Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 HAUPTTEIL 3
2.1 Grices Theorie zur Implikatur 3
2.1.1 Die verschiedenen Arten der Implikaturen 3
2.1.2 Konversationsregeln und die konversationale Implikatur 4
2.1.3 Beispiele 6
2.1.4 Merkmale und Besonderheiten einer konversationalen Implikatur 8
2.2 Einordnung und Kritische Bewertung 9
2.2.1 Verbindung zu Grices Semantik 9
2.2.2 Einordnung in Sprechakttheorie 10
2.2.3 Vergleich mit Searle 11
2.2.4 Kritische Einschätzung und Ergänzung 13
3 SCHLUSS 15
4 LITERATURVERZEICHNIS: 17
2
1 Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Implikaturen, die Herbert Paul Grice in seinem Werk „Logik und Konversation“ erstmals eingehend untersuchte. Selbst wenn Grice diesen Aufsatz nicht in erster Linie als Beitrag zur Sprechakttheorie vorgesehen hatte, lohnt es sich dennoch, diesen im Lichte verschiedener Ansätze bzw. Beiträge zur Sprechakttheorie in Augenschein zu nehmen, da die beschriebenen Aspekte der Implikaturen möglicherweise eine entscheidende Lücke bei der Ermittlung bzw. Bestimmung von illokutionären Akten zu schließen vermögen. Die Vorgehensweise gliedert sich hierbei wie folgt: Zunächst wird das Wesen und die Funktionsweise von Implikaturen vorgestellt, wie Grice sie in seinen Werken erläutert hat. Anschließend soll eine Einordnung in die allgemeine Sprechakttheorie, wie sie von Austin, Grice bzw. Strawson und von Searle entworfen wurde, vorgenommen werden. Dabei werden vor allem die „Indirekten Sprechakte“ von Searle zu einem Vergleich herangezogen. Zu guter Letzt schließlich wird Grices Beitrag einer kritischen Bewertung unterzogen und es werden mögliche Verbesserungen bzw. Erweiterungen zur Analyse der Implikatur angeboten.
2 Hauptteil
2.1 Grices Theorie zur Implikatur
2.1.1 Die verschiedenen Arten der Implikaturen
Widmen wir uns zuerst den Ausführungen von Grice zur Implikatur. Zunächst einmal gilt es, die Implikatur im Sinne einer „Andeutung“ von der rein logischen Relation der Implikation abzugrenzen, damit eine Verwechslung dieser beiden Phänomene ausgeschlossen ist. Dann existieren für Grice nach einer ersten Unterteilung zwei Arten von Implikaturen. Da wären zum einen die konventionalen Implikaturen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie den Sprecher mit seiner Äußerung konventional auf eine gewisse Bedeutung festlegen, ohne dass diese „gesagt“ wird, d. h. vom Geäußerten logisch ableitbar und somit Bestandteil der wahrheitsfähigen Aussage wäre. Zur Veranschaulichung dient das folgende Beispiel sehr gut: „Sie ist arm aber ehrlich.“ Konventional wird hier durch das „aber“ zwar ein Gegensatz zwischen dem Prädikat „arm“ und dem Prädikat “ehrlich“ ausgedrückt, doch Teil der wahrheitsfähigen Aussage ist dies nicht, denn streng formallogisch wird nur ausgesagt, dass sie arm ist und ehrlich ist. Zum anderen gibt es die nicht-konventionalen Implikaturen, bei denen die Implikatur nur in einer Andeutung besteht. Genau genommen behandelt Grice jedoch nur eine
3
„gewisse Teilklasse der nicht-konventionalen Implikaturen“, die er konversationale Implikaturen nennt. Diese sind mit „gewissen allgemeinen Diskursmerkmalen wesentlich verknüpft“ (vgl. Grice 1993, S. 247-248). Die konversationalen I. unterteilen sich wiederum in zwei Untergruppen: Während die generalisierten kontextunabhängig sind, d. h. in jeder Situation durch eine bestimmte Äußerung ausgelöst werden, sind die spezialisierten (oder partikularisierten) von ihrem Äußerungskontext abhängig (vergl. a.a.O., S. 262). Grice spricht somit bezüglich der vollständigen Bedeutung einer Äußerung von drei Ebenen derselben: Die erste Ebene gibt an, was gesagt wird, die zweite, was konventional implikatiert wird und die dritte, was nicht-konventional implikatiert wird. Allerdings muss nicht immer jede Ebene in jeder Äußerung erfüllt sein (vgl. Grice 1989, S. 41).
2.1.2 Konversationsregeln und die konversationale Implikatur
Besonders interessant sind für Grice die
konversationalen
I., die, wie der Name schon andeutet, nur innerhalb einer Konversation vorkommen und deshalb in einem engen Zusammenhang mit allgemeinen Konversationsregeln stehen. Diese Regeln bzw. ihre Bedeutung für die konversationalen I. sollen in diesem Kapitel kurz und prägnant zusammengefasst werden. Grundsätzlich existiert laut Grice ein generelles
Kooperationsprinzip
(KP), welches besagt, dass jeder Teilnehmer seinen Gesprächsbeitrag auf das Gespräch (Ziel/Richtung) anpassen soll, da es in seinem eigenen Interesse ist, die Konversation zu einem erfolgreichen Ausgang zu bringen.
1
Als Voraussetzung wird den Beteiligten somit Rationalität unterstellt. Dieses allgemeine Prinzip zerfällt gewissermaßen in vier Kategorien mit entsprechenden Maximen
2
(vgl. Grice 1993, S. 248-250): 1. Quantität (der Information) a)
b)
2. Qualität - Wahrheitsanspruch a)
b)
3. Relation - Relevanz (Sei relevant!) 4. Modalität - Klarheit (Sei klar!) a) Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks!
b) Vermeide Mehrdeutigkeit!
1 Das Kooperationsprinzip ist genau wie die anderen aufgeführten Kooperationsmaximen zwar normativ formu-
liert, doch für Grice werden diese Regeln in der Praxis prinzipiell immer schon so befolgt.
2 Die Kategorien sind Kants Tafel der Kategorien aus der Kritik der reinen Vernunft entlehnt.
4
c) Fasse dich kurz!
d) Der Reihe nach!
Diese aufgeführten Maximen gelten nach Grice so oder so ähnlich größtenteils auch für andere, nicht kommunikative, Interaktionen, denn sie beruhen auf drei Merkmalen kooperativer Interaktion: Erstens, sie folgen einem gemeinsamen unmittelbaren Ziel (weitere können divergieren). Zweitens, besteht deshalb eine wechselseitige Adäquatheit der Beiträge und drittens, existiert, zumindest stillschweigend, das Einvernehmen, dass die Interaktion solange angemessen fortgeführt wird bis man gemeinsam das Ende beschließt. Daraus ergibt sich für eine Konversation, dass der Sprecher in jedem Fall ein Interesse daran haben müsste, dass das KP bzw. die Konversationsmaximen eingehalten werden, um das Gesprächsziel zu erreichen. Dieses Ziel besteht für Grice in erster Linie in einem möglichst effektiven Informationsaustausch, doch Grice ist sich durchaus bewusst, dass dies zu kurz greift und keine erschöpfende Berücksichtigung aller möglichen Zwecke einer Konversation darstellt (vgl. Grice 1993, S. 250-253). 3
Bezüglich der genannten Konversationsmaximen sind nun verschiedene Formen der Nichterfüllung vorstellbar. Es kann entweder eine stille und undemonstrative Verletzung oder ein grober offensichtlicher Verstoß einer Maxime vorliegen. Außerdem kann es sein, dass der Sprecher durch eine Kollision zweier Maximen gewissermaßen dazu genötigt ist, eine davon nicht zu erfüllen. Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit des Ausstiegs, d. h. der Sprecher verweigert die Befolgung einer Maxime (vgl. a.a.O., S. 253). Eine konversationale I. kommt dann in Frage, wenn es zunächst so scheint, als wäre eine Maxime verletzt worden. Doch wenn der Hörer davon ausgehen kann, dass der Sprecher nicht aus dem Gespräch aussteigen oder irreführen möchte, sich also grundsätzlich an das KP hält, wird er versuchen, durch Überlegung herauszufinden, ob bzw. was der Sprecher mit seiner Äußerung meint, also was er implikatiert. 4 Es werden somit folgende Voraussetzungen bzw. Annahmen für eine konversationale I. angesetzt: Erstens, zumindest das KP wird beachtet. Zweitens, der Sprecher hat absichtlich (bewusst) implikatiert, dass q (ansonsten wäre die erste Annahme nicht möglich) und drittens der Sprecher glaubt, dass der Hörer in der Lage ist dahinter zu kommen, dass eine Implikatur vorliegt (und S muss auch glauben, dass H dies voraussetzen kann). Im Gegensatz zur konventionalen I. muss hier immer die Möglichkeit
3 Als weiteren möglichen Zweck nennt er die Beeinflussung oder Steuerung des Handelns anderer.
4 „Implikatieren“ wird als deutsches Pendant zum englischen Ausdruck „to implicate“ verwendet. Grice
gebraucht diesen spezifischen Terminus, analog zur „Implikatur“ („implicature“), um einen eigenen Begriff für
dieses Phänomen zur Verfügung zu haben und Verwechslungen mit dem logischen Begriff „to imply“ (impli-
zieren) zu vermeiden.
5
Arbeit zitieren:
Jan Nilbock, 2006, H. P. Grice - Implikaturen, München, GRIN Verlag GmbH
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