Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
1 Einleitung 1
2 Ethnische Schimpfnamen. 2
2.1 Zum Begriff „Schimpfname“ 2
2.2 Ursprung ethnischer Schimpfnamen. 3
2.3 Entwicklung ethnischer Schimpfnamen 4
2.4 Wirkung ethnischer Schimpfnamen 5
3 Die Markierung jüdischer Namen. 6
3.1 Systematik jüdischer Namen 6
3.2 Historische Grundlage jüdischer Namensmarkierung 8
3.3 Markierungstabelle jüdischer Vor- und Nachnamen 10
4 Wirkung der Namensmarkierung 13
4.1 Gesellschaftliche Folgen. 13
4.2 Vom Namen zur Nummer 14
5 Schluss. 15
6 Literaturverzeichnis 16
I
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Ursprung ethnischer Schimpfnamen nach verschiedenen Kriterien
Abb. 2: Antisemitisches Wahlplakat
Abb. 3: Markierungstabelle jüdischer Familiennamen
Abb. 4: Markierungstabelle jüdischer Vornamen
II
1 Einleitung
Der Name bildet die Identität des Individuums. Er ist ein „ […] zentraler, konstruktiver Punkt menschlicher Existenz […] “ (BERING 1988, S. 250). Durch ihn besteht eine sprachliche Bezugsmöglichkeit auf eine Person, das ‚Ich’ wird somit für andere sprachlich greifbar. Eine namenlose Aufforderung wie: „Hey, komm doch mal her!“ entwickelt weniger Stimulanz oder Motivation zur Reaktion als: „Tom, komm doch mal her!“. Die Kenntnis des Namens des Benannten macht den Benennenden in gewisser Weise mächtig, fast scheint es so, als verliehe die Namenskenntnis eine gewisse Verfügungsgewalt über den Namensinhaber (vgl. ebd. S. 253 ff.).
Weiterhin symbolisiert der Name die Individualität des Individuums. Er stiftet dabei sowohl Selbstidentität als auch Gruppenidentität. Durch den Namen fühlt sich das Individuum zu einer bestimmten Gruppe zugehörig, denn meist ist der Name einem kulturspezifischen Namensschatz entnommen (vgl. ebd. 259 f.). Dies war besonders in vergangenen nichtegalitären Gesellschaftssystemen der Fall. Im ausgehenden 19. Jhd. hätten nationalistisch gesinnte, deutschstämmige Eltern ihr Kind beispielsweise nur mit geringer Wahrscheinlichkeit „Isaak“ 1 genannt. Dadurch kann eine onomastische In-group-Out-group-Konstellation entstehen - der Name fungiert als scheinbar unüberwindbare Gesellschaftsgrenze. Die Außenstehenden sind dann unter Umständen der Missachtung, Verachtung oder Aggression derer ausgesetzt, die „Drinnen“ sind. Vor genau diesem Problem standen die Juden bei ihrer Assimilation in der deutschen Gesellschaft (vgl. WINKLER 1994, S. 322; BERING 1988, S. 43 u. 306). Die Namensgebung der Juden leistete dem Antisemitismus vielfach Vorschub bzw. hatte der Antisemitismus vielfach Einfluss auf die jüdische Namensgebung. Diese Problematik behandelt Dietz Bering in seinem Werk „Der Name als Stigma“ umfassend. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem gesellschaftlichen Ausgrenzungspotential von Namen, welches letztlich speziell bei der jüdischen Volksgruppe zu einer verhängnisvollen Markierung führte. Im folgenden Kapitel wird deshalb auf Ursprung und Wirkung von ethnischen Schimpfnamen eingegangen. Das Verständnis ethnischer Schimpfnamen bildet die theoretische Grundlage für die anschließenden Kapitel. Gegenstand des dritten Kapitels ist die Markierung jüdischer Namen. Im vierten Kapitel wird ein Überblick über die gesellschaftliche Wirkung der Namensmarkierung von Juden erfolgen. Eine Schlussbetrachtung erfolgt im fünften Kapitel.
1 männlicher jüdischer Vorname.
1
2 Ethnische Schimpfnamen
2.1 Zum Begriff „Schimpfname“
Wer Schimpfnamen 2 gebraucht, verleiht Gefühlen wie Gereiztheit, Verärgerung und Hass verbalen Ausdruck. Der Schimpfname enthält dabei grundsätzlich einen negativen Bedeutungsinhalt (Bsp.: Schludrian, als Bezeichnung für einen nachlässigen, unordentlichen Menschen). Nur selten wandelt sich die negative Bedeutung in eine Koseform, die dann meist als Deminutivform vorliegt, wie bei Scheißerle oder Hexli (SEIBICKE 1996, S. 494 ff.; PFEIFFER 1996, S. 371).
