Inhalt
1. EINLEITUNG. 3
2. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN KRITISCHER UND TRADITIONELLER THEORIE. 3
2.1.GRUNDANNAHMEN UND SELBSTBILD 3
2.2.VERHÄLTNIS INDIVIDUUM GESELLSCHAFT. 7
3.VERHÄLTNISSE UND ZIELE 9
3.1.DIAGNOSE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERHÄLTNISSE 9
3.2. ZIELE DER KRITISCHEN THEORIE’ 11
4.FAZIT 13
5.LITERATUR UND QUELLEN 14
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1. Einleitung
Ziel dieser Untersuchung soll es sein, die Frage zu beantworten, ob eine Form der ‚kritischen Theorie’ heute noch nötig ist, oder ob ihre Ziele im Vollzug der Entwicklung der Gesellschaft obsolet geworden sind. Dabei wird der Text „Traditionelle und Kritische Theorie“ von Max Horkheimer aus dem Jahre 1937 hinsichtlich der Grundannahmen, des Verhältnisses zwischen ‚traditioneller’ und ‚kritischer’ Theorie, der Diagnose der Gesellschaft und der Ziele der ‚kritischen Theorie’ untersucht. Warum dieser Text gewählt wird scheint auf der Hand zu liegen, so „…stellt [er] die umfassendste und umsichtigste Darstellung der theoretischen Zielsetzungen dar, die ursprünglich einmal mit der Idee einer kritischen Theorie verbunden waren.“(Honneth 2006: S.229)
Dabei ist dem Autor natürlich bewusst, dass die ‚kritische Theorie’ sich selbst als Kritik am damaligem System verstanden hat, und da dieses System nicht mehr besteht, kann auch die ‚kritische Theorie’ nicht eins zu eins übertragen werden. Jedoch scheint es sinnvoll, die Gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen der Beschreibung Horkheimers gegenüber zu stellen, um etwaige Parallelen zu finden, oder nicht zu finden. Aktualität gewinnt diese Aufgabenstellung durch die aktuelle politische Diskussion, betreffs der Empfänger staatlicher Unterstützungen in Deutschland und die mannigfaltigen Konflikte in der Welt.
2. Der Unterschied zwischen kritischer und traditioneller Theorie
Zum Begriff der ‚kritischen Theorie’ ist voranzuschicken, dass dieser Begriff selbst, den Horkheimer in seinem Aufsatz erstmals verwendet, schon richtungsweisend ist. Insoweit, als man erkennen könne, dass dieser Begriff aus der „…Tradition marxistischer Theoriebildung…“ (Dubiel 2001: S.21) entstamme. In diesem Kapitel sollen die Grundannahmen, das Selbstbild und das Verständnis des Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft der ‚kritischen Theorie’ aufgezeigt werden.
2.1.Grundannahmen und Selbstbild
Theorien im Allgemeinen, seien Sätze über ein bestimmtes Thema, die es erlauben aus wenigen die übrigen abzuleiten, wobei die Vervollkommnung einer Theorie umso höher ist, je weniger Grundsätze sie benötigt. Sie müssen empirisch nachweisbar, falsifizierbar und
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widerspruchsfrei sein. Stellt sich heraus, dass die jeweilige Theorie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, so müsse man entweder besser beobachten oder die Theorie ändern (Vgl. Horkheimer 1937: S. 24ff). Diese Theorietradition habe die „…Tendenz[…] in der Richtung auf ein rein mathematisches Zeichensystem[…]“ (Horkheimer 1937: S. 247), so dass die Entwicklung der Theorien in den Naturwissenschaften größtenteils die Form mathematischer Konstruktionen angenommen hat. (Vgl. Horkheimer1937: S. 247). Mit dieser Beschreibung meint Horkheimer den Cartesianismus, der von Descartes geprägt wurde. Er meint, dass die Sozialwissenschaften sich diesen Theoriebegriff aneignen, um mit den Naturwissenschaften gleichziehen zu können. Eine weit verbreitete Meinung unter den Geisteswissenschaftlern sei, dass sie erst einmal die gesellschaftlichen Phänomene beschreiben müssten, bevor sie allgemeinere Begriffe, und damit wirkliche Theorien, bilden könnten (Vgl. Horkheimer 1937: S. 247f).
