Inhaltsverzeichnis
1 Analyse der Lerngruppe 1
2 Sachanalyse 2
3 Bezug zu den RRL und Einordnung der Stunde in die Sequenz 4
4 Lernziele 5
5 Didaktische Überlegungen 6
6 Methodische Überlegungen 7
7 Verzeichnis der verwendeten Literatur 9
8 Anhang 10
8.1 Verlaufsplan 10
8.2 Arbeitsmaterialien 11
8.3 Tafelbild 17
8.4 Sitzplan 18
1 Analyse der Lerngruppe
Die Klasse 8 2 unterrichte ich seit Beginn des Schuljahres 2009/2010 im Rahmen des eigenverantwortlichen Unterrichts. Das Klassenklima und das Verhältnis zu den Schülern sind grundsätzlich positiv. Im Klassenverband lernen insgesamt 11 Jungen und 12 Mädchen. Der Solidarisierungsgrad unter den Schülern ist verhältnismäßig hoch, den Unterricht beeinflussende Ausgrenzungskonflikte oder andere Unstimmigkeiten spielten bislang keine Rolle. Das Disziplinverhalten kann in der Regel als sehr gut und die Lernatmosphäre als überwiegend produktiv beschrieben werden. Zwei Schüler (S1 und S2) wiederholen die Klassenstufe und sind zu Beginn des Schuljahres neu in den Klassenverband aufgenommen worden. Drei Schüler haben einen Migrationshintergrund (S3, S4, S5), dieser Aspekt ist für die Planung und Durchführung des Unterrichts bezüglich der Sprachkompetenz allerdings unproblematisch. Das Lernverhalten der Klasse ist von Aktivität und Interesse an den Unterrichtsinhalten des Deutschunterrichts geprägt. Besonders hervorzuheben sind hierbei S6, S7, S1 und S5, die häufig Beiträge auf hohem Niveau zeigen. S8 und S4 fallen oft durch Passivität und eine latente Verweigerungshaltung auf. Sie versuchen Arbeitsaufträge zu umgehen, erledigen selten Hausaufgaben und gehen in Stillarbeitsphasen diversen Nebenaktivitäten nach. Obwohl S8 gute und befriedigende Leistungen zeigt, ist sein Arbeitsverhalten sehr problematisch. Deshalb wird er verstärkt aufgefordert, Aufgaben und Arbeitsergebnisse vorzutragen. Da S1 und S2 die Klassenstufe wiederholen, langweilen sie sich manchmal, wenn ihnen die Unterrichtsinhalte bekannt sind. Soweit es möglich ist, wird diesem Umstand bei der Planung und Durchführung des Unterrichts Rechnung getragen. Sie bekommen dann modifizierte oder weiterführende Aufgaben. Der Leistungsstand ist nicht besonders stark differenziert. Der überwiegende Teil der Schüler erbringt gute und befriedigende Leistungen im Bereich des mündlichen und schriftlichen Ausdrucks. Lediglich S6 und S5 zeigen durchgängig sehr gute und gute Leistungen und bilden damit die Leistungsspitze der Klasse. Neben der Unterrichtsbeteiligung können die Leistungen der einzelnen Schüler im mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch durch die wertenden Symbole im Sitzplan nachvollzogen werden (siehe Anhang). Im bislang durchgeführten Unterricht zeigte sich, dass durch Unterrichtsinhalte mit jugendkulturellen Bezügen eine hohe Motivation und Lernbereitschaft bei den meisten Schülern aktiviert werden konnte. Diese Erfahrung soll deshalb auch bei der Planung der vorliegenden Stunde Berücksichtigung finden.
1
2 Sachanalyse
Die Großstadt spielt mit Blick auf den heutigen Urbanisierungsgrad postindustrieller Gesellschaften eine entscheidende Rolle als Lebens- und Erfahrungsraum des Menschen. Die Stadt ist Lebens- und Erlebensraum zugleich und repräsentiert auch das „Lebensgefühl eines modernen Menschen“ 1 .
Der Song „Ich liebe diese Stadt“ des Künstlers Fabster steht exemplarisch für die Beschreibung des städtischen Erfahrungsraumes eines jugendlichen Menschen und liefert eine subjektiv-kritische Sichtweise auf die heimatliche Lebensumwelt der Schülerinnen und Schüler.
