Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1. Das Zweikaiserproblem 4
1.1 Die Anfänge der Imperien 4
1.2 Die wechselseitige Beeinflussung der Kanzleien. 4
1.3 Die Basileusbriefe 6
1.3.1 Konrad III. an Johannes Komnenos DK III 39 6
1.3.2 Konrad III. an Johannes II. Komnenos DK III 69 7
1.3.3 Konrad III. an Manuel I. Komnenos DDK. III. 126 9
1.4 Byzanz: Bruder oder Tochter des Reiches? 10
2. Begriffe, ihre Verwendung und Bedeutung. 11
2.1 Der Herrschertitel. 11
2.2 Das Siegel Konrads III 13
3. Resümee 14
Literaturverzeichnis 16
Quellen : 16
Darstellungen : 16
2
Einleitung
In der folgenden Arbeit werde ich mich mit dem Selbstverständnis des Stauferkönigs Konrad III. beschäftigen. In der modernen Geschichtsschreibung und auch von Kritikern seiner Zeit lange als „Pfaffenkönig“ und Unglücksrabe des Staufergeschlechts abgewertet, trat Konrad III. samt seinen Taten lange in den Hintergrund. Von seinen Zeitgenossen wurden ihm Mangel an Glück, von der späteren Forschung die Unfähigkeit zu herrschen und wenig Talent bei der Kriegsführung unterstellt. Seit 1945 änderte sich der Blick auf Konrads Herrscherqualitäten. Unter anderem durch die Publikationen Friedrich Hausmanns kam die moderne Forschung weitgehend einhellig zu dem Ergebnis, dass Konrads Politik durchaus weitblickend und förderlich für den Aufstieg des Staufergeschlechts war. 1 Trotzdem ist der Umfang der Fachliteratur zu seinem Nachfolger Friedrich I. Barbarossa schwer überschaubar, während sich eine begrenzte Zahl an Studien mit dem ersten Staufer befassen.
Aufgrund der divergierenden Forschungsmeinungen ist es umso interessanter zu untersuchen, wie Konrad sich selbst wahrnahm. In meiner Ausführung möchte ich darum vor allem diesen Aspekt bearbeiten. Sein Selbstverständnis scheint mir für die Forschung genauso von Bedeutung zu sein wie die Fragestellung, ob er ein guter oder schlechter König war und woran das zu messen und aus heutiger Sicht zu beurteilen ist.
An Quellen bleiben für diesen Zusammenhang in der Hauptsache seine Briefe. Der Wechsel in der Anlage der Urkunden seiner Kanzlei im Laufe der Amtszeit Konrads (1138-1152) lässt sich mit den politischen Ereignissen der Zeit in Verbindung bringen. Besonders gut ist dies an den Herrschaftsbeziehungen und am Vokabular im Briefwechsel mit den Basileis Iohannes II. Komnenos und dessen Sohn Manuel I. Komnenos zu beobachten.
1 Siehe zur modernen Forschungsmeinung vor allem: F. Hausmann: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich, Wien 1969 und W. Ziegler: König Konrad III. (1138-1152): Hof, Urkunden und Politik, Wien 2008.
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1. Das Zweikaiserproblem
1.1 Die Anfänge der Imperien
Um nun dem Selbstverständnis Konrads auf den Grund gehen zu können, muss erst einmal die Ausgangsposition für die Herrschaftslegitimation, nämlich die Entstehung der beiden von Rom ausgehenden Kaiserreiche beleuchtet werden. Mit Julius Caesar, spätestens jedoch mit der Erhebung Oktavians zum Augustus 27 v. Chr., begann die Prinzipatszeit im antiken Rom. Jahrhunderte später, nachdem das Imperium bereits gelegentlich durch parallel regierende Kaiser, die miteinander in Interessenkonflikte gekommen waren, in verschiedene Herrschaftsbereiche aufgeteilt worden war, entstanden 395 n. Chr. mit der Reichsteilung offiziell zwei Imperien: das Ost- und das Westreich. Beide Reiche wurden von Söhnen des verstorbenen römischen Kaisers Theodosius I. regiert.
