Gliederung
1. Einleitung 2
2. Die Kaukasus-Region. 3
2.1 Physische Gliederung 3
2.2 Klima 4
2.3 Bodenschätze 5
2.4 Politische Gliederung 6
2.5 Religionen. 8
2.6 Ethnische Gliederung 9
3. Historische Ausgangsbedingungen 12
3.1 Historie bis zum 18. Jahrhundert. 12
3.2 Die Zeit der Russischen Expansion 13
3.3 Die Sowjetisierung der Kaukasus-Region. 16
3.4 Stalins Nationalitätenpolitik 17
4. Konflikte nach Auflösung der Sowjetunion 21
4.1 Berg-Karabach. 22
4.2 Georgien 24
4.3 Prigorodny-Rajon 26
4.4 Tschetschenien 28
5. Fazit 34
6. Abbildungsverzeichnis 39
7. Literaturverzeichnis 41
1
1. Einleitung
Mit dem sich durch Glasnost und Perestroika abzeichnenden Zerfall der Sowjetunion wurde ab Mitte der 80er Jahre immer offensichtlicher, dass es das „Sowjetvolk“ an sich, im Sinne einer ethnisch homogenen Herkunft und eines einheitlichen Staatsterritoriums, nicht gab. Nichtrussische Völker nutzten die neuen Freiheiten, um sich zunehmend auch öffentlich vom Sowjetischen bzw. Russischen zu distanzieren. 1 Zum Ausdruck kam dies in einer Reihe nationaler Unabhängigkeitsbestrebungen, die teilweise friedlich verliefen, zum Beispiel in den baltischen Staaten, und teilweise schwerwiegende militärische Auseinandersetzungen mit der Zentralmacht in Moskau nach sich zogen. Die katastrophale Nationalitätenpolitik der Sowjetunion in der Kaukasus-Region forderte einen späten Tribut. 2 In dieser Region führte die „Souveränitätsparade“ 3 zu umfangreichen Zerstörungen, unvorstellbaren Menschenrechtsverletzungen, großen Flüchtlingsbewegungen und politischen Spannungen, die auch heute noch den Status quo darstellen.
Im Vorfeld soll klargestellt werden, dass der Kaukasus-Konflikt erstens nicht nur aus einem singulären Konflikt besteht, sondern aus einem sehr komplexen Geflecht mit einer Vielzahl von Konflikten und zweitens erstreckt sich der Kaukasus-Konflikt nicht bzw. nicht nur auf den Kaukasus als Gebirge, sondern auf die gleichnamige Region, die neben anderen naturräumlichen Einheiten auch den Kaukasus mit einschließt. Ziel dieser Hausarbeit soll sein, die Ursachen des Konfliktes aufzuzeigen. Aus diesem Grunde wird im folgenden Kapitel die Kaukasus-Region vorgestellt. Im dritten Kapitel werden die historischen Ausgangsbedingungen erläutert, die zum heutigen Zustand in der Region führten. Im vierten Kapitel wird eine Auswahl von Konflikten im Kaukasus nach dem Zerfall der Sowjetunion dargestellt. Eine abschließende Behandlung aller Konflikte kann an dieser Stelle nicht geleistet werden. Im fünften und letzten Kapitel werden in einem Fazit die Ursachen des Konfliktes zusammengefasst.
1 Vgl. PIETZONKA, B. (1995): Ethnisch-territoriale Konflikte in Kaukasien. Eine politisch-geographische Systematisierung. Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., S. 145 u. 155.
2 Vgl. HALBACH, U. (1995): Von Mansur zu Dudajew? Widerstandstraditionen der nordkaukasischen Bergvölker. In: Krisenherd Kaukasus. Uwe Halbach/Andrea Kappeler (Hrsg.). Baden-Baden: Nomos Verl. Ges., S. 200.
3 HALBACH, U. (2003): Nordkaukasien - von Widerstand geprägt. In: Informationen zur politischen Bildung. Kaukasus-Region. Bonn: Erich Schmidt Verlag. S. 6.
2
2. Die Kaukasus-Region
2.1 Physische Gliederung
Die Kaukasus-Region wird im Norden von der Kuma-Manytsch-Senke, im Süden durch das Hochland von Armenien bzw. die zwischen Iran und Aserbaidschan verlaufende politische Grenze, im Osten durch das Kaspische Meer und im Westen durch das Schwarze Meer begrenzt. 4 Wie auf Abbildung 1 zu sehen ist, setzt sich die Kaukasus-Region aus fünf naturräumlichen Haupteinheiten zusammen.
