Patrick Farsen
Die Plastik Sesostris III.
Ein Beitrag zur königlichen Kunst des ägyptischen Mittleren Reichs
Inhalt
Sesostris III. und seine Zeit - Ein historischer Abriss 2
Die Kunst Sesostris III. 4
Das porträthafte Antlitz Sesostris III. 5
Zur Ikonographie 10
Katalog S. 12
Literatur S. 46
Sesostris III. und seine Zeit - Ein historischer Abriss
Sesostris III. (Chakaure), der 5. König der 12. Dynastie, war der Sohn und
Nachfolger Sesostris II. Seine Regierungslänge wird in der Regel auf 19 Jahre
(um 1837/6-1818 v. Chr.) geschätzt 1 , obwohl dies nicht gänzlich gesichert ist.
So gehen andere Meinungen von einer langen Regentschaft von 39 Jahren aus 2
Eine lange Regierungszeit ließe sich evtl. durch das Sed-Fest des Königs
begr ünden, zu dessen Anlass Statuen 3 und Reliefs gefertigt wurden.
Die Außenpolitik Sesostris III. richtete sich primär auf die Ausweitung des
ägyptischen Einflussgebiets nach Süden 4 So führte er mindestens vier Feldzüge
nach Nubien 5 , in denen es ihm gelang, das Gebiet bis südlich des 2. Nil-
1
Vgl. Schneider 1996, S. 419.
2
Vgl. Beckerath 1997, S. 133 Schneider 1996, S. 419-420. Dazu auch Lange 1954, 43-44
Callender 2003, S. 138.
3
Vgl. Schoske 2000, S. 95.
4
Vgl. Lange 1954, S. 12.
5
In den Jahren 8, 10, 16 und 19.
2
Katarakts zu erobern. Damit hatte er die ägyptische Südgrenze bis hin nach Semna verschoben. Zur Sicherung dieser Grenze ließ er mehrere Festungen errichten.
Daneben ist ein Feldzug nach Palästina belegt, möglicherweise zur Sicherung von Handelswegen 6 . Im 8. Jahr seiner Herrschaft (so eine Inschrift auf Sehel) ließ Sesostris III. einen Kanal durch den 1. Katarakt bei Elephantine ausheben, um ihn für Schiffe passierbar zu machen.
Innenpolitisch wird oft behauptet, dass es ihm gelang, den mächtigen Provinzadel endgültig auszuschalten. Dabei kann man darin wohl ehr einen langfristigen Prozess sehen, der die Erben der Gaufürsten als Beamte an den Königshof locke und diesen damit wieder zum Konzentrationspunkt aller Machtbestrebungen machte 7 .
Die Kult- und Baupolitik des Herrschers war ähnlich energisch, so hinterließ er etliche Tempelstiftungen im ganzen Land, u. a. in Armant, Karnak, Luxor oder Abydos 8 . Eines seiner größten Projekte war der Bau des Month-Tempels in Medamud, den er auch mit Statuen und Reliefs (u. a. mit Sed-Fest Darstellungen) ausstatten ließ. Daneben ist noch seine Pyramide in Dahschur zu erwähnen, die einzig aus Lehmziegeln bestand und mit Tura-Kalkstein verkleidet war. Heute ist der Bau nahezu vollständig verfallen. Zusammengefasst lässt sich damit sagen, dass Sesostris III. ein mächtiger Herrscher war, dem es durch seine kriegerischen Unternehmungen gelang, sein Reich extrem zu vergrößern. Eben dieser Tatendrang spiegelt sich auch in der Kunst des Pharaos wider, die ein völlig neuartiges Bild des Königs zeigt.
6 Vgl. Schneider 1996, S. 420.
7 Vgl. Höveler-Müller 2005, S. 164-165; Hornung 1996, S. 60; Schneider 1996, S. 422.
8 Eine genauere Übersicht zu den Bauten und Stiftungen Sesostris III. bei Schneider 1996, S.
422.
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Die Kunst Sesostris III.