Beide mittelalterlichen Kaiser leiteten ihren Herrschaftsanspruch aus der römischen Kaisertradition ab. Da sie sich ebenfalls beide mit voller Überzeugung als römische Kaiser bezeichneten, kam es zu unvermeidbaren Konflikten, die nicht selten in Form von rhetorischen Wendungen Einzug in den Briefwechsel fanden. Auch die Griechen bezeichneten sich im Mittelalter selbst als Römer. Die Tatsache, dass es nur einen Kaiser der Römer geben könne, schwingt immer im Unterton der Herrscher mit. Einen offenen Streit zwischen den beiden Kaisern dürften die gegenseitigen politischen Interessen verhindert haben. Unter Friedrich I. kam es seitens der Kanzleien allerdings schon zu deutlicherer Kritik.
1.2 Die wechselseitige Beeinflussung der Kanzleien
Dass sich die Herrscherkanzleien in Orient und Okzident gegenseitig beeinflussten, ergründete bereits Werner Ohnsorge 1932. 2 Obwohl die Kanzlei des Basileus Johannes bürokratisch weiter entwickelt war als die Konrads,
2 Siehe dazu Ohnsorge, "Kaiser" Konrad III. (MÖIG 46), S. 343-360.
4
übernahm sie doch einige Formalia der deutschen Kanzlei oder überdachte zumindest ihre Wortwahl im Abgleich mit der des Staufers. Aber auch die staufische Kanzlei hatte ihre Anfangsschwierigkeiten, als 1139 die Gesandtschaft Johannes' in Deutschland eintraf. Man war nicht auf den Verkehr mit dem Kaiser eines Weltreiches eingestellt, der seine Briefe in Griechisch mit lateinischer Übersetzung abzufassen pflegte. Zudem stellte sich für Konrad die Frage, wie er ihm gegenübertreten sollte. Zum König gekrönt, was jedoch immer noch nicht von allen ranghohen Mitgliedern der fränkischen Regierugsschicht gebilligt war, hatte er die Kaiserwürde noch nicht empfangen. Eigentlich war er also dem Basileus im Rang nicht gleichgestellt, geschweige denn überlegen. Seine Urkundensprache aber zeigt uns, dass er sich dazu entschied, seine Position von Anfang an uneingeschränkt und keineswegs unterlegen darzustellen. In DDK. III. 69 bezeichnet er sich in der Intitulatio als dei gratia Romanorum imperator augustus, während er Johannes die Würde des Constantinopolitano imperatori zubilligt. Konrad erhebt sich selbst zum gleichwertigen Imperator und setzt sich mit dem Attribut Romanorum, wie oben zum Zweikaiserproblem angesprochen, in eine erhöhte Position. Wie Ohnsorge erläutert, waren die Titel imperator und basileus in der Mitte des 12. Jahrhunderts weitgehend austauschbar, wobei dem imperator gegenüber dem rex mehr Würde innelag.3 Derselbe weist jedoch auch eindringlich darauf hin, dass, wenn in DDK. III. 126 eine weitere Abminderung der Anrede des Basileus, nun Johannes' Sohnes Manuel, als rex Grecorum stattfindet, dies nicht unbedingt beleidigend aufgefasst wurde. Was der byzantinische Kaiser nicht hinnehmen konnte, war, dass Konrad das Attribut Romanorum für sich beanspruchte. Denn es war ein gewichtiges Wort, das beiden Kaisern zur Legitimation ihrer Herrschaft elementar war und das beide nur für sich selbst gelten lassen konnten.
3 Erläutert in: "Kaiser" Konrad III. (MÖIG 46), S. 350.
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1.3 Die Basileusbriefe
Konrad bemühte sich, die Kanzlei so zu führen, wie es der Salier Heinrich V. getan hatte, denn er betrachtete sich als Erbe der salischen Tradition. 4 Konrads Mutter, Agnes von Waiblingen, war die Tochter Heinrichs IV. Seine Kanzlei verwendete dieselben Formularbehelfe, die unter Heinrichs Regentschaft zusammengestellt worden waren. 5
Der wichtigste Vertreter in der konradschen Kanzlei war Wibald von Stablo, der selbst in Briefkontakt mit dem byzantinischen Kaiser stand und mit diesem gut bekannt war. Auch war er bemüht, sich am deutschen Hofe für die Interessen des Papstes einzusetzen. In seinen Briefen an andere Geistliche rühmt er sich oft, Konrad in die „richtige“ Richtung beeinflusst zu haben (quasi jene, die im Interesse der Kirche war). Ob das den Tatsachen entspricht, lässt sich nicht prüfen. Im Verhältnis mit Byzanz aber wurde er durch die neuen Sitten und Umgangsformen, mit denen er sich auseinandersetzen musste, geprägt, was auch Einfluss auf die staufische Kanzlei nahm. Anhand der Formulierungen und der bewusst gewählten Wendungen in den Briefen an den Basileus lässt sich Konrads Selbstverständnis am ehesten beobachten.