Im Song werden folgende textimmanente Themenbereiche erkennbar:
Text Themen 1. Strophe
das ist Halle, die Stadt in der Mitte von Deutschland
mit dem Wappen in rot weiß aus’m Halbmond mit paar Stern dran Halle die Stadt die kontinuierlich pleite ist und mehr Kohle für Messehallen verprasst anstatt für Waisenkids eh, die Stadt mit Grünlage und Betonteich hier spazieren definitiv keine Frauen im Vitton Kleid da wo man immer noch kommunistischen Fahnen hisst und das best besuchte Gebäude das Arbeitsamt ist Halle die Stadt in der nix geht und die Pause macht he, wenn Frau Häußler mal nix zu rauchen hat da wo hinter jeder zweiten Ecke ein Blitzer steckt doch du länger auf Polizei wartest als auf ein Pizzablech das ist die Stadt in der nur wenig Platz für Träume ist und jeder der nach oben will für alle gleich ein Träumer ist die Stadt in der du’s nur schaffen kannst wenn du brennst das ist auch genau der Grund warum wir sie Hallewood nennen, yeah Chorus … oh ich liebe diese Stadt
… wie sie riecht wie sie stinkt wie sie mieft, blauh … oh ich liebe diese Stadt … H A doppel L E 2. Strophe
Halle die Stadt die ich schon kenn seit dem Kindergarten eigene Vergangenheit
in dem nur Ronny’s Jaquelinen und Sindy’s waren das ist die Stadt die uns geprägt und geformt hat in der ich Liebe fand und sie dort wieder verloren hab
meine Stadt in der ich aufgewachsen bin zwischen Schrägtabakladen und dem Nachbarskind nach der Schule komm wir bauen Mist erst einmal ein Bong Shit nach dem ersten Auftritt mit der allerersten Frau mit Halle die Stadt in der die Alten erzählen Vergleich zu früher
das früher alles besser war nur fehlt’s der Jugend an Plänen, häh das ist die Stadt in der sie komische Reden schwingen
1 SCHURF u. WAGENER 2007, S. 242.
2
und ständig bei „As Alter“ am klechen sind dort wo die Gangster mit Mama unter einem Dach leben Kriminalität
und von Gewalt, Sex, Dogen und Knast reden ich sag euch was meine Taktik ist
ich schreib noch fünfzig so’ne Songs bis ich im Stadtrat sitz, oooh yeah
Chorus
3. Strophe
und immer mehr ziehen weg und wollen raus aus dem Mist Abwanderung
in eine besseres Leben starten mit der Frau und den Kids und die anderen 200.000 kaufen den Hit bis das Händeldenkmal endlich aussieht wie ich, äh das ist meine Stadt, das ist deine Stadt Verbundenheit
das ist unsere Stadt egal ob sie der Bund nicht mag komm lass uns schaffen woran keiner geglaubt hat Aufruf zur Veränderung
wir stehen morgen auf und machen Halle zur Hauptstadt H A doppel L E H A doppel L E H A doppel L E W doppel O D E N T yeah
Der Künstler beschreibt die Missstände in seiner Stadt und kritisiert negative Entwicklungen, dennoch bekundet er nachdrücklich seine Liebe und Verbundenheit und ruft zur Veränderung auf. In dieser Ambivalenz kommt die Beziehung des Menschen zu seinem städtischen Lebensraum zum Ausdruck, in dem es zwar zahlreiche Nachteile gibt, der aber als Heimat eine identitätsstiftende Bedeutung für das Individuum trägt.
3
3 Bezug zu den RRL und Einordnung der Stunde in die Sequenz
Die Unterrichtsstunde ordnet sich in den Aufgabenbereich 3 „Umgang mit Texten“ ein und entspricht der in den Auswahlempfehlungen der Rahmenrichtlinien verankerten Behandlung lyrischer Texte zum Themenbereich „Mensch“. 2
Die hier vorgestellte Stunde ist eine Einführungsstunde in die 10 Stunden umfassende Unterrichtssequenz „Menschen in der Stadt - Gedichte und Songs untersuchen und gestalten“. In dieser Sequenz sollen die Schüler unterschiedliche Zugänge zur Auseinandersetzung mit menschlichen Erfahrungen und Erlebnissen im urbanen Raum erhalten. Sie lernen über die Stunden der Sequenz je verschiedene Zugriffsweisen auf den „Erfahrungsraum Stadt“ in lyrischen Texten aus verschiedenen Zeiten kennen. Weiterhin erfolgt eine Betrachtung genrespezifischer Merkmale (Vers, Strophe, Reim, Metrum). In der Einführungsstunde setzen sich die Schüler zunächst mit einer kritischen Sichtweise auf ihren eigenen Erfahrungsraum (die Heimatstadt) anhand eines Songs ausei-nander und bereiten die Gegenüberstellung von städtischem und ländlichem Lebensraum in der Folgestunde vor.
Thema der Unterrichtssequenz: Menschen in der Stadt - Gedichte und Songs
2 Vgl. Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt 2003, S. 67.
4
Arbeit zitieren:
Ron Klug, 2009, Menschen in der Stadt - Gedichte und Songs untersuchen und gestalten , München, GRIN Verlag GmbH
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