Abb.1: Die Kaukasus-Region physisch (Quelle: IPB. Kaukasus-Region 2003, S. 24)
Die erste Haupteinheit besteht aus dem nördlichen Kaukasusvorland. Darin eingeschlossen sind im weiteren Sinne die Kuban-Ebene, das Stawropoler-Plateau und das Kaspische Tiefland. Die zweite Haupteinheit besteht aus dem Großen Kaukasus, einem Bestandteil des in Nordwest-Südost Richtung streichenden kaukasischen Gebirgs-
4 Vgl.PIETZONKA 1995, S. 26.
3
systems im Bereich der känozoischen europäisch-asiatischen Faltungszone. 5 Die höchste Erhebung im Großen Kaukasus ist der auf russischem Territorium liegende Elbrus mit 5.642 m Höhe. Die dritte Haupteinheit bildet die sich südlich an den Großen Kaukasus anschließende Transkaukasische Senke mit der Rioni-Niederung am Schwarzen Meer und dem Kura-Arax-Tiefland am Kaspischen Meer. Der kleine Kaukasus bildet die vierte Haupteinheit. Die fünfte Haupteinheit besteht aus dem Hochland von Armenien und der südlich von Eriwan liegenden Ararat-Ebene. 6 Größere Flüsse sind der im Großen Kaukasus entspringende, durch das nördliche Kaukasusvorland verlaufende und ins Kaspische Meer mündende Terek sowie die im Kleinen Kaukasus entspringende und über die Transkaukasische Senke ebenfalls ins Kaspische Meer mündende Kura. Der Sewansee in Armenien zählt mit einer Fläche von 1.244 km² zu den größten Hochgebirgsseen der Welt. 7
2.2 Klima
Die Kaukasus-Region liegt im Bereich des Westwindgürtels. Der nördliche Kaukasus wird von polaren Luftmassen bestimmt. Ein weiteres Vordringen dieser Luftmassen nach Süden wird jedoch durch den Großen Kaukasus verhindert, so dass Transkaukasien von tropischen Luftmassen beherrscht wird. Für die gesamte Region gilt eine von Westen nach Osten gerichtete Zunahme der thermischen und hygrischen Kontinentalität (siehe Abbildung 2). 8
Der Nordkaukasus ist von dem deutlichen Gegensatz zwischen Winterkälte und sommerlicher Erwärmung gekennzeichnet. Der jährliche Witterungsgang wird natürlich entscheidend von der Höhenlage beeinflusst. Die zwischen Großem und Kleinem Kaukasus in Nord-Süd-Richtung verlaufende Suram-Kette bedingt in der zum Schwarzen Meer geöffneten Rioni-Niederung eine relative Wärmegunst mit zum Teil
5 Vgl. PAFFENGOLZ, K.-N. u. P.D. GAMKRELIDSE (1963): Tektonik des Kaukasus.In: Geologischer Abriss des Kaukasus. hrsg. v. Geotektonischen Institut der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin Heft 5/6. Berlin: Akademie Verlag. S. 172 ff.
6 Vgl. STADELBAUER, J. (1995): Die Krisenregion Kaukasien: Geographische, ethnische und wirtschaftliche Grundlagen. In: Krisenherd Kaukasus. Uwe Halbach/Andrea Kappeler (Hrsg.). Baden-Baden: Nomos Verl. Ges., S. 15.
7 DIERCKE Länderlexikon (1999). Braunschweig: Westermann. S. 72.
8 Vgl. PIETZONKA 1995, S. 26.
4
immergrüner Vegetation. Die östliche, auf der Leeseite der Suram-Kette liegende Kura-Arax-Niederung, weist bereits Steppen- und Halbwüstencharakter auf. Nur im Tiefland von Lenkoran, gelegen im Südosten des Kura-Arax-Tieflandes im Luv des Talysch-Gebirges, tritt noch subtropisches Klima auf. 9
2.3 Bodenschätze
Zu den wichtigsten Bodenschätzen in der Kaukasus-Region gehören Erdöl und Erdgas. Im Kaspischen Raum werden nach Schätzungen maximal 34 Milliarden Barrel vermutet. Das Vorkommen ist also fast so hoch wie das von Nordsee (22 Mrd. Barrel) und USA (17 Mrd. Barrel) zusammen. 10
Größere Erdölvorkommen gibt es im Kubangebiet, in Tschetschenien, in Aserbaidschan sowie unter dem Meeresboden des Kaspischen Meeres (siehe Abbildung 3). Im Westen Georgiens gibt es größere Kohle-, Baryt- und Marmorvorkommen. Im Bereich des Kleinen Kaukasus existieren Eisenerz- und Buntmetallerzlagerstätten.
