Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Die Geschichte des Architekturmodells 5
2.1 Begriffsdefinition 5
2.2 Herausbildung der Reliefkunst 6
2.3 Entwicklung des Modellbaus. 7
2.4 Der Modellbau heute. 14
3 Materialien im Modellbau 19
3.1 Papier, Karton, Pappe. 19
3.2 Holz. 19
3.3 Hartschaum. 20
3.4 Modelliermassen. 21
3.5 Glas 22
3.6 Polystyrol 22
3.7 Metall 23
3.8 Fundstücke natürlicher Art und technischer Herkunft 23
3.9 Kleinmaterialien 24
3.10 Klebstoffe, Klebebänder, Klebefolien 24
4 Architektur am Bauhaus. 27
4.1 Herausbildung und Entwicklung der Architekturabteilung 27
4.1.1 Entwicklungen unter der Leitung von Walter Gropius. 27
4.1.2 Entwicklungen unter der Leitung von Hannes Meyer 30
4.1.3 Entwicklungen unter der Leitung von Ludwig Mies van der
Rohe. 31
4.2 Ideen und Zielsetzungen der Direktoren 34
5 Architekturmodelle am Bauhaus 38
5.1 Modelle aus der Ära Gropius 39
5.2 Modelle aus der Ära Meyer 46
5.3 Modelle aus der Ära Mies van der Rohe 47
5.4 Analyse einer Auswahl von Modellen 48
5.4.1 Das Modell für eine Bauhaussiedlung in Buchfart bei Weimar
von Walter Determann 48
5.4.2 Modell zum Gebäude der „Chicago Tribune“ von Walter
Gropius und Adolf Meyer. 51
5.4.3 Modelle zu Serienhäusern „Baukasten im Großen“ von
Walter Gropius und Adolf Meyer 54
5.4.4 Modelle zum Bauhausgebäude in Dessau 58
5.4.5 Modell zur Gewerkschaftsschule des Allgemeinen Deutschen
Gewerkschaftsbunds (ADGB) in Bernau 61
5.5 Die nachgebauten Modelle von Bauhausgebäuden. 64
6 Bedeutung von Modellen zur Vermittlung von UNESCO -
Weltkulturerbe 67
6.1 Zum Wert des Objekts im Museum. 68
6.2 Grundsätze der Museumspädagogik 69
6.3 Welterbepädagogik an Modellen. 73
6.3.1 Der Einsatz von Modellen im Museum 73
6.3.2 Die Verwendung von Modellen im Unterricht 77
6.4 Chancen und Probleme von Modellpädagogik. 78
7 Fazit. 80
8 Literaturverzeichnis 83
9 Abbildungsverzeichnis 87
Einleitung 1
1 Einleitung
Aus aktuellem Anlass beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit den Architekturmodellen am Bauhaus, welches entscheidend auf die Kunst des 20. Jahr-hunderts eingewirkt hat und daher auch heute noch viele Menschen in seinen Bann zieht.
Anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Bauhauses und 20
Jahre nach dem Fall der Mauer gestalten das Bauhaus-Archiv, die Stif-tung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar als die samm-
lungsführenden und forschenden Bauhaus-Institute in Deutschland erst-
mals eine gemeinsame Ausstellung unter dem Titel Modell Bauhaus im
Martin-Gropius-Bau, Berlin. Es ist die größte und umfangreichste Ausstel-
lung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde. 1
Im Kontext dieser Wanderausstellung, die dann ab November im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen sein wird, wird gezeigt, wie das Bauhaus noch heute auf seine Umwelt einwirkt. Auf die Gebäude, die in der Zeit ent-standen sind, wird ebenfalls eingegangen, jedoch gibt es nur fragmentarische Hinweise dazu. Es geht vielmehr um das gesamte Wirken des Bauhauses. In der Ausstellung sind neben Originalarbeiten aus verschiedenen Bereichen wie der Malerei und des Designs auch Architekturmodelle zu sehen, welche die architektonischen Entwicklungen am Bauhaus verdeutlichen sollen.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese von elementarer Wichtigkeit für die heutige Architektur sind. Die Bauhausbauten in Weimar und Dessau wurden am 5.12.1996 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und werden nun interessierten Besuchern zugänglich gemacht. Daher ist es wichtig zu untersuchen, ob und wie dreidimensionale Modelle, für die Vermittlung der Ideen des Bauhauses, nutzbar gemacht werden können und müssen. Es stellt sich die Frage, ob Modelle von Gebäuden überhaupt ein zeitgemäßes Medium darstellen oder ob diese zu vernachlässigen sind.
