Inhaltverzeichnis
Einleitung 3
I. Die konstitutionnelle Monarchie (Mai 1792-August 1792) 6
A. Die Erschütterung der Monarchiegrundlagen 6
1. Die Bilanz der jahrhundertalten Monarchie 6
2. Die Generalstände: 7
3. Qu'est-ce que le Tiers Etat? 8
B. Der Legitimätskonflikt zwischen dem König und der Nation 9
1. Der Legitimitätskonflikt 9
2. Le parti constitutionnel 10
3. Le roi est mort, vive la Nation 15
II. Die jakobinische Republik (September 1792-Juni 1794) 19
A. Die Auseinandersetzung zwischen den Girondins und den Montagnards 19
1. Volaire, Montesquieu und Rousseau 19
2. Die Girondins 20
3. Das Programm der Jakobiner: régénérer par la vertu et la terreur 22
B. Die Radikalen und die Indulgenten 29
1. Die Exagérés und die Enragés 29
2. Die Indulgents Dantons 30
Schluss 32
Literaturverzeichnis 33
2
Einleitung:
« Alle bürgerlichen und politischen Revolutionen haben ein Vaterland gehabt und haben sich dasselbe beschränkt. Die französische Revolution hatte kein bestimmtes eigenes Gebiet; noch mehr, sie hatte zur Folge, dass gewissermaßen alle alten Grenzen der Karte verschwanden. Man hat gesehen, wie sie die Menschen verband oder trennte und zwar den Gesetzen, den Traditionen, dem Charakter, der Sprache zum Tross, indem sie bisweilen Landesleute zu Feinden und Fremden zu Brüdern machte; oder sie hat vielmehr über allen besonderen Nationalitäten ein gemeinsames geistiges Vaterland gegründet, dessen Bürger die Menschen aus allen Nationen werden konnten. » 1 Es war beispielsweise der Fall von hoch wichtigen Revolutionären wie unter anderem dem Britten Thomas Paine 2 oder dem Preußen Anarchasis Clootz 3 .
Laut Tocqueville gibt es « keine einzige politische Revolution, welche diesen nämlichen Charakter gehabt hätte; man wird ihn nur in gewissen religiösen Revolution wiederfinden. Also find es religiöse Revolutionen, mit denen man die französische Revolution vergleichen muss, wenn man sich mit der Hilfe der Analogie verständlich machen will. » « Die französische Revolution ist also eine politische Revolution, welche nach der Weise einer religiösen Revolution zu Werke gegangen ist und gewissermaßen das Aufstehen einer solchen angenommen hat. Man bemerkte durch welche besondere und charakteristische Züge sie dieser letzteren vollends ähnlich wird: sie breitet sich nicht nur gleich derselben in der Ferne aus, sondern bricht sich auch ebenso durch Predikt und Propaganda. » Es handelt sich um ein « neues Schauspiel ». « Unter all den unbekannten Dingen, welche die französische Revolution der Welt gezeigt hat, ist dies sicherlich das neueste. » « Die französische Revolution ist hinsichtlich dieser Welt genauso ebenso verfahren, wie die religiösen Revolutionen rücksichtlich des Jenseits; sie hat den Bürger in einer abstrakten Weise betrachtet, indem sie von besonderen gesellschaftlichen Zuständen absah, ebenso wie die Religionen den Menschen im Allgemeinen, ohne Rücksicht auf Vaterland und Zeitalter betrachten. Sie hat nicht allein untersucht, welches das besondere Recht des französischen Bürgers sei, sondern welches in politischen Dingen sie allgemeinen Pflichten und Rechte der Menschen seien. » 4 « Indem sie solchergestalt stets auf das zurück ging, was hinsichtlich des gesellschaftlichen Zustandes und der Regierung am wenigsten sonderartig und sozusagen am natürlichsten war, konnte sie sich allen verständlich machen und gleichzeitig an hundert Orten Nachahmung finden.
1 Vgl. Tocqueville, Alexis: L'ancien régime et la révolution, Paris: Michel Lévy Frères, Libraires Editeurs 1866. S.15.
Gefunden am 08.08.09 unter:
http://books.google.fr/books?id=UooBAAAAQAAJ&dq=l%27ancien+r%C3%A9gime+et+la+r%C3%A9volution&
printsec=frontcover&source=bn&hl=fr&ei=dIF9SvadC9D__QaBi8TnBw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnu
m=4#v=onepage&q=&f=false.