9 Vgl. PIETZONKA 1995, S. 33.
10 KRECH, H. (Hrsg.). (2002): Der Zweite Tschetschenien-Krieg (1999-2002). Ein Handbuch. Berlin: Köster. (Bewaffnete Konflikte nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes; Bd. 11). S. 15.
5
Kupferlager befinden sich im südlichen Armenien und Aluminium- und Eisenvorkommen im Westen Aserbaidschans.
Abb.3: Bodenschätze in der Kaukasus-Region (Quelle: STADELBAUER 1995, S. 22)
2.4 Politische Gliederung
Die Region Nordkaukasien besteht aus sieben Teilrepubliken, die politisch zur Russischen Föderation gehören (siehe Abbildung 4). Die Republiken sind nach den jeweiligen nichtrussischen Titularnationalitäten benannt: Adygien, Karatschai-Tscherkessien, Kabardino-Balkarien, Nordossetien-Alanien, Inguschetien, Tschetschenien und Dagestan. Insgesamt leben in diesen Republiken 6,5 Mio. Menschen. Weiterhin gehören zum Nordkaukasus die südrussischen Gebietseinheiten Krasnodar (5,1 Mio. Einwohner), Stawropol (2,7 Mio. Einwohner) und Rostow (2,7 Mio. Einwohner). Mit den sieben Republiken bilden diese drei Gebietseinheiten den südlichen Föderalbezirk Russlands. Die Gesamtbevölkerung beträgt ca. 17 Mio. Menschen. 11
11 Vgl. HALBACH 2003, S. 3.
6
Die Region Südkaukasus setzt sich aus den drei unabhängigen Republiken Armenien, Aserbaidschan und Georgien zusammen. Armenien ist mit 29.740 km² so groß wie Brandenburg und hat 3,2 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Eriwan. Armenien hält Berg-Karabach, die Exklave armenischer Siedler auf aserbaidschanischem Territorium, militärisch besetzt. In Aserbaidschan leben 8,2 Millionen Menschen. Mit 86.600 km² ist es ca. doppelt so groß wie Niedersachsen. Die Hauptstadt ist Baku. Des Weiteren gehört die Exklave Nachitschewan zu Aserbaidschan. 12
Abb.4: Politische Gliederung der Kaukasus-Region (Quelle: IPB. Kaukasus-Region 2003, S.1)
Die Hauptstadt Georgiens ist Tiflis. Auf georgischem Territorium befinden sich die abtrünnigen Gebiete Abchasien, Adscharien und Südossetien. Das Land hat 5,2 Millionen Einwohner und ist mit 69.700 km² so groß wie Bayern. Die Gesamtbevölkerung im Südkaukasus beträgt also 16,6 Millionen Menschen. 13
12 Vgl. AUCH, E.-M. (2003): Südkaukasien - Staaten mit Territorialkonflikten. In: Informationen zur politischen Bildung. Kaukasus-Region. Bonn: Erich Schmidt Verlag. S. 10 ff.
13 Ebd. S. 16.
7
2.5 Religionen
In der Kaukasus-Region sind hauptsächlich die zwei großen Religionen Christentum und Islam in ihren unterschiedlichen Richtungen vertreten (siehe Abbildung 5). Das Christentum ist in Armenien, Georgien und den Regionen Krasnodar und Stawropol die am meisten verbreitete Religion. Der Islam dagegen ist in allen sieben Republiken des Nordkaukasus und in Aserbaidschan die dominierende Religion. Die Bevölkerung in den Regionen Krasnodar und Stawropol ist Anhänger der russisch-orthodoxen Kirche. In Armenien ist die armenisch-gregorianische Kirche verbreitet und in Georgien die georgisch-orthodoxe Kirche. Die Moslems in den Republiken des Nordkaukasus sind überwiegend sunnitische Muslime.
Die Bevölkerung Abchasiens und Adschariens sind ebenfalls Sunniten. Die muslimische Bevölkerung in Aserbaidschan ist zu 75% schiitisch und zu 25% sunnitisch. 14
14 Vgl. PIETZONKA 1995, S. 33.
8
Arbeit zitieren:
Ron Klug, 2004, Der Kaukasus-Konflikt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Charles Sanders Peirce: "Deduktion, Induktion und Hypothese"
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Referat (Handout), 13 Seiten
Ron Klug hat einen neuen Text hochgeladen
Die völkerrechtliche Bewertung des militärischen Konflikts zwischen Ar...
Das Krisenmanagement durch die...
Aydan Bashlinskaya
George W. Bush und der fanatische Krieg gegen den Terrorismus
Eine psychoanalytische Studie ...
Hans-Dieter König
Georgier und Tschetschenen auf...
Albert Jeloschek, Friedrich Richter, Ehrenfried Schütte, Johannes Semler
0 Kommentare