zunächst hervor, dass das Sicherheitsempfinden tagsüber erheblich größer ist als bei Dunkelheit. … Wie zu erwarten war, hängt das Sicherheitsempfinden auch vom Alter ab. … Die Aussage, nach der ältere Menschen bedeutend furchtsamer sind als jüngere Personen, kann auf der Grundlage der durchgeführten Erhebung nur teilweise bestätigt werden. 29
29 Rolfes, a.a.O., S. 20 f.
25
Die Abbildung 3.3 macht deutlich, dass sich Männer sowohl tagsüber als auch bei Dunkelheit häufiger als die Frauen sehr sicher fühlen. … Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind signifikant. … 30
Das sicherlich zentrale Ergebnis der Wiederholungsbefragung ist das deutlich höhere Sicherheitsempfinden der befragten Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger der Stichprobe des Jahres 2002. Sowohl tagsüber als auch bei Dunkelheit ist das Sicherheitsempfinden in der Befragungsgruppe 2002 signifikant höher als in der Befragungsgruppe 1997. Der Anteil der Personen, die sich 2002 in ihrem Stadtteil sehr sicher oder ziemlich sicher fühlten, liegt tagsüber gut 4 % und bei Dunkelheit knapp 9 % über dem Wert im Jahr 1997. … Auch wenn dieses Ergebnis signifikant ist, wäre es aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar, diese Veränderungen nur auf die seit 1997 umgesetzten Maßnahmen im Bereich der kommunalen Kriminalprävention zurückzuführen. … 31
1.3.2 Wirkungen 2002/03
1.3.3 Lösungsansätze/Umsetzung (nicht abschließend)
- Teilweise Fortführung der Lösungsansätze/Umsetzungen aus der „KRA 1996/97“ (wie vorstehend unter Ziff. 1.2.2),
- Ausbau des „OS-Teams“ 32 der Stadtverwaltung Osnabrück,
- Einrichtung eines „Polizeiladens“
33
im März 2003 (Sicherheitstechnik, verhaltensorientierte Prävention) im Bereich der Fuß-
30 Rolfes, a.a.O., S. 21.
31 Rolfes, a.a.O., S. 43 f.
32 „OS“ steht nicht nur für Osnabrück, sondern auch für Ordnung und Sicher- heit/Service.
33 „Polizeiladen“ als (kriminal-)polizeiliche Beratungsstelle mit „Sprechstunden“ an drei Wochentagen. Der „Polizeiladen“ wurde nach sechs Jahren aus verschiedenen Gründen aufgelöst.
26
Arbeit zitieren:
Ernst Hunsicker, 2010, Kriminologische Regionalanalysen in der Stadt Osnabrück für die Jahre 1996/97, 2002/03 und 2007/08, München, GRIN Verlag GmbH
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