Inhaltsverzeichnis
1 E i n l e i t u n g 05
2. Ziel und Aufbau der Arbeit S 0 5
3. Begriffsdefinitionen S 0 6
3.1 Das Nachrichtenmagazin 06
3 2 D i e N e w s s t o r y S 0 9
3.3 Harte und weiche Nachrichten 10
4. Der Spiegel S 1
4.1 Entstehung des Spiegel S 1 2
4.2 Die Spiegel- A f f ä r e n S 1 3
4.3 Aufbau des Spiegel S 1 4
5. Der Focus S 1 6
5.1 Geschichte des Focus S 1 6
5.2 Aufbau des Focus S 1 7
5.3 Berichterstattung im Focus S 1 8
6. Statistische Zahlen zu Spiegel und Focus S 1 9
6.1 Verkaufszahlen des Spiegel S 1 9
6.2 Verkaufszahlen des Focus S 2 0
6.3 Zahlen zur Reichweite und Häufigkeit der Zitierungen von Spiegel und Focus in anderen Medien
i m V e r g l e i c h S 2
7. Analyse S 2 3
7.1 Analyseziel und Korpuserstellung 23
7.2 Korpusrelevante Rubriken in Spiegel und Focus S 2 6
7.3 Instrument und Methode 28
7.3.a) Das Programm WinMax 28
7.3.b) Definition der Analysekategorien nach Robling 29
7.3.c) Erweiterung der Analysekategorien 30
7.3.d) Beschreibung der Analysekategorien mit den jeweiligen Unterpunkten 31
(1) Kategorie Namensnennung’ 31
(2) Kategorie Äußere Erscheinung’ 31
(3) Kategorie Psychologisierung’ 32
(4) Kategorie Intimisierung’ 33
(5) Kategorie Statusbetonung’ 35
(6) Kategorie Positiv / Negativ’ S 35
7.3.e) Die Analysekategorien im Überblick S. 36
7.4 Formulierung des Fragenkatalogs zur Analyse S. 38
8. Auswertung des Korpus (quantitativ und qualitativ) S . 3 9
8.1 Die Häufigkeitsverteilung der Korpustexte auf die Rubriken der Nachrichtenmagazine S. 40 8.1.a) Die Häufigkeitsverteilung der Korpustexte auf die Spiegel-Rubriken S. 40 8.1.b) Die Häufigkeitsverteilung der Korpustexte auf die Focus-Rubriken S. 41
8.2 Das Verhältnis der Namensnennungen von Bush und Kerry S. 43 8.2.a) Das Verhältnis der Namensnennungen von Bush und Kerry in den Spiegel-Texten S. 43 8.2.b) Das Verhältnis der Namensnennungen von Bush und Kerry in den Focus-Texten S. 44
8.3 Die Häufigkeitsverteilung der Korpustextstellen über Bush und Kerry auf die Kategorien ‚Äußere Erscheinung’, ‚Psychologisierung’, ‚Intimisierung’ und ‚Statusbetonung’ S. 45
8.4 Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen in den Korpusartikeln des Spiegel S. 51
8.5 Die Häufigkeitsverteilung der positiven und negativen Äußerungen in den Korpusartikeln des Spiegel auf die Kategorien ‚Äußere Erscheinung’, ‚Psychologisierung’, ‚Intimisierung’ und ‚Statusbetonung’ S. 54 8.5.a) Spiegel: Die Häufigkeitsverteilung der negativen Äußerungen über Bush auf die Kategorien S. 54 8.5.b) Spiegel: Die Häufigkeitsverteilung der negativen Äußerungen über Kerry auf die Kategorien S. 57 8.5.c) Spiegel: Die Häufigkeitsverteilung der positiven Äußerungen über Bush auf die Kategorien S. 60 8.5.d) Spiegel: Die Häufigkeitsverteilung der positiven Äußerungen über Kerry auf die Kategorien S. 61
Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen in den Korpusartikeln des Focus S. 64 8.6
8.7 Die Häufigkeitsverteilung der positiven und negativen Äußerungen in den Korpusartikeln des Focus auf die Kategorien ‚Äußere Erscheinung’, ‚Psychologisierung’, ‚Intimisierung’ und ‚Statusbetonung’ S. 67 8.7.a) Focus: Die Häufigkeitsverteilung der negativen Äußerungen über Bush auf die Kategorien S. 67 8.7.b) Focus: Die Häufigkeitsverteilung der negativen Äußerungen über Kerry auf die Kategorien S. 70 8.7.c) Focus: Die Häufigkeitsverteilung der positiven Äußerungen über Bush auf die Kategorien S. 71
8.7.d) Focus: Die Häufigkeitsverteilung der positiven Äußerungen über Kerry auf die Kategorien 73
8.8 Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen zitierter Personen 75
8.8.a) Spiegel: Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen zitierter Personen über Bush 75
8.8.b) Spiegel: Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen zitierter Personen über Kerry 80
8.8.c) Focus: Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen zitierter Personen über Bush 82
8.8.d) Focus: Das Verhältnis von positiven und negativen Äußerungen zitierter Personen über Kerry 85
9. Zusammenfassung S 8 7
10. Literaturverzeichnis S 9 2
11. Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen S 9 5
1 2 A n h a n g 97
Liste verwandter Spiegel- und Focus-Artikel mit Zuordnung zu den jeweiligen Heftnummern 97
Das Spiegel-Statut von 1949 S 100
1. Einleitung
Die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel nach der Präsidentschaftswahl in den USA trug den Titel „Augen zu und durch“ 1 . Auf dem Titelbild war eine Fotomontage der Freiheitsstatue zu sehen, deren Augen mit dem Sternenbanner verhängt waren. Auf diese Weise kommentierte das wichtigste politische Magazin Deutschlands die Wiederwahl von George W. Bush. Diese Ausgabe des Spiegel markiert das Ende der Berichterstattung über den US-Wahlkampf des Jahres 2004 2 , der wie kein anderer die deutsche Öffentlichkeit bewegt und ein weltweites Interesse geweckt hat. Nach den Unregelmäßigkeiten bei der US-Wahl 2000 3 und den Anschlägen vom 11. September 2001 richtete sich mehr und mehr das Interesse der Welt auf die Außenpolitik der USA, vor allem deshalb, weil sie innerhalb kürzester Zeit zwei Kriege begannen 4 . In deren Verlauf wurde George W. Bush von seinen linken Gegnern zum Symbol für ein imperialistisches Weltreich gemacht, während seine rechtskonservativen Anhänger seine Person zu einem messianischen Kämpfer für Freiheit erhoben. Diese Polarisierung trug dazu bei, George Bush zu einem der unbeliebtesten und umstrittensten Präsidenten der USA werden zu lassen. Dieses negative Bild Bushs schaffte günstige Voraussetzungen für John F. Kerry als Präsidentschaftskandidat der demokratischen Partei, sich als die bestmögliche Alternative zu Bush zu präsentieren. In seinen Wahlsieg setzten Bush-Gegner weltweit ihre Hoffnung.