1.3.1 Konrad III. an Johannes Komnenos [DK III 39]
In dem hier erkennbaren Verhältnis der beiden Weltherrscher, das so sehr mit Spannungen und Geltungsbedürfnis geladen ist, kommt Konrads wahrer Ehrgeiz zum Ausdruck. Betrachten wir den ersten Brief an Johannes 6 , der uns nur insofern inhaltlich überliefert ist, als darauf in D 69 und 126 Bezug genommen wird. Mit dem auf Ende 1139/Anfang 1140 datierten Dokument beglaubigt Konrad seine Gesandten und bittet gleichzeitig um die Einflussnahme Johannes' bei den Ruthenen, die deutsche Händler auf den Handelsrouten überfallen.
4 Friedrich Hausmann, Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich (S. XX).
5 Hausmann, Urkunden, S. XXX.
6 Johannes II. Komnenos von Konstantinopel, byzantinischer Kaiser (1118-1143).
6
Schon Konrads Vorgänger Lothar verfolgte eine Bündnispolitik mit dem Basileus gegen den Normannenherrscher Roger II., der Sizilien besetzt hielt. Es lag in Johannes' Interesse, dieses Bündnis gegen die Normannen mit Konrad zu erneuern. Konrad zeigt sich ebenfalls geneigt zu einem solchen Bündnis. Leider ist der Wortlaut des Briefes nirgendwo überliefert. Die verwendeten Begriffe in dieser frühen Zeit Konrads wären interessant gewesen. Der zweite, überlieferte Brief bietet dazu mehr.
1.3.2 Konrad III. an Johannes II. Komnenos [DK III 69]
Dieses Schreiben ist uns in den Gesta Friderici imperatoris des Otto von Freising überliefert. Da es vollständig erhalten ist, kann das Ausstellungsdatum auf den 12. Februar 1142 gelegt werden. 7 Aufgesetzt wurde es vermutlich von Kapellan Albert, der wohl auch schon DK III 39 verfasst oder sogar mit ausgeliefert hatte. 8 Nach dem ersten Kreuzzug trug er bis zum Tod des Königs die Hauptlast des Kanzleigeschäfts. 9 Inhaltlich beteuert Konrad gegenüber Johannes den Beistand gegen Roger, teilt mit, dass der Papst, dem das aufständische Volk in Rom zu schaffen macht, seine Unterstützung in Italien wünsche, fordert, wie schon 1140, Unterstützung gegen die Ruthenen und bittet für die in Konstantinopel angesiedelten Deutschen um die Erlaubnis, dort eine Kirche errichten zu dürfen. Weiterhin fürchtete er wohl, dass die Gesandten des Basileus einen schlechten Eindruck des Zustands im Reich mit nach Griechenland genommen hatten, weshalb er beteuert, dass nach deren Abreise der Friede wieder ins Reich eingekehrt sei. Betrachtet man allerdings die weiteren innenpolitischen Entwicklungen, kann das nicht ganz der Wahrheit entsprochen haben. Für Konrad war es wichtig, den Eindruck eines soliden Herrschers zu machen, der sein Reich fest im Griff hat. Alles andere wäre blamabel gewesen und hätte die Ausführungen über seine große Macht in den Briefen als lächerlich dastehen lassen.
7 Franz-Josef Schmale gibt an, dass der Monat im Original sehr schlecht zu lesen ist und dass die Größe des Reichstages und die Errungenschaften, die Konrad beschreibt, eher zum Reichstag in Frankfurt am 3. Mai 1142 passen würden (Gesta Frederici, S. 173, Anm. 66).
8 „[...]Recordari quoque debet tua discretio, quod nos in litteris prioribus per prefatum capellanum nostrum [Albertus] tuae nobilitati presentatis [...]“ (aus: DK III 69).
9 Friedrich Hausmann, Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich (S. XXIV).
7
Auch die geplante Vermählung Berthas von Sulzbach 10 mit Johannes' Sohn Manuel I. findet ausführliche Erwähnung. Die Ehe sollte das Bündnis zwischen den Reichen auf familiärer Ebene festigen.
