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1 Einleitung
In vielen Entwicklungsländern herrschen Armut und Elend. Armut hat viele Gesichter und Ausprägungen und macht sich für die Betroffenen auf verschiedene Weise bemerkbar. Arbeitslosigkeit, Hunger und Krankheit gehen oft mit der Armut in den Entwicklungsländern (im Folgenden: EL) einher. Nebenwirkungen der Armut sind z.B. Ausgrenzung und Isolation sowie die von den Betroffenen empfundenen Gefühle wie Hilflosigkeit und fundamentale Unsicherheit. Absolute Perspektivlosigkeit und keine Hoffnung auf Besserung sind oft kennzeichnend für ihre Lebenssituation. Strukturelle Defizite z.B. in der Industrie, im Handel, im Gesundheitssystem und nicht zuletzt auch im Bildungssystem führen dazu, dass es für die unter Armut leidenden Menschen in den EL kaum Möglichkeiten gibt, ihr Schicksal aus eigener Kraft zu ändern. An die Stelle selbstbestimmter Lebensführung sowie politischer Mitwirkung und Gestaltung treten Gefühle der Ohnmacht.
Die Ursachen für Armut und Unterentwicklung in der sog. „Dritten Welt“ sind vielfältig und komplex. Hier können u. a. die koloniale Vergangenheit mancher Länder sowie der Einfluss transnationaler Konzerne genannt werden. Ein großes Problem der Entwicklungsländer stellt nach wie vor das Bevölkerungswachstum dar. In Ländern die über kein oder nur ein unzureichend ausgestaltetes Rentenversicherungssystem verfügen, sind rationale und ökonomische Überlegungen mit ausschlaggebend für die Anzahl der Geburten. Hierzu gehört z.B. der Wunsch arbeitsmäßig entlastet zu werden (z.B. in dem die Kinder in der eigenen Landwirtschaft mithelfen) und zum anderen die Hoffnung später einmal finanziell von ihnen unterstützt zu werden. So wird in der Dritten Welt eine kinderreiche Familie oft als Schutz vor Altersarmut angesehen. (Hemmer 2002, S. 811, f.) Andererseits sind in den EL viele ungeplante Geburten als Folge mangelnder Aufklärung zu verzeichnen.
Es sollen daher die Gründe für geplante Geburten und die Ursachen für ungeplante Geburten gegenübergestellt und mit absoluter Armut in Zusammenhang gebracht werden.
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Schwerpunkt dieser Hausarbeit soll es sein, zu untersuchen, in wie weit (ein beschleunigtes) Bevölkerungswachstum als Ursache für absolute Armut anzusehen ist. Darüber hinaus soll auch der umgekehrte Zusammenhang untersucht werden, nämlich die Frage, inwieweit absolute Armut als Ursache für (ein beschleunigtes) Bevölkerungswachstum angesehen werden kann.
2 Armut in den Entwicklungsländern
2.1 Definitionen der Begriffe „Armut“ und „Entwicklungsland“
Die Auseinandersetzung mit der Armut in den EL setzt eine klare Definition der Begriffe „Armut“ und „Entwicklungsland“ voraus.
Armut ist ein vielschichtiger Begriff. Zu den armutsbedingten Problemen wie Hunger, Krankheit und finanzieller Knappheit kommen die seelischen Belastungen der Betroffenen wie Angst, Unsicherheit und Ohnmacht. Um die Armut besser erfassen und messen zu können, hat man sich in der internationalen Entwicklungspolitik auf gemeinsame Kriterien als Indikatoren für Armut geeinigt, wobei sich zwei Ansätze durchgesetzt haben: Die Ein-Dollar-Marke (auch Ressourcenansatz genannt) und der der Lebenslageansatz. Der von der Weltbank eingeführte Ansatz der Ein-Dollar-Marke besagt, dass ein US -Dollar pro Tag die absolute Untergrenze dessen darstellt, was ein Mensch benötigt, um seine Existenz zu sichern. Demnach werden alle Menschen als absolut arm angesehen, denen pro Tag weniger als ein US - Dollar zur Verfügung steht. Die Kaufkraft des US -Dollars wird hierbei umgerechnet in die lokale Kaufkraft, was eine internationale Vergleichbarkeit der Armutsquoten ermöglicht.
Kennzeichnend für den Lebenslageansatz ist die Tatsache, dass er zusätzliche Aspekte berücksichtigt, die zu einem menschenwürdigen, selbstbestimmten Leben gehören. Hier zu gehören die Chance auf Bildung, die Möglichkeit, politischen Einfluss zu nehmen und Rechtssicherheit, um nur einige zu nennen.