Die Arbeit ist in fünf Abschnitte aufgeteilt, die verschiedene Aspekte der Modelle an Bauhausstätten zum Gegenstand haben.
1 http://www.modell-bauhaus.de/index.php?de_concept (Stand: 02.08.2009)
Einleitung 2
Zunächst wird die Geschichte des Architekturmodells betrachtet. Dabei ist es interessant nachzuvollziehen, wie sich das Architekturmodell aus der Reliefkunst entwickelt hat. Danach wird die weitere Entwicklung des Architektumodellbaus beleuchtet, bevor anschließend der momentane Stand des Modellbaus aufgezeigt wird.
Im Anschluss daran werden die Materialien vorgestellt, die im Modellbau von Relevanz sind. Diese sollen zunächst einzeln betrachtet und allgemein definiert werden, um im Folgenden auf den Modellbau angewendet zu werden.
Nach diesen grundlegenden Ausführungen über das Architekturmodell, konzentriert sich die Arbeit im dritten Teil auf die Architektur am Bauhaus. In diesem Kontext liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung der Architekturschule am Bauhaus unter der Leitung verschiedener Direktoren, die mit ihren Auffassungen und Ideen zur Herausbildung einer neuen Art von Architektur beigetragen haben. Nur unter ihrer Leitung und aufgrund ihrer Einflussnahme konnten die modernistischen Entwürfe und Modelle entstehen.
Im vierten Teil der Arbeit werden die Architekturmodelle der Architekten am Bauhaus genauer betrachtet. Zunächst wird eine Auflistung der vorhandenen Modelle gemacht, um den momentanen Bestand der Originale und der Nachbauten zu vergegenwärtigen. Anschließend wird eine Auswahl von Modellen einer detaillierten Analyse unterzogen um deutlich zu machen, welchen Stellenwert diese Modelle in der Architektur der Moderne besitzen und um Veränderungen in der Bauweise von Modellen zu verdeutlichen. Bei der Recherche zu dem Thema ist deutlich geworden, dass es zahlreiche Publikationen zu verschiedensten Phasen der Architekturmodellgeschichte gibt. In dieser Ausarbeitung soll sich die Betrachtung nun auf die Modelle der Bauhausarchitekten von 1919 bis 1933 konzentrieren. Hier soll besonders der Wert der Modelle bezüglich der Veranschaulichung der Architektur der Moderne untersucht werden.
In einem abschließenden Teil wird folglich auf die Bedeutung der Architek- turmodelle an Bauhausstätten bei der Vermittlung von UNESCO-Welterbe
Einleitung 3
eingegangen. In diesem Teil ist es zunächst wichtig zu klären, wie anhand der Modelle museumspädagogisch gearbeitet werden kann. Dabei soll im Zentrum stehen, warum Architekturmodelle eine pädagogische Relevanz haben. Weiterhin werden auch die Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht betrachtet und vorgestellt. Abschließend werden aber auch die Probleme dieser Art von Pädagogik aufgezeigt und die Modellpädagogik kritisch hinterfragt.
In einem Schlussgedanken werden schließlich die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengeführt. Es soll insgesamt deutlich werden, welche nachhaltige Wirkung die Architekturmodelle des Bauhauses in der heutigen Zeit haben. Des Weiteren sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Architekturmodelle des Bauhauses für die Modellpädagogik nutzbar gemacht werden können und welchen Stellenwert diese in einer Zeit haben, in der die Menschen fast keine materiellen Erfahrungen mehr machen, jedoch wieder an solche Erlebnisse herangeführt werden müssen. Gerade für mich als angehende Kunstpädagogin erscheint eine Auseinandersetzung mit diesen Möglichkeiten der pädagogischen Umsetzung besonders wichtig, da im Kunstunterricht häufig praktisch gearbeitet wird und dort gegen die Reduzierung des Materials angegangen werden muss.
Vorab möchte ich dieser Ausarbeitung zum Thema Architekturmodelle an Bauhausstätten noch eine Begriffsdefinition voranstellen, die aus dem naturwissenschaftlichen Bereich kommt:
Modell (lat.), anschauliches, raum-zeitliches Bild physikalischer Gegens-tände oder Vorgänge, die selbst nicht anschaubar sind (z.B. Atom, Vor-
gänge in Gasen, die Elektrizität). Wir erhalten Kenntnis von diesen unse-ren Sinnen verborgenen Vorgängen durch die uns sichtbaren Gesamt-
