Abbildungsverzeichnis 4
A Einleitung 1
A.1 Landeskundliche Informationen zur Slowakei. 1
A.2 Exkursionsroute. 2
1. Tag Mittwoch, 01.09.2004 3
1. Standort Parkstein 5
2. Standort NSG Lerau. 6
3. Standort Plzeň 8
2. Tag Donnerstag, 02.09.2004 10
1. Standort Comenius-Universität. 10
3. Tag Freitag, 03.09.2004. 12
1. Standort Sandberg 12
2. Standort Devín (Theben) 14
3. Standort Park von Janka Král’á. 17
4. Standort Gabčíkovo. 19
4. Tag Sonnabend, 04.09.2004 26
1. Standort Rohožnik. 26
2. Standort Sološnica. 27
3. Standort Weiße Karpaten 27
4. Standort Myjava (Grabmal des M. R. Štefánik) 28
5. Standort Pezinok (Weinmuseum) 28
5. Tag Sonntag, 05.09.2004 30
6. Tag Montag, 06.09.2004. 36
1. Standort Pribinovo Námestie (Platz des Pribina) 36
2. Standort Kirche des Heiligen Emmeram. 38
3. Standort Brücke am Hron 39
4. Standort Putikov Vŕšok 40
5. Standort Aluminiumfabrik bei Žiar nad Hronom 41
6. Standort Banská Štiavnica 42
7. Tag Dienstag, 07.09.2004 46
1. Standort Banská Bystrica (Neusohl) 46
2. Standort Ivanišovo 50
3. Standort Burgruine Fil'akovo (Fülek) 52
4. Fahrt durch die südlichen Regionen der Slowakei 53
8. Tag Mittwoch, 08.09.2004 54
1. Standort Zádielska Dolina. 54
2. Standort Silická l’adnica 56
3. Standort US-Steel. 58
4. Standort Košice / Großwohnkomplex Ťahanovce 59
9. Tag Donnerstag, 09.09.2004 61
1. Standort Lačnovsky Kaňon 62
2. Standort Lačnov 63
3. Standort Berg Drevenik 63
4. Standort Burg Spišsky Hrad. 65
5. Standort Levoča 66
10. Tag Freitag, 10.09.2004. 68
1. Standort Starý Smokovec (Altschmecks) 68
2. Standort Štrbské pleso (Tschirmer See) 75
11. Tag Samstag, 11.09.2004. 78
1. Standort Spišska Sobota (Georgenberg) 78
2. Standort Osturňa 79
3. Standort Nationalpark Pieninen (Pieninsky národný park) 80
4. Standort Vyšné Ružbachy (Oberrauschenbach) 81
12. Tag Sonntag, 12.09.2004 83
1. Standort Kozie Chrbty 83
2. Standort Puste Pole (Feld ohne Leute) 84
3. Standort Stratenský Kaňon. 84
4. Standort Poprad (Deutschendorf) 86
13. Tag Montag, 13.09.2004. 88
1. Standort Wasserkraftwerk Čierny Váh (Schwarze Waag) 88
2. Standort Liptovská Mara (Liptauer See) 88
3. Standort Sliačske Travertíny 91
4. Standort Vlkolínec 91
5. Standort Martin (Sankt Martin in der Turz) 92
14. Tag Dienstag, 14.09.2004. 93
1. Standort Trenčin (Trentschin) 94
2.Standort Piešt’any (Pischtian) 96
15. Tag Mittwoch, 15.09.2004. 98
1. Standort Altstädter Ring (Staromĕstské námĕstí) 99
2. Standort Karlsbrücke (Karluv most) 100
3. Standort St. Veitsdom 101
16. Tag Donnerstag, 16.09.2004 102
1. Standort Böhmisches Mittelgebirge (České středohoří) 102
2. Standort Grenzübergang Tschechien 102
3. Standort Erzgebirge (Krušné hory) 103
4. Elbehochwasser 105
Schlussbemerkung 106
Exkurs 1 Religion. 108
Exkurs 2 Die Roma 109
Literaturverzeichnis 115
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1.1 Geologie in der Umgebung des Parksteins
Abb. 1.2 Basaltsäulen des Parksteins
Abb. 1.3 Entstehung der Basaltsäulen.
Abb. 1.4 NSG Lerau
Abb. 1.5 Rathaus in Plzeň
Abb. 1.6 Synagoge in Plzeň
Abb. 3.1 Sandberg
Abb. 3.2 Obere Burg - Devín
Abb. 3.3 Renaissancepalais - Devín
Abb. 3.4 Jungfrauenturm - Devín
Abb. 3.5 NSG Thebener Kogel
Abb. 3.6 Zusammenfluss von Morava und Donau
Abb. 3.7 Luftbildaufnahme vom Park Janka Král’á
Abb. 3.8 Turm der Franziskanerkirche
Abb. 3.9 Die Brücke Nový most
Abb. 3.10 Die Brücke Most vo výstavbe
Abb. 3.11 Der Čuňovo Komplex 1
Abb. 3.12 Der Čuňovo Komplex 2
Abb. 3.13 Plan C - Wasserkraftwerk Gabčíkovo
Abb. 3.14 Kanalstufe Gabčíkovo
Abb. 3.15 Schleusenbetrieb in Gabčíkovo
Abb. 4.1 Grabmal des M. R. Štefánik
Abb. 5.1 Burg von Bratislava
Abb. 5.2 Altes Rathaus
Abb. 5.3 St. Martinsdom
Abb. 5.4 Blick auf Petržalka
Abb. 6.1 Denkmal des Fürsten Pribina
Abb. 6.2 Kirche des Heiligen Emmeram
Abb. 6.3 Hron bei Brehy
Abb. 6.4 Lössüberdecktes Vulkangestein
Abb 6 5 Lavatunnel des Putikov Vŕšok
Abb. 6.6 Aluminiumfabrik bei Žiar nad Hronom
Abb. 6.7 Evolution des Štiavnica Stratovulkans.
