B. Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung
Flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen es, die traditionellen und starren Arbeitszeitregelungen beweglicher zu gestalten und somit auf branchen-, betriebs- und mitarbeiterspezifische Bedürfnisse besser reagieren zu können. Im Gegensatz zu den traditionellen Arbeitszeitformen können hier
- verschiedene Mitarbeiter unterschiedliche Anwesenheitszeiten haben, - Mitarbeiter die eigenen Arbeitsstrukturen mitgestalten und
- die individuellen Arbeitszeiten zum Teil erheblich von den Betriebszeiten abweichen. Grundsätzlich lassen sich alle Formen flexibler Arbeitszeitgestaltung auf acht Grundtypen zurückführen, die alle miteinander kombinierbar sind: 1. Arbeitszeitkonten 2. Teilzeitarbeit 3. Arbeitsplatzteilung 4. Abrufarbeit 5. Schichtarbeit 6. Vertrauensarbeitszeit 7. Amorphe Arbeitszeit 8. Telearbeit
Ausschlaggebendes Merkmal von flexiblen Arbeitszeitsystemen ist, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer ein bestimmtes Maß an Entscheidungsspielraum über die Lage, die Dauer und die Verteilung der individuellen Arbeitszeit haben.
Mit der Dauer der Arbeitszeit sind die vertraglich vereinbarten Arbeitsstunden pro Woche gemeint. Mit der Lage der Arbeitszeit wird festgelegt, wann die individuellen Arbeitszeiten beginnen und enden. Die Verteilung der Arbeitszeit besagt, wie viele Stunden pro Tag bzw. Tage pro Woche gearbeitet wird und ob diese Arbeitseinheiten stets gleich sind oder variieren können. 2
2 vgl. BEST-ZEIT: Flexible Arbeitszeiten - stabile Unternehmensentwicklung. Institut der deutschen Wirtschaft Köln.
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1. Arbeitszeitkonten
Arbeitszeitkonten ersetzen das starre Muster der gleichmäßig über die Woche verteilten Arbeitszeit. Dabei wird für jeden Mitarbeiter ein persönliches Zeitkonto gebildet, auf dem die Abweichungen zwischen den vereinbarten und der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden aufgezeichnet werden. In einem festgelegten Rahmen können auf diesem Konto Zeitguthaben oder Zeitschulden gebildet werden, die jedoch innerhalb eines vereinbarten Zeitraums ausgeglichen werden müssen.
Arbeitszeitkonten lassen sich in zwei Grundtypen unterscheiden: Kurzzeitkonten und Langzeitkonten. Kurzzeitkonten haben einen Bezugszeitraum von weniger als einem Jahr. Die am weitesten verbreitete Form des Arbeitszeitkontos ist die Gleitzeit. Bei der einfachen Gleitzeit hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, Beginn und Ende der Arbeitszeit innerhalb bestimmter Grenzen frei zu wählen, die Arbeitszeitdauer ist jedoch festgelegt. Bei der qualifizierten Gleitzeit sind sowohl Lage als auch Dauer der Arbeitszeit selbst bestimmbar. In der Regel gibt es bei der Gleitzeit eine Kernarbeitszeit, in der die Arbeitnehmer anwesend sein müssen (z. B. 9.00 - 15.00 Uhr). Den Rest der Arbeitzeit können die Arbeitnehmer innerhalb der Rahmenarbeitszeit (z. B. 7.00 bis 19.00 Uhr) selbst verteilen. Beim Arbeitzeitkorridor kann der Arbeitgeber unter Vorankündigung die Dauer und Lage der Arbeitszeit in einem bestimmten Rahmen, d. h. innerhalb einer festgelegten Unter- und Obergrenze, variieren. Bei einer Regelarbeitszeit von 35 Stunden könnte der Arbeitnehmer je nach Auftragslage etwa eine Arbeitszeit zwischen 30 und 40 Stunden festlegen. Langzeitkonten werden neben den Kurzzeitkonten geführt. Sie dienen in erster Linie dazu, größere Arbeitszeitmengen anzusparen, um z. B. zeitweilig aus dem Berufsleben auszusteigen (Langzeiturlaub, „Sabbatical“) oder früher in den Ruhestand gehen zu können. Beim Sabbatical kehrt der Arbeitnehmer nach drei bis zwölf Monaten wieder in das Unternehmen zurück. Die stärkste Form des Langzeitkontos ist das Lebensarbeitszeitkonto. Hier werden jede Woche mehr Arbeitsstunden geleistet als vertraglich festgelegt (z. B. 40 statt 38,5 Stunden). Die
http://www.flexible-arbeitszeiten.de/Kompakt/Modelle/Modelle1.htm am 31.10.2008
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so angesparte Arbeitszeit kann am Ende des Berufslebens entweder für einen früheren oder gleitenden Eintritt in den Ruhestand genutzt werden.