Es würde den Umfang dieser Arbeit sprengen, alle Stellen zu zitieren, an denen Konrad übertreibt, um seine Macht größer aussehen zu lassen. Hier jedoch ein Beispiel, in dem Konrad schreibt, dass der Papst und eigentlich doch sogar ganz Italien sein Eintreffen täglich herbeisehnen und ergeben darauf hoffen, dass er ihnen mit seiner kaiserlichen Macht zu Hilfe kommt: Nolumus etiam latere discretionis tue prudentiam, quod domnus papa totaque Apulia, Italia et Longobardia de die in diem adventum nostrum desiderant et, ut nostra eis imperiali subveniamus potentia, cum omni devotione expostulant. 11 Der Gebrauch von desiderare und devotio dürfte, vor allem auf die Bevölkerung Italiens bezogen, eine Wunschvorstellung Konrads sein.
Etwas weiter oben spielt er auf sich als rex pacificus 12 an, indem er beschreibt, wie er nach besagtem Reichstage die an sein Reich angrenzenden Länder (er nennt Frankreich, Spanien, England und Dänemark) in seiner Gnade ins Reich aufgenommen und so allen Teilen des Reiches überströmenden Frieden 13 geschenkt habe. Darauf erwähnt er, dass der Bischof Embrico von Würzburg (principem Embriconem venerabilem Herbipolensem episcopum, amicum tuum), nach Rom gereist sei und die Ansichten des Papstes zu dem Vertrag mit den Griechen eingeholt habe. 14 Die offene Politik, die Konrad betreibt, ist ihm nach heutigen Maßstäben positiv anzurechnen. Er lässt sich nicht in die Ecke drängen und bleibt seinen Verbündeten gegenüber, sofern ihm dies möglich ist, loyal.
10 Die Schwägerin Konrads III. und später Kaiserin Irene von Byzanz.
11 Zitiert nach Hausmann, DK III 69.
12 Bei Voelker, Konrad III., sind die augustinischen Herrscherkriterien, mit denen Otto und andere wichtige Personen seiner Zeit maßen, ausführlich erläutert. Der rex pacificus stellt eines der mittelalterlichen Königsideale dar.
13 Übersetzung nach Adolf Schmidt (in: Gesta Frederici).
14 Hierzu ist anzumerken, dass der Papst großes Interesse hatte, genau über die Vorgänge unterrichtet zu werden, da Roger Sizilien von ihm quasi als Lehen erhalten hatte. Wenn beide Kaiser gemeinsam gegen Roger gekämpft hätten, wäre die Aussicht auf die Einnahme hoch gewesen. Der Papst wollte aber verhindern, dass die Byzantiner wieder in Italien Fuß fassen könnten, während der byzantinische Kaiser nicht nur die Gefahr Rogers ausschalten wollte, sondern auch durchaus die Regierung von Teilen Italiens anstrebte. Da Roger des Öfteren versuchte, Konrad und den Papst auf seine Seite zu ziehen, mussten die Verhandlungen, wollte Konrad weder Innozenz noch Johannes beleidigen, offen ablaufen. Deshalb schickt Konrad Embrico, einen Freund Johannes', nach Rom.