Abb. 6.8 Rathaus in Banská Štiavnica
Abb. 6.9 Dreifaltigkeitssäule in Banská Štiavnica
Abb. 7.1 Stadtplan von Banská Bystrica
Abb. 7.2 Marienkirche
Abb. 7.3 Platz des Slowakischen Nationalaufstandes
Abb. 7.4 Streusiedlung Detva
Abb. 7.5 Tephraschichten
Abb. 8.1 Totholz im Chotárny potok
Abb. 8.2 Ostslowakische Eisenwerke vor 1989
Abb. 8.3 US-Steel in Košice, 2004
Abb. 8.4 St. Elisabeth Dom, Košice.
Abb. 9.1 Rock spreading am Berg Drevenik
Abb. 9.2 Burganlage Spišsky Hrad
Abb. 9.3 Hauptaltar des Heiligen Jakobus
Abb. 10.1 Tour von Hrebienok zur Hütte Téryho chata
Abb. 10.2 Ziel - Hütte Téryho chata
Abb. 10.3 Studený potok
Abb. 10.4 Blick in das Tal Malá Studená dolina
Abb. 10.5 Wand Žltá stena
Abb. 10.6 Das Tatragebirgsmassiv bei Poprad
Abb. 10.7 Gerlachovský štít
Abb. 10.8 Rundhöcker mit Gletscherschrammen
Abb. 10.10 Entwässerungssystem Slowakei
Abb. 10.11 Wasserfall Obrovský Vodopád
Abb. 10.12 Enzian (Gentiana clusii)
Abb. 10.13 Bergsee Štrbské pleso
Abb. 11.1 Häuser in Spišska Sobota
Abb. 11.2 Flyschauflschuss bei Osturňa
Abb. 11.3 Haus in Osturňa
Abb. 11.4 Aufriss Travertinkrater
Abb. 11.5 Skulptur aus Travertin
Abb 13 1 Liptovká Mara
Abb. 13.2 Häuser in Vlkolínec
Abb. 14.1 Kartenausschnitt des oberen Váhtals
Abb. 14.2 Burg in Trenčin
Abb. 15.1 Muttergotteskirche
Abb. 15.2 Die astronomische Uhr
Abb. 15.3 Karlsbrücke
Abb. 16.1 Umweltbelastung in der Tschechischen Republik
Abb. E 1 Roma-Slum Trebišov 1.
Abb. E 2 Altersstruktur der slowakischen Bevölkerung
Abb E 3 Roma-Slum in Trebsiov 2
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
A Einleitung
A.1 Landeskundliche Informationen zur Slowakei
Klima:
Die Menschen 5,4 Millionen 1 Bevölkerung:
Bevölkerungswachstum: + 0,13 % Bevölkerungsdichte:
Amtssprachen:
Der Staat
Hauptstadt:
Regierungsform: Staatsoberhaupt: Ministerpräsident:
Die Wirtschaft
Währung: Slowakische Krone = 100 Heller Anteil der Erwerbstätigen: Landwirtschaft
Industrie Dienstleistung BIP pro Kopf: Arbeitslosenquote: Inflationsrate: Mit dem Zerfall des Föderalstaates Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 bildeten sich die beiden Nachfolgestaaten Tschechische Republik und Slowakische Republik heraus. In einer Phase der außenpolitischen Isolierung durch die undemokratischen Praktiken der Regierung unter Mečiar von 1994 bis 1998 verlor die Slowakei den Anschluss an den europäischen Integrationsprozess. Im Gegensatz zu den Nachbarländern Ungarn, Tschechien und Polen wurde die Slowakei 1997 nicht zum NATO-Beitritt eingeladen. Seit den Wahlen 1998 besitzt das Land eine der Demokratie verpflichtete Regierung und hat die verlorenen Jahre wieder aufgeholt.
1 Alle folgenden Datenangaben dieses Kapitels beziehen sich auf den Stand vom April 2003 und auf folgende Quelle: AWS 2004, S. 22.
- 1 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Seit dem 1. Mai 2004 ist die Slowakei Mitglied der Europäischen Union und der NATO. Die EU-Kommission lobt den politischen Fortschritt im Land, wie er sich nach der Abwahl von Ministerpräsident Mečiar entwickelt hat. Die öffentliche Verwaltung hat noch eklatante Schwächen. Eine umfassende Verwaltungsreform befindet sich derzeit noch im politischen Entscheidungsprozess.