phänomene oder durch Meßergebnisse, die die Gesamtphänomene cha-
rakterisieren, während die diesen zugrunde liegenden Einzelgegenstände
oder Prozesse der direkten Beobachtung oder Messung unzugänglich
bleiben. Das M. ist eine Schöpfung des menschlichen Geistes und hat
den Sinn, die Phänomene und Meßergebnisse physikalisch zu deuten. Es
ist nicht gesagt, dass die Natur wirklich so beschaffen ist, wie sie durch
das M. dargestellt wird. 2
2 Hunger, Edgar, Grundbegriffe des physikalischen Denkens, Frankfurt am Main: Cornelsen 1964.
Einleitung 4
Es wird in diesem Auszug deutlich, dass ein Modell etwas veranschaulichen soll, das nicht anschaubar ist. Auch bei der künstlerischen Definition des Architekturmodells lassen sich Parallelen dazu finden. Das Modell entsteht zunächst aus dem menschlichen Geist eines Architekten bzw. Modellbauers, um eine innere Vorstellung zu transportieren, die nur durch das Modell zu veranschaulichen ist.
Es soll in dieser Arbeit also zum Einen um die architektonische Bedeutung des Modells als eine verkleinerte, maßstabsgerechte Darstellung eines Gebäudes gehen. In Kapitel 2.1. wird dazu eine genaue Definition gegeben. Zum Anderen jedoch soll auch der Aspekt der Schöpfung des menschlichen Geistes berücksichtigt werden, der durch die Modelle zum Ausdruck kommt.
Die Geschichte des Architekturmodells 5
2 Die Geschichte des Architekturmodells
Die Geschichte des Architekturmodells hat seine Anfänge in der Reliefkunst, die zunächst betrachtet werden soll. Vorab soll eine Begriffsdefinition zum Architekturmodell gegeben werden, die über die naturwissenschaftlichen Ausführungen in der Einleitung hinausgeht, bevor dann die Entwicklung und Herausbildung des Architekturmodells in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen betrachtet wird.
Diese historische Einordnung soll einer allgemeinen Einführung in das Thema dienen, bevor sich die Betrachtung folglich auf konkrete Beispiele aus dem 20. Jh. konzentrieren wird.
2.1 Begriffsdefinition
Etymologisch betrachtet hat sich der Begriff des Modells ca. 1000 n. Chr. herausgebildet. Die Bezeichnung modul tauchte damals zum ersten Mal auf und bedeutete soviel wie Regel, Form, Muster oder Vorbild. Im 13. Jh. entwickelte sich dann die Begrifflichkeit módulo, die nach Vitruv das Säulenmaß angab. Im 16. Jh. schließlich tauchte im Englischen und Französischen der Begriff module auf und benannte seitdem den Entwurf, das Architekturmodell, das Abbild und das Vorbild. 3
Es soll folglich aber nicht weiter um eine sprachwissenschaftliche Untersuchung der Begrifflichkeit gehen, sondern um das plastische Objekt selbst. „Ein Architekturmodell ist die plastisch-dreidimensionale Darstellung eines Bauwerks bzw. eines Werk- oder Konstruktionsteils in Metall, Stein, Holz, Gips, Wachs, Stoff, Papier, Kork oder Sondermaterialien (Brot, Rüben)“. 4 Es wird für verschiedene Zwecke verwendet, die im Folgenden unterschieden werden sollen.
Entwurfsmodelle werden genutzt, um einen geplanten Bau zu veranschaulichen. Des Weiteren gibt es nachgebaute Modelle nach vorhandenen Bauwerken, die entweder der Veranschaulichung der Konstruktionsmerkmale dienen sollen, als Lehrmodelle genutzt werden oder als Erinnerung an Bau-
3 Vgl.Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 15.
4 Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 921.
