Inhaltsverzeichnis / Gliederung
1. Einleitung 3
2. Aggression und ihre Definitionen 4
2.1 Aggression als potentieller Trieb des Menschen 4
2.2 Engere versus weitere Aggressionsdefinitionen 5
2.3 Die Schwierigkeit der Wertfreiheit 6
3. Aggression und ihre Entstehungstheorien 8
3.1 Die trieborientierten Entstehungstheorien 8
3.2 Die Frustrations-Aggressions-Theorie 9
3.3 Die lernorientieren Entstehungstheorien 10
4. Aggression in den asiatischen Kampfkünsten 13
4.1 Das „Do“ als Zeichen eines geistigen Weges
und einer Charakterschule 13
4.2 Einteilung der Kampfkünste in „weiche“ und
„harte“ Stile 14
4.3 Aggressionsbewältigung in den Kampfkünsten
am Beispiel Aikido 16
4.3.1 Die körperliche Dimension 16
4.3.2 Die geistige Dimension 17
5.
Fazit 19
6.
Literaturverzeichnis / Quellenangaben 21
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1. Einleitung
Geht man von dem populären Verständnis des Aggressionsbegriffs aus, kann mit Recht behauptet werden, dass es tagtäglich Situationen gibt, in denen wir Aggression ausgesetzt sind. Dabei kann es sich sowohl um Formen körperlicher Aggression, die in aller Regel seltener vorkommen, als auch um verbale Aggression handeln, was weitaus häufiger der Fall ist. Oftmals geraten Menschen ohne Vorbereitung in Situationen, in denen zwei differente Standpunkte aufeinander treffen, die jedoch jeweils eine völlig andere Lösung anstreben. Manchmal sind wir sogar selbst Ausgangpunkt der Aggression, weil wir mit etwas unzufrieden sind, sich Aggression „angestaut“ hat oder wir einfach keinen anderen Umgang mit der Situation kennen und gelernt haben. Von welchem Standpunkt man Aggression auch betrachtet, bleibt sie dennoch mehr oder minder ein Phänomen, dass auch die Psychologie nicht einheitlich erklären kann. Erkennbar ist allerdings, dass Aggression in unserer Gesellschaft einen immer größer werdenden Stellenwert einnimmt. Schulmassaker wie jene in Erfurt oder Winnenden sind der traurige Beweis für einen eingeschlagenen „Trend“ der Gesellschaft. Auf der einen Seite sucht man fieberhaft nach Gründen für diese Entwicklung, doch viel wichtiger erscheint die Frage, wie dieser Entwicklung entgegen gesteuert werden kann.
Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit die Entstehung von Aggression zunächst aus psychologischer Sicht, um in Anschluss daran der Frage nachzugehen, inwiefern die asiatischen Kampfkünste einen Beitrag zur Aggressionsbewältigung liefern können. Dies scheint im ersten Moment paradox, da gerade die Kampfkünste oftmals in dem Verruf stehen, aggressionsfördernd zu sein. Aus meiner inzwischen mehrjährigen Erfahrung aus dem Kampfkunstbereich kann ich jedoch berichten, dass dies im Sinne der traditionellen Kampfkünste für mich unmöglich erscheint. Gerade jene Disziplinen, die noch immer stark ihren traditionellen Werten verhaftet sind, lehren Aggressions- und Gewaltfreiheit im Umgang miteinander. Diesen Eindruck gilt es jedoch mithilfe der vorliegenden Arbeit wissenschaftlich zu untersuchen und zu einer nachprüfbaren Aussage hinsichtlich der Fragestellung zu kommen.
