„Januschke, Alexander:
Referat
Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Bildsprache des US-Regisseurs David Fincher anhand seiner Filme SE7EN und FIGHT CLUB. Hierbei werden die wesentlichen Teile der Bildsprache analysiert, erklärt und anhand dieser Erkenntnisse die beabsichtigte Wirkung auf den Zuschauer erfasst und mit Abbildungen aus den jeweiligen Filmen dargestellt. Damit soll erläutert werden, wie David Fincher seine Bilder aufbaut und welche Mittel er einsetzt, um das Publikum zu manipulieren.
Index Seite
1. Der Vorhang öffnet sich. 1
1.1 David gegen Goliath 1
1.2 Hollywoods größter Sadist und seine ersten Erfahrungen 2
1.3 Ein Schlag ins Gesicht 3
1.4 Das Nachspiel 4
1.5 Der Licht- und Schattenmacher 4
2. Bilder sprechen eine andere Sprache 6
2.1 Das Filmmaterial 7
2.2 Die Einstellungsgrößen 8
2.3 Die Brennweite 13
2.4 Die Perspektive 14
2.5 Die Kamerafahrt 16
2.6 Die Komposition eines Bildes 16
2.7 Das dreidimensionale Bild 17
2.8 Der Raum 18
2.9 Die 180 Regel 19
2 10 Die Montage 20
3. Das wird ganz sicher kein Happy End geben 23
3.1 Überall an jeder Straßenecke sehen wir Todsünden - Der Inhalt 23
3.2 Ich versteh diese Welt nicht mehr - Der Vorspann 24
3.3 Es ist einfacher für Sie zu glauben, ich sei verrückt - Das Filmmaterial 26
3.4 Der Kerl geht methodisch vor - Die Perspektiven 27
3.5 Apathie kann eine Lösung sein - Die visuelle Charakterisierung 27
3.6 Die Wege des Herrn sind unergründlich - Das Licht 30
3.7 Sie kennen das komplette Werk noch nicht - Bild, Montage und Sound 39
3.8 David Fincher ist uns überlegen - Die Ontologie 44
4. Alles was du hast, hat irgendwann dich 47
4.1 Ich bin Jacks Inhalt 47
4.2 Bitte bringen Sie Ihre Sitzlehnen in eine aufrechte Position - Der Vorspann 49
4.3 Alles klar für die Evakuierung der Seele - Die visuelle Charakterisierung 52
4.4 Die Leute fragen mich immer, ob ich die Lichtgestaltung kenne 55
4.5 Du bist der singende und tanzende Abschaum der Menschheit - Die 4. Wand 56
4.6 Du musst am Nullpunkt ankommen - Bild, Montage und Sound 59
4.7 Das war Tylers und mein Geschenk - Die Ontologie 65
5. I have demons you can't even imagine - Das Schlusswort 67
6. Literaturverzeichnis 69
7. Bildverzeichnis 72
1. Der Vorhang öffnet sich...
1.1 David gegen Goliath
"Lang ist der Weg und beschwerlich, der hinaus ins Licht führt aus der Hölle."
Dieses Zitat aus dem Film SE7EN (deutscher Titel: SIEBEN) steht für eine ganze Reihe von Filmen - Filme, die dem Zuschauer die Grausamkeiten der Welt, besser noch, des Menschen vor Augen führen. Direkt. Kompromisslos. Schonungslos. So, wie sie ist, unsere schöne, Neue Welt.
Es ist ein Zitat, das alle Hauptcharaktere aus den Filmen von David Fincher nur zu gut kennen. Sie alle durchleben die Hölle auf Erden. Schon bei seinem ersten Kinofilm ALIEN³ aus dem Jahre 1992 quälte Fincher seinen Hauptcharakter Alen Ripley. In den ersten beiden Teilen der SciFi-Reihe wurde sie von dem außerirdischen Monster gejagt und jagte es selbst. Doch David Finchers Beitrag hob das Ganze auf einen höheren Level. Gefangen auf einem Gefängnisplaneten, der ausschließlich von männlichen Schwerverbrechern bewohnt war, setzte das Monster seine gnadenlose Jagd fort. Doch die größte Bedrohung war nicht das Monster selbst, sondern das, was in Ripley wuchs: Sie war schwanger - mit einem Alien.