A.2 Exkursionsroute
Die Exkursionsroute führte in einer großen Schleife durch die gesamte Slowakei. Die Anreise von Halle verlief über Plzeň nach Bratislava. Ausgehend von der Hauptstadt fanden in den ersten Tagen Erkundungen der Donauniederung (Podunajská nížina) sowie der Umgebung der Kleinen Karpaten (Malé Karpaty) statt. Nach einer ausführlichen Stadtexkursion durch Bratislava führte die Route über die Donauebene, durch Nitra und entlang des Tals des Flusses Hrón in das Gebirgsland der Westkarpaten mit den Bergbaustädten Banská Štiavnica und Banská Bystrica. Von dort aus ging es weiter in Richtung Südwesten bis nach Fil’akovo und dann nach Nordosten bis nach Košice. Die zweitgrößte Stadt der Slowakei bildete zum einen den Ausgangspunkt für eine Fahrt in den Slowakischen Karst (Slovenský kras) und zum anderen den östlichsten Punkt der Exkursionsroute. Die Rückfahrt Richtung Bratislava erfolgte über die nördliche Verbindungsstrecke Prešov - Martin. Auf der Rückfahrt kam es zu einem längeren Aufenthalt in Svit, in der Nähe von Poprad. Von dort aus erfolgten Abstecher in die Hohe Tatra (Vysoké Tatry), nach Norden in den Nationalpark Pieninen (Pieninsky národný park) sowie nach Süden in das Slowakische Paradies (Slovenský raj). Der Weg bis Martin führte außerdem am Liptauer Stausee (Liptovská Mara) vorbei. Von Martin verlief die Route dann über Trenčín und Piešt‘any zurück nach Bratislava. Von dort erfolgte die Rückreise nach Halle mit einem Zwischenstopp in Prag.
- 2 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
1. Tag Mittwoch, 01.09.2004
Route: Halle - A38 - A9 - Autohof Berg - Parkstein - NSG Lerau - Plzeň
Die Fahrt begann am Mittwoch, dem 01.09.2004, um 08:15 Uhr in Halle. Über die A38 und die A9 führte sie in südliche Richtung. An der Landesgrenze von Thüringen und Bayern wurde das Bayrische Vogtland durchquert, welches ein sanftwelliges Relief mit Höhen von 500 m über N.N. aufweist.
Südwestlich der Route erstreckte sich das Fichtelgebirge, eine Mittelgebirgs-landschaft, dessen höchste Erhebung der Schneeberg mit 1.051 m ist. Das Fichtelgebirge besitzt ein radiales Entwässerungssystem. Nach Norden entwässert die Saale in die Elbe, nach Westen der Main in den Rhein, nach Osten die Eger in die Elbe und nach Süden die Naab in die Donau. Das Fichtelgebirge entwässert sowohl in die Nordsee als auch in das Schwarze Meer und hat somit die Funktion eines „Wasserverteilers“ für die Entwässerung in Mitteleuropa. Danach wurde südlich von Marktredwitz die Fränkische Linie gequert (Abb. 1.1), eine tektonische Bruchlinie mit herzynischer Streichrichtung. Die Fränkische Linie trennt altes paläozoisches Gestein wie Granit und Vulkanit im Nordosten von jüngerem mesozoischem Gestein im Südwesten. Die Verwerfung hatte eine Sprunghöhe von ca. 1.000 m.
Entlang der Fahrtstrecke durch die Oberpfalz waren zahlreiche anthropogen angelegte Wasserflächen erkennbar. Diese stellen für Hochflächen mit Tonuntergrund eine typische Nutzung dar, die Teichwirtschaft bzw. Fischzucht. Der Ton ist ein tertiäres Verwitterungsprodukt von paläozoischem Gestein (Granit), welches den Untergrund abdichtet und somit die Versickerung von Wasser erschwert. Als Zentrum der Oberpfälzer Teichwirtschaft gilt der Ort Mitterteich. Die Kaolinisierung und der daraus entstandene Kaolinton sind die Voraussetzung für eine weitere wirtschaftliche Nutzung in der Oberpfalz, die Porzellanherstellung. Ein bedeutender Standort der Porzellanherstellung ist die Ortschaft Selb. Im Gelände lagen zahlreiche Granitblöcke verstreut. Diese grob gerundeten Blöcke sind das Ergebnis der Wollsackverwitterung, bei der das Gestein entlang der Klüfte
- 3 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
und Spalten verwittert. Nach Ausspülung des verwitterten Materials verbleiben die abgerundeten Blöcke und bilden Wollsäcke. 2 In der Nähe von Marktredwitz wurde durch ein Hinweisschild auf das Geotop Luisenburg aufmerksam gemacht. Hierbei handelt es sich um ein Felsenlabyrinth aus Granitblöcken. Bei Mitterteich wurde der südwestliche Ausläufer des Egergrabens durchfahren, der sich am südlichen Rand des Erzgebirges in variskischer Streichrichtung erstreckt. Der Egergraben verläuft somit entgegengesetzt zur Fränkischen Linie und ist mit jungtertiären klastischen Sedimenten gefüllt. 3
Nahe der discheschenbach liegt an der Oberfläche altes bzw. „tiefes“ paläozoisches Gestein frei. Da hier die mesozoischen Decken nicht mehr werden mussten, wurde Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts die Kontinentale Tiefenbohrung gesiedelt. Die Ansiedlung der KTB erfolgte allerdings auch aus politischer Motivation, da die bayrische Grenzregion mit Lage zur Grenze der ehemaligen DDR und
ČSSR
wirtschaftlich benachteiligt war. Der Nutzen
für die Geologie war eher gering, da die alten Gesteinsschichten senkrecht aufgestellt sind und deshalb streckenweise nur geringe wissenschaftliche Erkenntnisse zuließen. Die Bohrtechnik konnte jedoch im Verlauf der Zeit wesentliche Neuerungen und Fortschritte verzeichnen. Heute liegt die Bohrtiefe bei ca. 10 km.
2 Lexikon der Geowissenschaften (CD-ROM für Windows 98). 2002, Spektrum.
3 Vgl. Protokoll zur Exkursion Tschechien-Slowakei-Österrich-Ungarn. 1998, S. 7.
- 4 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Nach dem Verlassen der Autobahn wurde über die Ortschaft Buch der Parkstein mit gleichnamigem Ort erreicht.