Die Zeit von Sesostris III. bildet einen künstlerischen Höhepunkt, der sich in den Werken seines Sohns und Nachfolgers Amenemhet III. fortsetzten sollte. Seine Bildnisse sind allesamt von außergewöhnlich vollkommener Machart und treten nicht nur durch ihren künstlerischen Ausdruck hervor, sondern auch durch die hervorragende Materialbearbeitung. Eines der herausragendsten Beispiele hierfür ist wohl der kleine Obsidiankopf des Königs 9 , der sich heute in Lissabon 10 befindet.
Von Sesostris III. sind nahezu alle bis dahin bekannten Statuentypen überliefert 11 . Darunter sind zwei monumentale Standschreitfiguren aus Karnak, mehrere Sitzfiguren aus Medamud und eine Kniefigur aus der Karnak-Cachette belegt. Die Herkunft der Mehrzahl der Bildnisse hat jedoch keine gesicherte Herkunft, wodurch auch eine regionale stilistische Unterscheidung einzig ein Versuch bleiben muss 12 .
Insgesamt sind über 100 Bildnisse 13 Sesostris III. erhalten, doch sind nur die wenigsten unversehrt. Eines der berühmtesten nahezu unversehrten Bildwerke ist die Sphinxfigur 14 des Königs. Diese verbindet die seit dem Alten Reich statuarisch überlieferte Macht des Löwen, der als mächtigster aller Wüstenbewohner galt, mit dem eigenwilligen Gesicht des Königs. Nun tritt jedoch die religiöse Komponente des Amtes etwas zurück, sodass das Bildnis nun auch machtpolitische Selbstdarstellung wird. Generell ist im Mittleren Reich die Nutzung von Statuen als Propagandamittel zu bemerken, was unter Sesostris III. seinen Höhepunkt erreicht.
9 Lissabon; Museu Calouste Gulbenkian, Inv. Nr. 138.
10 Dazu Wolf 1957, S. 326.
11 Vgl. Schoske 2000, S. 85.
12 Vgl. Polz 1995, S. 234.
13 Vgl. Russmann 2001, S. S. 104-105. Dazu auch Polz 1995, S. 237, Anm. 62-65.
14 New York, Metropolitan Museum of Art, Inv. Nr. 17.9.2.
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Erstmals tritt unter dem König auch die sog. Beterstatue auf. Dieser Figurentyp überschreitet niemals lebensgroße Dimensionen und zeigt den König im sog. Gebetsgestus: Dabei hat er beide Hände flach auf den plissierten Vorbauschurz gelegt und das linke Bein vorangestellt 15 . Immer trägt der Herrscher das gestreifte Nemes-Kopftuch mit Uräusschlange über der Stirn. Bei den Beterstatuen handelt es sich um Tempelstatuen, sprich Stiftungen des Königs an die Götter. Sesostris III. hat seine Figuren bspw. in Deir el-Bahari zu Ehren Amuns und des vergöttlichten Königs Mentuhotep II. Nebhepetre errichtet. Ikonographisch dominant bei den Darstellungen des Königs ist das Nemes-Kopftuch. Ansonsten sind auch die weiße oberägyptische Krone und die Doppelkrone belegt.
Die Struktur der Statuen ist immer streng formal gehalten und verbindet den athletischen kräftigen Körper des „lebenden Horus auf Erden“ mit einem von Individualität geprägten Antlitz 16 . Diese Verbindung verleiht allen Figuren einen monumentalen und zugleich personenhaften Ausdruck.
Das porträthafte Antlitz Sesostris III.
Kein anderer Herrscher des Mittleren Reichs hat so viele Bildnisse hinterlassen wie Sesostris III. und stets treten dem Betrachter die unverwechselbaren Gesichtszüge des Pharaos entgegen: das niedere kraftvolle Kinn, ein breiter Mund mit schmalen eng zusammengepressten Lippen und deutlich herabgezogenen Mundwinkeln, deutlichen Falten zwischen Nase und Mund, markanten Wangenknochen, tiefliegenden Augen, die von schweren Lidern
15 Dies lässt sich bei den Beterfiguren Sesostris III. nur noch erahnen, lässt sich jedoch an
vollständiger erhaltenen Figuren dieses Typs von Amenemhet III. aus Karnak (Kairo,
Ägyptisches Museum, CG 42014-42016) sehen.