Für viele Fans war ALIEN³ eine Enttäuschung 1 . Da das Drehbuch während des Drehs unzählige Male umgeschrieben wurde und die Produktionsfirma 20th Century Fox mit Finchers Endfassung nicht zufrieden war, entschied sich der Regisseur das Projekt zu verlassen 2 . ALIEN³ wurde von den Kritikern zerrissen und vom Publikum verschmäht 3 . Er war in den USA eine finanzielle Enttäuschung 4 (die Produktionskosten lagen bei 50 Millionen Dollar, das Einspielergebnis weltweit bei knapp 160 Millionen Dollar 5 ). Doch schon damals war Finchers Handschrift zu erkennen. Deprimierende Brauntöne bestimmen die Farbgebung des Films. Die Farbe Weiß wurde komplett entfernt 6 . Die Perspektiven sind meist im Low-Angle-Shot gehalten und betonen so die Decken der
1 Esser, 2002, S. 121
2 Swallow, 2003, 2006 S.40-58
3 Esser, 2002, S. 121
4 Gray, http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=alien3.htm, 09. August 2008
5 Gray, http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=alien3.htm, 09. August 2008
6 ALIEN³ Century3 Cinedition Booklet, S. 3
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Szenerie. Das alles sind typische Merkmale eines David Fincher Films.
1.2 Hollywoods größter Sadist und seine ersten Erfahrungen
Nachdem sein erster Versuch in Hollywood Fuß zu fassen misslang, traute sich Fincher erst 1995 wieder an ein großes Kinoprojekt. Dieser Film brachte den erhofften Erfolg 7 . Ein Kultfilm war geboren. SE7EN schlug dort ein, wo es schmerzhaft war - im Magen des Zuschauers. Mit deprimierenden Bildern einer namenlosen US-Stadt, zwei unterschiedlichen Hauptcharakteren und einem gottesfürchtigen Serienkiller schockierte SE7EN das Publikum. Durch die hoffnungslose und trostlose Atmosphäre verliert sich der Zuschauer in der Welt der Helden. Die unbekannte Stadt steht für die verdorbene, abgekapselte und anonyme Gesellschaft. Der iranische Kameramann Darius Khondji fängt diese Welt in intensiven, brutalen und schonungslosen Bildern ein. Brauntöne übertünchen die bunte Welt. Starke Kontraste stellen ihre Brutalität und Grausamkeit dar. Alles wirkt vermodert, alt und verbraucht. Die Bilder bleiben für den Zuschauer unvergesslich, ebenso wie das Ende, das bis heute als eines der schockierendsten in die Filmgeschichte eingegangen ist 8 . David Fincher lässt seine Charaktere leiden, genau wie sein Publikum. In seinen nächsten Filmen war es nicht anders.