2 Vgl. Mourre, Michel: Dictionnaire encyclopédique d'histoire, Paris: Bordas 1996. S.4105-4106.
3 Vgl. Mourre, Michel: a.a.O. S.1196.
4 Vgl. Tocqueville, Alexis: a.a.O. S.15-19.
3
Da sie den Anschein hatte, die Wiedergeburt des Menschengeschlechts noch mehr als die Reform Frankreichs zu erstreben, so hat sie eine Leidenschaft erzündet, wie sie bis dahin die heftigen politischen Revolutionen niemals zu erzeugen vermocht hatten. Sie hat den Proselytismus einflößt und die Propaganda entstehen lassen. Dadurch hat sie denn auch jenen Anschein einer religiösen Revolution zu gewinnen vermocht; welcher die Zeitgenossen so sehr in Schrecken gefesst hat; oder sie ist viel mehr selbst eine Art neuer Religion geworden, allerdings eine unvollkommene Religion, ohne Gott, ohne Kultus und ohne zukünftiges Leben, die aber trotzdem, gleich dem Islam, die ganz Erde mit ihren Soldaten, ihren Aposteln und ihren Märtyrern überschwemmt hat. » 5 « Es ist nicht der außerordentlichste Umstand, dass die französische Revolution die Mittel angewendet hat, womit man sie zu Werke gehen sah, und dass sie auf die Ideen gekommen ist, die sie verkündet hat; neu ist vielmehr der Umstand, dass so viele Völker auf den Punkt gelangt waren, wo solche Mittel erfolgreich angewendet und solche Grundsätze leicht Umnahmen finden konnten. » 6
In der Geschichte der politischen Philosophie besitzt die französische Revolution einen besonderen Platz. Sie ist nicht nur ein hoch interessanter Überlegungsobjekt wie der Stadtstaat oder der moderne Staat gewesen, sondern auch ein Gründungsereignis, das davon fähig war, die ganze menschliche Existenz zu verändern. Hegel hat die Verbindung zwischen der Revolution und der Philosophie beschrieben. Die Revolution, die die Politik der Vernunft unterwerfen wollte, ist « aus der Geschichte » rausgegangen. Sie ist also ein « wunderschöner Sonnenaufgang » gewesen, der zum außergewöhnlichsten Spektakel beigetragen hat, seitdem die Menschheit existiert. Die Philosophie war jedoch immer noch zu dieser Zeit ein abstrakter Gedanke, diese Morgendämmerung war nur ein Versprechen, dessen sofortiges Resultat die Erfahrung vom Terror war. Sie ist das Ergebnis von der Geistarbeit und stellt den ersten Versuch dar, dem Staat eine rationelle Basis zu geben,- so Hegel. Die Revolution zeigt allerdings die Grenzen der modernen Abstraktionen. 7 Die Revolutionären haben versucht, die schlimmsten Defekte der Monarchie zu korrigieren. Die volkstümlichen Ambitionen waren am Anfang bescheiden und schüchtern. Keiner strebte nach der Abschaffung der Monarchie. Die Wagemutigsten begehren nach einem erneuten Gleichgewicht. Welche Rolle haben in dieser Hinsicht die Ideen gespielt? Was war der Einfluss von Begriffen wie der Nation und der Republik? Gab es im Jahre 1789 schon Republikaner? Oder hat die wachsende Bedeutung des Nationskonzepts zum Gewinn an Wichtigkeit der republikanischen Ideen geführt?
5 Vgl. Tocqueville, Alexis: a.a.O. S.19.
6 Vgl. Tocqueville, Alexis: a.a.O. S.20.
7 Vgl. Raynaud, Philippe: Dictionnaire de philosophie politique, Paris: PUF 1996. S.669.
4
Die Revolution hat zu Legitimitätskonflikten geführt. Die Nation ist peu à peu zu der Souveränitätsquelle geworden. Zwar hat die Verfassung 1791 eine konstitutionelle Monarchie gegründet, aber sie hat gleichzeitig die genaue Basis der Monarchie gefährdet. Wenn die Nation der Souverän ist, welche Rolle soll der König spielen? Haben die Revolutionären nicht den König nuztlos gemacht und unbewusst die Republik vorbereitet? Man kann sehen, dass die Tatsache, dass die Revolutionären das Konzept von der Nation verwendet haben (I), dazu beigetragen hat, das Ende der Monarchie und de facto die Gründung der Republik (II) vorzubereiten.