Schimpfnamen sind demnach alle „Substantive, mit denen Personen anstatt mit ihrem Namen oder Titel in abfälliger Weise angeredet oder benannt werden“ (Bsp.: Schwein). Häufig werden sie zur Bedeutungsverstärkung mit Zusätzen wie verdammt, alt, dreckig oder dumm verwendet (z. B.: dummes Schwein). Das typische Anredepronomen vor Schimpfnamen ist das respektlose Du (z. B.: Du dummes Schwein!), (SEIBICKE 1996, S. 495). WINKLER beschreibt den „Schimpfakt“ aus psychologischer Sicht als dreigliedrigen Prozess, wobei es durch eine Frustration zum Affekt kommt, der schließlich zu einer verbalen Entgleisung führt. Diese verbale Aggression dient der Entladung der angestauten Frustration und zieht in der Regel ein Gefühl der Befriedigung des Schimpfenden nach sich. Eine Beschimpfung besteht jedoch nicht nur aus dem Schimpfnamen an sich, sondern wird von typischen „Begleitumständen“, wie Tonfall, Mimik und Gestik, gestützt. Diese signalisieren dem Beschimpften die gegen ihn gerichtete Aggression auch nonverbal (WINKLER 1994, S. 320 f.). Der verbale Angriff kann in letzter Konsequenz auch in eine körperliche Aggression umschlagen.
Schimpfnamen können sowohl auf einzelne Personen (z. B.: Blödmann) als auch auf ganze Personengruppen gerichtet sein (z. B.: Berufsstand - Zahnklempner, Sesselfurzer; Ortsherkunft - Mannheimer Blomäuler, Karlsruher Briganten; ethnische Zugehörigkeit - Nigger, Kümmeltürke), (vgl. SEIBICKE 1996, S. 496).
Eine besondere Form der Schimpfnamen zielt also auf die ethnische Zugehörigkeit von Personen. Diese „herabsetzenden Namensgebungen für ethnische Minderheiten“ werden als Kategorie der ethnischen Schimpfnamen bezeichnet (MARKEFKA 1999, S. 100).
2 In der Literatur existieren die Termini „Schimpfwort“ (bei WINKLER 1994 und SEIBICKE 1996) und
„Schimpfname“ (bei MARKEFKA 1999). Hier wird nur der Terminus „Schimpfname“ verwendet, da
es sich im weitesten Sinne um eine negative Namensgebung für Personen oder Personengruppen
handelt.
2
2.2 Ursprung ethnischer Schimpfnamen
Ethnische Schimpfnamen beziehen sich auf Menschen aus fremden Gruppen, Völkern oder Nationen. Oft entstanden diese Ausdrücke in Zeiten historischer Umbrüche oder sozialer und militärischer Konflikte (z. B.: Iwan - als dt. Bezeichnung für russ. Soldaten). Als fremd gelten erkennbare bzw. vermeintlich erkennbare „Normabweichungen“ (WINKLER 1994, S. 321 ff.). Die Abweichungen beziehen sich auf Eigenschaften, mit denen eine Person in einer Gesellschaft wahrgenommen wird, wie Rasse, Nationalität, Religion und Kultur (siehe Abbildung 1), (vgl. MARKEFKA 1999, S. 99).
Allerdings erfolgt die Beurteilung fremder Menschen nicht immer auf der Grundlage objektiver Gegebenheiten, sondern vielfach aus subjektiver Annahme oder oberflächlicher Einschätzung (z. B.: engl. Bezeichnung für Deutsche - krauts; aus der Annahme heraus, alle Deutschen essen Sauerkraut), (vgl. MARKEFKA 1999, S. 99).
Besonders diffamierend war die subjektive Zuschreibung negativer Attribute auf die jüdische Bevölkerungsgruppe. Häufig galt nicht nur derjenige als Jude, der tatsächlich Anhänger der jüdischen Religion war, sondern jeder, der von der Umwelt als Jude angesehen wurde. Als identifizierbare physiognomische Merkmale der „jüdischen Rasse“ 3 galten: fleischige Hakennase, flache Stirn, fliehendes Kinn, wulstige Lippen mit hängender Unterlippe, heruntergezogene Mundwinkel, stechende bzw. hervorquellende Augen, dicke wulstige Augenbrauen, abstehende Ohren und schwarzes, oft krauses Haar. In Karikaturen befand sich der Kopf mit
3 BERNATZKY weist darauf hin, dass die „jüdische Rasse“ ein Mythos ist. Das Judentum besitzt definitiv
keine einheitlichen anthropologischen Merkmale. Die Nationalsozialisten bedienten sich zwecks bes-serer Erkennbarkeit, trotz der von ihnen immer wieder hervorgehobenen Existenz spezieller jüdischer
Rassemerkmale, des gelben Judensterns und führten somit ihre eigene Theorie ad absurdum. Denn,
wäre ein Jude tatsächlich eindeutig von außen für alle erkennbar, wäre eine zusätzliche Markierung
eigentlich überflüssig gewesen (vgl. BERNATZKY 1991, S. 393).
3
Arbeit zitieren:
Ron Klug, 2005, Gesellschaftliche Ausgrenzung durch Namen - Wie jüdische Namen zur Markierung wurden, München, GRIN Verlag GmbH
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