Kein anderer Regisseur in Hollywood ist so akribisch und technisch versiert wie David Fincher (so Jodie Foster in einem Interview) 9 . Als Trickfilmzeichner bei der Effektschmiede von George Lucas, INDUSTRIAL LIGHT AND MAGIC (ILM), begann seine Karriere. Er arbeitete an den Spezialeffekten von Filmen wie DIE RÜCKKEHR DER JEDI RITTER (1983) und INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (1984) mit 10 . Während seiner Zeit bei ILM, lernte er wohl die Technik des Films und Filmemachens kennen. 1986 begann er eigene Projekte zu realisieren und gründete 1986 mit anderen Regisseuren wie Spike Jonze (BEING JOHN MALKOVICH), Michael Bay (ARMAGEDDON) und Alex Proyas (THE CROW) die PROPAGANDA FILMS Produktionsfirma 11 . Sie spezialisierten sich auf Werbefilme und Musikvideos und prägten so eine neue Bildsprache 12 . Einer der wenigen Filme, die PROPAGANDA FILMS produzierte, war Finchers 1997 inszenierter
7 Gray, http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=seven.htm, 16. August 2008
8 The Times Online, 09. August 2008
9 Wallace, 2002, S.77
10 Swallow, 2003, 2006, S. 16
11 Schnelle, S. 32-42
12 Schnelle, S. 32-42
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Thriller THE GAME mit Michael Douglas und Sean Penn. Douglas spielt einen reichen, kaltherzigen und verbitterten Geschäftsmann, ein typischer Vertreter der heutigen kapitalistischen Welt. Er verliert im Laufe des Films die totale Kontrolle über sein Leben. Andere haben die Zügel in der Hand und er muss das Spiel machtlos mitspielen. Er kann niemandem trauen. Jeder, den er kennt, ist in ein undurchschaubares Spiel involviert, dem er nicht entrinnen kann. Was ist Schein, was ist Wirklichkeit? Der Hauptcharakter wird sich verändern. Er muss es. Sonst verliert er.
Bis zur letzten Minute ist nicht klar, welches Spiel gespielt wird. THE GAME enthält zahlreiche Wendungen und Überraschungen. Der Zuschauer ist dabei genauso ahnungslos wie der Antagonist.
1.3 Ein Schlag ins Gesicht
1999 drehte Fincher seinen absoluten Kultfilm: FIGHT CLUB. Ein Film über Sein und Schein der heutigen Welt. Männer, die keine richtigen Männer sein dürfen - entmannt sozusagen. Doch sie wehren sich. Sie wollen leben. Es endlich wieder spüren - und die Welt schlussendlich ins Chaos führen. FIGHT CLUB hält den Menschen den Spiegel vor. Schonungslos. Die Menschen definieren sich nur noch durch Designer-Möbel und schicke Anzüge. Sie sind alle gleich geworden - kaum noch zu unterscheiden. Sie sind namenlosgenauso wie der Antiheld dieses Films, gespielt von Edward Norton. Zusammen mit seinem "Freund", dargestellt von Brad Pitt, will er sich vom gesellschaftlichen Sein lösen; sie wollen die Welt mit ihren Mitteln verändern. Der eine mehr, der andere weniger.
In stilsicheren Bildern fängt Fincher diese Geschichte ein, die gegen Ende wieder eine große Überraschung parat hält. Doch während des Erzählens hat er Spuren hinterlassen, die erst bei mehrmaligem sichten auffallen. "Sie wissen nicht, dass sie es gesehen haben. Aber sie haben." So ein Zitat aus dem Film. Welche Fährten hat Fincher während seiner Erzählung gelegt und welche Hinweise gegeben? Vieles findet sich in der Bildsprache von FIGHT CLUB, die an anderer Stelle hinreichend analysiert wird.
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1.4 Das Nachspiel
Nach dreijähriger Leinwandabstinenz kehrte David Fincher 2002 wieder zurück und brachte PANIC ROOM, einen klaustrophobischen Thriller mit den Oscarpreisträgern Jodie Foster und Forest Whitaker, in die Kinos. Nachdem er für FIGHT CLUB über 400 Szenen filmte und mit annähernd 200 unterschiedlichen Locations recht viel unterwegs war 13 , begrenzte sich dieser Film auf nur ein Haus. Eine Mutter und ihre Tochter - eingesperrt in einem Panikraum, abgeschottet von der Außenwelt. Nebenan versuchen Einbrecher in den Raum zu gelangen. Der Film ist solides Popcornkino, aber weit von Finchers vorherigen Filmen entfernt.
Nach PANIC ROOM ließ sich Fincher wieder Zeit für seinen nächsten Film. Ganze fünf Jahre sollten die Menschen auf sein nächstes Werk warten. ZODIAC - DIE SPUR DES KILLERS kam 2007 in die Kinos und wurde von den Kritikern frenetisch gefeiert 14 . Jedoch konnte dieser ruhig erzählte Kriminalfilm an den Kinokassen nicht überzeugen (Budget: 65 Millionen Dollar, Einnahmen in Nordamerika: 33. Millionen Dollar) 15 .