5
I. Die konstitutionnelle Monarchie (Mai 1789-August 1792):
A. Die Erschütterung der Monarchiegrundlagen:
1. Die Bilanz der jahrhundertealten Monarchie:
Im Jahre 1789 befand sich Frankreich « in einer Sackgasse ». Die jahrhundertealte Monarchie war nämlich « atemlos ». Der Staat erlebte eine harte Krise. Der alte Staat litt unter seiner hoch lückenhaften Verwaltungsorganisation und insbesondere unter dem komplexen Regeln-, Gesetz- und Institutionengewirr. Die Rolle und Missionen der intendants, die ausschließlich vor dem König verantwortlich waren, war sehr umstritten. Sie hatten Vorrechte im Bereich der Finanzen, der Sicherheit und der Justiz. Das Problem bestand aber beispielsweise darin, dass man in der Bretagne oder in der Normandie beurteilt wurde... Der Zentralismus wurde durch die lokalen Traditionen gemäßigt. Frankreich war zu dieser Zeit nicht une et indivisible. Die Steuer, die Justiz, die Sitten und das Eichen unterschieden sich von Provinz zu Provinz. Dem Königreich mangelte es an Kohärenz: Bestimmte Gesetze galten für Nord- und nicht für Südfrankreich. Nordfrankreich wurde vom Gewohnheitsrecht reguliert, während der Süden durch das geschriebene Recht organisiert wurde. Außerdem gab es Zoll für die Güter und Waren, die von einer Provinz zu einer anderen transportiert wurden. Von daher kann man sich fragen, ob die französische Nation bereits vor der Revolution existierte. Anscheinend war sie eher ein Resultat der Revolution, die die Gebiete sowie die Bevölkerungen vereinigte. 8
Die Grundlagen des Adelsstandes sowie der Monarchie waren die historische Legitimität sowie der sogenannte Wille Gottes. Um ihre Privilegien zu behalten und zu erweitern, waren die Aristokraten dem König gegenüber freundlich, ohne zu bemerken, dass die Bevölkerung diese Privilegien immer weniger verstand. Nach und nach begriff die bourgeoisie, dass sie wegen ihrer Reichtümer, ihres Wissens und ihrer sozioökonomischen Gebrauchstauglichkeit überlegener war als der Adel. Sie befürwortete die wirtschaftliche Freiheit und akzeptierte die entscheidende Rolle der Privilegierten, die ihre Position schwer rechtfertigen konnten, weil sie nichts brachten oder schafften, immer weniger. Die bourgeoisie verlangte die Kontrolle über das öffentliche Geld. Anders gesagt strebte die bourgeoisie nach einer neuen Machtverteilung, nach einem neuen institutionellen Arrangement zu ihren Gunsten und auf Kosten der Parasiten. 9 Am Vorabend der Revolution zeigte sich außerdem der esprit nouveau. Die Aufklärung befürwortete die Vollmacht von der raison, die Liebe für den Menschen und (seine Naturrechte oder