Arbeitszeitkonten ermöglichen es den Arbeitnehmern, optimal auf schwankende Auftragslagen zu reagieren, Arbeitskräfte und Maschinen effektiv einzusetzen, Überstundenzuschläge und Kurzarbeit zu vermeiden und die Leerzeiten zu minimieren. Als Nachteil steht diesen Vorteilen ein höherer Verwaltungsaufwand im Vergleich zu pauschalen Arbeitszeitregelungen gegenüber.
Für die Mitarbeiter haben Arbeitszeitkonten den Vorteil einer höheren Zeitsouveränität und der Möglichkeit für eine lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung. Im Gegenzug dazu müssen sie allerdings auf die Möglichkeit verzichten, ihr Gehalt durch Überstundenzuschläge aufzubessern. 3
2. Teilzeitarbeit
Teilzeitarbeit liegt vor, wenn die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit kürzer ist als die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit vergleichbarer Arbeitnehmer, und zwar vergleichbar sowohl hinsichtlich der Art des Arbeitsverhältnisses (befristet, unbefristet) als auch hinsichtlich der ausgeübten Tätigkeit.
Teilzeitarbeit kann umso flexibler eingesetzt werden, umso länger der Verteilzeitraum ist, d. h. der Zeitraum, innerhalb dessen die Arbeitszeit flexibel verteilt werden kann. Beim klassischen Halbtagsjob beträgt dieser Zeitraum nur einen Tag. Ein Verteilzeitraum von einer Woche ermöglicht es schon, z. B. an zwei oder drei Tagen Vollzeit zu arbeiten und den Rest der Woche frei zu haben. Ein Verteilzeitraum von einem Jahr ermöglicht es Arbeitgebern, die Arbeitnehmer das ganze Jahr bedarfsorientiert, z. B. in Abhängigkeit von saisonalen Schwankungen, einzusetzen.
3 vgl. BEST-ZEIT: Flexible Arbeitszeiten - stabile Unternehmensentwicklung. Institut der deutschen Wirtschaft Köln.
http://www.flexible-arbeitszeiten.de/Kompakt/Modelle/Arbeitszeitkonten1.htm am 31.10.2008
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Von Blockteilzeit spricht man, wenn Blöcke von Vollzeitarbeit mit längeren Freizeitblöcken abwechseln.
Unter qualifizierter Teilzeitarbeit versteht man, dass dem Arbeitnehmer jegliche Freiheit in Bezug auf das Volumen, die Lage und die Verteilung seiner Arbeitszeit eingeräumt wird. Bei der Wahlarbeitszeit wird jedes Jahr aufs Neue zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausverhandelt, wie viele Wochenstunden gearbeitet wird.
Teilzeit kann mit nahezu allen Modellen der Arbeitszeitflexibilisierung kombiniert werden, z. B. Kombinationen von Teilzeit und Gleitzeit, Teilzeit auf Kontenbasis oder teilzeitintegrierende Mehrschichtsysteme. Vorteile von Teilzeitarbeit für Arbeitgeber:
- Die Arbeitszeiten können besser an den Arbeitsbedarf angepasst werden. - Mithilfe von Teilzeitbeschäftigten können die Betriebs- und Servicezeiten verlängert werden, indem die vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter durch Teilzeitkräfte ergänzt werden, die z. B. die Randarbeitszeiten am Morgen und Abend besetzen.
- Wenn die Teilzeitarbeit den Mitarbeiterwünschen entspricht, kann ein Unternehmer auch mit einer höheren Produktivität und geringeren Fehlzeiten rechnen. Die größten Nachteile von Teilzeitarbeit aus Unternehmersicht sind die höheren Lohnnebenkosten und der gesteigerte Koordinationsaufwand.
Für Arbeitnehmer ist Teilzeit häufig die einzige Möglichkeit, Familie und Erwerbsarbeit oder Weiterbildung und Erwerbsarbeit zu verbinden. Nachteilig sind für Arbeitnehmer aber flexible Formen der Teilzeitarbeit, die durch kurze Ankündigungsfristen gekennzeichnet sind, z. B. bei unvorhergesehenen Aufträgen.
Eine besondere Form der Teilzeit ist die Altersteilzeit. Sie ermöglicht dem Arbeitnehmer einen gleitenden Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand. Die Arbeitszeit kann im Verteilzeitraum auf unterschiedliche Art erbracht werden: Der Arbeitnehmer kann - den gesamten Zeitraum zu 50 Prozent arbeiten („Flexialtersteilzeitmodell“),
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Arbeit zitieren:
Karl Petz, Elfriede Hauser, Nicole Häuserer, Claudia Ruzmarinovic, Ursula Span, 2008, Arbeitszeit nach Maß - Flexible Arbeitszeitmodelle nach dem OÖ-Sozialpartnermodell, München, GRIN Verlag GmbH
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