1.5 Der Licht- und Schattenmacher
David Fincher - dieser Name steht für Qualität. Er schafft es, das Publikum nicht nur mit den eigentlichen Geschichten, sondern auch mit deren metaphysisch passierenden Bildsprache zu überraschen. Er legt falsche Fährten, wendet den ganzen Film innerhalb von einer zur anderen Sekunde um 180 Grad und sorgt so für unvergessliche Filmmomente. Das Ende von SE7EN, das später noch weiter erörtert werden wird, geht dabei unter die Haut. Bei „dem“ Plot Point von FIGHT CLUB ergänzen sich Bild, Schnitt und Ton perfekt und schockieren das Publikum.
David Fincher hat mit seiner Bildsprache die Musikvideoszene aufgemischt. Er gab neue Impulse und beeinflusste nachhaltig angehende Filmemacher. Nach seinem Eintritt in das Filmgeschäft verblüffte er das Kinopublikum immer wieder aufs Neue: Durch eine moderne, nie aufdringlich wirkende und auf den Mainstream getrimmte Filmsprache, die den Zuschauer immer auf falsche Fährten lockt und so für unvergessliche Momente sorgt.
13 Guyot: 09. August 2008
14 Dargis: 2007, 09. August 2008
15 Gray: http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=zodiac07.htm, 09. August 2008
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Wie er das schafft, welche Tricks er anwendet und aus welchen Teilen seine Bildsprache besteht, wird in dieser Bachelorarbeit analysiert. Dabei wird auf zwei Fincher-Filme eingegangen, die zu den stärksten der 90er zählen dürften und heute schon zu den Klassikern der Filmgeschichte gehören 16 : SE7EN und FIGHT CLUB. Gerade diese beiden haben Finchers Ruf als Perfektionisten beeinflusst. Um über seine Filmsprache zu schreiben, bedarf es einer Einführung in die klassische Filmsprache. Das sind die Werkzeuge, mit denen hier gearbeitet wird. Es gibt einen kleinen Überblick über das, was Bilder erzählen können und welchen Einfluss sie auf das Publikum haben. Dabei handelt es sich um das Standardwissen eines jeden Filmemachers, das sogenannte klassische Hollywood. Dies wird im nächsten Kapitel „Bilder sprechen eine andere Sprache“ erörtert.
In Kapitel drei und vier wird ausführlich auf die Bildsprache David Finchers eingegangen. Doch bevor dies getan werden kann, werden hier die Werkzeuge vorgestellt.
16 Adams, 4-11. Januar 2001
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2. Bilder sprechen eine andere Sprache
Um auch Menschen, die wenig mit Film zu tun haben, die Möglichkeit zu geben, näheres über die Filmsprache David Finchers zu erfahren, werden hier nun kurz die Basics des Filmemachens erklärt.
Wenn Menschen das Wort Film hören, dann sind sie für einen ganz kurzen Augenblick gebannt. Sie denken an Szenen eines Films. An Szenen, die sich in ihr Gedächtnis eingebrannt haben. Szenen, die Sie vielleicht zum Lachen brachten, zum Weinen oder zum Nachdenken. Bestimmte Szenen haben möglicherweise Ansichten verändert oder gar das ganze Leben beeinflusst. Für eine ganz kleine Sekunde, funkeln ihre Augen.
