II
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung. 1
1.1 Zielsetzung der Masterarbeit 1
1.2 Anzahl geringqualifizierter Erwerbstätiger in Deutschland 2
1.3 Die Zukunftsperspektiven von An- und Ungelernten 2
1.4 Die Förderinitiative „Perspektive Berufsabschluss“ des BMBF 3
1.5 Die Initiative der Münchner Arbeit gGmbH zur modularen
Nachqualifizierung von langzeitarbeitslosen Frauen. 3
1.5.1 Die Münchner Arbeit gemeinnützige GmbH 3
1.5.2 Die Qualifizierungsmaßnahmen der Bürokommunikation 4
1.5.3 Modulare Nachqualifizierung für den Beruf
„Kaufmann/-frau für Bürokommunikation“ 4
2 Gestaltung der Lehr-Lern-Prozesse 5
2.1 Beschreibung der Zielgruppe 5
2.2 Voraussetzungen der Teilnehmerinnen. 6
2.3 Das Anschluss-Lernen Erwachsener. 6
2.4 Abstimmung zwischen den Lernorten. 7
2.5 Das Lernfeldkonzept. 7
2.6 Lernen im fachtheoretischen Unterricht. 7
2.7 Lernen im Arbeitsprozess. 8
3 Entwicklung eines didaktischen Konzepts. 10
3.1 Die Eckpfeiler des didaktischen Konzepts. 10
3.2 Berücksichtigung von gesellschaftlichen Bedingungsfaktoren 10
3.2.1 Das bildungspolitisches Ziel der Integration 10
3.2.2 Gesetzliche Grundlagen und Fördermaßnahmen 11
3.3 Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen. 12
3.4 Lernen durch das Modell der vollständigen Handlung 12
3.5 Individuelle Betreuungsmaßnahmen für das Lernen 13
3.5.1.1 Individuelle Lernberatung 13
3.5.1.2 Stützunterricht 14
3.5.1.3 Computer Based Training 14
III
3.6 Festlegen eines organisatorischen Rahmens. 15
3.6.1 Das Betreuungssystem für die Teilnehmerinnen. 15
3.6.1.1 Sozialpädagogische Betreuung. 15
3.6.1.2 Innerbetriebliches Multiplikatorensystem (Patensystem) 15
3.6.2 Dokumentation des Fähigkeitsprofils. 16
3.6.3 Zertifizierung der Module 16
3.6.4 Zeitliche und räumliche Gliederung der Nachqualifizierung 17
3.6.5 Auswahl von geeigneten Lehrenden 17
3.7 Festlegen der Lernziele und der Lerninhalte 18
3.7.1 Modularisierung des Berufsbildes hinsichtlich der Lernziele 18
3.7.1.1 Das Berufsbild Kaufmann/-frau für Bürokommunikation 19
3.7.1.2 Das Modulsystem für die berufliche Nachqualifizierung. 19
3.7.2 Lernzielpräzisierung bezüglich der Lerninhalte 20
3.8 Methoden für den fachtheoretischen Unterricht. 21
3.8.1 Methode Lehrbrief. 21
3.8.2 Methode Planspiel 22
3.8.3 Methode Meinungsmarkt 22
3.9 Lernen im Arbeitsprozess - die Leittextmethode. 23
3.9.1 Phase 1 - Einstiegsphase 24
3.9.2 Phase 2 - Informationsphase. 24
3.9.3 Phase 3 - Planungsphase. 24
3.9.4 Phase 4 - Durchführungsphase 24
3.9.5 Phase 5 - Auswertungsphase. 25
3.9.6 Phase 6 - Nachbereitungsphase 25
3.9.7 Anwendungsbeispiel für den Einsatz der Leittextmethode 25
3.10 Reflexion des didaktischen Konzepts 25
4 Zusammenfassung 27
LITERATURVERZEICHNIS. 28
INTERNETQUELLEN 30
ANHANG 32
IV
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ARGE Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung bbw Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V. BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung CBT Computer Based Training d. h. das heißt DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt EDV Elektronische Datenverarbeitung E-Learning Electronic Learning E-Mail Electronic Mail e.V. eingetragener Verein f-bb Forschungsinstitut Betriebliche Bildung ggf. gegebenenfalls
gGmbH
KMK Kultusministerkonferenz m. E. meines Erachtens
MAG AFI
o. a. oben angegeben PC Personal Computer sog. so genannt u. a. unter anderem vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel zit. n. zitiert nach
1
1 Einleitung
„[...] Bildung eröffnet Lebens- und Aufstiegschancen für alle.“ Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, 2009.
