Diese Arbeit beschäftigt sich mit Implikaturen, die Herbert Paul Grice in seinem Werk „Logik und Konversation“ erstmals eingehend untersuchte. Selbst wenn Grice diesen Aufsatz nicht in erster Linie als Beitrag zur Sprechakttheorie vorgesehen hatte, lohnt es sich dennoch, diesen im Lichte verschiedener Ansätze bzw. Beiträge zur Sprechakttheorie in Augenschein zu nehmen, da die beschriebenen Aspekte der Implikaturen möglicherweise eine entscheidende Lücke bei der Ermittlung bzw. Bestimmung von illokutionären Akten zu schließen vermögen.
Die Vorgehensweise gliedert sich hierbei wie folgt: Zunächst wird das Wesen und die Funktionsweise von Implikaturen vorgestellt, wie Grice sie in seinen Werken erläutert hat. Anschließend soll eine Einordnung in die allgemeine Sprechakttheorie, wie sie von Austin, Grice bzw. Strawson und von Searle entworfen wurde, vorgenommen werden. Dabei werden vor allem die „Indirekten Sprechakte“ von Searle zu einem Vergleich herangezogen. Zu guter Letzt schließlich wird Grices Beitrag einer kritischen Bewertung unterzogen und es werden mögliche Verbesserungen bzw. Erweiterungen zur Analyse der Implikatur angeboten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HAUPTTEIL
2.1 Grices Theorie zur Implikatur
2.1.1 Die verschiedenen Arten der Implikaturen
2.1.2 Konversationsregeln und die konversationale Implikatur
2.1.3 Beispiele
2.1.4 Merkmale und Besonderheiten einer konversationalen Implikatur
2.2 Einordnung und Kritische Bewertung
2.2.1 Verbindung zu Grices Semantik
2.2.2 Einordnung in Sprechakttheorie
2.2.3 Vergleich mit Searle
2.2.4 Kritische Einschätzung und Ergänzung
3 SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theorie der Implikaturen von Herbert Paul Grice und deren Relevanz für die Sprechakttheorie. Das primäre Ziel ist es, den Beitrag von Grice einzuordnen, kritisch zu bewerten und die Schnittstellen zu anderen sprechakttheoretischen Ansätzen, insbesondere zu den „Indirekten Sprechakten“ von John R. Searle, herauszuarbeiten.
- Grundlagen der Gricetschen Implikaturtheorie und Unterscheidung der Arten von Implikaturen.
- Analyse des Kooperationsprinzips und der Konversationsmaximen.
- Theoretische Einordnung von Implikaturen in den Kontext der Sprechakttheorie.
- Vergleichende Untersuchung der Konzepte von Grice, Austin und Searle.
- Kritische Reflexion über die Anwendbarkeit und Grenzen der Implikaturanalyse.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Konversationsregeln und die konversationale Implikatur
Besonders interessant sind für Grice die konversationalen I., die, wie der Name schon andeutet, nur innerhalb einer Konversation vorkommen und deshalb in einem engen Zusammenhang mit allgemeinen Konversationsregeln stehen. Diese Regeln bzw. ihre Bedeutung für die konversationalen I. sollen in diesem Kapitel kurz und prägnant zusammengefasst werden.
Grundsätzlich existiert laut Grice ein generelles Kooperationsprinzip (KP), welches besagt, dass jeder Teilnehmer seinen Gesprächsbeitrag auf das Gespräch (Ziel/Richtung) anpassen soll, da es in seinem eigenen Interesse ist, die Konversation zu einem erfolgreichen Ausgang zu bringen. Als Voraussetzung wird den Beteiligten somit Rationalität unterstellt. Dieses allgemeine Prinzip zerfällt gewissermaßen in vier Kategorien mit entsprechenden Maximen:
1. Quantität (der Information) a) Mache deinen Beitrag so informativ wie nötig! b) Und nicht informativer als nötig!
2. Qualität – Wahrheitsanspruch a) Sage nichts, was du für falsch hältst! b) Sage nichts ohne angemessene Gründe!
3. Relation – Relevanz (Sei relevant!)
4. Modalität – Klarheit (Sei klar!) a) Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks! b) Vermeide Mehrdeutigkeit!
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Implikaturen nach H. P. Grice und Darstellung der methodischen Vorgehensweise, inklusive der Einordnung in die Sprechakttheorie.
2 HAUPTTEIL: Umfassende theoretische Darlegung der Implikaturtheorie, der Konversationsregeln sowie eine kritische Gegenüberstellung mit sprechakttheoretischen Modellen von Austin und Searle.
3 SCHLUSS: Zusammenfassende Bewertung der Gricetschen Theorie und Reflexion über die Vorteile und Grenzen einer impliziten versus expliziten Sprachverwendung.
Schlüsselwörter
Implikatur, Sprechakttheorie, Grice, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen, Sprachphilosophie, Indirekte Sprechakte, Searle, Semantik, Kommunikation, Illokution, Pragmatik, Sprachanalyse, Konvention, Rationalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Theorie der Implikaturen von Herbert Paul Grice und deren Bedeutung für das Verständnis menschlicher Kommunikation und der Sprechakttheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Unterscheidung verschiedener Implikaturarten, die Analyse von Konversationsmaximen sowie der Vergleich mit den Ansätzen von John L. Austin und John R. Searle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Grices Beitrag zur Sprachphilosophie im Lichte der Sprechakttheorie zu bewerten und zu prüfen, inwieweit seine Ansätze Lücken bei der Bestimmung illokutionärer Akte schließen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine theoretisch-analytische Methode, bei der die Originalschriften von Grice, Austin und Searle herangezogen und in einer vergleichenden, kritischen Analyse gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Gricetschen Theorie, die Erläuterung der Konversationsregeln, Anwendungsbeispiele sowie die Einordnung und kritische Bewertung der Theorie gegenüber der Sprechakttheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Implikatur, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen, Sprechakte und Intentionen.
Was unterscheidet konversationale von konventionalen Implikaturen?
Konventionale Implikaturen sind an bestimmte Begriffe gebunden, während konversationale Implikaturen aus dem Kontext und der Annahme einer kooperativen Gesprächsführung resultieren.
Was versteht der Autor unter einer „Schein-Implikatur“?
Dies bezeichnet Äußerungen, die fälschlicherweise als Implikaturen interpretiert werden, obwohl keine solche vorliegt, oft bedingt durch fehlendes oder abweichendes Hintergrundwissen der Gesprächspartner.
Warum hält der Autor die „Unabtrennbarkeit“ bei Grice für problematisch?
Da das Kriterium der Unabtrennbarkeit nach Ansicht des Autors keine klare Unterscheidung zwischen konventionalen und nicht-konventionalen Implikaturen zulässt, bezeichnet er es als obskur und hinfällig.
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- Jan Nilbock (Author), 2006, H. P. Grice - Implikaturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152293