16 Wolf 1957, S. 326 spricht bei der Kunst Sesostris III. von der Umwandlung starrer
stereometrischer in bewegte plastische Formen, denen es durch das Spiel von Licht und
Schatten gelingt eine Verschmelzung der einzelnen Teile zu einem Ganzen zu erreichen.
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überwölbt werden, wuchtigen Brauenwülsten und großen hoch ansetzenden Ohren. Eben diese Merkmale bilden eine Art „Grundmuster“ für alle Bildnisse des Herrschers, das in einigen Fällen jedoch noch verstärkt wird, da sich die Mundwinkel weiter herabziehen, die Schatten unter den Augen zu Tränensäcken werden, die Wangen sind nicht mehr straff gespannt sondern eingefallen und die Knochenstruktur des Schädels deutlich hervortritt, die Lider schwerer werden und das gesamte Gesichtsfeld von tiefen Falten gezeichnet wird (sog. „Altersporträt“).
Die extrem individuelle und personenhafte Wirkung der Gesichtszüge Sesostris III. hat dazu geführt, dass seine Kunst immer wieder als eine Art „Stilbruch“ betrachtet wurde 17 . Dabei argumentierte man aus der zeitgeschichtlichen Situation in der zweiten Hälfte 12. Dynastie heraus mit der „erdrückenden Verantwortung des Königtums“, den „von Sogen gezeichneten Zügen“, oder gar dem Eindruck von „Niedergeschlagenheit als Vorahnung des zukünftigen Verfalls des Reiches“. Das Antlitz Sesostris III. hat also zu den unterschiedlichsten Interpretationen angeregt. Klar ist, dass die Züge sich von denen früherer Herrscher deutlich unterscheiden, da sie nicht mehr völlig idealisiert sind. Ein solcher Bruch mit allen Traditionen muss mit einer Wandlung in der Betrachtung des Königtums selbst einhergegangen sein. Dabei kommt die stilistische Sonderstellung nicht plötzlich und unerwartet, sondern lässt sich als Endpunkt einer Entwicklung, die mit der Plastik der 11. Dynastie beginnt festmachen 18 . Die Porträtähnlichkeit war zwar angestrebt, dennoch flossen auch machtpolitische, ideologische und philosophisch-geistige Gegebenheiten mit ein. Solche radikalen Veränderungen in der Darstellung, wie man sie bei Sesostris III. oder später im Neuen Reich bei Amenophis IV./Echnaton erlebt, hatten zudem immer direkte Vorstufen in ihrer Entwicklung, so unter Sesostris II. oder im Neuen Reich unter Amenophis III. Zudem lässt die betonte Individualität beinahe vergessen, dass sich die Bildnisse
17 Vgl. Schoske 2000, S. 94.
18 Vgl. Schoske 2000, S. 95.
6
des Königs problemlos in die formalen Konventionen der bereits tausendjährigen ägyptischen Kunst stellen lassen.
Die Einbindung der äußeren sozialpolitischen Situation in die Betrachtung der Bildnisse Sesostris III. kann auch überbewertet werden, so umschreibt W. Wolf (1957) die Werke des Pharaos als Ausdruck dafür, dass „die Gottheit nicht mehr in Gestalt des Königs auf Erden wandelt und der Staat die Verankerung in der Religion verloren hat“ 19 . Demnach sei der König - wie auch der Rest der Menschheit - nun entidealisiert und entgöttlicht, sprich verweltlicht worden. Sinnvoller scheint es die Züge des Königs mehr als Abbild eines neuen Konzepts der königlichen Selbstdarstellung zu sehen, die den König in den Kreislauf von Geburt, Leben und Tod einbindet. Die Nähe zu zeitlosen idealisierten Darstellung der restlichen Figur lässt auch den Aspekt des vergänglichen Herrschers darstellungswürdig werden 20 . Der König tritt als machtvoller, von den eigenen Fähigkeiten und Kräften überzeugter Herrscher hervor. Er ist nicht mehr der die eigene Vergänglichkeit verdrängende Träger eines überzeitlichen Amtes, der seinen Anspruch verdeutlicht. Vielmehr kommt es zu einer programmatischen Herausstellung der irdischen Aspekte des Königtums.