8 Vgl. Czouz-Tornare, Alain-Jacques: La Révolution française, Paris: First Editions 2009. S.13-14.
9 Vgl. Czouz-Tornare, Alain-Jacques: a.a.O. S.15.
6
natürlichen Rechte) sowie die Exaltiertheit der Gefühle. Das britische Modell, sowie der amerikanische Traum inspirierten die Franzosen. Später wird nämlich Saint-Just erklären, dass das Glück eine idée neuve en Europe war. 10
2. Die Generalstände:
Nach einer Aneinanderreihung von schlimmen Ereignissen, wie beispielsweise den zahlreichen Fehlern von Ludwig dem XVI., dem Skandal der Halskette der Königin und ihren gewagten Bemerkungen, musste der König die Generalstände einberufen. 11 Am 17. December 1788 wurde die Entscheidung, die Generalstände zu versammeln getroffen. Philipp IV. hatte zum ersten Mal die Generalstände im Jahre 1302 einberufen. Seit 1614 wurden sie aber nie wieder einberufen. Der verstärkte Absolutismus verzichtete darauf. 12 Wegen der Geburt einer neuen Kraft, der öffentlichen Meinung, hatte der König sie einberufen müssen. In der Tat suchte er den Adelstand in der assemblée des Notables auf. Er hatte auch der wirklichen Fronde von den lokalen Parlamenten trotzen müssen. Aus der Perspektive von Generalständen sollten die Franzosen in den berühmten Beschwerdeheften sich äußern. Unter welchen Bedingungen sollten die Generalstände stattfinden? Genauso wie zwei Jahrhunderte früher meinten die privilegierten- in Klassen. Es wäre jedoch anachronistisch gewesen. Dementsprechend entschieden der König und seine Minister etwas innovativ zu sein. Also mischten sie das Alte mit dem Neuen. Einige Historiker meinen, dass es ganz neu war, alle Untertanen ohne Diskrimierung wegen ihres Reichtumsniveaus zu konsultieren. Aber es wurde keine Innovation in den übrigen Rahmen eingeleitet. Die Konsultationsorganisation spiegelte die sozialen, politischen und institutionnellen Strukturen des Alten Staates. Die Gesellschaft war hierarchisch gegliedert und teilte sich in Klassen: den Klerus, den Adelstand und den Drittstand. 13 Die Debatten beschränkten sich am Anfang auf bestimmte Themen. Es handelte sich beispielsweise um Vertretungsbedingungen vom Drittstand. Würden andererseits die drei Orden gemeinsam oder getrennt tagen? Wenn der König akzeptierten würde die Abgeordnetenplätze vom Drittstand zu verdoppeln, bliebe der zweite Punkt ohne Antwort. 14 Der Alte Staat erlebte eine Krise, die ihn bald vernichten würde. Wäre der König hellseherischer gewesen, hätte er die Revolution führen können, wie Mirabeau es sich vorstellte. Turgot, der tiefe Reformen durchführen wollte, hat am 12. Mai 1776 „Louis Capet“ eine sinnvolle
10 Vgl. Czouz-Tornare, Alain-Jacques: a.a.O. S.16-23.
11 Vgl. Czouz-Tornare, Alain-Jacques: a.a.O. S.24-43.
12 Vgl. Corbin, Alain: 1515 et les grandes dates de l'histoire de France, Paris: Seuil 2005. S.282.
13 Vgl. Corbin, Alain: a.a.O. S.282-283.
14 Vgl. Corbin, Alain: a.a.O. S.284.
7
Warnung geschrieben: „N'oubliez jamais, sire, que c'est la faiblesse qui a mis la tête de Charles Iier (d'Angleterre) sur le billot. Tout mon désir est que vous puissez croire que j'avais mal vu et que les dangers que je vous montrai étaient chimériques“. Turgot meinte, dass die Schwäche den König von England zum Tod gebracht hatte. Er dachte also, dass Ludwig XVI. sich anders benehmen sollte. Er sollte politische Mut zeigen und das Königreich reformieren. Stattdessen brachte „Louis Capet“ seinen Minister Turgot zum Rücktritt... 15
3. Qu'est-ce que le Tiers Etat?
In den 1750 Jahren fand eine semantische Kontroverse zwischen Voltaire und Rousseau statt. Dem Wort patrie entsprachen derzeit Begriffe wie Freiheit, Glück und Tugend. Eine solche Denkweise kam aus der Antike und aus Großbritannien, wo 1738 das Buch Bolingbroke The idea of a Patriot King veröffentlicht wurde. Als Kosmopolit misstraute Voltaire allerdings der patrie, welche sich auf die nationale Ebene beschränkte und welche eine pure Illusion unter dem Despotismus war: « On a une patrie sous un bon roi; on n'en a point sous un méchant » 16 . In seinem Dictionnaire philosophique verwendete Voltaire den Ausdruck von nation nur in einem deskriptiven Sinn. 17
Im Gegensatz zu Voltaire verteidigte Rousseau den nationalen Charakter („caractère national“) von jedem Volk, welchen man seiner Meinung nach kultivieren und respektieren sollte. Er befürwortete sogar die Idee eines „serment civique“.. Die Revolution würde die Nation auch aufwerten. 18
Sieyès wird nämlich der „nation assemblée“, der gesammelten Nation, zahlreiche Vorrechte wie beispielsweise die Etablierung des Staatshaushaltes, das Gesetzgebungsverfahren sowie die Verabschiedung der Gesetze, die Änderung von den Religionsgesetzen und vor allem das Recht, die Verfassung vorzubereiten, anerkennen. « Si l'on ôtait l'ordre privilégié, la nation ne serait pas quelque chose de moins, mais quelque chose de plus. » 19 Dieser Spruch brachte nach der Ansicht von Furet das tiefe historische Ressentiment der Franzosen bezüglich der Privilegierten vor. Laut Sieyès stellte der Tiers Etat eine komplette Nation dar (« Le Tiers Etat constitue une nation complète. »). Die Grenze befand sich also innerhalb der nationalen Gemeinschaft. Diese quasi-Verbannung wird aber zu unheilvollen Folgen beitragen und den Zivilkrieg im Voraus rechtfertigen.