Dieser Kampf zwischen dem konservativen und liberalen Amerika fand auch im Spiegel und im Focus seinen Niederschlag.
2. Ziel und Aufbau der Arbeit
Das Ziel dieser Arbeit ist, die Darstellung der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten George W. Bush und John F. Kerry in den
1 Spiegel 46/2004 vom 08. November.
2 Die Wahl endete in den Morgenstunden des 03. November 2004 mit dem knappen Sieg von George W. Bush.
3 Stimmzettel wurden falsch ausgezählt, Wähler vom Urnengang abgehalten, Briefwahlstimmen nach dem Stichtag angenommen etc. Die Wahl endete mit dem Sieg von Bush, obwohl Al Gore eine halbe Million mehr Stimmen für sich verbuchen konnte. Diese wurden allerdings nicht mehr gezählt, nachdem das oberste Bundesgericht den Sieg von Bush festgestellt hatte.
4 Der Krieg gegen Afghanistan und der Krieg gegen den Irak.
5
Nachrichtenmagazinen Spiegel und Focus im US-Wahlkampf 2004 im Zeitraum vom 02. August 2004 bis zum 30. Oktober 2004 herauszuarbeiten. Zuerst werden die Begriffe ‚Nachrichtenmagazin’, ‚Newsstory’ (als vorherrschender Texttyp bei der Informationsvermittlung in
Nachrichtenmagazinen) und ‚harte und weiche Nachrichten’ (als Konstituenten in Newsstories) geklärt (Kap. 3 dieser Arbeit). Danach folgt ein Abriß über Geschichte, Aufbau und Arbeitsweisen des Magazins Spiegel (Kap. 4) und des Magazins Focus (Kap. 5). Für einen Überblick über den wirtschaftlichen Erfolg und die gesellschaftliche Relevanz der Magazine Spiegel und Focus im Vergleich sorgt Kap. 6, in dem Verkaufs- und Auflagezahlen sowie Zahlen zur Reichweite und Häufigkeit der Zitierungen von Spiegel und Focus in anderen Medien aufgeführt und kommentiert werden.
Zu Beginn des Analyseteils (Kap. 7) werden das Analyseziel und das Korpus definiert (Kap. 7.1). Kap. 7.2 beinhaltet Angleichungen zur Entsprechung der Rubriken in Spiegel und Focus. Danach erfolgen Angaben zum Softwareprogamm, das in der Analyse verwandt wurde, und zur Analysemethode (Kap. 7.3). Dabei werden die Kategorien, in die das Korpus eingeteilt wird, definiert und im Überblick dargestellt (Kap. 7.3.b) bis e)). In Kap. 7.4 wird schließlich der Fragenkatalog zur Analyse formuliert. Kap. 8 stellt die quantitative und qualitative Auswertung des Korpus und deren Beschreibung dar. Die Auswertung ist nach den Kategorien, in die die Korpustextstellen eingeordnet wurden, aufgeschlüsselt (Kap. 8.1 bis 8.8). Diese Teilkapitel wiederum sind gegliedert nach den Auswertungsergebnissen jeweils für das Magazin Spiegel und Focus. Abschließend erfolgt die Zusammenfassung der Ergebnisse der Auswertung (Kap. 9).
3. Begriffsdefinitionen
3.1 Das Nachrichtenmagazin
Sowohl der Spiegel als auch der Focus sind Nachrichtenmagazine. In diesem Abschnitt werden zunächst der Begriff definiert und seine Charakteristika umrissen. Dann folgt die Beschreibung des für ein Nachrichtenmagazin
6
charakteristischen Texttyps, der sogenannten ‚Newsstory’, die in Spiegel und Focus eine herausragende Rolle spielen.
Das Wort ‚Nachricht’ ist eine Verkürzung des frühneuhochdeutschen ‚nachrichtung’, welches aus dem lateinischen instructio, für ‚Unterweisung’ oder ‚Belehrung’ übernommen wurde. Im 17. Jahrhundert wurde daraus ein Begriff für Mitteilungen. 5
Das Wort ‚Magazin’ ist eine Entlehnung des italienischen magazzino aus dem 16. Jahrhundert, welches wiederum vom arabischen mahāzin entlehnt ist und ‚Speicher’ oder ‚Warenlager’ bedeutet. Als Begriff für eine bebilderte Zeitschrift stammt das Wort aus dem Neuenglischen. Dort erschien 1731 mit dem The Gentleman’s Magazine die erste Zeitschrift, die das Wort ‚Magazin’ im Titel trug. Heute gilt als Definition von ‚Magazin’ unter anderem „eine Sammelstelle von Informationen“. 6
Mit dem erstmals 1923 publizierten Time Magazin entstand in den USA der moderne Typ des Nachrichtenmagazins. 7 Dieses weekly newsmagazin, wie es sich selbst nennt, spielte nicht nur eine Vorreiterrolle im amerikanischen Journalismus, sondern beeinflußte auch den deutschen Spiegel. 8 Der inzwischen verstorbene Herausgeber und Chefredakteur Rudolf Augstein bezeichnete das Time Magazin als Vorbild des Spiegel in Bezug auf die Praxis, Nachrichten in Story-Form zu verarbeiten. Ebenso sei die Anonymität und der relativ uniforme Stil des Spiegel im Time Magazin wiederzufinden. 9 Pate für den Spiegel stand jedoch das englische News Magazin News Review (vgl. dazu Kap. 4, Der Spiegel).