8
1.3.3 Konrad III. an Manuel I. Komnenos [DDK. III. 126]
Der auf den April 1145 datierte Brief liefert weitere Informationen zum Selbstverständnis des Stauferkönigs. Nachdem 1143 Basileus Johannes gestorben war, galten alle bisherigen Bemühungen nichts mehr. Da Vertragsinhalte im Mittelalter von Personen getragen und nicht auf Ämter bezogen wurden, musste nun Johannes' Sohn Manuel entscheiden, inwieweit er selbst an dem Bündnis interessiert war, das sein Vater für ihn vorgesehen hatte. Für Konrad war das eine etwas prekäre Situation, da Bertha von Sulzbach bereits 1143 in der Aussicht auf baldige Vermählung von den griechischen Gesandten nach Konstantinopel geholt worden war. Wäre sie von Manuel als Braut abgewiesen worden, so wäre das für Konrad eine Schmach gewesen. Manuel aber bekräftigte nicht sofort die von seinem Vater beschlossene Vermählung mit Bertha, sondern ließ sich sogar auf Verhandlungen mit Roger II. ein, die er aufgrund der unannehmbaren Bedingungen jedoch bald abbrach. In diesem Brief, inzwischen waren zwei Jahre seit dem Regierungsantritt Manuels vergangen, werden die Vertragsbedingungen für das deutsch-byzantinische Bündnis und die Heirat (die wohl am ehesten als politisches Bekräftigungsmittel verstanden wurde) näher festgelegt. Da Konrad seine Schwägerin noch adoptiert hatte, bevor sie abgereist war, wurde er direkt verantwortlich für ihre Mitgift. Konrad zeigte sich bereit, Manuel I. als seinen Verbündeten mit aller Macht gegen dessen Feinde zu unterstützen (...et amici amicorum tuorum et inimici simus inimicorum tuorum), fordert aber dasselbe Versprechen im Gegenzug auch für sein Reich ein. Erst mit der Bestätigung Manuels, dass die Bedingungen akzeptiert werden, wird der Vertrag zwischen den beiden Herrschern gültig. Während Friedrich Hausmann annimmt, dass die Vertragsbedingungen in Konstantinopel „keine Billigung fanden“, entwickelt Hanna Vollrath 15 eine überzeugende Herleitung, die schlüssig macht, dass Manuel die Bedingungen akzeptierte.
15 Vollrath, Konrad III. und Byzanz in AKG 59, S.336.
9
Des Weiteren spricht Konrad wiederum die Ruthenen an und bemüht sich zu betonen, dass ein Vorgehen gegen sie nicht sein alleiniger Wunsch sei. 16 Außerdem weist er auf die besondere Aufrichtigkeit seiner Gesandten 17 hin, die wohl mündlich Zusatzinformationen mitnahmen, damit diese nicht in die falschen Hände gelangen konnten. Über deren Inhalt ist uns nichts überliefert. Auch ein schriftlicher Vertrag zwischen den Herrschern ist nicht erhalten. An einer anderen Stelle antwortet Konrad auf Manuels Wunsch nach quingentis militibus. Statt 500 will er ihm zwei- oder dreitausend Soldaten schicken und bietet sogar an, in eigener Person mit dem Reichsheer anzurücken. Er zeigt Eifer, seinem neu gewonnenen Verbündeten seine Treue zu beweisen. Neben einem Aufrichtigkeits- und Großzügigkeitsbeweis kann darin auch eine Machtdemonstration gesehen werden. Schließlich ist Konrad kein Reichsfürst, sondern ein ganzes Reichsheer steht hinter ihm, das er nach Gutdünken einsetzen kann.
1.4 Byzanz: Bruder oder Tochter des Reiches?
Im Brief von 1142 (DK III 69) findet sich eine interessante und zugleich provokante Stelle zur Rolle, die der deutsche König Byzanz zubilligt. Byzanz wird dort die Tochter des Mutterreiches, des Westreiches, genannt. Geradezu arrogant wirkt es, als Konrad unterstellt, er habe aus Johannes' Brief gelesen, dass die Tochter (Byzanz) will, was der Mutter gebührt, nämlich daß die mütterliche Autorität vorangeht mit Rat und Hilfe und daß die töchterliche Liebe antwortet mit Hochachtung und Ehrung. 18 Der Basileus Johannes hingegen stellt sich die Hierarchie etwas anders vor. Im Prinzip sieht er Byzanz als das traditionsreichere und damit das wahre Mutterreich an. Eine Gleichstellung kann er zeitweise akzeptieren, aber eine Unterordnung ist und bleibt undenkbar. Der Staufer stellt den Schutz in Form der Unterstützung gegen
16 „[...] ille noster precordialis Wirziburgensis episcopus et caeteri familiares nostri voluntatem nostram tibi referent, [...]“ (DDK. III. 126).
17 Aufgeführt werden Alexander von Gravina und der Kapellan Albert.
18 Übersetzung v. Adolf Schmidt. Im Ganzen: „[...]; propter quod hereditatem, que a matre debetur filie, constituimus eternamque volumus, et eo amplius, quod que matri debetur, filiam velle cernimus, scilicet ut auctoritas materna precinat consilio, auxilio respondeat autem gloria et honor filiastina dilecto.“
10
Roger, den er Johannes zubilligt, als des Reiches mütterliche Liebe für Byzanz dar. Dies ist eine rhetorisch geschickte Wendung, denn so konnte der Grieche nicht offen und direkt an dem von Konrad festgesetzten Rollenpaar rütteln, wenn er die Früchte der mütterlichen Liebe nicht gefährden wollte. In seinem Antwortbrief hält er sich zurück und spricht nur von brüderlicher Liebe. Von einem „hochachtungsvollen Aufsehen“ zum Westreich kann aber, von den Höflichkeitsformeln zu Beginn abgesehen, keine Rede sein.