1. Standort Parkstein
Der Parkstein ist einer der südwestlichsten Ausläufer des Vulkanitgesteins aus dem Egergraben (Abb. 1.1). Er ist ein 24 Mio. Jahre alter „spaltenförmiger Förderschlot“ 4 eines Vulkans aus dem Tertiär und besteht aus Basaltsäulen. Basalt ist ein feinkristallines, basisches Gestein und besteht hauptsächlich aus den Mineralen Feldspat und Pyroxen. Während der alpidischen Gebirgsbildung, bei der die europäische und die
afrikanische Platte mit-einander kam es in Mitteleuropa zu vulkanischer Aktivität. Dabei gelangte basaltisches Magma aus dem oberen Erdmantel aus 50 km Tiefe an die Oberfläche.
5
Nachdem die umge-
bende Landfläche abgetragen wurde der Schlot des Vulkans freigelegt (Abb. 1.2). Da der in früheren Zeiten tiefer liegende Förderschlot heute ca. 150 m über der umgebenden Landfläche liegt, kann man im Falle des Parksteins von einer Reliefumkehr sprechen.
Das basaltische Magma hatte eine Eruptionstemperatur von 1.150 °C und wurde mit einer Geschwindigkeit von mehreren Kilometern pro Stunde an die Oberfläche befördert.
4 Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. (Jahr). Titel. Stand: URL:http://www.geologie2.bayern.de [Abrufdatum: 14.10.2004].
5 Ebd.
- 5 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Bei der Abkühlung bildete es polygone
Basaltsäulen aus, wobei die fünf- bis siebeneckigen Volumenschrumpfung Abkühlungsfront entstanden. Ähnlich wie bei der Austrocknung einer Wasserfläche mit tonigem Untergrund entstand ein Netz von „Schwundrissen“, das sich bei weiterer Abkühlung zu „Schwundklüften“ in die Tiefe fortsetzte
separierte Säulen bildete (Abb. 1.3). Die Ausrichtung der Basaltsäulen lässt somit Rückschlüsse auf die Abkühlungsrichtung
zu.
6 Das Basaltgestein wurde in einem Steinbruch gewonnen und als Straßenschotter, Baumaterial und Mineraldünger verwendet. Seit 1935 steht der Parkstein jedoch unter Naturschutz. 7
Nach der Besichtigung des Parksteins wurde die Fahrt auf der A93 und der B14 Richtung Plzeň fortgesetzt. Aus der Naabsenke heraus kam es zu einem merkbaren Geländeanstieg, denn die Fränkische Linie wurde überquert. Für die Tschechische Republik liegt die wirtschaftliche Bedeutung der tektonischen Verhältnisse des Egergrabens im Braunkohleabbau und der Nutzung von Heilquellen an dessen Randbereichen, wie in Franzensband, Karlsbad und Marienbad. Bei Leuchtenberg wurde der nächste Standort erreicht.
2. Standort NSG Lerau
Bei Leuchtenberg fließt der in die Luhe mündende Leraubach durch das Lerautal, welches ein Naturschutzgebiet ist. Im Flussbett und entlang des Flusses befinden
6 Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. (Jahr). Titel. Stand: URL:http://www.geologie2.bayern.de [Abrufdatum: 14.10.2004].
7 Ebd.
- 6 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
sich viele Granitblöcke mit ausgeprägter Wollsackverwitterung (Abb. 1.4). Die Granitblöcke sind sehr groß und das Gefälle des Flusses relativ klein. Ab einem Gefälle von 2 ° könnten die Blöcke jedoch periglazial als Wanderblöcke herantrans-portiert worden sein. Wahrscheinlicher ist allerdings eine In-situ-Verwitterung, bei der die Blöcke vor Ort durch Ver-
witterung entstanden und damit autochthonen Ursprungs sind. Die touristische Wertschöpfung des Naturschutzgebietes ist sehr gering. Eine Ausweisung von Wanderwegen wurde
menschlichen Einfluss auf die Natur so gering wie möglich zu halten.
Nach der kurzen Wanderung durch
das Naturschutzgebiet Lerau wurde auf der B14 die Region der deutschtschechischen Grenze erreicht. Die Grenzregion ist auf beiden Seiten wirtschaftlich benachteiligt.
Das deutsche Grenzgebiet unterliegt wegen der kargen Böden nur einer geringen landwirtschaftlichen Nutzung. Industrie ist aufgrund der peripheren Lage ebenfalls kaum vorhanden. Der Großhandel betreibt an vereinzelten Standorten Lagerwirtschaft. Im grenznahen Raum floriert ein ausgeprägter Billigwarenhandel, der von Asiaten dominiert wird.
Auf die wirtschaftlichen Nachteile der Region wurde versucht mit Förderprogrammen zu reagieren. Dies geschah zum Beispiel mit dem Versuch, touristische Einrichtungen anzusiedeln. Der Bau von Umgehungsstraßen, der die Innenstädte vom Grenzverkehr entlasten sollte, führte zum negativen Effekt des Kaufkraftverlusts durch den wegfallenden Durchgangsverkehr.
Auf der tschechischen Seite gab es nach dem Wegfall der staatlichen landwirtschaftlichen Großbetriebe nach 1989 eine erhöhte Arbeitslosigkeit. Aus der ehemaligen Kollektivlandwirtschaft wurde eine Restlandwirtschaft herausgelöst.