Das Nachrichtenmagazin zählt zu den Publikumszeitschriften und muß damit die vier Kriterien Aktualität (Zeitnähe), Periodizität (regelmäßiges,
5 Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin 24 2002, S. 496.
6 Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin 24 2002, S. 454.
7 Time wurde 1923 von Henry Luce und Briton Hadden in New York gegründet, die erste Ausgabe erschien am 2. März dieses Jahres. Schon bald begann Time eine bedeutende Rolle in der USamerikanischen Presselandschaft zu spielen. Time erscheint heute in drei Ausgaben mit einer Gesamtauflage von rund 5,2 Mio. Exemplaren. Auf dem US-Markt ist Time unter den Nachrichtenmagazinen Marktführer vor Newsweek und U.S. News & World Report.
8 Rein formal ist diese Anlehnung an der Aufmachung der Titelseiten von Time und Spiegel zu erkennen. Der rote Rahmen, der das Cover der Time seit 1927 einfaßt, wird seit 1955 auch vom Spiegel verwendet.
9 Broder Carstensen: Spiegel Wörter Spiegel Worte. Zur Sprache eines deutschen Nachrichtenmagazins. München 1971, S. 21 f.
7
mindestens wöchentliches Erscheinen), Universalität (alle Themen werden behandelt) und Publizität (öffentliche Verfügbarkeit) erfüllen. 10 Diese Definition trifft auf alle Zeitschriften zu. Doch was macht ein Nachrichtenmagazin im speziellen aus? Es soll dem Leser einen Überblick verschaffen. Die wichtigsten Themen der Woche werden aufgegriffen, tiefergehend analysiert und auch kommentiert. Uwe Magnus definiert das Nachrichtenmagazin so:
Inzwischen hat sich diese Definition erweitert. Ein wöchentlich erscheinendes Nachrichtenmagazin wie Focus oder Spiegel bietet dem Leser nicht nur einen Überblick über die Nachrichtenthemen der vergangenen Woche und berichtet vertiefend über Zusammenhänge und Hintergründe. Wie bei allen Medien hat der Serviceteil an Bedeutung gewonnen. Während dieser Serviceteil beim Focus als integraler Bestandteil von Anfang an eingeplant war, hat der Spiegel erst später Serviceinformationen wie TV- und Kinovorschauen, Verbraucherinformationen zu Konsumgütern und Dienstleistungen oder Terminkalender mit Veranstaltungshinweisen aufgenommen. Diese Veränderung ist vor allem durch eine Neuausrichtung des heutigen Medienkonsumverhaltens zu erklären, welches sich hauptsächlich auf das Fernsehen und immer stärker auf das Internet konzentriert. Der Konsument ist geprägt durch die schnelle Verfügbarkeit von aktuellen Nachrichten. Die Sender befriedigen dieses Verlangen mit einer immer schneller werdenden Abfolge von
10 Stöber, Rudolf: Mediengeschichte I, Wiesbaden 2003, S. 78.
11 Magnus, Uwe: Time und Newsweek. Darstellung und Analyse. Hannover 1967, S. 36.
8
neuen Themen, die nur kurz behandelt werden, um so das Interesse des Konsumenten aufrechtzuerhalten.
Diese Art des Fernsehkonsums, der mit einer großen Zahl von sogenannten ‚Infotainmentsendungen’ dem Zuschauer gewissermaßen eine Illustrierte via Fernsehen liefert, zwang auch die Nachrichtenmagazine zu einer Art der Berichterstattung und Aufmachung, die durch effektvolle Titelbilder wie beim Spiegel oder einem starken Serviceaspekt wie bei den Focus-Titeln Leser binden soll.
3.2 Die Newsstory
Eine weitere Definition des Nachrichtenmagazins, die im Hinblick auf die Art der Nachrichtenaufbereitung interessant ist, findet sich in Meyers großem Taschenlexikon:
Die Form der Nachrichtengeschichte oder Newsstory geht ebenfalls auf Time zurück. Diese Art der Berichterstattung wird heute von allen großen Nachrichtenmagazinen verwendet. Sie dient dazu, die Ereignisse der Woche in leicht lesbarer Form zusammenzufassen. 13 Es handelt sich dabei um eine erzählende Textform. Sie vereint die Elemente von Feature und Reportage in sich, was ihr von Haller den Ruf eines Zwitters einbrachte. Er charakterisierte das journalistische Verhalten, das zur Newsstory führt, folgendermaßen:
12 Meyers großes Taschenlexikon, Bd. 15, Mannheim 1987, S. 133.
13 Krüger, Christiane: Journalistische Berichterstattung im Trend der Zeit. Stilstrategie und Textdesign des Nachrichtenmagazins Focus. Münster 1995, S 21.
9
Diese Beschreibung trifft vor allem auf die Berichterstattung des Spiegel zu. Dazu ist anzumerken, daß die Meinungen, ob diese Art der Berichterstattung auf ein vorgegebenes Muster zurückgreift oder eine sich selbständig entwickelte Routine darstellt, stark differieren. 15 Ob nun „Masche“, wie Carstensen zu beweisen suchte 16 , oder ‚evolutionäre’ Routine, den Kern einer Newsstory bilden dennoch immer die Nachrichten.