Die Geschichte des Architekturmodells 6
werke, die zum Abriss bestimmt waren. Einen dritten Komplex stellen die Idealmodelle oder auch Phantasiemodelle dar, die meist unrealisiert bleiben. 5 Das Architekturmodell vermittelt demnach Informationen zur Planung und zum Entwurfsprozess. Weiterhin gibt es Informationen über den ursprünglichen Bauzustand eines Gebäudes sowie über spätere Veränderungen des betreffenden Bauwerks. 6
Es kann nicht durch einen einzigen Blick erschlossen werden, wie ein Bild oder ein Einzeleindruck einer perspektivischen Ansicht. Der Betrachter muss gedanklich alle Teilansichten zusammensetzen, um ein Modell räumlich zu verstehen. 7
2.2 Herausbildung der Reliefkunst
Beschäftigt sich diese Arbeit doch vornehmlich mit dem Architekturmodell, so ist es in diesem Kontext auch wichtig das Relief zu betrachten, da es in einer gewissen Verwandtschaft zum Architekturmodell steht und ebenfalls als Modell angesehen werden kann. Es soll jedoch nur im Hinblick auf die Erklärung der Entwicklung des Architekturmodells betrachtet werden. Laut Bürgi stellt das Relief generell ein Landschafts-, Berg- oder manchmal auch ein Stadtmodell dar. Es sind dreidimensionale Abbildungen von Teilen der Erdoberfläche, die meist maßstabsgetreu angelegt sind. 8 Hier lässt sich eine Parallele zum Architekturmodell aufzeigen, da es sich dabei ebenfalls um ein dreidimensionales Modell handelt. Weiterhin stellt Bürgi fest, dass ein Relief ein kartenverwandtes Produkt darstellt. 9 Hier wird auf den Orientierungscharakter des Reliefs angespielt. Mit Hilfe eines Reliefs kann eine Landschaft erfahrbar und vorstellbar gemacht werden. Ebenso verhält es sich beim Architekturmodell, dass ebenfalls der Veranschaulichung dient. In diesem Fall der Veranschaulichung eines Gebäudes und nicht nur der Visualisierung einer Landschaft.
5 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 921f.
6 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle: Projekthilfe zwischen 1500
und 1900, S. 11.
7 Vgl. Lepik, Andreas, Das Architekturmodell in Italien 1335-1500, S. 10.
8 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-
hundert, S. 13.
9 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-
hundert, S. 13.
Die Geschichte des Architekturmodells 7
Zeitlich gesehen trat das Relief in Europa in der Architektur des Mittelalters auf. Es sollte ein Hilfsmittel bei der Umsetzung komplexer Bauvorhaben sein. 10 Aus ihm entwickelten sich folglich im Mittelalter die Architekturmodelle, auf die jedoch erst im folgenden Kapitel eingegangen wird. Die Reliefs wurden in ihren Anfängen häufig zu militärisch-strategischen Zwecken eingesetzt. Sie dienten der Überprüfung von Verteidigungsmaßnahmen und stellten im Gegensatz zur zweidimensionalen Kartografie einen essentiellen Vorteil dar, weil es für die Verteidigung notwendig war, die Höhenunterschiede einer Landschaft zu kennen. 11
„Anschaulichkeit ist die vielleicht wichtigste Konstante beim Bau von Reliefs“ 12 , konstatiert Bürgi schließlich und damit unterstützt er den Vergleich von Relief und Architekturmodell. Das Architekturmodell stellt somit einen Teil eines Reliefs dar, das sich jedoch in eine eigene Richtung entwickelt hat und zu einem Instrument für Architekten wurde, welches bei der Planung und Ausführung eines Bauwerks half.
2.3 Entwicklung des Modellbaus
Wie wichtig das Architekturmodell für die bauliche Umsetzung ist, zeigt bereits die frühe Verwendung von Architekturmodellen in der Antike. Zunächst handelte es sich dabei bevorzugt um Wachsmodelle. Auch Holzmodelle aus der Zeit sind literarisch überliefert. Ein Marmormodell eines Bühnenhauses (Abb. 1) ist bis heute erhalten und im Museo Nazzionale in Rom zu sehen. 13 Über 4000 Jahre alte Modelle
gibt es außerdem im Museum of Modern Art in New York, im Louvre und im Metropolitan Museum zu sehen. Diese sind jedoch hinsichtlich ihrer damaligen Nutzung zur
Architekturplanung nicht ausreichend analysiert worden. Es gibt laut Lepik
10 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-
hundert, S. 15.
11 Vgl. Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahr-
hundert, S. 16.
12 Bürgi, Andreas (Hrsg.), Europa Miniature - Die kulturelle Bedeutung des Reliefs, 16.-21. Jahrhun-
dert, S. 16.
13 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb., S. 922f.
Die Geschichte des Architekturmodells 8
neuere Untersuchungen in diesem Bereich, die jedoch noch keine Ergebnisse liefern können. Was jedoch bewiesen ist, dass es in der Antike sogenannte Paradeigmata gab, die als Modelle in original großem Maßstab Vorlagen zur Anfertigung von Kapitellen, Gesimsen und anderem bauplastischen Material darstellen sollten. Diese wurden jedoch erst nach Baubeginn hergestellt und dienten somit nicht der Baukonzeption sondern der Konstruktion. In den zehn Büchern Vitruvs über die Architektur ist von Modellen nicht berichtet worden. Über gezeichnete Pläne hingegen ist dort durchaus etwas zu erfahren, denn er stellt die Geometrie und die Zeichnung als die grundlegenden Kenntnisse des Architekten heraus. 14 Es gibt somit aus der Antike schon In-formationen über Architekturmodelle, aber auch über zeichnerische Planung.
