Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was ist Sufismus? S. 4 5
3. Entstehung und Entwicklung des Sufismus S. 6 - 8
4. Sufismus in der westlichen Welt 9
5. Sufismus und Mystik S. 10 - 11
6. Literaturverzeichnis 12
2
Einleitung
In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Entwicklungsgeschichte und den Grundgedanken des Sufismus, welche eine der, wenn nicht sogar die bekannteste mystische Auslegung des Islam und des Korans darstellt, widmen. In der westlichen Welt wird der Sufismus von der Allgemeinheit primär mit dem Phänomen der tanzenden Derwische assoziiert, welche allerdings nur einen äußerst kleinen Teil der sufistischen Lehre ausmachen und teilweise sogar als eine Art Gegenbewegung zu den traditionellen sufistischen Lehren darstellen. Die Anfänge des Sufismus liegen im 6 und 7. Jahrhundert in Khorassan, dem heutigen Nordostiran, sowie in Teilen Afghanistans und Mittelasiens, aus diesen Regionen stammen zahlreiche bedeutende Mystiker der sufistischen Frühzeit. Der Sufismus breitete sich im Laufe der Zeit gefördert durch die Gründung von Orden im 11. Jahrhundert bis ins 13. Jahrhundert auch in großen Teilen Arabiens, Indiens, Zentralasiens und Anatoliens aus.
Bis zu frühen Neuzeit entwickeln sich Orden auch in Afrika, Indonesien, China und Westanatolien, welche alle ihre eigene Auffassung des Sufismus vertreten, nur im Iran ist der Sufismus aufgrund der strengen religiösen Gesetzgebung nur vereinzelt vertreten.
Kontakte von westlichen Gelehrten zum Sufismus gab es schon im Mittelalter. So zeigen die Werke des katalanischen Gelehrten Ramon Lull am Ende des 13. Jahrhunderts sowie auch die späteren Werke Johann Wolfgang von Goethes und Friedrich Rückerts einen enormen sufistischen Einfluss. 1638 wurde zum ersten Mal ein mystisches Werk aus dem Arabischen, ein Gedicht des ägyptischen Mystikers Ibn Al-Farid aus dem frühen 13. Jahrhundert, in deutscher Sprache übersetzt und publiziert. Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche grundlegende Werke zur Geschichte und Tradition des Sufismus in der seiner Spätzeit erstmals vollständig in Europa publiziert. Auch in der heutigen Zeit sind viele Sufi-Orden in Europa tätig, in Deutschland entstanden in der 1920er Jahren die ersten Orden, welche bis heute existent sind.
Was ist Sufismus?
Der Ausdruck Sufismus bezeichnet bis zum 9. Jh. eine asketische Randgruppe im Islam und wird heute als Sammelbezeichnung für Strömungen im Islam verwendet, die asketische Tendenzen und eine spirituelle Orientierung prägen, also als innere esoterische Auslegung des Korans und innere Dimension des Islams verstanden werden, 1 und leitet sich vom arabischen Wort tasawwuf ab. Die Definitionen dieses Begriffes gehen bis in die älteste Zeit zurück. 2
Im 11. Jahrhundert wurde die Diskussion durch den islamischen Mystiker Hujwiri folgendermaßen zusammengefasst: ÷Einige behaupten, dass der Sufi so genannt wird, weil er ein wollenes Gewand, trägt; andere, weil er in der ersten Reihe steht, andere wieder áá÷òá h in Medina um den Propheten scharten, gehören. Und wieder andere erklären, dass der Name von Reinheit, abgeleitet sei". 3 Im Westen wurde oft das griechischen Wort sophos - Weise als Ableitung für Sufi verwendet, aber dies sei philologisch nicht haltbar, wie viele Autoren und Wissenschaftler bestätigt haben. 4 Die Ableitung von dem arabischen Begriff für Wolle wurde von den meisten als Erklärung akzeptiert, da man sich dies so erklärt, erklärt, dass das grobe Wollgewand der Sufiker ihr Erkennungszeichen war. 5 Der große Sufist Junaid, um 900 Führer der irakischen Schule der Mystiker, hat folgende Definition zum ã÷Sufismus wird nicht erworben durch viel Beten und Fasten, sondern ist die Sicherheit des Herzens und die Großmut der Seele". Er soll auch den folgenden Gedanken auf Grundlage, dass die die Propheten des Korans als Vorbilder von sufistischen Qualitäten angesehen werden, formuliert haben: ÷ ¡òá ã Großmut Abrahams, der seinen Sohn opferte; die Hingebung Ismails, der sich dem Befehl Gottes hingab und sein leben aufzugeben bereit war; die Geduld Hiobs; die symbolische Handlungsweise des Zacharias, zu dem Gott sprach ( er solle drei Tage nur die Zeichensprache benutzen). Die Fremdheit des Johannes in sein eigenen Land; die Pilgerschaft Jesu, der so abgelöst von den weltlichen Dingen war. Das Tragen der Wolle des
1 Schimmel 2000, S. 7
2 Schimmel 1995, S. 31
3 Schimmel 1995, S.31
4 Schimmel 1995, S. 31
5 Schimmel 1995, S. 31
Arbeit zitieren:
Michael Jan Riepe, 2010, Geschichte und Grundgedanken des Sufismus, München, GRIN Verlag GmbH
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