1.1 Zielsetzung der Masterarbeit
Im Oktober 2008 wurde von Bund und Ländern die „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“ beschlossen. Dadurch sollen die Bildungschancen und somit indirekt die individuellen Lebenschancen und die gesellschaftliche Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger verbessert werden. Das Teilprogramm „Perspektive Berufsabschluss“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) fördert u. a. die abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung für an- und ungelernte (junge) Erwachsene (vgl. BMBF 2009, S. 1 ff.). Die Münchner Arbeit gGmbH beteiligte sich in den letzten Monaten zusammen mit anderen sozialen Betrieben und der Industrie- und Handelskammer München maßgeblich an der Entwicklung von Qualifizierungsbausteinen für den Beruf „Kauffrau für Bürokommunikation“. Nach genehmigter Zertifizierung können Teilnehmerinnen der Abteilung Bürokommunikation ab September 2009 im Sinne einer modularen Nachqualifizierung Qualifizierungsbausteine für diesen Beruf erwerben.
Die Teilnehmerinnen dieser Bildungsmaßnahme verfügen über eine besondere Biographie: Meistens sind sie bereits über 30 Jahre alt, sozial benachteiligt und allein erziehend. Durch ihre lange Phase der Arbeitslosigkeit sind sie zudem oft arbeits- und lernungewohnt. Der Gestaltung der Lehr-Lern-Prozesse bei der beruflichen Nachqualifizierung dieser Zielgruppe kommt daher eine besondere Beutung zu. Wie diese Lehr-Lern-Prozesse ausgestaltet werden sollen, wird in Kapitel zwei dieser Masterarbeit beschrieben Eine „modulare Nachqualifizierung von langzeitarbeitslosen Frauen zur Kauffrau für Bürokommunikation“ setzt sich - wie der Name schon vermuten lässt - aus verschiedenen Modulen zusammen. Neben dieser sog. Modularisierung sind auch die sozialpädagogische Betreuung und das Lernen am Arbeitsplatz wichtige Eckpfeiler des didaktischen Konzepts dieses Bildungsprozesses. Die Entwicklung dieses didaktischen Konzepts wird in Kapitel drei beschrieben.
2
1.2 Anzahl geringqualifizierter Erwerbstätiger in Deutschland Im Jahr 2004 lag der Anteil der Personen in Deutschland ohne Berufsabschluss an den 28,8 Mio. abhängig Erwerbstätigen 1 im Alter von 15 bis 64 Jahren insgesamt bei ca. 13%. Dies entspricht einer absoluten Zahl von 3,6 Mio. Personen, von denen Frauen mit 52% über die Hälfte stellten (vgl. Ambos, I. 2005, S. 2 f. nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2005). Arbeitslosigkeit traf die Geringqualifizierten mit 22% (alte Bundesländer) bzw. 51% (neue Bundesländer) in weitaus stärkerem Maß als Akademiker mit 4% (alte Bundesländer) bzw. 6% (neue Bundesländer) (vgl. ebd., S. 3 zit. n. Reinberg/Hummel 2005).
Frappierend an diesen Zahlen ist, dass sich die Quote der Personen ohne Berufsabschluss seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht geändert hat: zwischen 12% und 14% eines jeden Altersjahrgangs, also jeder Siebte bis Achte, bleibt ohne Berufsabschluss (vgl. Steinhäuser, K. 2003, S. 23).