Ein solcher Herrscher lässt sich in den Bildnissen Sesostris III. erkennen. Hierfür lässt sich der 1970 entdeckte Rosengranitkopf 21 des Königs heranziehen. Die kantige Schädelstruktur mit kleinen unter schweren Lidern vertieft liegenden Augen und einem völlig asymmetrisch verlaufendem Mund mit zusammengepressten Lippen, zeigt einen Ausdruck der Entschlossenheit und Härte 22 . Eben dieser Herrscher tritt einem auch in den literarischen Überlieferungen entgegen. D. Wildung (1987) möchte die Hymen 23 auf Sesostris
19 Vgl. Wolf 1957, S. 327.
20 Vgl. Seipel 1983, Kat. 56.
21 Luxor, Museum für Altägyptische Kunst, J. 34.
22 Vgl. Wildung 1987, S. 200, der schon von einem Ausdruck der „Unbarmherzigkeit“
spricht.
23 Vgl. Schoske 2000, S. 94; Wildung 1987, S. 200 und 202.
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gar als eine Art „Kommentar zu den Bildnissen“ erachten 24 . In der Tat lassen sowohl Bildnisse und Textbelege die Frage stehen, warum solche Begriffe wie „Melancholie“, „Niedergeschlagenheit“, „Resignation“, „Sorgenfalten“ oder „Zeichen für die erdrückende Verantwortung seines Königtums“ zu den typischen Beschreibungsmerkmalen der Kunstwerke Sesostris III. geworden sind.
An der Bedeutung des grimmigen Ausdrucks kann man vielmehr die geballte Energie, Stärke und Entschlossenheit dieses Königs festmachen 25 . Auch der Wandel zum vermenschlichten Herrscher lässt sich hier einbeziehen. Betrachtet man die Beterstatuen Sesostris III., so steht der König als Mensch in Beterhaltung vor den Göttern. Jedoch ist er nicht Ratsuchender oder Bittsteller, sondern handelt eigenständig und legt den Göttern seine Bilanz vor. Er ist somit der Maßstab seiner Entscheidungen 26 , die er umsetzt. Die höchst individuellen Züge sind also nicht als Zeichen von Resignation oder Furcht vor dem Scheitern zu erachten, sondern als Ausdruck machtpolitischer Willensstärke seine Zeile zu erreichen.
Die Statuen Sesostris III. lassen sich, wie die seines Sohnes Amenemhet III., in verschiedene Porträttypen einteilen 27 , die unterschiedliche Altersstufen darstellen: jugendlicher Typus - junger Erwachsener - gereifter Erwachsener -Altersporträt 28 . Das zeigt sich besonders gut an zwei heute im Louvre befindlichen Sitzfiguren des Königs aus Medamud 29 . Sie zeigen den König eindeutig in unterschiedlichen Lebensaltern, einmal sind die Gesichtszüge jugendlich straff, das andere Mal von Falten durchfurcht. Dabei bleibt die Individualität und Ausdruckskraft von dem Altersunterschied unbeeindruckt.
24 Vgl. Wildung 1987, S. 200.
25 Vgl. Wildung 1987, S. 202.
26 Vgl. Wildung 1987, S. 202.
27 Polz, 1995, S. 227-228 ist hingegen der Ansicht, dass eine Gruppierung von Bildnissen
Sesostris III. nicht möglich sei, da es sich lediglich Variationen einer gleichen realistisch-expressiven Darstellungsweise handele, die sich im Verlauf seiner Regierung nicht wesentlich
geändert hätte.
28 Vgl. Schoske 1995, S. 54.
29 Paris, Musée du Louvre, E. 12960 und E. 12961.
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Die Figuren sind wohl zusammen entstanden und waren als Paar aufgestellt um die unendlich wiederholbare Regeneration des verklären Königs nach seinem Tod zu sichern. Dass verschiedene Lebensalter dargestellt sein können zeigen auch andere Bildnisse. So hat etwa das Hildesheimer Kopffragment 30 Falten über der Nasenwurzel, die bei anderen Köpfen fehlen 31 . Die Herausstellung des Alters kann auch als Symbol seiner (angestrebten) langen Herrschaftszeit und nicht nachlassenden Kraft 32 gedeutet werden. Es kann jedoch wohl ausgeschlossen werden, dass es sich um reale „Porträtbilder“ des Königs handelt, da Sesostris III. nur knapp 20 Jahre regiert hat und daher nicht sonderlich alt geworden sein dürfte (zumal sein Vater auch nicht lange geherrscht hatte).