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2. Aggression und ihre Definitionen
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, existieren einige Unterschiede im individuellen Begriffsverständnis der Aggression, sodass es auch in der Psychologie bei Weitem nicht nur eine akzeptierte Aggressionsdefinition gibt (vgl. Nolting, 1997, S. 21). Den Anfang machten die so genannte Trieb-Theorien von Sigmund Freud und Konrad Lorenz, die zwar immer noch von einigen wenigen, psychoanalytisch orientierten Wissenschaftlern geteilt, in der Regel jedoch abgelehnt und in der akademischen Psychologie als überholt angesehen werden (vgl. Finger-Trescher & Trescher, 1992, S. 15). Während man darüber hinaus auf der einen Seite die „engeren“ Definitionen, in denen man bei Aggression immer von einer Schädigung, einer Verletzung oder einer Schmerzzufügung ausgeht und die „weiteren“ Definitionen, die ihre Begriffsbestimmung eher vom lateinischen Ursprung des Wortes ableiten, unterscheidet (vgl. Nolting, 1997, S. 22-24), wird Aggression zumeist als „[...] zerstörendes, zumindest aber störendes Verhalten [...]“ (Finger-Trescher & Trescher, 1992, S. 12) und in jedem Fall als eine Handlung (vgl. Lischke, 1973, S. 21) betrachtet. Es existiert außerdem die Ansicht, zwischen aggressiven Affekten, zum Beispiel Wut, Ärger oder ähnlichen, und aggressiven Handlungen zu unterscheiden (vgl. Lischke, 1973, S. 21). In diesem Fall spricht man von passiv-getriebener (= Emotion) und aktiv-handelnder (= Handlung) Aggression (vgl. Finger-Trescher & Trescher, 1992, S. 12). Denn „[...] nicht jedes aggressive Gefühl drückt sich in aggressivem Verhalten aus, und nicht jedes aggressive Verhalten beruht auf aggressiven Gefühlen“ (Nolting, 1997, S. 30). Im Folgenden sollen die Definitionsunterschiede näher erläutert werden.
2.1 Aggression als potentieller Trieb des Menschen
Nach Freud ist ein Trieb „[...] eine aus dem Organismus stammende, also biologisch vorgegebene, konstante Kraft, die ein bestimmtes Ziel verfolgt, nämlich Befriedigung zu finden“ (Finger-Trescher & Trescher., 1992, S. 12). Gemäß seiner Theorie existiert als Gegenstück zum Lebens- und Erschaffungstrieb (Eros) der Todes-, oder auch Zerstörungstrieb (Thanatos), unter den alle Aktivitäten als Aggression subsumiert werden, die nicht nicht auf den Lebenstrieb zurückzuführen sind (vgl. Berg et al., 1988, S. 12). Diese Aktivitäten seien folglich schlichtweg „[...] eine offene Äußerung des Todestriebes [...]“ (Bandura, 1979, S. 26), die als ein dem Menschen angeborener Trieb zu be-
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trachten seien. Hierbei wird allerdings weiter zwischen nach außen und nach innen gerichteter Aggression unterschieden (vgl. Bandura, 1979, S. 27). Das Besondere an dieser Theorie ist vor allem der ihr immanente Pessimismus, denn laut Freud könnten „[...] weder die Befriedigung materieller Bedürfnisse noch die Einführung von Gleichberechtigung noch andere Verbesserungen der Lebensbedingungen [...]“ das Aggressionsniveau verändern (Bandura, 1979, S. 27). Es gäbe lediglich Möglichkeiten, die Intensität der Aggressionsauslebung zu modifizieren (vgl. Bandura, 1979, S. 27). Eine ähnliche Triebtheorie stellte der Ethologe Konrad Lorenz auf, wobei er jedoch seine Rückschlüsse überwiegend aus Beobachtungen der Tierwelt zog (vgl. Bandura, 1979, S. 29). „Für Lorenz schließt Aggression ein Triebsystem ein, das eine eigene Quelle aggressiver Energie unabhängig von externer Stimulation erzeugt; dieser Drang zu kämpfen baut sich allmählich auf, bis er durch einen geeigneten Auslösereiz entladen wird“ (Bandura, 1979, S. 29). In der Tierwelt garantiere dieser Aggressionstrieb so eine Verteilung der Tierbestände über ein bewohnbares Gebiet, eine Regulierung des Nahrungsmittelverbrauchs (vgl. Bandura, 1979, S. 29) und eine selbstständige Auslese des besten Genmaterials zu Paarungszwecken (vgl. Lischke, 1973, S. 37). Lorenz betonte allerdings, dass er unter Aggression ausschließlich nur den auf Artgenossen gerichteten Kampftrieb verstand, wobei er sich dabei mit seinen eigenen Beispielen teilweise widersprach (vgl. Lischke, 1973, S. 37). Ähnlich wie Freud sprach Lorenz davon, Aggression lediglich kanalisieren, nicht aber endgültig bewältigen zu können (vgl. Lischke, 1973, S. 40).
