1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
1. Zum Begriff des Gemeinwohls bei Aristoteles 3
2. Die beste Lebensform für den Einzelnen 4
2.1. Das Endziel des menschlichen Handelns 4
2.2. Betrachtende vs. Politische Lebensweise. 6
3. Identität des Wohls des Einzelnen und des Gemeinwohls? 8
3. 1. Die Bedingungen für die Realisierung des Gemeinwohls 9
4. Schlussbetrachtung. 12
Literaturverzeichnis 13
2
Vorwort
Der soziale Hintergrund des menschlichen Lebens haben den Menschen seit einer langen Zeit veranlasst sich Gedanken darüber zu machen, wie das gemeinschaftliche Leben am besten zu gestalten ist. Zum Teil wurden diese Gedanken in eine Vorstellung über das Gemeinwohl erarbeitet. Die europäische Gemeinwohlkonzeption nimmt seinen Anfang in der griechischen Antike 1 . Zur ersten Systematisierung dieser Konzeption kam es dabei in den Werken von Platon und Aristoteles 2 , wobei Aristoteles die Lehre von Platon revidierte. Gegenstand dieser Hausarbeit wird es sein, die aristotelische Vorstellung über das Gemeinwohl nachzuvollziehen. Dafür werden wir zunächst die begriffliche Grundlage von dem Aristoteles’ Gemeinwohlkonzept ins Auge fassen. Weiterhin werden wir aufgrund der gewonnenen Begriffe das Wohl des Einzelnen und das Gemeinwohl in den Werken von Aristoteles untersuchen. Anschließend werden die Bedingungen bestimmt, die für die Realisierung des von Aristoteles entworfenen Gemeinwohlkonzepts erforderlich sind. Für unsere Untersuchung sind zwei Werke von Aristoteles relevant. Diese sind die Nikomachische Ethik und die Politik 3 . