GLIEDERUNG
1. Einleitung
1.1 Zur Person Georg Herbert Mead
1.2 Mead und der Behaviorismus
2. Grundannahmen
3. Gegensatz von "Ich" und "ICH"
3.1 Definition des "ICH" ( ME)
'HILQLWLRQGHVÄ,FK ,
4. Das Wirken der Identität
4.1 Der Denkprozess als Spiel der Symbole
5. Entstehung der Gesellschaft
5.1 Beziehung zwischen Geist und Körper
5.2 Gesellschaftliche und individuelle Organisation
Ä HLVW,GHQWLWlWXQG HVHOOVFKDIW DP HLVSLHOHKHPDOLJHU''5 UJHU
7. Fazit
8. Literaturangaben
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1. Einleitung
1.1 Zur Person Georg Herbert Mead
George Herbert Mead wurde am 27.2.1863 in South Hadley, Massachusetts als Sohn des protestantischen Pfarrers Hiram Mead und dessen Ehefrau Elizabeth Storr Billings geboren. Nachdem sein Vater ab 1870 am Oberlin College in Ohio als Professor für Geschichte und Theorien der Predigt wirkte, wuchs der noch kleine G. H. Mead in diesem Umfeld auf und wurde 1879 selbst ein Schüler dieses College, das zu einem Zentrum der damaligen heftigen Auseinandersetzung zwischen Theologie und Wissenschaft wurde. Erstmals wurde bei Mead das kirchliche Dogma seines Elternhauses erschüttert. Nur zwei Jahre später starb sein Vater, so dass sich Mead vorerst um seinen Lebensunterhalt kümmern musste. Nachdem er 1883 seine Ausbildung am Oberlin College beendete, arbeitete er kurzfristig als Lehrer und anschließend als Vermessungsingenieur im Eisenbahnbau, was ihm viele Erfahrungen brachte.
Die nächste Etappe seines Lebens führte ihn an die Harvard Universität, wo er im Wintersemester 1887 sein Studium der Philosophie und Psychologie begann. Während er hauptsächlich von Palmer unterrichtet wurde, fühlte sich Mead vor allem von dem christlichen Neuhegelianer Josiah Royce angezogen.
Ein Jahr später spezialisierte er sich auf die physiologische Psychologie innerhalb der Philosophie, um vor Konflikten mit dem kirchlichen Dogma auszuweichen, da die Kirche einen erheblichen Einfluss auf das höhere Bildungswesen hatte. Mit Hilfe eines Stipendiums studierte er das Wintersemester 1888/89 an der Universität Leipzig, an der er den Psychologen Wilhelm Wundt kennenlernte, und schon ein Semester darauf in Berlin. Nach Forschungen Hans Joas war er Student von Ebbinghaus, Paulsen, Schmoller und Dilthey, bei dem er seine Dissertation plante. Am 1. Oktober 1891 heirate er die Schwester seines Freundes, Henry Northrup Castle, Helen Castle. Kurz darauf nahm er, ohne seine Dissertation abgeschlossen zu haben, eine Stelle für Psychologie an der Universität von Michigan in Ann Arbor an und kehrte somit in die USA zurück. Er hatte sich allerdings mit diesem Entschluss drei Ziele gesetzt.
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Erstens wollte er sich politisch als Sozialist einsetzen, zweitens seine Dissertation abschließen und drittens an einer Psychologie, die die frühe moralische Entwicklung des Kindes betrifft, arbeiten.
Erstmals begann er an dieser Universität mit einer praktisch experimentalpsychologischen Arbeit. So widmete er sich z.B. dem Problem der Aufmerksamkeit und dem Verhältnis von Druck- und Temperaturwahrnehmung. Besonders wichtig war jedoch seine fruchtbare Freundschaft zu John Dewey, die hier begann und bis zu seinem Lebensende andauern sollte.
Dewey wurde 1894 an die Universität von Chicago berufen, wo er den Vorstand der Abteilung für Philosophie und Psychologie übernahm. Mead folgte ihm als sein Assistenzprofessor, so dass er nun in das Umfeld dieser erst vier Jahre vorher gegründeten Universität geriet.
Diese Universität sollte sich vorrangig mit der wissenschaftlichen Behandlung kommunaler Fragen einer sich schnell entwickelnden Metropole befassen. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität war Mead jedoch auch stark anderweitig engagiert. So war er Schatzmeister beim Hull House, einem der ersten Versuche von moderner Sozialarbeit, kämpfte für Frauenrechte und für eine Reform des Jugendstrafrechts und war Vorsitzender des Komitees für Probleme der Erziehung. Lange Jahre war er Mitglied beim City-Club, einer Vereinigung von Intellektuellen, die für Reformen eintraten, und Unternehmern mit politischem Einfluss. Im Bereich der Erziehung wirkte er vor allem als Herausgeber der Zeitung "Elementary School Teacher", als Präsident des Kuratoriums einer Versuchsschule für verhaltensgestörte Kinder und durch seine Arbeit an der Versuchsschule an der Universität von Chicago.
Während des I. Weltkrieges widmete er sich im Wesentlichen den Grundlagen des Militarismus. Nachdem er fast 40 Jahre an der Universität von Chicago war und dessen Verlassen plante, starb er am 26.4.1931 im Alter von 68 Jahren als ein fast unbekannter Wissenschaftler. 1
1 vgl. H. Joas: George Herbert Mead, in: Dirk Käsler (Hrsg.): Klassiker des soziologischen Denkens, Münche 1978,
S.10-16, vgl. auch Harald Wenzel: George Herbert Mead zur Einführung, Hamburg 1990, S. 17-26.