2. Begriffe, ihre Verwendung und Bedeutung
Im Folgenden werde ich keine Entschlüsselung bieten können, aber dennoch versuchen, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln das Verhältnis der beiden Kaiser und ihr Selbstverständnis, beruhend auf der Briefkommunikation und den darin auftretenden Begriffsstreitigkeit, abzuleiten. Genau zu klären, wie diese Begriffe in den verschiedenen Phasen des Mittelalters von den jeweiligen Menschen rezipiert worden sind, würde mehr Erfahrung und einen tieferen Einblick in die Quellen zur Stauferzeit erfordern.
2.1 Der Herrschertitel
Der Begriff des imperators, des Gebieters über das Imperium, leitet sich von dem Verb imperare (beherrschen, befehlen) ab und drückt ursprünglich militärische Macht aus. Konrad III. verwendete diesen Begriff, der auch im Mittelalter noch einem Kaiser als Würde zustand und auch mit 'Kaiser' übertragen werden kann, obwohl er nie zum Kaiser gekrönt wurde. Wo die Verwendung gegenüber dem Papst mit superbia oder schlichter Nichtachtung (schließlich wurde der weströmische Kaiser noch vom Papst zum Kaiser gekrönt) gedeutet worden wäre, verwendete die Kanzlei den Titel in Schreiben an Konrad selbst, in Briefen an Byzanz oder auch im Verkehr mit den Konrad unterstehenden nordischen Staaten. 19 Wie bereits im Abschnitt 1.2 zum Austausch der Hofkanzleien erläutert, war es im weltlichen Briefverkehr nicht
19 Siehe auch Werner Ohnsorge, „Kaiser“ Konrad III., in: MÖIG 46 (1932), S. 344.
11
von entscheidender Bedeutung, ob nun rex oder imperator verwendet wurde. Die Byzantiner störte das Romanorum imperator der Kaisertradition. Die anderen europäischen Herrscher dürften den Titel als etwas hochgegriffen, aber nicht weiter kränkend oder unakzeptabel empfunden haben. Konrad III. führte in seinen offiziellen Dokumenten die Titel rex romanorum, imperator und augustus. Der Ehrentitel augustus war auch im Mittelalter noch dem gekrönten Kaiser vorbehalten. Seit Ende 1148 verwendet Konrad ihn jedoch regelmäßig in seinen Intitulationen. 20
Wie schon Bernhardi bemerkte, konnte nach Konrads Auffassung nur derjenige Romanorum imperator sein, der vom Papst dazu durch Krönung legitimiert war. 21 In seinem Selbstverständnis war es für den deutschen König keine Frage, dass ihm früher oder später diese Ehre zuteil werden würde. Wahrscheinlich wäre es nach einem Romzug 1152 wirklich dazu gekommen, doch Konrad verstarb, bevor jener richtig begonnen werden konnte. Vorher, auch wenn die Bitten des Papstes um Hilfe gegen die Aufständischen schon früh einsetzten, war er durch die Fehden im Reich und später durch den Kreuzzug abgelenkt. Dass er den Titel jedoch trotzdem verwendete, zeigt, dass er sich selbst als Kaiser mit kaiserlicher Macht sah. Nur die entscheidende Formalität der Krönung fehlte. Für Konrad scheint sie nebensächlich gewesen zu sein. Die Herrscher, die ihm vorangingen waren alle zum Kaiser gekrönt worden. Er eilte nicht der Kaiserkrone nach, sondern pflegte zum Ausgleich in seinen Briefen vielmehr, seinen Macht- und Einflussbereich übertrieben groß darzustellen. 22 In seinem Selbstverständnis brauchte er also nicht die Legitimation des Papstes, um im weltlich-politischen Verkehr mit anderen Staaten als kaisergleich wahrgenommen zu werden. Dazu ist zu sagen, dass seine Herrscherautorität, insbesondere in der Zeit kurz nach seiner Krönung, auf die Unterstützung der Kurie angewiesen war, so dass er sich nicht zu sehr erdreisten durfte, um den Papst nicht zu kränken. Denn dieser beharrte auf seinem grundsätzlichen Recht, den Kaiser selbst krönen zu können. Trotzdem