3.3 Harte und weiche Nachrichten
Der folgende Abschnitt behandelt die Binnendifferenzierung der Nachrichten in sogenannte harte und weiche Nachrichten.
Nach Dovifat wird in der Nachrichtenberichterstattung zwischen harten und weichen Nachrichten unterschieden.
Diese Unterscheidung wirkt sich auch auf die sprachliche Darstellungsweise aus. Die harten Nachrichten werden in sachlichem Sprachstil präsentiert. Weiche Nachrichten dagegen werden in einer persönlichen, farbigen oder affektiven Sprache formuliert. Dazu zählt die Darstellung von sogenannten human interest-Themen, zum Beispiel Unglücksfälle, Skandale,
Naturkatastrophen, Verbrechen und Einzelheiten über das Leben berühmter Persönlichkeiten.
14 Haller, Michael: Die Reportage. Ein Handbuch für Journalisten. München 1990, S. 63.
15 Krüger, Christiane: Journalistische Berichterstattung im Trend der Zeit. Stilstrategie und Textdesign des Nachrichtenmagazins Focus. Münster 1995, S. 21.
16 Broder Carstensen: Spiegel Wörter Spiegel Worte. Zur Sprache eines deutschen Nachrichtenmagazins. München 1971, S. 17 f.
17 Dovifat, Emil: Zeitungslehre I. Berlin - New York 1976, S. 77.
10
Während harte Nachrichten an erster Stelle Informationen, beispielsweise politischer Art, vermitteln sollen, verfolgen weiche Nachrichten primär das Ziel, Publikumsinteresse auszulösen. In weichen Nachrichten werden vermehrt Zitate und Stellungnahmen eingesetzt, um die Hintergrundinformationen lebendiger und aufgelockerter zu präsentieren. 18
In Bezug auf die Untersuchung der Darstellung von Bush und Kerry in Spiegel und Focus in dieser Arbeit läßt sich zum Verhältnis von harten und weichen Nachrichten in den betreffenden Artikeln der Nachrichtenmagazine folgendes sagen: Bei der Untersuchung der Darstellung von Bush und Kerry in Focus und Spiegel kann man zunächst davon ausgehen, daß es sich hauptsächlich um harte Nachrichten handelt, da die Wahl eines US-Präsidenten ohne Zweifel von großem politischen Interesse ist. Jedoch geht es bei der Berichterstattung eben nicht primär um den Ausgang der Wahl und das Ergebnis, sondern um die Menschen Bush und Kerry und wie sie dargestellt werden. Das sind weiche Nachrichten. Es geht in den Artikeln um den Wahlkampf selbst und wie sich die Kandidaten verkaufen. Der Wahlkampf wird dargestellt und die Stärken und Schwächen der Kandidaten sowie ihre Familien, ihre Befürworter und Gegner portraitiert. In Reportagen wird die Meinung von Teilen der US-Bevölkerung geschildert und ihr jeweiliges Verhältnis zu den Kandidaten beleuchtet. Der Anteil an harten Nachrichten beschränkt sich auf Vorhersagen, welche Auswirkungen ein Sieg oder eine Niederlage Bushs in wirtschaftlicher oder politischer Hinsicht bedeuten würde. Jedoch nimmt sich dieser Teil der Berichterstattung im Gegensatz zu den Darstellungen über das amerikanische Wahlkampfverhalten gering aus.
4. Der Spiegel
Der Spiegel ist eine der bekanntesten Zeitschriften Deutschlands. Er bezeichnet sich selbst als „Deutschlands bedeutendstes und Europas auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin“. Er wird am häufigsten zitiert und ist daher im Sinne des
18 Krüger, Christiane: Journalistische Berichterstattung im Trend der Zeit. Stilstrategie und Textdesign des Nachrichtenmagazins Focus. Münster 1995, S. 13.
11
Agenda-Setting-Ansatzes immer wieder themensetzend. Im Durchschnitt werden pro Woche annähernd 1,1 Millionen Exemplare verkauft. 19
4.1 Entstehung des Spiegel
1946 faßten die drei Briten John Chaloner, Harry Bohrer und Henry Ormond den Plan, ein Nachrichtenmagazin nach Vorbild der britischen News Review in der britisch besetzten Zone Deutschlands herauszubringen. Unter der Leitung des damals erst 23 Jahre alten Rudolf Augstein erscheint im November 1946 erstmals Diese Woche in Hannover. 20 Das Blatt, zu dessen Leitern auch der Fotograf Roman Stempka und der Redakteur Gerhard R. Barsch gehören, startet mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren. Die Briten, die sich ein deutsches Nachrichtenmagazin im Stile der News Review wünschen, stellen den deutschen Redakteuren Übersetzungen einiger News Review-Artikel zur Verfügung, um einen thematischen Anhaltspunkt zu liefern.
Augstein erweist sich für die Briten jedoch als zu kritisch und nicht sehr kooperativ. 21 Bereits mit der ersten Ausgabe erregt der Spiegel durch seinen offenen und kritischen Umgang mit den Siegermächten Aufmerksamkeit. 22 Die drei anderen Militärregierungen beschweren sich über das ihrer Meinung nach zu kritische Magazin. Die Briten reagieren. Ab der dritten Ausgabe wird Diese Woche Wort für Wort in Berlin überprüft. Nach sechs Wochen und nur fünf Ausgaben entledigen sich die Briten des unliebsamen Magazins und erteilen Rudolf Augstein Anfang 1947 eine vorläufige Genehmigung, das Magazin selbst herauszugeben. Am 4. Januar 1947 erscheint die erste Ausgabe des Spiegel. Augstein ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins. 23 Im Impressum des Spiegel wird er auch noch nach seinem Tod 2002 weiter als Herausgeber geführt.