- 7 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Die soziale Not durch Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit drängt viele Frauen in die Prostitution. Erscheinungen des Sextourismus, wie Bordelle und Straßenprostitution, sind in den Grenzorten weit verbreitet und führen neben erhöhten Abtreibungszahlen und Erkrankungen auch zu einer Abwertung der ortsansässigen weiblichen Bevölkerung. 8
Im Rahmen der EU-Öffnung kam es zu einer Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Das bestehende Lohngefälle zwischen Ost und West führt jedoch zu einem verstärkten Pendeln von Arbeitskräften und Saisonarbeitern, die in Tschechien wohnhaft sind, aber in Deutschland Geld verdienen. Auf tschechischem Gebiet wurde am späten Nachmittag Plzeň erreicht.
3. Standort Plzeň
Plzeň ist die viertgrößte Stadt der Tschechischen Republik und hat heute 167.000 Einwohner auf einer Fläche von 125 km². Die Stadt liegt ca. 100 km südwestlich von Prag an einem alten Handelsweg zwischen der Böhmischen Hauptstadt und Bayern.
Geschichte
Im Jahre 1295 gegründet, entwickelte sich die Stadt bis zur Gegenwart zu einem starken Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum. 1507 wurde die Stadt durch ein Großfeuer zu zwei Dritteln zerstört. Der Stadtrat beschloss 1578, dass nur Katholiken Bürger der Stadt werden durften. Diese Maßnahme bringt die starke Verbundenheit der Stadt mit der Katholischen Kirche zum Ausdruck. Die Pest wütete 1635 in der Stadt. 1714 wurde das Dominikanerkloster gegründet. Ab 1795 wurden die Stadtmauern geschleift. 1842 nahm das bürgerliche Brauhaus seinen Betrieb auf. Während des preußisch-österreichischen Krieges war die Stadt im Jahre 1866 zwei Monate von preußischen Soldaten besetzt. 1899 wurden die Škoda-Werke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Eine größere Eingemeindungswelle vollzog sich im Jahr 1924. Die Stadt zählte 1972 über 150.000 Einwohner. Im Jahre 1989 wurde der
8 Vgl. BAATZ, 2004, S. 26.
- 8 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
historische Stadtkern zur Stadtdenkmalzone erklärt. Die Westböhmische Universität wurde 1991 gegründet. 9
Historischer Stadtkern
Zentrum des historischen Stadtkerns ist der gotische St. Bartholomäus Dom. Unweit davon steht die Pestsäule, die 1681 aus Dankbarkeit über den milden Verlauf der Pestepidemie in Plzeň erbaut wurde. Das Renaissancerathaus wurde vom italienischen Baumeister Giovanni de Statia von 1554-1559 erbaut (Abb. 1.5). Das Erzdechanat gehörte ursprünglich dem deutschen Ritterorden und ist eines der bedeutendsten Barockbauten Plzeňs. 10 Beeindruckend ist auch die Architektur der jüdischen Synagoge (Abb. 1.6).
9 Pecuch, M (2004): Plzeň - Das Zentrum der Region. Historische Übersicht. Stand: 12.08.2004. URL: http://www.info.plzen-city.cz. [Abrufdatum: 14.10.2004].
10 Vaněk, E. (2004): Plzeň - Sehenswürdigkeiten. Stand: 13.12.2003. URL http://www.info.plzen-city. cz. [Abrufdatum: 14.10.2004].
- 9 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
2. Tag Donnerstag, 02.09.2004
Route: Plzeň - E50 - Prag - E65 - Bratislava
Der zweite Exkursionstag bestand hauptsächlich aus der ca. 420 km langen Fahrt von Plzeň nach Bratislava. Auf der E50 wurde nach rund 100 km Prag erreicht, die Hauptstadt der Tschechischen Republik. Da die Autobahn nicht direkt durch das Stadtzentrum führte, wurde ein Eindruck von den Stadtrandbezirken vermittelt. An der Peripherie befinden sich zahlreiche neue Gewerbegebiete, deren gute Erreichbarkeit ein großes Einzugsgebiet begünstigt. Auf den Gewerbeflächen waren neben produzierendem Gewerbe überwiegend Einkaufszentren angesiedelt. Zu den dominierenden Supermarktketten gehören Tesco, Hypernova und Interspar. Problematisch ist dabei die Verdrängung einheimischer Produkte durch die Handelsglobalisierung. Diese hat den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge und eine Verteuerung der Lebensmittel, da viele Produkte Importware aus dem europäischen Ausland sind.
Weiterhin werden in den Randbezirken Prags Entlastungsstraßen gebaut, weil das hohe Verkehrsaufkommen im Stadtzentrum die Durchschnittsgeschwindigkeit herabgesenkt hat. Aufgrund des anhaltenden Wohnungsbedarfs wird in der Peripherie auch privater Wohnungsbau betrieben.
Nachdem Prag passiert war, wurde die Fahrt auf der E65 nach Brno fortgesetzt. Am späten Nachmittag wurde Bratislava erreicht. Nachdem zuerst das Quartier im Hotel Družba bezogen war, wurde der erste und einzige Standort an diesem Tag besucht, die Comenius-Universität.
1. Standort Comenius-Universität
In der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Comenius-Universität wurde die Exkursionsgruppe von Angehörigen des Fachbereichs empfangen. Professor Mládek hielt einen Vortrag über Zusammensetzung und Aufbau des Studiums.
- 10 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Insgesamt studieren 2.800 Studenten an der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Von den über 700 Angestellten sind 280 in der Lehre tätig. Die Fakultät besteht aus den Fachbereichen Geologie, Geographie, Biologie, Chemie und Umweltschutz. Die Bereiche Physik, Mathematik und Informatik sind bereits 1980 ausgegliedert worden. In der Sektion Geographie gibt es 60 Lehrkräfte. Die Sektion besteht aus den Fachrichtungen Kartographie/Geoinformatik, Physische Geographie/Geoökologie, Regionale Geographie/Regionale Entwicklung und Humangeographie/ Demogeographie.