Menschen, die beim Film arbeiten, werden mit ganz anderen Augen betrachtet. Sie werden von den anderen bewundert und beneidet. Doch weshalb? Weil Sie Promis treffen? Eher nicht. Es wird wohl daran liegen, dass es Filmemachern gelingt, ergreifende Geschichten zu erzählen. Oder besser: Geschichten ergreifend zu erzählen. Was früher der Opa in seinem Schaukelstuhl war, der Anekdoten aus seinem Leben erzählte, ist heute der Filmemacher. Die Kinder saßen im Kreis um ihn herum, waren gebannt, während der Opa die Geschichte nachspielte und jeder Figur eine eigene Stimme gab. Die Kinder waren verzaubert. Was damals Opas Stimme war, ist heute die Bildsprache. So bekommt dann jeder Filmcharakter seinen eigenen Bildsprachen-Code.
Ein Beispiel: Ein Held kämpft gegen das Böse. Ein klassischer Code wäre hier, der Held kommt immer von links nach rechts ins Bild. Der Bösewicht dagegen kommt immer von rechts nach links. Dem Zuschauer fällt das beim Sehen dieser Szene wahrscheinlich nicht auf, doch psychologisch ist das ein kleiner Trick um Sympathien zu vergeben. Da die westliche Welt gelernt hat Buchstaben, Wörter und Sätze von links nach rechts zu lesen und der Held von links nach rechts durch das Bild geht, ist das für den Zuschauer angenehm und er gibt dem Held seine Sympathien. Da es aber ungewohnt ist, von rechts nach links zu lesen, unser Bösewicht dies aber in der Szene macht, zieht er so die Antipathien auf sich. Das alles passiert natürlich auf einer psychologischen Subtextebene.
Um tiefer in das Thema der Codes einzusteigen, sollte man wissen, aus welchen Teilen ein Bild überhaupt besteht.
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Die Basis eines Bildes ist das Bildformat oder im Falle eines Film, das Filmformat. Davon gab und gibt es unzählige und alle haben ihre Vorzüge, je nachdem, welcher Stil für seinen Film der richtige ist und wie viel Budget zu Verfügung steht. Das 16 mm Bildformat kann weit weniger Bildinformationen aufnehmen als das 70mm Imax Format, da es sichtlich kleiner ist. Und je weniger Informationen zur Verfügung stehen, desto schlechter ist das Bild. Das berühmteste ist das 35mm Format, das auch für analoge Fotoapparate eingesetzt wird.
Episoden Drogendrama TRAFFIC (2000) jeder Geschichte einen anderen Farbton gegeben. Der Geschichte des Anwalts, der gegen mexikanische Drogenkartelle kämpft und dessen Tochter selbst den Drogen verfallen ist, gab Soderbergh einen sehr starken
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blauen Ton. Weiß und blau waren die prägenden Farben. Für die Geschichte der mexikanischen Drogenpolizisten wählte er einen sehr braunen Ton. So schuf er einen harten Kontrast zwischen den unterkühlten USA und dem heißen Mexiko. Dem Zuschauer wird psychologisch Kälte und Wärme vermittelt. Natürlich sind diese Mittel beliebig einsetzbar, je nachdem, was der Zuschauer fühlen und sehen soll.
2.2 Die Einstellungsgrößen
Panorama oder Supertotale
Um dem Zuschauer eine räumliche Orientierung zu geben, wird meist die Panoramaeinstellung als Establishing Shot (das erste Bild einer Szene) eingesetzt. Vielmals wird diese auch als Übergang zur nächsten Szene gebraucht oder um dem
gönnen.
Dem Publikum vermittelt diese Einstellung Isolation und Einsamkeit. Für ein Schauspiel ist sie ungeeignet, da die Kamera viel zu weit von dem Schauspieler entfernt ist - nur wilde Gesten könnten vom Zuschauer wahrgenommen werden. Die Panoramaeinstellung kann aber auch sehr wuchtig sein, da beim Betrachten plötzlich sehr viele Bildinformationen zu sehen sind und diese erst verarbeiten werden müssen; daher ist es wichtig, diese Einstellung einige Momente ruhen zu lassen.