19 Stöber, Rudolf: Mediengeschichte I. Wiesbaden 2003, S. 77.
20 Erst 1952 zieht der Spiegel von Hannover nach Hamburg um.
21 „Augstein war nicht im Geringsten unterwürfig wie die meisten Deutschen, die ich bis dahin kannte und die immer sehr schnell ‚Jawoll, Herr Major, sehr richtig, Herr Major’ sagten.“ Bölsche, Jochen: Rudolf Augstein. Schreiben, was ist. Kommentare - Gespräche - Vorträge. Stuttgart 2003, S. 338.
22 Ebd. S.27 f.
23 „Die für die Herausgabe zuständigen britischen Behörden haben entschieden, daß die Zeitschrift nun unter unabhängiger deutscher Leitung herauskommen kann.“ Spiegel 1/1947 vom 04. Januar.
12
4.2 Die Spiegel-Affären
Der Spiegel schafft sich in den folgenden Jahrzehnten einen weltbekannten Ruf als investigatives Magazin durch die Aufdeckung zahlreicher Affären. Den Beginn macht 1949 eine Geschichte über den Kieler Ex-Agrarminister Erich Arp, die Augstein zum ersten Mal vor Gericht bringt. 24
Es folgen: 1950 die Hauptstadt-Affäre 25 , 1952 die Schmeißer-Affäre und 1959 die Dienstwagen-Affäre.
Der Spiegel schießt sich nun auf Verteidigungsminister Franz Josef Strauß ein und berichtet über Ungereimtheiten bei der Beschaffung des Starfighter, 26 korruptionsverdächtige Bauprojekte (Fibag-Affäre), italienische Rüstungsgüter (Deeg-Affäre) und die Einstellung eines Straußfreundes bei einem Rüstungszulieferers (Onkel-Aloys-Affäre).
1962 berichtet der Spiegel unter der Überschrift „Bedingt abwehrbereit “ über das NATO-Manöver Fallex '62. 27 Die Kritik des Spiegel bezieht sich auf die mangelhafte Ausrüstung der Bundeswehr und den dafür verantwortlichen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß. Dieser nimmt die Geschichte zum Anlaß, am 26.10.1962 die Redaktion besetzen und Augstein festnehmen zu lassen. Die Anklage lautet auf Landesverrat. 28
Mit diesem als Spiegel-Affäre in die Mediengeschichte eingegangenen Fall erwirbt sich der Spiegel seinen Ruf als ‚Sturmgeschütz der Demokratie’ und Magazin, das durch seine investigativen Berichte die Skandale der Bundesrepublik aufdeckt und anprangert. Viele sehen in der Besetzung der
24 Im Januar 1949 berichtet der Spiegel über eine Hausdurchsuchung bei Arp, bei der Fleischkonserven gefunden worden sein sollen. Augstein wird wegen Verbreitung falscher Nachrichten angeklagt. Die Nachricht stellt sich als wahr heraus und er gewinnt den Prozeß. Bölsche, Jochen: Rudolf Augstein. Schreiben, was ist. Kommentare - Gespräche - Vorträge. Stuttgart 2003, S. 338.
25 Der Spiegel berichtet über Bestechung von Bundestagsmitgliedern durch die Industrie, um Bonn statt Frankfurt a. M. zur neuen Hauptstadt zu wählen. Bölsche, Jochen: Rudolf Augstein. Schreiben, was ist. Kommentare - Gespräche - Vorträge. Stuttgart 2003, S. 338 f.
26 Als Befürworter der atomaren Aufrüstung setzte Strauß den Ankauf des Starfighters durch weil dieser Atomwaffen tragen konnte im Gegensatz zur Mirage, die als Alternative zur Debatte stand. Da der Starfighter-Hersteller Lockheed für Bestechungszahlungen bekannt war, wurde Strauß verdächtigt ebenfalls Gelder angenommen zu haben. Der Verdacht ließ sich jedoch nicht nachweisen. Ebd.
27 Spiegel 41/1962 vom 10. Oktober.
28 Augstein wird nach 103 Tagen aus der U-Haft entlassen. Strauß, der Lüge überführt, zieht sich in die Bayrische Landespolitik zurück.
13
Spiegel-Redaktion und der Verhaftung Augsteins das Ende der Pressefreiheit, ja sogar das Ende der Demokratie. 29
Auch nach der Spiegel-Affäre werden weitere Skandale aufgedeckt und einige Politiker müssen aufgrund von Spiegel-Berichten ihre Ämter niederlegen. 30 In späteren Jahren legt sich die Häufigkeit der sensationellen Aufdeckungen. 31
4.3 Aufbau des Spiegel
Der Spiegel erscheint in einem verkürzten Din A4 Format von 21,5 x 27,8 Zentimetern. In der Regel wirbt der Spiegel auf seinem Titel mit einem einzigen Thema. Wenn ein weiteres Thema auf der Titelseite präsentiert wird, so nur in Textform in einem Balken, der quer über eine Heftecke gelegt ist. Damit wird die Gewichtung der Ausgabe auf das Titelthema gelegt und zeigt an, daß der Spiegel großes Gewicht auf dieses Thema legt. Denn dieses Titelthema bildet den Kaufanreiz für den Käufer und entscheidet mit seiner Aussagekraft über den Erfolg der Ausgabe.
Den Beginn des Heftes markieren die ‚Hausmitteilungen’. Diese Rubrik ist ein erweitertes Editorial. Dort werden Themen des Heftes mit Seitenzahlen angekündigt und dies ist auch der Platz im Spiegel, wo Autoren nicht nur namentlich genannt werden, sondern sogar auf Bildern zu sehen sind. Die
29 Der Publizist Sebastian Haffner kommentiert die Spiegel-Besetzung so: „Adieu Pressefreiheit, adieu Rechtsstaat, adieu Demokratie.“ Aus: Bölsche, Jochen: Rudolf Augstein. Schreiben, was ist. Kommentare - Gespräche - Vorträge. Stuttgart 2003, S. 339.