15 Vgl. Corbin, Alain: a.a.O. S.272.
16 Man hat unter einem guten König ein Vaterland; man hat kein unter einem Gemeinen.
17 Vgl. Furet, François: Dictionnaire critique de la Révolution française, Paris: Flammarion 1992. S.340-342.
18 Vgl. Furet, François: a.a.O. S.342.
19 Wenn man den priviligierten Orden ausziehen würde, wäre die Nation nicht etwas wenigeres, sondern etwas mehres.
8
Sie schafft anders gesagt die Pathologie der Nation. 20
In einer Rede, die Mirabeau am 15. Juni 1789 hielt, fragte er sich über den Namen der Generalstände. Wenn der ganze Tiers Etat damit einverstanden war, sich zu konstituieren, wussten diese Revolutionäre aber nicht, wie sie es am besten schaffen konnten. Die Fragen Mirabeaus lauteten folgendermaßen: « mais comment? Sous quelle forme? Sous quelle dénomination? En Etats généraux? Le mot serait impropre... » 21 Er befürwortete das Prinzip nationaler Vertretung, welches seiner Meinung nach die Basis jeder Verfassung war. Am 17. Juni 1789 erklärten sich die Generalstände zum assemblée nationale. Damals inspirierte der Ausdruck Nation noch keine organische Solidarität, kein kollektives Bewusstsein und auch keine politische Konstellation. Das neue Regime bekam auf diese Weise seinen neuen Legitimitätsrahmen. Von nun an war die nationale Vertretung die Quelle der Souveränität. Die Nacht vom 4. August, in der die Privilegienabschaffung entschieden wurde, bestätigt den Triumph der nation. Der dritte Artikel von der Déclaration des droits de l’homme et du citoyen beinhaltet nämlich, dass das Prinzip jeder Souveränität wesentlich aus der Nation stammt: « le principe de toute souveraineté réside essentiellement dans la Nation ». 22
B. Der Legitimitätskonflikt zwischen dem König und der Nation:
1. Der Legitimitätskonflikt:
Am 20. Juni 1789 wurde der Generalständesaal aufgrund eines Befehls des Königs geschlossen. Also versammelten sich die Abgeordneten des dritten Standes in einem Saal zum Spiel mit der Handinnenfläche. Bailly, Abgeordneter von Paris, stieg auf einen Tisch und erklärte folgenden Eid: « nous jurons de ne pas nous séparer avant d'avoir donné une Constitution au royaume ». Anders gesagt hat Bailly geschworen, dass die Abgeordneten sich nicht trennen würden, bevor sie dem Königreich eine Verfassung gegeben hätten. Alle Abgeordneten schworen: « nous le jurons! » 23
Die dritte Republik zögerte, die subversive Gewalt vom 14. Juli anzuerkennen. Von daher wurde der Ballhausschwur zu einem hoch emblematischen Ereignis. Dieser Eid stürzte die Abgeordneten und auch die Franzosen in ein Abenteuer ohne Rückkehr. Die Abgeordneten stellten sich gegen den König und formulierten ein präzises Programm: Die Etablierung einer Verfassung. 24
20 Vgl. Furet, François: a.a.O. S.342-343.
21 Aber wie? Unter welcher Gestalt? Unter welcher Benennung? Als Generalstände? Das Wort wäre ungeeignet...
22 Vgl. Furet, François: a.a.O. S. 343-344.
23 Vgl. Corbin, Alain: a.a.O. S.287.
24 Vgl. Corbin, Alain: a.a.O. S.288-289.
9
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Alexis Fourmont, 2009, Die Französische Revolution - Eine Studie zu den Begriffen Nation und Republik zwischen Mai 1789 und Juni 1794, München, GRIN Verlag GmbH
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