(im Internet: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Definition von Armut)
Um die Qualität der für die Lebenslage relevanten Aspekte messen zu können, verwenden die Vereinten Nationen den Index der menschlichen Entwicklung (Human
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Development Index, im Folgenden: HDI), der den Entwicklungsstand eines Landes hinsichtlich der Bildung, einem langen und gesunden Leben und einem angemessenen Lebensstandard mit einer Zahl zum Ausdruck bringt, die sich in einer Skala zwischen 0 und 1 bewegt. Relevant für die Ermittlung des HDI sind hauptsächlich drei Faktoren: Die Lebenserwartung bei der Geburt, der Bildungsstand (auch in Bezug auf die Alphabetisierungsquote und die Einschulungsquote) und das reale Pro - Kopf -Einkommen, im Folgenden: PKE. (Lachmann 2004, S. 58, f.) Als Ergänzung zum HDI hat das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen „UNDP“ (United Nations Development Program) im Jahr 1997 einen weiteren Armutsindex, nämlich den Human Poverty Index (im Folgenden: HPI) eingeführt. (Hemmer 2002, S. 36) Wie auch der HDI basiert er auf den Indikatoren „Lebenserwartung“, „Zugang zu Wissen“ und „annehmbarer Lebensstandard“. Der HPI unterscheidet sich jedoch insofern vom HDI, als dass er im Gegensatz zum HDI nicht die Einkommenssituation erfasst, sondern sich stattdessen auf soziale Indikatoren konzentriert. Der HPI führt bei der Messung der Armut mit Hilfe der drei genannten Indikatoren eine eher vergleichende Betrachtung durch. Diese orientiert sich an bestimmten - bezogen auf den jeweiligen Parameter - besonders stark betroffenen prozentualen Anteilen der Bevölkerung. So wird z.B. der Lebensstandard nicht wie beim HDI anhand des PKE gemessen, sondern es werden stattdessen die wirtschaftlichen Bedingungen untersucht, wobei z.B. der Bevölkerungsanteil mit Zugang zu sauberem Wasser und zum Gesundheitswesen sowie der Prozentsatz der unterernährten Kinder unter 5 Jahren als Orientierungsgrößen dienen. (Hemmer 2002, S. 36)
Wenn in der Entwicklungstheorie von Armut die Rede ist, unterscheidet man zwischen der absoluten Armut, die anhand des Ressourcenansatzes bereits erläutert wurde, und der relativen Armut. Während bei der absoluten Armut das Einkommensniveau verschiedener Gruppen der Gesellschaft untersucht wird, konzentriert sich der Ansatz der relativen Armut auf die zeitliche Entwicklung der Armut der Ärmsten. Es werden bestimmte, von Armut besonders stark betroffene prozentuale Anteile der Bevölkerung, wie z.B. der Anteil der ärmsten 40 % der Bevölkerung am Gesamteinkommen, als Vergleichsgröße herangezogen. (Lachmann 2004, S. 36) Wie auch beim HPI wird also
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eine vergleichende Betrachtung vorgenommen, wobei sich an einem bestimmten prozentualen Anteil der Ärmsten orientiert wird. (Lachmann 2004, S. 36) Hemmers Definition von relativer Armut geht in eine ähnliche Richtung: Er versteht hierunter eine „Konstellation, bei der einzelne oder Gruppen von Wirtschaftssubjekten im Vergleich zu anderen „benachteiligt“ sind.“ (Hemmer 2002, S. 89) Auch wenn diese Definition etwas allgemeiner formuliert ist, stellt sie doch auch den vergleichenden Charakter des Konzepts der relativen Armut in den Vordergrund. Ferner kann noch in objektive und subjektive Armut unterteilt werden. Während es für die objektive Armut klare international anerkannte Kriterien und Begriffsbestimmungen gibt (wie z.B. die Ein - Dollar Marke und den Lebenslageansatz) zielt die subjektiv empfundene Armut eher auf den Gemütszustand und die Psyche der Betroffenen ab. Hierzu gehören durch Armut erzeugte Gefühle wie z.B. Hilflosigkeit und Ohnmacht. (Wolff 1999, S. 57)
Was genau kann nun unter dem Begriff „Entwicklungsland“ verstanden werden? Zunächst ist festzuhalten, dass die EL als besonders oft von Armut betroffene Länder viele gemeinsame Merkmale der Unterentwicklung aufweisen. Dennoch stellen sie u.a. hinsichtlich ihrer Bevölkerungsdichte, politischen Selbständigkeit und Ausstattung mit Bodenschätzen eine heterogene Gruppe dar. (Lachmann 2004 S. 2) Es soll daher zunächst auf deren Unterschiede eingegangen werden: Es kann zwischen bevölkerungsreichen und bevölkerungsarmen EL unterschieden werden. Zu den ersteren zählen Länder wie China mit 1,261 Mrd. Einwohnern und Indien mit 1,016 Mrd. Einwohnern. Demgegenüber stehen sog. Zwergstaaten wie z.B. Bermudas mit 63.000 und Palau mit 19.000 Einwohnern. (Lachmann 2004 S. 2)
Ferner unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Bevölkerungsdichte: Während Botswana mit seinen drei Personen pro Quadratkilometer eine sehr niedrige Bevölkerungsdichte aufweist, beträgt diese in Bangladesh 997 Personen pro Quadratkilometer. (Lachmann 2004 S. 2, f.)
Arbeit zitieren:
Joachim Schween, 2009, Wirkungszusammenhänge zwischen absoluter Armut und dem Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern, München, GRIN Verlag GmbH
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