30 Rücktritte durch Spiegel-Artikel: 1974 SPD-Fraktionsgeschäftsführer Karl Wienand (Bestechung durch Pan-International), 1977 FDP-Innenminister Werner Maihofer (illegales Abhören des Atommanagers Klaus Traube), 1978 CDU-Ministerpräsident Hans Filbinger (Kriegsverbrechen), 1984 FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Bundestagspräsident Rainer Barzel (Bestechung und Steuerhinterziehung nach Spenden vom Flick Konzern), 1987 CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel (Abhören und Verunglimpfen seines Herausforderers Engholm), 1990 Ost-SPD-Vorsitzender Ibrahim Böhme und CDU-Bundesminister Lothar de Maizière (StaSi-Verstrickungen), 1991 CDU-Ministerpräsident Lothar Späth (Urlaub auf Kosten von Firmen), 1992 FDP-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann (Begünstigung eines Verwandten), 1993 SPD-Kanzlerkandidat Björn Engholm (Zurückhalten von Informationen über Barschels Aktivitäten), CSU-Ministerpräsident Max Streibel (Urlaub auf Kosten eines Unternehmers), SPD-IG Metall-Chef Franz Steinkühler (Insidergeschäfte). Bölsche, Jochen: Rudolf Augstein. Schreiben, was ist. Kommentare - Gespräche - Vorträge. Stuttgart 2003, S. 338-343.
31 „[…] inzwischen sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Politiker montags davor fürchteten, was der Spiegel wieder Böses über sie geschrieben haben könnte. Enthüllungen sind selten geworden.“ Gehrs, Oliver: Der Spiegel-Komplex. München 2005, S. 246.
14
‚Hausmitteilungen’ bieten sozusagen einen Blick auf das Arbeitsleben der Spiegel-Redakteure. 32
Im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis erscheinen die Rubriken nach ihrer Bedeutung und nicht nach der tatsächlichen Reihenfolge im Spiegel. Zuerst kommen die ‚Titelthemen’, danach ‚Deutschland’, ‚Gesellschaft’, ‚Wirtschaft’, ‚Medien’, ‚Ausland’, ‚Sport’, ‚Kultur’ und ‚Wissenschaft und Technik’. Den einzelnen Rubriken, die bis zu über einem Dutzend einzelner Themen beinhalten können, geht in der Regel jeweils eine Seite mit Kurzmeldungen aus dieser Rubrik voraus. In den Rubriken Deutschland und Ausland trägt diese bunte Mischung kurzer Meldungen den Titel ‚Panorama’, bei ‚Gesellschaft’ und ‚Kultur’ lautet er ‚Szene’, bei ‚Wirtschaft’ und ‚Medien’ jeweils ‚ Trends’ und bei ‚Wissenschaft und Technik’ ‚Prisma’.
Dem Inhaltsverzeichnis schließen sich die Leserbriefe an, danach erscheinen die Rubriken nach der oben angegeben Reihenfolge. Am Ende des Heftes folgen noch die Rubriken ‚Impressum’, ‚Chronik’, ‚Register’, ‚Personalien’, ‚Hohlspiegel’ und der ‚Rückspiegel’. Die ‚Chronik’ ist ein halbseitiger Wochenrückblick, der in kurzen Meldungen die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche wiedergibt. Das ‚Register’ beinhaltet Nachrufe auf verstorbene Personen. Die Rubrik ‚Personalien’ bietet dem Spiegel die Möglichkeit, Personen des öffentlichen Lebens boulevardartig darzustellen. Ein häufiges Thema ist, über Prominente in peinlichen Situationen zu berichten, wie zum Beispiel der Sturz des US-Präsidenten Bush von einem Elektroroller. Auch Anekdoten über deutsche Politiker findet man dort oft, etwa daß Jürgen Rüttgers Angela Merkel über das Fußballergebnis des Spiels Köln gegen Fürth per SMS informierte, damit diese den gebürtigen Fürther Henry Kissinger mit ihrem Wissen beeindrucken konnte. Schließlich wird das Magazin beendet durch den ‚Hohlspiegel’, der kuriose oder fehlerhafte Überschriften und Textausschnitte anderer Medien präsentiert, und den ‚Rückspiegel’, der Berichte über den Spiegel aus anderen Medien in kurzen Ausschnitten bringt.
32 „’Hausmitteilungen’ […]ist das Vorwort beim Spiegel, in dem die Geschichten rund ums Reporterleben stehen und das intern als wöchentliche Verabreichung von Zuckerbrot und Peitsche gilt: wer brav ist, darf mit Foto rein, wer nicht spurt, muß leider draußen bleiben.“ Aus: Gehrs, Oliver: Der Spiegel-Komplex. München 2005, S. 253.
15
5. Der Focus
Das seit 1993 erscheinende Magazin Focus bewirbt sich selbst mit der Unterzeile ‚Das moderne Nachrichtenmagazin’ auf dem Titelblatt. Der Focus sieht seine Zielgruppe in der sogenannten ‚Info-Elite’. Der Focus beschreibt sich selbst mit folgenden Worten:
5.1 Geschichte des Focus
Am 18. Januar 1993 erschien die erste Ausgabe des Focus. Nach einer großangelegten Werbekampagne, in der Deutschland als „reif für ein zweites Nachrichtenmagazin“ erklärt wurde, wagten sich Verleger Hubert Burda und Chefredakteur Helmut Markwort daran, die Monopolstellung des Spiegel zu brechen.
Diese Monopolstellung konnte der Spiegel seit seiner Gründung gegen zahlreiche Konkurrenzgründungen behaupten, die allesamt wieder eingestellt wurden. 34 Bereits 1948 startete das Spiegel-Konkurrenzblatt Scheinwerfer. Es folgten Titel wie Kritik, Mix, Moment und Aktuell. 35 Helmut Markwort, der zuvor als Chefredakteur der Burda-Zeitschriften Gong und Ein Herz für Tiere arbeitete, entwickelte zusammen mit Verlagschef Hubert Burda den Focus als „Nachrichtenmagazin für die modernen
33 Werbematerial der Burda-Verlagsgruppe. http://www.hubert-burda-media.com/hps/client/hbmi/hxcms/production_category_zeitungen/hbmi_article_mainnav/geschae ftsfelder/print/zeitschriften/focus/HXCORE_NAV_5001878.html <03.08.05>.