Aus dem Mittelalter sind Modelle ausschließlich literarisch überliefert. Die frühmittelalterlichen Modelle stehen noch in Verbindung zur antiken Tradition des Modellbaus. Aus dem hohen Mittelalter hingegen fehlen Informationen über den Modellbau. Es wird vermutet, dass der Gebrauch von Teilmodellen weiter bestanden hat, jedoch ist nicht eindeutig nachweisbar, dass es in dieser Zeit Gesamtmodelle gegeben hat. Dies lässt sich dadurch begründen, dass ein Gesamtmodell eine Totalvorstellung des geplanten Bauwerks voraussetzt. Eine solche Totalvorstellung, die den Bau in jedem Einzeldetail festlegt, entspricht jedoch nicht den damaligen Vorstellungen der Baupraxis. 15
Lepik spricht sogar davon, dass eine Existenz von Architekturmodellen vor 1350 ausgeschlossen werden kann. 16
Dem muss allerdings noch hinzugefügt werden, dass er sich dabei auf die Modelle bezieht, die bei der Planung und Realisierung eines Bauwerks genutzt werden. Idealmodelle und Erinnerungsmodelle sind hier nicht gemeint. Also ist diese Aussage nicht als allgemeingültig und auf alle Modelle anwendbar zu verstehen.
Carol Cable hat in einer Untersuchung zum Architekturmodell des 15. und 16. Jh. nachweisen können, dass sich die Planung von Bauwerken in dieser
14 Vgl. Lepik, Andres, Das Architekturmodell in Italien 1335-1550, S. 3f.
15 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 923f.
16 Vgl. Lepik, Andres, Das Architekturmodell in Italien 1335-1550, S. 20.
Die Geschichte des Architekturmodells 9
Zeit auf die Phase vor Baubeginn verschoben und somit die Planungsphase durch Modelle und Zeichnungen an Wichtigkeit gewonnen hatte. 17 Es wird hier also deutlich, dass es auch vorher schon Modelle gab, die jedoch nun häufiger eingesetzt wurden.
In der Renaissance ist das Architekturmodell wieder aufgetaucht. Im 15. Jh. entwickelt sich ein neues Architekturverständnis, das auf einer genauen Gesamtplanung beruht. In dieser Zeit entstehen die ersten perspektivischen architektonischen Zeichnungen sowie Gesamtmodelle, die die architektonische Gesamtwirkung vorstell-
bar machen konnten. Diese Modelle entstanden in Italien.
18
Das früheste erhaltene Objekt aus Italien ist das Modell
für den Palazzo Strozzi
(Abb. 2) in Florenz von ca. 1485. Seitdem wird das Architekturmodell zur Erkenntnisquelle stilkritischer sowie historischer Betrachtung.
19
Dies ist besonders interessant, da es verdeutlicht, dass das Architekturmodell schon seit dem 15 Jh. einer Betrachtung unterzogen wird, die sich nicht allein auf die Bauplanung bezieht, sondern auch Erkenntniserlangung über historische Prozesse beinhaltet. Dies wird auch die Motivation bei der späteren Betrachtung der Bauhausmodelle sein.
Historisch belegt sind weiterhin Modelle zum Florentiner Dom von 1355, also mehr als 100 Jahren zuvor. Ein Holzmodell wurde für das entstehende Gebäude zu dieser Zeit angefordert. Dies konnte laut Oswald definitiv überliefert werden.
Die Arbeiten am Dom waren aufgrund verschiedener Umstände wiederholt ins Stocken geraten und sogar zwischenzeitlich eingestellt worden. Ab 1353 ist der Bau dann intensiv weitergeführt worden und es wurde ein Modell be-
17 Vgl.Lepik, Andres, Das Architekturmodell in Italien 1335-1550, S. 8.
18 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 924f.
19 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 925.
Die Geschichte des Architekturmodells 10
nötigt um einen Überblick über das Bauvorhaben zu bekommen. Dies war der Anfang von Bauplanung und Baumanagement. 20
In Frankreich tauchten die ersten Modelle ebenfalls im 15 Jh. auf, z.B. ein Modell zu St. Maclou in Rouen (Abb. 3) aus Papiermaché. 21 In Deutschland, das im Kontext dieser Arbeit vor-
20 Vgl.Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 13f.
21 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 925.
22 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 926.
23 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 7.
24 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A-Baubetrieb, S. 926.