Diese Quote hat sich in den letzten Jahren sogar noch erhöht: Betrachtet man den Berufsbildungsbericht des BMBF aus dem Jahr 2008, so weisen die Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2005 1,57 Mio. Jugendliche im Alter zwischen 20 und 29 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung aus, was einer Quote von 16,1% entspricht (vgl. BMBF 2008, S. 153).
1.3 Die Zukunftsperspektiven von An- und Ungelernten
Problematisch ist dieser hohe Anteil von Personen ohne Berufsabschluss vor allem deshalb, weil sich die Arbeitskräftenachfrage auch zukünftig in Richtung Höherqualifizierte entwickeln wird. Eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Zeitraum bis 2010) geht davon aus, dass Hilfs-und Einfacharbeitsplätze zu Gunsten von qualifizierten Fachtätigkeiten mit mittlerem und hohem Anforderungsprofil erheblich abgebaut werden (vgl. Ambos, I. 2005, S. 3 zit. n. Reinberg 2003). Wenn auch in Zukunft das Arbeitskräfteangebot von Personen ohne Berufsabschluss den Bedarf an Geringqualifizierten übersteigen wird, so werden Geringqualifizierte auch längerfristig ein erhöhtes Arbeitsmarktrisiko tragen (vgl. ebd., S. 3 f. zit. n. Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 2002).
1 Anm. d. Verf: exklusive Selbständiger und Auszubildender.
3
1.4 Die Förderinitiative „Perspektive Berufsabschluss“ des BMBF Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder haben am 22. Oktober 2008 mit der Dresdner Erklärung die „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“ beschlossen. Mit dieser Qualifizierungsinitiative sollen die Bildungschancen aller Bürgerinnen und Bürger verbessert werden, die Durchlässigkeit im Bildungssystem erhöht werden und wichtige Impulse für die Zu-kunftsvorsorge gesetzt werden. Denn Bildung und Qualifizierung bilden die Voraussetzungen für individuelle Lebenschancen und gesellschaftliche Teilhabe. Außerdem sind gut ausgebildete und hoch qualifizierte Personen der Schlüssel für Wachstum, Wohlstand und Fortschritt einer Gesellschaft (vgl. BMBF 2009, o. S.).
Die Qualifizierungsinitiative für Deutschland besteht aus zahlreichen Maßnahmen. Eine davon ist das Programm „Perspektive Berufsabschluss“. 2 Dieses Programm hat eine Laufzeit bis 2012 und fördert mit Mitteln des Bundes und des Europäischen Sozialfonds u. a. die abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung für an- und ungelernte (junge) Erwachsene, mit dem Ziel berufliche Qualifizierungen bzw. einen Berufsabschluss nachzuholen (vgl. ebd., S. 9).
1.5 Die Initiative der Münchner Arbeit gGmbH zur modularen
Nachqualifizierung von langzeitarbeitslosen Frauen
1.5.1 Die Münchner Arbeit gemeinnützige GmbH
Die Münchner Arbeit gGmbH wurde 1992 als Freimanner Werkstatt gemeinnützige Beschäftigungs GmbH gegründet und ist die Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft der Stadt München. Teilnehmerinnen 3 , die oftmals langzeitarbeitslos sind sowie unter besonderen sozialen Schwierigkeiten leiden und/oder über schlechte Eingangsvoraussetzungen am Arbeitsmarkt verfügen, erhalten ein kombiniertes Angebot von Arbeit, psychosozialer Betreuung und beschäftigungsbegleitender Bildung (vgl. Münchner Arbeit 2009d).
Das Leitbild der Münchner Arbeit nennt als oberste Ziele die Vermittlung in den Arbeitsmarkt und den Erhalt der Arbeitsfähigkeit (vgl. Münchner Arbeit 2007, S. 7).