34 Stöber nennt als Zahl der Spiegel-Konkurrenten „mehr als drei Dutzend“. Stöber, Rudolf: Mediengeschichte I. Wiesbaden 2003, S.77. Stockmann dagegen nennt als Zahl „an die 50“. Stockmann, Ralf: Spiegel und Focus. Eine vergleichende Inhaltsanalyse 1993-1996. Göttingen 1999, S. 19.
35 Ein Überblick über die Spiegel-Konkurrenten bieten Jakobs, Hans-Jürgen/ Müller, Uwe: Augstein, Springer & Co. Deutsche Mediendynastien. Zürich - Wiesbaden 1990, S. 23.
16
Meinungsbildner unserer Zeit - Personen mit hohem Informationsbedarf und knappem Zeitbudget.“ 36
5.2 Aufbau des Focus
Der Focus erscheint, wie der Spiegel, in einem verkürztem Din A 4 Format von 21,5 x 26,5 Zentimetern.
Anders als der Spiegel, gestaltet der Focus seine Titelseite als eine Art Schaufenster seiner Themen. Das eigentliche Haupt-Titelthema dominiert die Titelseite. Auf dem oberen Rand werden bis zu drei weitere Themen mit Bildern beworben. Auch der untere Rand des Titelblattes wird bei manchen Ausgaben zur Präsentation von Themen verwandt. So kann ein Focus-Titel bis zu sechs verschiedene Themen des Heftes auf der Titelseite tragen. Im Gegensatz dazu trägt ein Spiegel-Titel maximal zwei Themen, wobei die Regel allerdings, wie bereits erwähnt, ein Titelthema ist.
Diese Strategie des Focus bietet dem Magazin die Möglichkeit, dem potentiellen Käufer möglichst viele Inhalte zu bieten und durch die breite Streuung der Themen eine größere Zielgruppe anzusprechen. Dem selbstgesetzten Motto des Focus, möglichst viele Themen kurz und verständlich aufzubereiten und dem Leser ein Höchstmaß an Information zu bieten, entspricht das bunte und vielfältige Titeldesign. Diese Anlehnung an die Regeln einer Internet-Informationsseite resultiert aus dem Ziel des Focus, sich an diese Darstellungsform neuer Medien anzulehnen. Jede Focus-Ausgabe beginnt mit dem ‚Tagebuch’. Hier schreibt Chefredakteur Helmut Markwort über Ereignisse der vergangenen Woche. Diese Texte sind, wie der Titel suggeriert, in subjektivem Stil geschriebene Kommentare über seinen journalistischen Alltag. Sie sollen einen Blick hinter die Kulissen des Focus-Chefredakteurs bieten.
Wie beim Spiegel führen die Titelthemen das Inhaltsverzeichnis des Focus an. Dann folgen die Rubriken in der Reihenfolge, in der sie im Heft erscheinen: ‚Deutschland’, ‚Kultur’, ‚Forschung und Technik’, ‚Internet’, ‚Reportage’, ‚Modernes Leben’, ‚Entertainment’, ‚Medien’, ‚Wirtschaft’ und ‚Ausland’.
36 Focus Eigenwerbung. http://focus-magazin-verlag.de/PF4/PF4D/PF4DM/pf4dm01.htm?nav=14 <03.08.05>.
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Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt das ‚Foto der Woche’. Diese Rubrik ist ein typisches Illustriertenelement und auch aus dem Magazin Stern bekannt. Meist bezieht sich das ‚Foto der Woche’ auf ein Hauptnachrichtenthema der vergangenen Woche, manchmal wird aber auch ein besonders spektakuläres Bild ausgewählt, das sich etwa dem Bereich Sport zurechnen läßt. Dazu erscheint ein etwa 20 Zeilen langer Absatz, der das Bild erklärt und kommentiert. Als nächstes folgt die Rubrik ‚Periskop’. Nach der Unterzeile ‚Kurz, präzise und schnell auf den Punkt’ werden hier auf etwa fünf bis acht Seiten Nachrichten aus aller Welt und aus allen Bereichen in kurzen Berichten präsentiert.
Dann beginnt das eigentliche Magazin mit den Rubriken in der Reihenfolge, wie sie im Inhaltsverzeichnis benannt werden. Das Magazin schließt mit dem ‚Fragebogen’. In dieser Rubrik werden Personen des öffentlichen Lebens mit 24 Fragen interviewt. Es handelt sich, wie beim ‚Foto der Woche’, um ein typisches Illustriertenelement. Diese Rubrik hat einen Nachrichtengehalt, der sich auf das Leibgericht oder den Lieblingsschauspieler des Interviewten beschränkt.
5.3 Berichterstattung im Focus
Die Berichterstattung des Focus orientiert sich stark an der selbst gesetzten Maxime, die Info-Elite zu erreichen, ein Personenkreis, der über wenig Zeit verfügt und einen hohen Informationsbedarf hat. Ihm sollen viele verschiedene Informationen kurz aufbereitet präsentiert werden. Diese Art der Berichterstattung führt zwangsläufig dazu, Informationen nur knapp anzureißen und auf tiefergehende Analysen zu verzichten. Diese verflachte Darstellung geht einher mit einer Themenauswahl, die sich durch einen starken Servicecharakter auszeichnet, was ebenfalls den Focus-Richtlinien entspricht. Diese Masse an kompakten Informationen im Focus, die zu einem hohen Anteil im Servicebereich anzusiedeln sind, stellt einen starken Kontrast zu den ausführlichen, eher gesellschaftskritischen Beiträgen des Spiegel dar.
