1
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Analyse 3
2.1 Situationsanalyse 3
2.2 Kontextanalyse 4
2.3 Gattungsanalyse 7
2.4 Traditionsanalyse 9
3 Auslegung und Interpretation 10
4 Literaturverzeichnis 14
5 Erklärung
2
1 Einleitung
____________________________________________________________________________________________
„(…) der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus
Lydia, die gottesfürchtige Purpurhändlerin wird zur ersten paulinischen Christin in Europa. Eine Frau, der Gott das Herz öffnet und die der Worte des Paulus aufmerksam lauscht, sie versteht und sie glaubt. Aus diesem Glauben heraus empfängt sie die Taufe und sie weiß, dass sie gebraucht wird, deshalb lädt sie die Apostel in ihr Haus ein und bittet, ja nötigt sie zu bleiben. Diese Frau mit Herz, Verstand und Willensstärke ist Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit. Dabei soll zunächst anhand exegetischer Analyseschritte die Entstehungssituation der Apostelgeschichte näher betrachtet werden. Da Apg 16,11-15 nur einen kleinen Teil der Apostelgeschichte darstellt, ist weiterhin der Kontext dieses Abschnittes innerhalb des lukanischen Gesamtwerks von Bedeutung. Anschließend wird ein Blick auf die Gattung der Apostelgeschichte geworfen, um darauf folgend die Quellenfrage von Apg 16,11-15 innerhalb der Traditionsanalyse zu klären. Das letzte große Kapitel beschäftigt sich mit der Auslegung und Interpretation des zu behandelnden Abschnittes der Apostelgeschichte und fasst damit die gewonnenen Erkenntnisse zusammen.
1 Illustrierte Hausbibel in der Einheitsübersetzung, Gesamtausgabe, Kath. Bibelanstalt GmbH, Stuttgart 1980.
3
2 Analyse
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2.1 Situationsanalyse
„Sowohl die Widmung in Lk 1,3 und ihre Wiederaufnahme in Apg 1,1 als auch die großen sprachlichen und theologischen Übereinstimmungen und Bezüge zwischen dem Lukasevangelium und der Apostelgeschichte deuten darauf hin, dass beide Werke vom gleichen Verfasser stammen und als kompositorische wie theologische Einheit zu begreifen sind.“ 2 In beiden Werken wird der Name des Verfassers nicht genannt und „die bis ins 2 Jh. hinaufreichende altkirchliche Tradition identifiziert ihn mit dem zeitweiligen Paulusbegleiter Lukas, der in Phlm 24 und 2 Tim 4,11 erwähnt und in Kol 4,14 als Arzt vorgestellt wird.“ 3 Diese Annahme ist nach genauerer Überprüfung der Texte selbst und einem kritischen Vergleich zwischen der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen recht unwahrscheinlich, da dem Verfasser an zentralen Punkten Fehler in der Paulusbiographie unterlaufen, er keine Kenntnisse von den Paulusbriefen zeigt sowie als Paulusschüler von der paulinischen Theologie so gut wie nichts mit aufgenommen hat. Ebenfalls ist sein Paulusbild tendenziös. 4 „Alles im allem scheint dem Acta-Vf Lukas die ‚Paulus - Kenntnis (...) ausschließlich durch seine Quellen und die mündliche Paulus - Tradition zugekommen zu sein.’“ 5
Demnach ist er kein Augenzeuge des im Evangelium berichteten irdischen Wirkens Jesu oder ein Zeitgenosse der in der Apostelgeschichte dargestellten Zeit der Urkirche, sondern wahrscheinlich ein Angehöriger der dritten Christengeneration, dessen Sprache, Stil und Art der Darstellung ihn als einen gebildeten Griechen und die theologischen Vorstellungen ihn als Heidenchristen ausweisen. 6 „Wir wollen ihn aufgrund der Tradition weiterhin Lukas nennen.“ 7
Die Apostelgeschichte ist später als das Lukasevangelium verfasst, da Lukas in Apg 1,1 auf das Evangelium zurückweist. 8
2 Schnelle, Udo: Einleitung in das Neue Testament, Göttingen 2002, S. 306.
3 Zmijewski, Josef: Die Apostelgeschichte (RNT), Regensburg 1994, S. 13.
4 Vgl. ebd. S. 13.
5 Ebd. S. 13-14.
6 Vgl. ebd. S. 14.
7 Ebd. S, 14.
8 Vgl. Jervell, Jacob: Die Apostelgeschichte (KEK) Bd. 3, Göttingen 1998, S. 85.
4
Ähnlich wie im Lukasevangelium spiegeln sich auch in der Apostelgeschichte die Probleme der dritten urchristlichen Generation wider (vgl. Apg 20,18 - 35). „Die Vorstellung einer dritten Generation, die sich in bewusster Kontinuität zu den Anfängen sieht und dadurch ihren Ort in der Gegenwart bestimmt, ist auch in den Pastoralbriefen vorausgesetzt und in I Klem 42 entfaltet.“ 9 Dieser Hinweis ordnet die Apostelgeschichte in die Zeit des ausgehenden ersten christlichen Jahrhunderts ein. Für das Lukasevangelium ergab sich eine Datierung um 70 n. Chr. 10 Es ist ein gewisser zeitlicher Abstand zwischen Evangelium und Apostelgeschichte vorauszusetzen, da es eine klare theologische Differenzierung zwischen diesen beiden Werken gibt, ebenso sprachliche Unterschiede, die auf eine Entwicklung hinweisen, und der zeitliche Aufwand einer Abfassung in der damaligen Zeit bedacht werden muss. Somit ergibt sich der Zeitraum für die Abfassung der Apostelgeschichte zwischen 80 - 90 n. Chr. 11
Der Ort der Abfassung lässt sich heute nicht mehr genau ausmachen. Die Kenntnisse des Verfassers im geographischen Raum der Ägäis sind besonders genau 12 und die Arbeit des Paulus spielt sich auch im westlichen Raum der Ägäis ab, doch der heilsgeschichtliche Plan Gottes führte ihn nach Europa. „Nun müssen sich Ägäis und Rom nicht ausschließen: Der Verfasser kann beispielsweise in der Ägäis aufgewachsen und später nach Rom gekommen sein.“ 13
2.2 Kontextanalyse
Am Anfang der Apostelgeschichte in [V.] 1,8 beschreibt Lukas das Programm der gesamten Darstellung: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ Der theologische Aspekt der Ausbreitung des Evangeliums unter Lenkung des Heiligen Geistes wird in einer geographischen Perspektive dargestellt. 14 Die Apostelgeschichte beschreibt die Erfüllung dieses Auftrags Jesu durch seine Zeugen, die Apostel. 15 Die
9 Schnelle, Udo: Einleitung,, S. 306.
10 Vgl. Jervell, J.: Die Apostelgeschichte, S. 86.
11 Vgl. ebd. s. 86.
12 Vgl. Conzelmann, Hans/Lindemann, Andreas, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen, 2004, S. 360.
13 Schnelle, U.: Einleitung, S. 307.
14 Vgl. Schnelle, U.: Einleitung, S. 308.
15 Vgl. ebd. S. 319.
Arbeit zitieren:
Denise Thoben, 2009, Lydia, die erste paulinische Christin Europas, München, GRIN Verlag GmbH
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