Die Geschichte des Architekturmodells 11
Fassadendurchbildung und Raumgliederung. So entspricht das vierte Modell weitgehend dem ausgeführten Rathaus.
25
Hier wird schon eine Nutzung des Modells für die Entwicklung eines Entwurfs deutlich, da Holl mehrere Modelle zum Rathaus anfertigte und sein viertes Modell im Gegensatz zu seinen Vorgängern über eine detaillierte Ausarbei-
tung verfügt. Das Architekturmodell stellte nun eine wertvolle Ergänzung zum zeichnerischen Entwurf dar, da es die zeichnerische Darstellung durch die Dreidimensionalität besser vorstellbar machte. Diese Umsetzung des Architekturmodells wurde im 17. und 18. Jh. üblicher als zuvor.
26
Im
Barockzeitalter
trat das Architekturmodell, im Gegensatz zur perspektivischen Zeichnung, in den Vordergrund. Es konnte durch die plastische Umsetzung die dynamische Funktion der Bauglieder besser veranschaulichen als die Zeichnung. Im 18 Jh. lassen sich demnach zahlreiche erhaltene Modelle, wie z. B. das
Modell zur Kirche Vier-
25 Reuther,Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 8.
26 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 926.
27 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 927.
28 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 927.
Die Geschichte des Architekturmodells 12
Im 18. und 19. Jh. entstanden mit Aufkommen des Klassizismus ganze Gesamtmodellsammlungen, die zu einem großen Teil aus Lehrmodellen be-standen und vorrangig aus antiquarischen Interessen angelegt wurden. Es entstand ein Fabrikationsbetrieb und Vertrieb von Modellen aus verschiedensten Materialien. 29
Des Weiteren wurden Erinnerungsmodelle hergestellt, um an Bauten zu erinnern, die abgerissen werden sollten. 30 Ein bedeutendes Erinnerungsmodell stellte das Modell der Marienkirche auf dem Harlunger Berg in Brandenburg (Abb. 8) dar. Friedrich Wilhelm I. von Preußen ließ die Ruine der um 1222 erbauten Kirche 1722 abreißen, um die Steine der Ruine für ein Waisenhaus zu benutzen. Zuvor wurde jedoch ein
Modell der Kirche aus Holz und Pappe angefertigt.
31
Eine weitere Art von Modellen waren die Rekonstruktionsmodelle, die Idealkonstruktionen von Bauwerken darstellten und bei der Rekonstruktion derer unterstützend wirken sollten.
32
Stadtmodelle bekleideten ebenfalls einen Teil des historischen Modell-
baus. Diese stehen auch mit dem Relief in Beziehung. Beide wurden zur Veranschaulichung der Stadtanlage als plastischer Stadtplan hergestellt oder zu militärischen Zwecken genutzt. 33 Die Votiv- oder Stiftermodelle sind ein anderer Typus des Modells. Die Votivmodelle wurden meist dazu genutzt eine symbolische Darstellung zu transportieren. In der Antike schon überliefert, sind diese Objekte meist Modelle zu eroberten Städten und Festungen in Triumphzügen. Weiterhin sind die Tempelmodelle zu nennen, die als Wohnstätten für Gottheiten in der Prozession vorgeführt wurden. Abbilder von Heiligtümern werden ebenfalls dazu gezählt und noch bis heute finden diese ihren Platz in Wohnungen als ge-
29 Vgl.Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 931ff.
30 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 931.
31 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 7.
32 Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 931.
33 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 933.
Die Geschichte des Architekturmodells 13
weihte Erinnerungsstücke. Die Stiftermodelle hingegen wurden im Verlaufe der Verbreitung des Christentums als Verbildlichung des Stifters mit der Kirche und dem christlichen Glauben genutzt. Der Glauben wurde verbreitet und durch die Kirche als Attribut des Stifters versinnbildlicht. Indem der Stifter das Modell einer Kirche überreicht, übergibt er gleichzeitig auch den Glauben, der damit verbunden ist. Das Stiftermodell nähert sich zwar im Laufe seiner historischen Entwicklung immer mehr dem konkreten Entwurf an, will und soll jedoch kein Entwurfsmodell sein. Deshalb ist ausdrücklich davor zu warnen, das Stiftermodell als Anhaltspunkt für Rückschlüsse auf die Urgestalt eines Bauwerks zu nutzen. 34
Einen letzen Typus stellten die Idealmodelle dar, die auch als Phantasiemodelle betrachtet werden können. Diese wurden als Schmuckformen in der Architektur, z.B. bei Baldachinen oder Tabernakeln, genutzt. Weiterhin wurden sie im Kunstgewerbe oder bei sakralen Geräten, wie antiken Hausurnen eingesetzt. In neuerer Zeit, ab dem 16.Jh. entstanden Idealmodelle eher als Zierstücke.