2 Anm. d. Verf: Informationen unter www.perspektive-berufsabschluss.de.
3 Anm. d. Verf: Bei der Münchner Arbeit werden ausschließlich Frauen beschäftigt.
4
Die Münchner Arbeit kooperiert mit der Stadt München (insbesondere mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft und dem Sozialreferat), mit der ARGE 4 München und mit der Agentur für Arbeit München. Eine enge Zusammenarbeit mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden sowie Betrieben und Einrichtungen in und um München rundet diese Kooperation ab. Folgende Fachabteilungen sind u. a. in der Münchner Arbeit vorzufinden: Bürokommunikation, Textil und Büro für Beratung und Arbeitsvermittlung (vgl. Münchner Arbeit 2009d).
1.5.2 Die Qualifizierungsmaßnahmen der Bürokommunikation
Die Bürokommunikation ist ein eigenständiger Beschäftigungs- und Qualifizierungsbetrieb mit eigenen Produktangeboten innerhalb der Münchner Arbeit. Im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten (meist sog. „Ein-Euro-Jobs“) werden langzeitarbeitslose Menschen qualifiziert und in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert. Ziele der Qualifizierungsmaßnahme sind ein professioneller Umgang mit dem PC, ein kundenorientiertes Auftreten sowie die gewissenhafte und korrekte Bearbeitung von Aufträgen (vgl. Münchner Arbeit 2009e).
1.5.3 Modulare Nachqualifizierung für den Beruf
„Kaufmann/-frau für Bürokommunikation“
Qualifizierungsbausteine haben sich in den letzten Jahren als ein wichtiges Arbeitsförderungsinstrument erwiesen, um die beruflichen Perspektiven von Benachteiligten zu verbessern (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005, S. 298 f.). Daher entwickelte die Münchner Arbeit gGmbH in den letzten Monaten zusammen mit anderen sozialen Betrieben in München Qualifizierungsbausteine für den Eigenbetrieb Bürokommunikation (vgl. MAG AFI 2009, S. 7).
Nach erfolgter Zertifizierung dieser Qualifizierungsbausteine durch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern kann nun die entsprechende Umsetzung stattfinden: Alle Teilnehmerinnen der Abteilung Bürokommunikation können ab September 2009 Qualifizierungsbausteine für den Beruf „Kaufmann/-frau für Bürokommunikation“ erwerben (vgl. Münchner Arbeit 2009f).
4 Anm. d. Verf: Abk. für Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung.
5
2 Gestaltung der Lehr-Lern-Prozesse
In diesem Kapitel wird beschrieben, wie die Lehr-Lern-Prozesse bei der beruflichen Nachqualifizierung zur Kauffrau für Bürokommunikation gestaltet sein sollten, damit sie den speziellen Erfordernissen der Zielgruppe gerecht werden.
Bei der Gestaltung der Lehr-Lernprozesse fließen die Voraussetzungen der Teilnehmerinnen, die Charakteristiken des Erwachsenenlernens, die Abstimmung zwischen den Lernorten, die Berücksichtigung des Lernfeldkonzeptes und ein auf Handlungs- und Sozialkompetenz abzielendes Lernen in Gruppen ein.
2.1 Beschreibung der Zielgruppe
Die Abteilung Bürokommunikation beschäftigte im Jahr 2008 insgesamt 46 Frauen. Die Altersstruktur zeigt, dass 7% der Frauen zwischen 15 und 25 Jahre alt waren, 26% zwischen 26 und 35 Jahre, 46% zwischen 36 und 45 Jahre und 22% zwischen 46 und 55 Jahre. Keine der Frauen war älter als 55 Jahre. Ein Blick auf die Statistiken bis in das Jahr 2003 zurück zeigt, dass sich in den letzten Jahren der Anteil der Frauen im Alter ab 35 Jahren seit 2003 fast verdoppelt hat, während im Altersegment bis 35 Jahre ein entsprechender Rückgang zu verzeichnen ist (vgl. Münchner Arbeit 2009a, S. 1 ff). Die Sozialstatistik für die Abteilung Bürokommunikation des Jahres 2008 weist auf, dass 24% der Frauen über keinen oder einen nicht anerkannten Ausbildungsabschluss verfügen. Sowohl 98% der Frauen haben einen Qualifizierungsbedarf als auch einen Unterstützungsbedarf bei der Perspektivbildung und/oder Arbeitssuche. Für 17% stellt das Alter ein Vermittlungshemmnis dar, 10% haben Probleme mit der deutschen Sprache und/oder der Rechtschreibung.