Das Studium gliedert sich in den Studiengang Geographie plus eine von den 4 Bestandteilen der Sektion mit jeweils 15 Studenten bzw. insgesamt 60 Studenten. Geographie und Kommunale Verwaltung studieren 30 Studenten. Ebenso viele sind es in Geographie und Regionaler Entwicklung. Die Pädagogische Richtung der Geographie kann mit den Bereichen Mathematik, Biologie und Sport kombiniert werden. Für das fachwissenschaftliche Studium als auch für die pädagogische Ausrichtung, sind fünf Studienjahre vorgesehen. Neuerdings wird der Bachelorabschluss nach 3 Jahren, der Magister nach 5 Jahren und der Doktorgrad nach 8 Jahren erworben.
- 11 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
3. Tag Freitag, 03.09.2004
Route: Bratislava - Devínska Nova Ves - Sandberg - Devín - Park von Janka
Král’á - Čuňovo - Gabčíkovo
1. Standort Sandberg
In der Záhorská Ebene (Záhorská nížina) liegt der Sandberg nordwestlich von Bratislava, im Süden des Vorortes Devínska Nova Ves.
11
Er hat eine bedeutende Lage, da er sich in der Nähe von drei geomorphologischen Großlandschaften befindet: im Nordosten grenzt er an die Kleinen Karpaten (Malé Karpaty) deren Ausläufer bis nach Österreich reichen, westlich vom Sandberg liegen die Alpen und die Region der Záhorská Ebene gehört zum Wiener Becken (Viedenská kotlina). Sie ist damit ein Teil des Pannonischen Beckens (Panónska panvas). Der Sandberg (Abb. 3.1) besteht aus
jungtertiären marinen Sanden, die auf mesozoisches
sedimentiert wurden. Ein Beweis dafür, dass das Gebiet vor rund 16 Millionen Jahren ein Küstengebiet und somit vom Meer bedeckt war, sind die gefunden tertiären Fossilien wie Schnecken, Haizähne und Walteile. Insgesamt wurden Funde von rund 300 paläozoischen Spezies entdeckt. Auf Grund der Brandung des Meeres hat sich am Sandberg eine Abrasionsplattform gebildet. Die Abrasion hat die Sande teilweise ausgespült, so dass der Kalk als lokales
Gestein freigelegt wurde. Der Kalkstein steht senkrecht zur Abrasionsplattform. Die Abrasionshöhle wurde während der Mindelkaltzeit freigelegt.
11 Die Ortschaft Devínska Nova Ves hat rund 15.000 Einwohner.
- 12 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Geomorphologisch betrachtet hat der Sandberg den Charakter einer Horststruktur. Es handelt sich dabei um eine gehobene Scholle. Die Hänge des Sandberges zeigen die Bruchstufen entlang einer Verwerfung. Der Stadtteil Devínska Nova Ves entstand an diesen Bruchstufen. Neben den vertikalen Bewegungen dieses tektonisch immer noch dynamischen Systems, fand seit dem Quartär zusätzlich eine horizontale Drehung mit einem Ausmaß von 200 bis 300 m statt. Die tektonisch dynamischen Erscheinungen am Sandberg sind jung, da bei einer früheren Heraushebung das leicht verwitterbare Gestein bereits abgetragen worden wäre. Die Böden im Bereich der tertiären Sedimente sind Braunerden. Der Übergangsbodentyp auf dem Silikatgestein ist ein Ranker. Der Sandberg zählt als Wärme liebendes Biotop mit einer reichen Flora und Fauna zum „Thebener Kogel“ (Devínska kobyla), einem Naturschutzgebiet. Unterhalb des Sandbergs, in westlicher Richtung, fließt der Fluss Morava (March) 12 , der westlich von Bratislava bei Devín (siehe: Standort 2) in die Donau (Dunaj) mündet. Flussmorphologische Probleme ergeben sich durch Flutwellen aus Österreich, dessen Staudämme Einfluss auf das Donauregime haben. Drei Gründe für die Flutwellen lassen sich aufzählen: Schneeschmelze in den Alpen, starke Regenperioden und Talverengungen, die als morphologische Gegebenheiten einen Rückstau erzeugen. In diesem Zusammenhang gibt es in der Slowakei jedes Jahr innerhalb von zwei Zeiträumen Überschwemmungen: im Frühjahr durch die Schneeschmelze und in der Sommermitte durch die Regenperioden und durch die Talverengungen. Beim Augusthochwasser von 2002 hatte Bratislava einen Wasserstand von 950 cm und einen Durchfluss von 10.400 m³/s. Das Hochwasser erreichte neben Bratislava auch die Stadtteile Devín und Devínska Nova Ves, wobei die Morava etwas später als die Donau durch die entstehende Wasserstauung Hochwasser führte. Für Untersuchungen zum Hochwasserschutz wurde der Fluss in Einheiten untergliedert, die sich an dem Laufmuster orientierten. Zeitgleich wurde der Hochwasserspiegel bei Bratislava analysiert. Anhand von Sedimentationsmessungen an einem Militärbunker konnte nachgewiesen werden, dass zwischen 1937 und 2003 insgesamt 110 cm aufsedimentiert worden sind. Das aufsedimentierte Material verkleinert den Flussquerschnitt und erhöht die Überschwemmungsgefahr. Als