Während des Klassizismus verloren die Architekturmodelle schließlich jedoch an Bedeutung. So sind von Carl Friedrich Schinkel beispielsweise keine Modelle nachweisbar.
Im 20 Jh. traten neben den Werkstoffen zur handwerklichen Modellanfertigung wie Holz, Pappe, Stoff und Gips auch zahlreiche Kunststoffe als Materialien hinzu. Zu nennen sind hier Polystyrolschaum, Acrylglas, etc.. Weiterhin wurde nun aus Kostengründen eine Mechanisierung von einzelnen Arbeitschritten im Modellbau vorangetrieben. 35
In einem weiteren Schritt wird nun der Modellbau im 20. und 21. Jh. genauer betrachtet und auf die verschiedenen Typen von Modellen von heute eingegangen.
34 Vgl. Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, A - Baubetrieb, S. 933ff.
35 Vgl. Reuther, Hans; Ekhart Berckenhagen, Deutsche Architekturmodelle, S. 12.
Die Geschichte des Architekturmodells 14
2.4 Der Modellbau heute
Die Entwicklung der heutigen Entwurfspraxis lässt sich auf die Anfänge der Moderne zurückführen. An diesem Zeitpunkt veränderte sich alles Dagewesene grundlegend. 36 Es handelte sich nämlich um eine Strömung, die neben der Besinnung auf wesentliche Gestaltungselemente geometri-scher und farblicher Art auch die zeitgenössischen Gesetze des Bauens
veränderte, indem sie die physikalischen Gesetze von Raum und Zeit, die
Unendlichkeit des Raums und die Bewegung zu den stilprägenden Mo-
menten und zum Ornament einer neuen, sachlichen Architektur erhob. 37
Besonders zu nennen ist in diesem Kontext die Künstlergruppe De Stijl, die mit ihren klaren und geometrischen Formen und Farben im Raum der Architektur-Avantgarde entscheidenden Einfluss nehmen konnte. Sie ist insbesondere in Verbindung mit der Bauhaus-Bewegung zu berücksichtigen. 38 Im Zuge der Neuen Sachlichkeit wurde das Modell detailärmer und durch die Reduziertheit der Formen wurden Züge des Kubismus deutlich. Modelle wurden nun gebaut, wie sie skizziert wurden und stellten einen Übergang von der Entwurfsskizze zum Modell dar. 39
Säulen oder Stützen waren nicht mehr wichtig für das Modell, sondern vielmehr eine Umsetzung des Schwebenden und des Tragenden in die Materie. Eine Vereinfachung der Modelle machte dies möglich und stellte nun das Zentrum des Architekturmodells dar. 40
Der Modellbau ist aus der heutigen hoch technologisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Architekturmodelle stellen einen zentralen Bestandteil beim Planungsvorgehen des Architekten dar. In Universitäten und Fachhochschulen wird angehenden Architekten die Herstellung von Architekturmodellen gelehrt, die als Zusatz zur architektonischen Zeichnung dienen sollen. Von Gerkan führt dazu an, dass der Architekt heute das Architekturmodell ergänzend nutzt, um durch Modellstudien ein optimales Ergebnis zu erarbeiten. Die Bedeutung des Modells liegt, neben der Möglichkeit der plastischen Darstellung eines Entwurfs, auch in der Sichtbarmachung und Kontrolle
36 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 10.
37 Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 10.
38 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 10.
39 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 21.
40 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 41.
Die Geschichte des Architekturmodells 15
räumlicher Erscheinungen schon während des Entwurfs. Das Modell selbst ist auf das Wesentliche, d.h. auf seine Formen, reduziert. 41 Ausgangspunkt für das Architekturmodell ist heute eine dem Architekten gestellte Aufgabe. Dazu fertigt er zunächst eine Zeichnung an. Anschließend erstellt er auf ihrer Grundlage ein Modell, um seine Ideen, Vorhaben und Entwürfe in einem Prozess zu verarbeiten und plastisch darstellen zu können.