Die beträchtliche Anzahl der Königsbildnisse Sesostris III. weist auch eine große stilistische Vielfalt auf, die jedes Stück zu einem Einzelwerk macht. Köpfe und Fragmente wie in Hildeheim 33 und Cambridge 34 betonen trotz des einheitlichen Gesamtbilds ihre Unterschiede. Das Schädelvolumen des Hildesheimer Kopffragments ist deutlich höher und die Stirn ist wesentlich freier als bei dem Kopf aus Cambridge. Dessen Augenbrauen sind hingegen durch Ritzlinien deutlich abgesetzter und die Augen sind groß und schauen unter wulstigen Oberlidern hervor. Solche Unterschiede lassen sich zum einen auf die bewusste Darstellung unterschiedlicher Alterstufen, als auch durch unterschiedliche Kunstwerkstätten begründen 35 .
Neben den stilistischen Feinheiten unterscheiden sich die Stücke auch in ihrem Material. Insbesonders wirken die Quarzit Fragmente 36 durch die hautähnliche Farbe besonders lebensnah.
30 Hildesheim, Pelizaeus-Museum, Inv. Nr. 412.
31 Vgl. Wildung 1987, S. 206.
32 Vgl. Andreu/ Rutschowscaya./ Ziegler 1997, S. 93.
33 Hildesheim, Pelizaeus-Museum, Inv. Nr. 412.
34 Cambridge, Fitzwilliam Museum; E. 37.1930.
35 Vgl. Wildung 1987, S. 206.
36 New York, Metropolitan Museum of Art, Inv. Nr. 26.7.1394 oder Kansas City, Nelson
Gallery of Art - Atkins Museum of Fine Arts, Inv. Nr. 62.11.
9
Zur Ikonographie
Typische ikonographische Details, die sich bei den Bildnissen Sesostris III. wieder finden lassen gibt es einige. So haben nur die wenigsten Statuen und Köpfe von ihm plastisch aufgesetzte Augenbrauen. An ihre Stelle treten meist wulstige Übergänge von Stirn zu den Augen. Ausnahme bilden hierbei die aus Karnak stammenden Kolossalfiguren 37 , die alle mit plastisch modellierten und durch Fischgrätmuster betonten Brauenbögen versehen sind. Die sonst für ägyptische Bildnisse charakteristischen Schminkstriche sind unter dem König nur selten belegt, so etwa bei dem in München befindlichen Sphinxkopf 38 . Hier wirken die eingeritzten Striche jedoch extrem künstlich. Sesostris III. erscheint häufig mit dem Nemes-Kopftuch, das eine reliefierte oder auch einfach geritzte Dreistrich-/Dreibandmusterung aufweist. Keine einzige Plastik des Königs trägt jedoch das Nemes mit der „traditionellen“ Zweistrichmusterung 39 . Daneben sind noch die Doppelkrone und die Weiße Krone als Kopfbedeckungen belegbar. Alle Kronen haben ein Stirnband und eine Uräusschlange. Die Uräen variieren in ihren Formen, so haben die bereits erwähnten Kolossalfiguren Uräen ohne Hinterleibwindung, daneben gibt es auch Figuren deren Uräen eine Kreiswindung oder Mehrfachwindung besitzen 40 . Auch die Innenzeichnungen der Schlangen sind verschieden. Ein sonst für die Königsikonographie typisches Merkmal ist bei Sesostris III. nur selten belegt: Der Bart. Einzig der kolossale Statuenkopf in Luxor 41 trägt die Reste eines geflochtenen Götterbarts. Ansonsten ist er nur bei Sphinxfiguren zu
37 Kairo, Ägyptisches Museum, CG 420011, CG 420012 und Luxor, Museum für
Altägyptische Kunst, J. 34.
38 München, Staatliche Sammlung Ägyptischer Kunst, ÄS 7110.
39 Vgl. Polz 1995, S. 239.
40 Vgl. Polz 1995, S. 239.
41 Luxor, Museum für Altägyptische Kunst, J. 34.
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Patrick Farsen, 2010, Die Plastik Sesostris III. , München, GRIN Verlag GmbH
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