12 Die Morava entspringt im Riesengebirge und hat eine Gesamtlänge von 358 km. Vgl. SPENGLER 2004, S. 20.
- 13 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Gegenmaßnahmen wurden Baggerungen durchgeführt, welche die Sohle absenken sollen. Mit dem Absenken der Sohle sinkt auch der Wasserspiegel. Die Sohle an der Mündung der Morava (bei km 1.880) hat sich der neu entstandenen, abgesunkenen Sohlenlage angepasst. Insgesamt kam es zu einem Absinken der mittleren Sohlenlage in Bratislava (km 1.868) von 1,5 bis 2 m. 13
2. Standort Devín (Theben)
13 Vgl.JAEGGI 2003, S. 16.
- 14 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Wie bereits erwähnt, grenzen Devínska
Nova Ves (Standort 1) und Devín (Standort 2) das 1985 gegründete Naturschutzgebiet „Thebener Kogel“ mit seiner Wärme liebenden Flora und seiner Waldsteppe ein. Es hat eine Gesamtfläche von 101 ha (Abb. 3.5). Vom Felsengipfel der Burgruine blickt man in nordöstlicher Richtung auf den Zusammenfluss der beiden Flüsse Morava und Donau (Abb. 3.6). Auffällig ist dabei die unterschiedliche Färbung der Flüsse. Die Ursache liegt darin begründet, dass die
Donau ihre hellere Färbung durch die Schwebstoffe des Inn erhält, der aus den Alpen einen hohen Schwebstoffanteil,
als Abtrag aus kristallinem Gestein, mitführt. Die Morava hingegen weist eine dunklere Färbung auf. Sie hat einen geringeren Schwebstoffgehalt, da sie nur durch Mittelgebirge fließt. Hier ist der Abtrag aus kristallinem Gestein geringer. Jedoch ist der Anteil der mitgeführten Huminstoffe hoch, woraus die deutlich erkennbare dunklere Färbung resultiert (Abb. 3.6, Bildrand rechts unten). Des Weiteren hält die wasserwirtschaftliche Nutzung durch Talsperren einen großen Teil der Schwebstoffe sammenfluss kommt es flussabwärts nach und nach zu einer totalen Durchmischung von Morava und Donau.
- 15 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Beim Blick auf den Zusammenfluss fällt auf, dass man von der Burgruine einen guten Gesamtblick über das Gebiet und somit eine gute strategische Lage hat. Dies ist u.a. ein Grund, warum archäologische Funde keltische 14 , römische, slawische und frühmittelalterliche Besiedlungsspuren aufzeigen. Noch heute stellt die Burgruine die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei dar, welche in der Flussmitte verläuft. Neben der Grenzfunktion und der guten strategischen Lage mit dem Blick über die Landschaft, wirkten sich auch noch das Wasser als Nutzfaktor und der fruchtbare Boden begünstigend für eine Besiedlung aus. Die militärisch strategische Bedeutung der Furt führte nicht nur zum Festungsbau von Devín, sondern auch zum Bau der Festung Hainburg am gegenüberliegenden Donauufer und flussabwärts Richtung Osten zum Bau der Burg von Bratislava.
Aus der Römerzeit fand man Reste vom Limes aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der das römische Reich nach Osten hin abgrenzte. Die erste schriftliche Erwähnung in den Fuldaer Annalen als „dowina“ geht auf das Jahr 864 zurück. Devín gehörte als wichtige Befestigungsanlage zum Großmährischen Reich, aus dessen Wurzeln die slawische Nation hervorging. Die Burg hatte aus den oben genannten Gründen die Funktion einer Grenzburg.
Im Mittelalter wirkte sich die Lage weiterhin sehr günstig auf die Entwicklung der Burg aus. An der Donaufurt kreuzten zwei Handelswege, welche die Ostsee und das Mittelmeer miteinander verbanden. Folglich wurde die Donaufurt zu einem Treffpunkt für Handelsleute und es kam zu einem wirtschaftlichen Aufstieg der Siedlungen um die Furtregion. 15
Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert, als die Burg im Besitz verschiedener ungarischer Adelsgeschlechter war, kam es zu Erweiterungsbauten. 16 Im Jahr 1809 wurde sie während der Napoleonischen Kriege durch Franzosen zerstört (Abb. 3.3). Der Gelehrte L’udovít Štúr 17 hat an diesem Ort 1848 seine Forderungen nach Autonomie für die Slowakei veröffentlicht und damit an das Großmährische Reich
14 Aus der keltischen Zeit stammen die ersten Münzen der Slowakei. Es handelt sich dabei um Silbermünzen, so genannte Biatec-Münzen, die auf eine produktive keltische Münzerei Rückschlüsse zulassen.
15 Vgl. HOLUBANSKA u. a. 1991, S. 8-12.
16 Im 15. Jahrhundert war die Burg im Besitz der Herren von Gara. Danach folgten als Besitzer die Herren von Sv. Jur und Pezinok und von 1527 bis 1605 die Familie Báthory. Vgl. MESTKÉ MÚZEUM BRATISLAVA [Hrsg.] (o. J.): Eintrittskarte für die Burg Devín.