Ein großer Kritikpunkt an beiden triebtheoretischen Ansätzen ist, dass sie die Komplexität menschlicher Reaktionsmöglichkeiten nur unzureichend mit in ihre Überlegungen einbeziehen (vgl. Bandura, 1979, S. 56). So könne ein einzelner innerer Trieb unmöglich als Erklärung für die Vielfalt der menschlichen Verhaltensweisen dienen und für diese verantwortlich sein (vgl. Bandura, 1979, S. 56). So wird Triebtheorien sogar unterstellt, menschliches Verhalten gar nicht erst zu erklären, sondern es lediglich nur neu zu benennen (vgl. Berg et al., 1988, S. 29).
2.2 Engere versus weitere Aggressionsdefinitionen
Die Begriffe „Schaden“ und „Intention“ haben eine besondere Bedeutung innerhalb der großen Gruppe der „engeren“ Aggressionsdefinitionen (vgl. Nolting, 1997, S. 22). Zu ihnen gehören somit jegliche Handlungen, die zwei Komponenten enthalten, nämlich zum Einen eine Schädigung, Verletzung oder Schmerzzufügung und zum Anderen eine
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darauf abzielende Intention oder Absicht des Handelnden (vgl. Nolting, 1997, S. 22). Ein anderer Begriff anstelle der Intention ist die „Gerichtetheit“, was bedeutet, dass die aggressive Handlung gezielt vom Handelnden auf ein Objekt oder eine Person gerichtet ist (vgl. Nolting, 1997, S. 23). Generell hat der Erfolg der gerichteten Handlung allerdings keine Relevanz, sodass gemäß dieser Definitionen selbst im Falle eines Nicht-Eintretens des Schadens von Aggression gesprochen wird (vgl. Nolting, 1997, S. 23). Ebenfalls unbedeutend ist in diesem Zusammenhang, ob die Schädigung überhaupt das Ziel einer Handlung ist, oder ein anderes Handlungsziel bestand, da dies dennoch im Rahmen dieser Definition als Aggression verstanden wird (vgl. Nolting, 1997, S. 24). Schwierig zu beurteilen ist hinsichtlich dieser handlungsorientierten Sichtweise auch, inwiefern unterlassene Handlungen als Aggression einzustufen sind (vgl. Nolting, 1997, S. 32). Dies wird in der Literatur zwar mitunter als „Unterlassungsaggression“ bezeichnet, findet in der Regel aber weniger Zuspruch (vgl. Berg et al.., 1988, S. 14). Vom lateinischen Ursprung des Wortes „aggredi“, was „herangehen“ bedeutet, gehen dagegen die weiter gefassten Definitionen von Aggression aus. In ihrem Sinne werden sogar Handlungen als Aggression eingestuft, die überhaupt keine Schädigung, Verletzung oder ähnliches bezwecken. Im Grunde geht der Begriff Aggression so einher mit dem Begriff der Aktivität (vgl. Nolting, 1997, S. 25), sodass demnach jedes Verhalten als Aggression erfasst wäre, „[...] das im wesentlichen das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellt“ (Bach & Goldberg, 1974, S.14). So gesehen ließen sich tagtägliche Dinge wie Arbeiten, Wetteifern und kreatives Spielen als aggressive Handlungen interpretieren, was gleichzeitig auch der wissenschaftliche Kritikpunkt dieser Definitionsansätze ist (vgl. Nolting, 1997, S. 25). Es sei notwendig, eine Trennung zwischen Aggression und Aktivität vorzunehmen, da eine Gleichstellung dieser Begriffe zu simpel erscheint (vgl. Lischke, 1973, S. 22). Auch hier bleibt - ähnlich wie bei den engeren Definitionen - die Frage, wie unterlassene Handlungen zu betrachten sind.
2.3 Die Schwierigkeit der Wertfreiheit
Sowohl in der Öffentlichkeit, als auch in der Psychologie, geht man überwiegend von einer mit Schadensabsicht ausgeführten Handlung aus, wenn von Aggression gesprochen wird (vgl. Nolting, 1997, S. 26). Während die Psychologie allerdings Aggression eher objektiv beobachtend als Sachverhalt zu beschreiben und erklären versucht, haftet dem Begriff in der Alltagssprache im Allgemeinen eine gewisse Negativität an (vgl. Nolting, 1997, S. 27). So kommt es dazu, dass man bei Handlungen, die einer bestimm-
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Arbeit zitieren:
Daniel Wehnhardt, 2009, Aggression: Entstehung und Bewältigung, München, GRIN Verlag GmbH
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