Diese Empiriker könnten aufgrund ihrer Tradition nur „…abgeschlossene Induktionen als die höchsten Sätze der Theorie gelten lassen…“ (Horkheimer 1937: S.248), diese könnten zwar abgekürzt werden, indem man nur die ‚wichtigen’ Beobachtungen heranzieht, so stelle sich jedoch immer das Problem der Auswahl. Im Endeffekt sei das Ziel der Empiriker, dass eine Theorie immer der logischen Formel: Wenn A und B, dann C; oder Wenn A und X, dann R folgen (Vgl. Horkheimer 1937: S.248ff). Dieses Vorgehen, das allgemein als Wesen einer jeden Theorie betrachtet wird, sei auch entsprechend der Aufgaben der Theorie, nämlich der Erklärung und Bearbeitung der Natur und gesellschaftlichen Phänomenen. Horkheimer entdeckt aber eine Tendenz unter den Forschern, die einzelne Theorien zur „…ideologischen Kategorie[..]“(Vgl. Horkheimer 1937: S.250f) zu erheben. Er argumentiert, dass Theorien nicht mehr einfach geändert werden, wenn die Beobachtungen entgegen ihrer Vorhersagen oder Erklärungen laufen. Die Theorien an Sich scheinen einigen Wissenschaftlern so wichtig, dass sie sie durch Behelfsannahmen gegen eine eventuelle Falsifizierung unangreifbar machen, um die Theorie als solche am Leben erhalten zu können (Vgl. Horkheimer 1937: S.251). Eine „…Änderung alter Klassifikationen oder…“ die „…Entstehung neuer…“ (Horkheimer 1937: S.251), sei nicht mehr allein von der Logik, sondern insbesondere von den gesellschaftlichen Verhältnissen, sowie der Intention der Forscher abhängig (Vgl. Horkheimer 1937:S.251f).
Philosophische Positivisten und Pragmatisten würden die Aufgaben der Theorie als „…Voraussicht und Brauchbarkeit der Resultate als Aufgabe der
Wissenschaft[.]“(Horkheimer 1937: S. 252) definieren. In der wirklichen Welt sei diese
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Zielgerichtetheit jedoch dem Theoretiker immanent, nämlich „…der Glaube, an den sozialen Wert seines Berufs…“(ebd.). Die Gelehrten würden einfach nur ihre Funktion hinsichtlich ihres Fachgebietes ausführen, die in der Form, dass er das gesammelte empirische Material, gleich welchen Fachs, durch Theoriebildung, ohne dass die Zusammenhänge zwischen den Dingen ersichtlich wird, nutzbar macht (Vgl. Horkheimer 1937: S.252f). Durch diese Art der Arbeitsteilung scheine eine Selbstständigkeit der verschiedenen Arbeitsprozesse gegeben zu sein. Der komplexe gesellschaftliche Zusammenhang, in den ein Jeder aber eingebunden sei werde durch diesen Umstand verschleiert. Der Mensch denke sich frei in seinem Handeln, handelt in Wirklichkeit aber nur innerhalb seiner gesellschaftlichen Möglichkeiten (Vgl. Horkheimer 1937: S.253). „Die Selbsterkenntnis des Menschen in der Gegenwart…“ könne jedoch nicht eine „…mathematische Naturwissenschaft, die als ewiger Logos erscheint…“ (Horkheimer 1937: S.254), sondern müsse die ‚kritische Theorie’ sein, die von dem Wusch nach normativ positiven gesellschaftlichen Verhältnissen durchdrungen sei (Vgl. ebd.). Die Begriffssysteme der ‚traditionellen Theorie’ seien eingeteilt in Kategorien, die allgemein seien. Genauso in der ‚kritischen Theorie’, wobei der Unterschied sei, dass die Begriffe nicht allgemein anerkannt seien, da sie auf die Beendigung der herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen abzielen und sich somit, ganz natürlich, diejenigen davon abgestoßen fühlen, die in der derzeitigen Lage einen Vorteil von dem Gesellschaftssystem haben (Vgl. Horkheimer 1937: S.271). Jene könnten der ‚kritischen Theorie’ vorwerfen, dass sie bisher keine „…materielle Leistung…“ (Horkheimer 1937: S.272) vorweisen könne. Dieser Umstand sei aber der Konzeption der Theorie geschuldet, die keine Teilerfolge möglich mache. So sei ein Ergebnis, das durch den Einfluss einer kritischen Gruppe auf einen Politiker, erreicht wurde, kein wirkliches Ergebnis im Sinne der ‚kritischen Theorie’, da ihr Ziel die vollständige Änderung der gesellschaftlichen Zustände sei. Ein Solches Ergebnis, wäre nur, mit Marx gesprochen „Opium des Volkes“, eine kleine Abänderung des Systems, durch die das System aber an sich erhalten bliebe. Das Ziel müsse aber die vollständige Veränderung des Systems sein (Vgl. Horkheimer 1937: S.271ff). Die ‚traditionelle Theorie’ bilde allgemeine Begriffe, unter die dann alle vorzufindenden Dinge eines Gebiets der Wissenschaft fallen. Bei dieser Denkweise ergebe sich aber, dass es innerhalb dieser keine Zeitlichkeit in den geschauten Tatsachen gebe. Eine Veränderung sei nur auf der Seite des Erkennens möglich, die Dinge bleiben gleich. Anders im Positivismus, bei dem nichts gleich bleibe und sich alle Dinge grundlegend ändern (Vgl. Horkheimer 1937: S.276f). Auch die ‚kritische Theorie’ beginne mit einer abstrakten Bestimmung, allerdings reiche sie weiter, als
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Arbeit zitieren:
Martin Böse, 2010, Ist heute ein kritisches Denken noch nötig?, München, GRIN Verlag GmbH
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