I. Inhaltsverzeichnis
1. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen 1
2. Raumordnungskonzepte in der Gegenwart. 2
2.1. Ausgangssituation 2
2.2. Dezentrale Konzentration. 3
2.3. Städtenetze 4
2.4. Dispersion - ein raumordnerischer Prozeß 6
2.5. Zusammenfassung. 7
3. Vergleich 8
4. Ausblick. 10
Literatur 11
1. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen
In der Bundesrepublik Deutschland herrscht das Sozialstaatsprinzip. Auch wenn diese Sozialstaatlichkeit durch einen fortdauernden Trend des Abbaus sozialer Leistungen und eine Tendenz hin zu sozial eher belastenden und benachteiligenden Reformen wie etwa Steuer-, Renten- und Gesundheisreform, mehr denn je gefährdet erscheint, ist sie dennoch real existent.
Die Sozialstaatlichkeit ist ein institutionell und verfassungsgegebenes, den Bund verpflichtendes Prinzip. Demzufolge ist unter den Artikeln 20 Abs.1 und 28 Abs.1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland folgendes verankert: „Die Bundesrepublik ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ (Art.20 Abs.1 GG) und „ Die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern muß den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen. ...“(Art.29 Abs.1 GG) Verfassungsrechtler schließen aus diesen zu Grunde gelegten Grundsätzen, daß der Staat dazu verpflichtet ist, einheitliche Mindeststandards für die räumlichen Lebensbedingungen der Bürger zu schaffen und diese auch einzuhalten. Durch die Festlegung und Schaffung von Mindeststandards für die Versorgung der Bevölkerung, soll dann die Gestaltung einer gleichwertigen Lebensqualität für jeden Bürger erreicht und gesichert werden. 1 Diese Mindeststandards sollen für alle Bereiche des öffentlichen Lebens gelten und betreffen neben der Sozialstruktur (Einkommenssicherung...), Siedlungsstruktur (Erreichbarkeit der Zentren...), Infrastruktur (Verkehrswesen...) auch die Wirtschaftsstruktur (Qualität der Arbeitsplätze...) und die Umweltqualität (natürliches Potential...). 2 Die Bundesrepublik Deutschland ist jedoch ein Staat mit teils erheblichen regionalen Disparitäten bezogen auf die zuvor genannten Mindeststandards. So ist die Wirtschaftsstruktur im Bereich großer Agglomerationsräume wie z.B. München oder Hamburg vergleichsweise viel stärker und natürlich auch anders ausgeprägt als in ländlichen Regionen. Das schlägt sich dann auch auf weitere Bereiche nieder, wie Sozialstruktur, Siedlungsstruktur usw.
Um dem entgegen zu wirken legte der Beirat für Raumordnung 1976 verschieden Prinzipien fest, von denen eins lautet: „Darüber hinaus muß es ... mehr denn je Aufgabe der
1 ARL: Gleichwertige Lebensbedingungen durch eine Raumordnungspolitik des mittleren Weges. (1982) Bd.140
(S.26)
2 ebd. (S.28)
1
Raumordnungspolitik sein, die verbleibenden ökonomischen, ökologischen und sonstigen Chancen aller Teilräume voll auszuschöpfen ...“ 3
Die Verantwortung und die Aufgabe, gleichwertige Lebensbedingungen in allen Regionen Deutschlands zu schaffen, liegt also in der Hand der Raumordnungspolitik und somit auch in der des Bundes. Eine Möglichkeit räumliche Disparitäten abzubauen oder zumindest deren weitere Verschärfung zu stoppen und annähernd gleichwertige Lebensbedingungen für alle Bürger zu schaffen, sind die Raumordnungsmodelle des Bundes. Diese sollen nun in dieser Arbeit näher betrachtet werden.
2. Raumordnungskonzepte in der Gegenwart
2.1. Ausgangssituation
Der Prozeß der Verstädterung ist ein aktuell fortschreitender Prozeß der Siedlungsstruktur, einhergehend mit der Zersiedlung der Landschaft, mehr Aufwendungen für Infrastruktur und immer mehr Verkehrsproblemen. 4 Dieser Dekonzentrationsprozeß von Bevölkerung und Industrie birgt demnach neben den vermeintlichen Vorteilen in der Peripherie auch negative Aspekte, bezogen auf die Beanspruchung der Umwelt.
Um den raumordnerisch unerwünschten Folgen dieses Prozesses entgegenzuwirken, legte das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau 1993 den ORA (raumordnungspolitischen Orientierungsrahmen) vor. Im ORA werden Leitbilder und Strategien vorgestellt, unter anderem das der dezentralen Konzentration, die als Prozeß wirken sollen. 5
Hierbei sei angemerkt, daß diese Leitvorstellungen keine Erfindungen einer einzelnen Institution sind, sondern im Prinzip an die real existierenden Siedlungstrukturbilder der Bundesrepublik Deutschland angelehnt sind.
Diese Siedlungsstruktur verändert sich nun zum einen dadurch, daß Freiflächen in Siedlungsflächen umgewandelt werden und zum anderen, durch den Umbau schon vorhandener Flächen, die dann anders genutzt werden. Die Siedlungsentwicklung schreitet somit aus
3 ARL: Gleichwertige Lebensbedingungen durch eine Raumordnungspolitik des mittleren Weges. (1982) Bd.140
(S.26)
4 Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.): Dezentrale Konzentration, in:
Informationen zur Raumentwicklung H.7/8 (1994), Bonn 1994, (S.VIII)
2
Arbeit zitieren:
Ron Klug, 2003, Raumordnungsmodell und Raumordnungskonzepte, München, GRIN Verlag GmbH
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