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6. Statistische Zahlen zu Spiegel und Focus
6.1 Verkaufszahlen des Spiegel
Laut Medienanalyse der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erreicht der Spiegel, für den man am Zeitschriftenkiosk 3,40 und im regulären Abonnement 3,20 Euro pro Ausgabe bezahlen muß, eine Gesamtauflage von 1.320.877 Exemplaren pro Woche. 37 Die aktuellen Auflage- und Verkaufszahlen des Spiegel, erhoben von der IVW, lauten wie folgt: 38
Tab. 1: Spiegel Auflage- und Verkaufszahlen, zweites Quartal 2005
Für den Zeitraum der Untersuchung (Ausgabe Nr. 32 vom 02.08.2004 -Ausgabe Nr. 45 vom 30.10.2004) liegen folgende Zahlen vor:
Tab. 2: Höchste und niedrigste Auflage- und Verkaufszahlen des Spiegel im Untersuchungszeitraum
Die einzige Ausgabe des Spiegel aus dem Untersuchungszeitraum, der dem US-Wahlkampf eine Titelstory widmete, war die Nr. 45 vom 30.10.2004, also die letzte Ausgabe vor der Wahl. Der Titel lautete: „Amerika gegen Amerika“. Die Verkaufszahlen dieser Ausgabe lauten wie folgt:
37 Neben dem regulären Abonnement bietet der Spiegel ein Studentenabonnement mit einem Einzelheftpreis von 2,20 Euro und ein 13 Ausgaben umfassendes Mini-Abonnement mit einem Einzelheftpreis von 2,23 Euro an.
38 IVW Quartalszahlen 02/05 für den Spiegel. http://www.ivw.de <13.08.05>.
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Tab. 3: Auflage- und Verkaufszahlen Spiegel 45/2004
Der Titel aus dem Untersuchungszeitraum, der die höchsten Verkaufszahlen im Einzelverkauf erreichte, also das größte Interesse weckte, war die Spiegel- AusgabeNr. 35 vom 23.08.2004. Der Titel lautete: „Hitlers Ende. Ein Film rekonstruiert die letzten Tage im Führerbunker“. Ebenfalls einen Deutschlandtitel hatte die Ausgabe Nr. 44 vom 25.10.2004, deren Titel „Deutschland. Exportweltmeister (von Arbeitsplätzen)“ aber nicht so verkaufsfördernd wirkte wie Adolf Hitler. Sie markierte im Untersuchungszeitraum den Tiefstand bei den verkauften Einzelexemplaren. Bei der Gesamtauflage markierte der einzige Spiegel-Titel zur US-Wahl, die Nr. 45 vom 30.10.2004 mit dem Titel „Amerika gegen Amerika“ den Tiefststand. Der Titel mit der höchsten Auflage war die Spiegel-Nr. 34 vom 16.08.2004 mit dem Titel: „Angst vor der Armut“ zu den umstrittenen Hartz IV-Regelungen beim Arbeitslosengeld.
Damit zeigt sich, daß die Themen, die einen direkten Bezug zu Deutschland haben, (Hitler/Hartz IV) das größte Interesse bei den Käufern weckten. Die US-Wahl schien dagegen weniger Kaufanreiz hervorzurufen.
6.2 Verkaufszahlen des Focus
Laut Medienanalyse der IVW erreicht der Focus, der am Zeitschriftenkiosk 2,90 und im regulären Abonnement 2,70 Euro pro Ausgabe kostet, eine Gesamtauflage von 976.784 Exemplaren pro Woche. 39
Die aktuellen Auflage- und Verkaufszahlen des Focus betragen laut IVW: 40
39 Wie der Spiegel bietet der Focus neben dem regulären Abonnement ein Studentenabonnement mit einem Einzelheftpreis von 2,05 Euro und ein 13 Ausgaben umfassendes Mini-Abonnement mit einem Einzelheftpreis von 1,92 Euro an.
40 IVW Quartalszahlen 02/05 für den Focus. http://www.ivw.de <13.08.05>.
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Tab. 4: Focus Auflage- und Verkaufszahlen, zweites Quartal 2005
Für den Zeitraum der Untersuchung (Ausgabe Nr. 32 vom 02.08.2004 -Ausgabe Nr. 45 vom 30.10.2004) liegen folgende Zahlen vor:
Tab. 5: Höchste und niedrigste Auflage- und Verkaufszahlen des Focus im Untersuchungszeitraum
Auch der Focus widmete innerhalb des Untersuchungszeitraums dem US-Wahlkampf nur in einer einzigen Ausgabe eine Titelstory, und zwar in der Nr. 42 vom 11.10.2004. Der Titel lautete: „US Präsidentenwahl. Wer wird der mächtigste Mann der Welt? Bush oder Kerry - was die Entscheidung bedeutet.“ Die Verkaufszahlen dieser Ausgabe lauten wie folgt:
Tab. 6: Auflage- und Verkaufszahlen Focus 42/2004
Bei den untersuchten Focus-Ausgaben war eines der sogenannten ‚Service-Themen’ des Focus die Nummer eins im Einzelverkauf, die Nr. 38 vom 13.09.2004 mit dem Titel: „Der Beziehungs-Code. Von Singles, glücklichen und unzufriedenen Paaren“.
Bei der Gesamtauflage erreichte ebenfalls ein ‚Service-Thema’ den höchsten Rang, die Nr. 45 vom 30.10.2004 mit dem Titel „Die besten Universitäten. Erfolgreich studieren. Das Focus-Ranking für die 20 wichtigsten Fächer“. Den Tiefststand bei der Gesamtauflage markierte die Focus-Nr. 39 vom
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Arbeit zitieren:
Götz Frittrang, 2005, Die Darstellung von John Kerry und George W. Bush in den deutschen Nachrichtenmagazinen Focus und Spiegel, München, GRIN Verlag GmbH
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