20 Bühlau, Königshaus und Fürsten (ZGO 137), S.78.
21 Ohnsorge, „Kaiser“ Konrad III., S. 352.
22 Vgl. dazu die Zitate aus DK III 69, bzw. das gesamte Dokument bei Otto v. Freising.
12
nutzte Konrad die ihm möglichen Mittel, um seine Würde zu erhöhen, obwohl er sich damit die Kritik einiger der ihn unterstützenden Fürsten einhandelte. 23
2.2 Das Siegel Konrads III
Dieses Majestätssiegel Konrads trägt die Umschrift:
[+ CVONRADUS о D[E]I GRA[TIA] о ROMANORUM о REX о II о], zu Deutsch: „Konrad II., von Gottes Gnaden König der Römer“. Dass er sich als zweiten König dieses Namens bezeichnet, behält er während seiner gesamten Amtszeit bei. Zwei Ausnahmen sind durch den zeitlichen Abstand der erhaltenen Abschriften zu erklären. 24 Odilo Engels schlussfolgert in einer Studie, dass aus Konrads Verwendung der Ordnungszahl II geschlossen
23 Vgl. Bühler: Königshaus, S. 86.
24 Bühler, Königshaus, S.85f.
13
werden kann, dass er sich bereits zum Zeitpunkt seiner Krönung in die Nachfolge der Kaiser stellte. Zudem habe er so seine Abstammung aus dem Saliergeschlecht betonen wollen. 25 Hausmann dagegen legt zugrunde, dass Konrads I. unter Konrad III. die Würde des römischen Königs nicht zuerkannt worden sei.26 Es würde zur Vorgehensweise des Staufers passen, wenn er von seiner Krönung an die Ordnungszahl seines Namens an die Kaiserreihenfolge angepasst hätte.
Seit Otto III. war die Darstellung des Königs oder Kaisers auf dem Thron üblich (Thronsiegel). Auch Heinrich IV. und V. ließen sich so darstellen. Nicht nur die Urkunde an sich, sondern auch das Siegel hatte seit jeher Repräsentationscharakter. Konrad III. hält auf seiner Siegeldarstellung die Reichsinsignien in den Händen, die sich zum Zeitpunkt seiner Krönung noch in welfischen Händen befanden. Die Rückenlehne des Throns, auf dem er sitzt, ist verziert mit einem Rautenmuster und Kreisen. Das Podest besteht aus zwei Etagen mit romanischen Bögen. Die kunsthistorische Deutung dazu wäre interessant. Die Säulenbögen könnten als Rückbezug auf Rom verstanden werden oder auch für die Festigkeit der Herrschaft stehen.
3. Resümee
Konrad hielt an den einmal gefassten Grundlinien seiner Politik fest und ließ sich nicht von dem Bündnis zwischen Frankreich, dem Papst und Roger II. erschüttern. Er blieb in seinen Ansichten dem byzantinischen Basileus treu. Von der Ausführung seiner Versprechen hielten ihn jedoch der Kreuzzug, seine Krankheit sowie die andauernden Reichsfehden ab.
In politischen Angelegenheiten war er durchaus geschickt. Nie zweifelte er öffentlich an seiner Macht und seinem Einfluss. Auch, wenn ihm das Glück oftmals nicht hold war (seine lange Krankheit, der aus unterschiedlichen Gründen gescheiterte Kreuzzug von 1149, die starke welfische Gegenpartei etc.), herrschte er doch mit Bedacht nach dem Vorbild der ihm
25 Odilo Engels, Beiträge, DA 27 (1971), S. 390-391. 26 Friedrich Hausmann, wie Anm. 4, S. XXIX.
14
vorangegangenen Kaiser. 27 Generell stellte er sich in die Tradition der Kaiser, speziell der Salier, und muss sich als eine Art 'stellvertretenden' Kaiser des Westreiches gesehen haben, dessen Kaiserkrönung eher als eine Formalität anzusehen und deshalb machtpolitisch nicht unbedingt notwendig war. Da Konrad sich als Vertreter Christi auf Erden verstand und stets bemüht war, sich von der Unterstützung des Papstes möglichst unabhängig zu machen, ist die Bezeichnung „Pfaffenkaiser“ höchst unpassend. Sie könnte höchstens auf die Wahl Konrads zum deutschen König bezogen werden. Denn ohne die Unterstützung der Kurie bei der ohnehin nicht ganz rechtmäßigen Wahl, wäre er höchstwahrscheinlich nicht König geworden.