Die Ideen- und Arbeitsmodelle stellen nach Knoll dabei einen ersten Schritt dar, denn sie sind die unmittelbare Umsetzung einer räumlichen Vorstellung mit Hilfe von Körper, Scheibe und Stab. Sie sollen jedoch Raum für Veränderbarkeit und Variierbarkeit bieten. 42 An ihnen soll der Architekt arbeiten und durch Modifikationen bei diesem Prozess wird das Modell hinterfragt und untersucht, um letztlich ein optimales Ergebnis für den Entwurf zu erzielen. Sie dienen demnach zum Komponieren der Baumassen, ihrer Entwicklung und der Überprüfung des Modells. Die Arbeit mit dem Architekturmodell erfolgt beispielsweise mit Pappe und Werkzeug und ist in diesem Fall als Skizze zu verstehen. Es wird aus einfachen, schnell zu bearbeitenden Materialien hergestellt, damit es beim Entwurf unterstützend wirken kann. 43
Das Ausführungsmodell zeigt schließlich den Endzustand des Entwurfs. Um dieses zu bauen, wird eine genaue Vorstellung des Entwurfs vorausgesetzt. 44 Es ist eine erste realistische Umsetzung des Entwurfs in verkleinertem Maßstab. Anhand des Ausführungsmodells soll ein erster Eindruck der Umsetzung vermittelt werden, der Funktion und Wirkung des geplanten Gebäudes transportieren und so seinen Charakter zeigen kann. 45 In ihren Ausführungen zum computergestützten Architekturmodellbau von 1996 gehen Streich/Weisberger ebenfalls auf die Unterscheidung zwischen diesen drei Modellentwurfsstadien ein. 46
41 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell - 30 Jahre Architekturmodelle, S. 23.
42 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle - Anregungen zu ihrem Bau, S. 10.
43 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell - 30 Jahre Architekturmodelle, S. 23.
44 Vgl. Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle - Anregungen zu ihrem Bau, S. 10.
45 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell - 30 Jahre Architekturmodelle, S. 24.
46 Vgl. Streich, Bernd, Wolfgang Weisgerber, Computergestützter Architekturmodellbau, S. 28.
Die Geschichte des Architekturmodells 16
Bei den Materialien wird im Fall des Ausführungsmodells darauf geachtet, dass diese sich für eine saubere Ausführung des Modells eignen. Dabei werden Materialien wie z.B. Kunststoff, Karton und Furnierhölzer bevorzugt. 47
Oswald ergänzt noch, dass Modelle heute in der Regel nicht mehr von den Architekten selbst gebaut werden. Sie werden von ihm entworfen und gezeichnet, die Umsetzung jedoch übernimmt ein Handwerksbetrieb, der an-hand der Zeichnung eine maßstabsgerechte Abformung herstellt. Es ist also der Modellbauer, der dem Entwurfsgedanken des Architekten heute seine Gestalt verleiht und nicht mehr der Architekt selbst. 48
In der aktuellen Entwicklung kommt es seit dem Einzug des Computers in die Lebens- und Arbeitswelt zu einer neuen Art von Entwurfpraxis mit Hilfe des digitalen Entwurfs. Auf diese soll jedoch nicht speziell eingegangen werden, da die digitalen Modelle während der Bauhauszeit noch nicht existiert haben und somit nicht von elementarer Relevanz für diese Arbeit sind.
Grundsätzlich lassen sich Modelle in drei Bereiche für ihren Einsatz unterteilen. Diese sind die topografischen Modelle, die Baukörpermodelle und die Sondermodelle. Bei Knoll/Hechinger werden folgende sinnvolle Einteilungen zu den Oberbereichen gemacht:
Dabei umfassen die topografischen Modelle, die Gelände-, Landschafts-
und Gartenmodelle. Die Gruppe der Baukörpermodelle lässt sich untertei-
len in die städtebaulichen, Gebäude-, Struktur-, Innenraum- und Detail-
modelle. Unter Sondermodellen versteht man Design- und Möbelmodelle
sowie spezielle Modelle z.B. für akustische Untersuchungen, zur Licht-gestaltung, für die Darstellung spezieller Konstruktionen oder für Unter-
richtszwecke 49 .
In dieser Arbeit konzentriert sich die Betrachtung nun auf die Baukörpermodelle, um die es im weiteren Verlauf der Ausführungen zu den Bauhausmodellen speziell gehen wird. Die topografischen Modelle sowie die Sondermodelle werden bewusst vernachlässigt, da sie am Bauhaus nicht verwendet wurden.
47 Vgl. von Gerkan, Meinhard (Hrsg.), Idee und Modell - 30 Jahre Architekturmodelle, S. 24.
48 Vgl. Oswald, Ansgar, Meister der Miniaturen-Architektur Modellbau, S. 9f.
49 Knoll, Wolfgang, Martin Hechinger, Architektur-Modelle - Anregungen zu ihrem Bau, S. 12.
Arbeit zitieren:
Dimitra Pappa, 2009, Modelle an Bauhausstätten, München, GRIN Verlag GmbH
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