Auffällig hoch ist die Quote der allein erziehenden Frauen mit 38%. Körperliche und psychische Einschränkungen betreffen jeweils 17%. 12% sind von Suchtproblematik und 7% von Wohnproblematik betroffen. Relativ hoch ist die Verschuldungsquote mit 19%, während „nur“ 7% von einer schwierigen familiären Situation betroffen sind. Mit einem Blick auf die Vergangenheit (Jahre 2003 bis 2007) kann man feststellen, dass sich diese Quoten relativ günstig entwickeln, da sowohl die Quote der allein erziehenden Frauen, als auch die- jenige von Frauen mit psychischen Problemen und mit familiären Problemen
6
zurückging. Die anderen Quoten blieben über die Jahre hinweg relativ stabil (vgl. Münchner Arbeit 2009b, S. 1 ff).
Die Ausländerstatistik zeigt, dass der Anteil der ausländischen Frauen im Jahr 2008 zwar 22% betrug, jedoch lediglich 2% der Frauen über einen Integrationsbedarf verfügen. Diese Zahlen dürfen als repräsentativ für die Jahre 2003 bis 2008 gelten, wie der Blick in die Vergangenheit zeigt (vgl. Münchner Arbeit 2009c, S. 1 ff).
2.2 Voraussetzungen der Teilnehmerinnen
Bei der Zielgruppe für die berufliche Nachqualifizierung ist davon auszugehen, dass schulische und beruflich strukturierte Lernprozesse bei fast allen Teilnehmerinnen längere Zeit zurückliegen. Bestimmte Lerninhalte konnten auf-grund des technologischen und organisatorischen Wandels in früheren Schul-oder Berufsphasen noch gar nicht vermittelt werden; dies betrifft insbesondere die modernen Büroprogramme am Computer.
Weiterhin fehlen an- und ungelernten Frauen in methodischer Hinsicht oft Techniken des Zeit- und Lernmanagements. Hinsichtlich der sozialen Fähigkeiten ist bei der Eingliederung in strukturierte Prozesse der Teamarbeit mit fremden Personen mit Schwierigkeiten zu rechnen (vgl. Krings, U./Oberth C. 2001e, S. 53).
2.3 Das Anschluss-Lernen Erwachsener
Das Lernen Erwachsener ist ein Lernen in fortgeschrittener Biographie und deshalb notwendig ein Erfahrungs- und Anschlusslernen. Erwachsene wollen nicht ständig neu aufbrechen und alle ihre inneren Gewissheiten zur Disposition stellen. Sie bemühen sich um Identitätssicherung und Identitätserhalt und sind deshalb „unbelehrbar“ (vgl. Arnold, R./Pätzold, H. 2008, S. 27 ff.). Die bereits angelegte Persönlichkeitsstruktur des erwachsenen Lerners determiniert die Auffassung, Verarbeitung und Anwendung des gelehrten Stoffes. Damit der erwachsene Lerner nachhaltig lernt, muss der Lernprozess die Biographie und den Erfahrungsschatz der Teilnehmer berücksichtigen. Eine reflexive Auseinandersetzung mit seinen Deutungsmustern kann ihm neue gangbare (viable) Wege aufzeigen. Im Vordergrund steht das informelle und autodidaktische Lernen, welches 70% des Lernens Erwachsener ausmacht (vgl. Arnold, R. 2006, S. 93 f).
Arbeit zitieren:
Marlies Kraus, 2009, Modulare Nachqualifizierung von langzeitarbeitslosen Frauen zur Kauffrau für Bürokommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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