Vor allem aber auch durch die Verhandlungen mit Byzanz gelang es Konrad, ein Gegengewicht aufzubauen, das den Papst von ihm abhängig machte. Dabei war Feingefühl gefragt, denn sowohl Johannes als auch der Papst beobachteten genau seine Tritte und wollten über die Verhandlungen Konrads genau unterrichtet sein, damit ihre Interessen nicht benachteiligt würden. Aus den hier nun aufgeführten Beobachtungen folgere ich, dass Konrad sich, auch schon in der Zeit seines Gegenkönigtums ab 1127, als rechtmäßigen König und auch Kaiser sah. Mit seiner salischen Abstammung von Heinrich IV. war das auch nicht abwegig. Da das Kurfürstentum noch nicht vollends umzusetzen war, spielte im 12. Jahrhundert der frühmittelalterliche Gedanke der stirps regia, immer noch eine große Rolle zur Legitimation der Königsanwärter.
Während seiner gesamten Herrschaftszeit litt Konrad unter den kontinuierlichen Fehden mit den Welfen, die ihn anfangs nicht als König anerkennen wollten. Ebenso schadete der Kreuzzug 1147-49 seinem Bild als Herrscher. Dennoch sah er sich immer als wahren Nachfolger der römischen Kaiser, obwohl er nie gekrönt wurde. In seinen dreizehn Herrschaftsjahren betrieb er eine stetige Politik, auf die Friedrich I. und die nachfolgenden Staufer aufbauen konnten.
27 Wie er beispielsweise das Problem mit den Ruthenen zu lösen versuchte, ist in Intention und Vorgehen teilweise vergleichbar mit der Politik Karls des Großen gegenüber den Awaren, die auch den Ausgleich mit Byzanz u.a. durch Heiratspolitik anstrebte.
15
Literaturverzeichnis
Quellen:
Freising, Otto von: Chronik oder Die Geschichte der zwei Staaten, Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters (Freiherr von Stein-Gedächtnisausgabe 16), hg. von Walther Lammers, übers. von Adolf Schmidt, Darmstadt 4 1980.
Ders., Rahewin: Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica, Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters (Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 17), hg. von Rudolf Buchner, übers. von Adolf Schmidt, Darmstadt 1974.
MGH DDK. III. 39, 69, 126 und 224, in: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich (Conradi III. et filii eius Heinrici Diplomata), bearbeitet von Friedrich Hausmann (Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 9), Wien u.a. 1969.
Darstellungen:
Bühler, Arnold: Königshaus und Fürsten - zur Legitimation und Selbstdarstellung Konrads III. 1138, in: ZGO 137 (1989), S. 79-90.
Hechberger, Werner: Staufer und Welfen 1125-1190. Zur Verwendung von Theorien in der Geschichtswissenschaft (Passauer Historische Forschungen 10), Köln u.a. 1996.
Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in: Theodor Mayer u.a., Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. - Studien zu politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters (Schriften der MGH 9), Stuttgart 1944, S. 1-272.
Ohnsorge, Werner: "Kaiser" Konrad III. - Zur Geschichte des staufischen Staatsgedankens, in: MÖIG 46 (1932), S. 343-360.
Ders.: Das abendländische Kaisertum, in: Ostrom und der Westen - Gesammelte Aufsätze zur Geschichte der byzantinisch-abendländischen Beziehungen und des Kaisertums, hg. von Werner Ohnsorge, Darmstadt 1983.
Voelker, Johannes: Konrad III. in Darstellung Ottos von Freising (Dissertation), Greifswald 1917.
Vollrath, Hanna: Konrad III. und Byzanz, in: AKG 59 (1977), S. 321-365.
Wattenbach, Wilhelm/ Schmale, Franz-Josef: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter - Vom Tode Kaiser Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnum, Bd. 1, Darmstadt 1976.
Ziegler, Wolfram: König Konrad III. (1138-1152) - Hof, Urkunden und Politik, Wien u.a. 2008.
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Teresa Traupe, 2009, Das Selbstverständnis Konrads III. im Spiegel seiner Basileusbriefe, München, GRIN Verlag GmbH
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