Die Totale
Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Millionen jüdischer Menschen wurden getötet. Nur einige tausend hatten das Glück bei Oskar Schindler arbeiten zu können und so ihr Leben zu retten. Sie haben überlebt. In Abb.3 sehen wir eine Totale aus Steven Spielbergs
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In der Mitte des Bildes steht Itzhak Stern, einer Hauptcharaktere. In dieser Einstellung ist nicht nur er, sondern auch der Hintergrund zu sehen. Beide sind hier wichtig. Einerseits erkennt menschlichen Ausmaße. Andererseits steht Stern fast schon alleine vor dem Offizier, ohne große Hilfe. Stern ist ein Symbol für alle Leidensgenossen, die sich hinter ihm befinden.
Die Totale dient dazu, ein Objekt, eine Person oder eine Gruppe in vollem Umfang zu zeigen. Zwar ist das Objekt immer recht weit von der Kamera entfernt, aber im Gegensatz zum Panorama spielt es hier eine größere Rolle. Der Hintergrund und das Objekt bilden eine Waage. Beides sind wichtige Komponenten des Bildes. Auch die Totale kann als Establishing Shot eingesetzt werden, um dem Zuschauer eine Orientierung 17 zu geben und ihm gleichzeitig das für die Szene wichtige Objekt näher zu bringen. Die Einstellung
17 St. Ursula Schlue, S.2
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Blickpunkt des Zuschauers. In der Totalen war dies noch ausgeglichen, doch nun füllen die Personen vertikal das Bild, sie werden von Kopf bis Fuß gezeigt. Die Halbtotale wird meist dann gewählt, wenn bei Personen Gestik, Körperhaltung oder Gang eine wichtige Rolle spielen.
Die Amerikanische
Der Namenlose Cowboy und sein Rivale stehen sich gegenüber. Wer wird als erstes ziehen? Das Bild in Abb. 5 stammt aus Sergio Leones ZWEI GLORREICHE HALUNKEN. Wer spielt die Hauptrollen in dieser Szene? Nicht nur Duellanten. Das Schießeisen ist ebenfalls von großer Bedeutung. Um Männer und
Pistolen bestmöglich ins Bild zu bekommen, wird die Amerikanische Einstellung eingesetzt. Sie zeigt die Person ab den Knien bis zum Kopf 18 . So hat der Zuschauer den Charakter und die Pistole im Bild. Diese Einstellung wurde im Genre des Westerns geboren und ist in derartigen Filmen auch heute noch ein fester Bestandteil 19 .
18 Yale University: Film Analysis Guide. S. 3, 2002
19 Yale University: Film Analysis Guide, S. 3, 2002
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und endet am Kopf. Sie ist ideal, um neben dem Dialog auch die Körpersprache zu zeigen. Hier wird z.B. die ganze Macht DonCorleones spürbar. Für den Zuschauer ist die Einstellung sehr angenehm zu betrachten, da sie dem durchschnittlichen Sehverhalten des Menschen entspricht und ihn endgültig aus der Beobachterperspektive herausholt 20 .
Die Nahe
Mia Wallace ist mit einem
Gangster, der von seinem Boss gebeten wird mit ihr auszugehen, in einem Restaurant essen. Die beiden Charaktere führen in dieser Szene aus Quentin Tarantinos PULP FICTION sehr wissenswerte Gespräche. Für den Zuschauer ist es nicht nur spannend, ihnen dabei zuzuhören, sondern auch, mit welchen Gesichtsausdrücken
Gesagte verdeutlichen. Der Zuschauer und der Charakter haben in dieser Einstellung ein intimes Verhältnis. Das Publikum fühlt sich, als ob es gerade neben den Charakteren am Tisch sitzt und selbst Teil der Diskussion ist. Die Nahe beginnt ab der Brusthöhe und geht bis zum Kopf. Dabei kann, je nachdem, was mit dieser Einstellung erreichen werden soll, Sympathie oder Antipathie gegenüber des Charakters entstehen.
20 Teachsam, 2005
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Alexander Januschke, 2008, Die Bildsprache von David Fincher anhand SE7EN und FIGHT CLUB, München, GRIN Verlag GmbH
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Skript, 46 Seiten
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