17 L’udovít Štúr ist Schriftsteller und Sprachreformer und lebte von 1815-1856. Vgl. HOFER 2003, S.35.
- 16 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
erinnert. 18 Darauf begründet, wurde die Burg durch die slowakische Nationalversammlung 1961 zum nationalen Kulturdenkmal erhoben. Noch heute ist der Jungfrauenturm (Abb. 3.4), eine Polygonalbastei mit Zinnenkranz aus dem 15. Jahrhundert, auf der 50 Heller Münze abgebildet. Die Bennennung des Turmes geht auf die Legende zurück, nach der sich ein unglückliches Liebespaar von diesem Felsenturm in die Tiefe stürzte. 19
Während der Zeit des Kalten Krieges war die Region der Burg durch Stacheldraht und Wachtürme gesperrt, um Fluchtversuche über die Grenze zu unterbinden. Diese Einrichtungen gehören der Vergangenheit an. Heute wird die Burganlage touristisch genutzt. Ein Museum und ein Amphitheater wurden u. a. eingerichtet. 20
3. Standort Park von Janka Král’á
Der „Janka-Kral-Park“ liegt am
18 Vgl. HOFFMANN, U. (2002): Die Slowakei. Das Land im Herzen Europas. Stand: 02.05.2004. URL: http://www.ulliswelt.com/dateien/htm/frame_new.htm [Abrufdatum: 19.10.2004].
19 Vgl. HOLUBANSKA u. a. 1991, S.125.
20 Vgl. HUMPHREYS 1997, S.475.
- 17 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Im Park kann man u. a. die Spitze des ursprünglichen
Turms der Franziskanerkirche (Abb. 3.8) und die Statue des Dichters besichtigen, der diesem Park den Namen gab. Vom Park blickt man auf das nördlich Donauufer von Bratislava, an welchem die Besiedlung ihren Anfang nahm. Ursprünglich existierte eine Furt über die Donau. Darüber hat sich dann die Festung am südlichen Ausläufer des Granitrückens der Malé Karpaty entwickelt. Der Bergkamm tritt unter dem Wiener Tor in die Burg und fällt dann hinter der Burg in den Sattel ab. 21
Die Donau hat bei Bratislava einen mittleren Abfluss von
1.993 m³/s und eine Fließgeschwindigkeit von 2 m/s. 22 Die Aufschüttungskegel der Donau wurden stufenweise im Tertiär gebildet und im Quartär mit Sanden aufgefüllt. Am Fuße der Überreste der mittleren Donauterrasse, die schützende Funktion vor Hochwasser ausnutzend, hatten sich die ersten keltischen Stämme niedergelassen. 23
Die ersten weit reichenden Donauregulierungen um Bratislava gehen auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück, auch wenn erste kleinere Veränderungen bereits in römischer Zeit stattfanden. Es kam zum Bau von Schutzdämmen und der wilde Fluss mit seinem stark mäandrierenden Charakter wurde eingedämmt, so dass die Besiedlungsfläche sich auf die
Flussaue ausbreiten konnte. Zur Überquerung der Donau besitzt Bratislava derzeit vier Stadtbrücken. Es handelt sich dabei im Westen beginnend um die most Lafranconi, die Nový most (Abb. 3.9), die
21 Vgl. FIALA u.a. 1995, S. 7-13.
22 Vgl. SPENGLER 2004, S. 20.
23 Zur Siedlungsgeschichte von Bratislava siehe Tag 5.
- 18 -
Slowakei-Exkursion 01.09. - 16.09.2004
Starý most und die Pristavný most. Eine fünfte Stadtbrücke, die most vo výstavbe (Abb. 3.10), ist derzeit im Bau und sollte im September 2004 eingeweiht werden. Sie wird eine Verlängerung der Straße Košická hin zum rechten Donauufer herstellen. Vor den Donauregulierungen bil-
dete die Fläche des Parks die Insel Brückenau, eine ursprüngliche Schotterbank. Die Insel war über eine Fährbrücke und eine südlich gelegene Holzbrücke mit dem Festland verbunden, welche später durch Eisgang zerstört worden ist. Die Vegetation auf der Kiesbank bestand aus Weiden und Pappeln. Mit der Donauregulierung wurde der südliche Flussarm durch einen Damm in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts geschlossen und anschließend der Park als Erholungsort angelegt.
Während der Napoleonischen Kriege 1809 war der Park in die Kampfhandlungen eingeschlossen. An der nördlichen Grenze des Parks wurde eine Militärschanze errichtet. Die Legende besagt, dass einer noch heute im Park stehenden Eibe die Spitze während der Kampfhandlungen abgeschossen wurde. Im Winter des gleichen Jahres wurde auch ein Eisstauhochwasser gemeldet. Dieses entsteht, wenn Eisschollen sich zu Eisdämmen auftürmen und dadurch das ankommende Wasser gestaut wird.
4. Standort Gabčíkovo
Gebietsbeschreibung
Das Staustufensystem wirkt auf das Gebiet des Donaubeckens zwischen Bratislava und Györ, die so genannten „Schüttinseln“ Szigetkös 24 und Zitni Ostrov 25 . Es handelt
24 Die südliche Kleine Schütt liegt zwischen der Moson-Donau und der Alt-Donau und ist 450 km² groß.
25 Die Große Schütt liegt zwischen der Alt-Donau und der Kleinen bzw. Waag-Donau und ist als größte Flussinsel Europas 1.885 km² groß.
- 19 -
Arbeit zitieren:
Ron Klug, Kristin Eusert, Doreen Fuhrmann, Constance Kurschat, 2004, Slowakei - Ein geographischer Exkursionsbericht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Ron Klug hat einen neuen Text hochgeladen
Landscapes of Transition: Landform Assemblages and Transformations in ...
Maryann P. Feldman, Hewitt, Kenneth Hewitt
5 routes through Slovakia's ca...
Irene Hanappi, Katharina Gossow, Lydia Wazir
Das Geographische Worterbuch Des Abu 'Obeid 'Abdallah Ben 'Abd El-'Azi...
Ferdinand Wustenfeld
0 Kommentare