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Als Philosoph war er ein Pragmatiker 2 , der sich auf Charles Darwin mit einem pragmatischen Glauben an die Vernunft stützte.
Er war es, der den Versuch einer Begründung einer bis dahin neuen Sozialpsychologie 3 startete und mit diesen Arbeiten und Auffassungen als einer der Klassiker der Soziologie gilt.
In der Literatur ist häufig zu finden, dass Mead zur Schule des "symbolischen Interaktionismus" oder "Sozialbehaviorismus" 4 gehörte. 5 Dies beruht jedoch auf dem Missverständnis, das daraus folgt, dass sich Mead selbst als den wahren Behavioristen sah, als dieser Begriff noch nicht fest definiert war. Seine Vorstellung des Behaviorismus war, inwieweit sich aus dem äußerlich sichtbaren Verhalten das Innerliche entwickelt. Watson setzte sich jedoch mit seiner Auffassung durch, woraus das heutige Verständnis dieser Denkrichtung herrührt. Daher schlägt Hans Joas vor, ihn als konsequent intersubjektivistischen 6 Pragmatiker zu sehen. 7
Meads Pragmatismus gründet sich auf Ch. Wright, Peirce, W. James und seinem Freund Dewey, die sich zeit ihres Lebens wissenschaftlich ausgetauscht und beeinflusst haben. Gleichzeitig wurde er in seinem Denken von seinem Aufenthalt in Deutschland beeinflusst. 8
2 Der Pragmatismus ist eine "...Bezeichnung für eine vor allem von amerikanischen Philosophen Peirce, Dewey und
James entwickelte Weltanschauung und Erkenntnislehre, nach den Denkvorgängen, Begriffe, Urteile nur nach Ihrem
Nutzen für das Handeln, die Lebenspraxis bewertet werden können." Fuchs/ Klima/ Lautmann, a.a.O., S.513.
3 Das neue an Meads Sozialpsychologie ist sein Ansatz nicht beim Individuum wie bisher, sondern bei der
Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt der Kommunikation und Interaktion, welche primär sind. Vgl. Mitschriften des
Seminars: George Herbert Mead, bei Prof. H. Joas im SoSe 1998.
4 Der Behaviorismus ist eine "... psychologische Richtung, die fordert, dass die Psychologie als
strengerfahrungswissenschaftliche Disziplin Aussagen nur über das äußerlich sichtbare Verhalten (engl.: behavior)
zumachen hat." Fuchs/ Klima/ Lautermann, a.a.O., S. 84.
5 vgl. Joas, a.a.O., S. 7.
6 Intersubjektivität bedeutet die "... Nachprüfbarkeit wissenschaftlicher Feststellungen, insbesondere solcher, die über
den empirischen Gehalt einer Theorie entscheiden sollen, durch andere Wissenschaftler oder Personen unter
angegebenen Beobachtungsbedingungen. Die I. soll die Objektivität wissenschaftlicher Aussagen gewährleisten."
Fuchs/ Klima/ Lautmann, a.a.O., S. 316.
7 vgl. Joas, a.a.O., S. 7f, vgl.
8 vgl. Joas, a.a.O., S. 16.
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Mead hatte zeitlebens kein einziges Buch publiziert. Seine Bücher wurden von seinen Studenten mittels ihrer eigenen Notizen zur Vorlesung über Sozialpsychologie, die Mead an der Universität von Chicago seit 1900 hielt, oder durch seine eigenen Manuskripte und unveröffentlichten Schriften posthum veröffentlicht. 9 Mead beschäftigte sich mit drei Gebieten, der Sozialpsychologie und Sozialphilosophie, der Ideengeschichte und dem systematischen Pragmatismus.
Viele Arbeiten wurden jedoch auf dem Gebiet der Sozialpsychologie veröffentlicht. 10 Seine Hauptwerke sind "Mind, Self and Society", das als Klassiker der Sozialpsychologie gilt, "The Philosophy of the Present", "The Philosophie of the Act", "Movements of Thought in the Nineteenth Century" und "Philosophie der Sozialität". 11 Ab dem Jahre 1939 begannen viele Soziologen sein Werk mit dem Interesse auf seinen Sozialisierungsprozess zu lesen. Damit begann Mead in die Hauptströmung soziologischen Denkens einzufließen. Er wurde schon bald als der Sozialpsychologe gesehen, ein Ruhm, den er zu Lebzeiten nie erreicht hatte. 12
1.2 Mead und der Behaviorismus
Beim Behaviorismus 13 handelt es sich um einen der ältesten lernpsychologischen Ansätze. Grundlegend für diese Denkschule ist der Verzicht auf jegliche Annahmen oder Hypothesen über innerpsychische oder kognitive Prozesse. Im Behaviorismus gilt das Gehirn als Black-Box, das einen Input erhält und aufgrund dessen mit einer Reaktion antwortet. Es werden lediglich Beziehungen zwischen Reizen (also dem Input der Umgebung, auch Stimuli genannt) und Reaktionen (also dem Verhalten, teils in Form von Reflexen) betrachtet und zueinander in Beziehung gesetzt.
9 vgl. G. H. Mead: Sozialpsychologie, eingeleitet und herausgegeben von Anselm Strauss, Neuwied am Rhein/Berlin
1969, S. 11-14.
10 vgl. G. H. Mead: Geist, Identität und Gesellschaft, von Charles W. Morris, Frankfurt am Main 1968, S. 9.
11 vgl. Mead: Sozialpsychologie, a.a.O., S. 14
12 vgl. ebd., S. 16.
13 abgeleitet von Amerikanisch-Englisch Behavior, Verhalten
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Arbeit zitieren:
David Beer, 2008, George Herbert Mead, München, GRIN Verlag GmbH
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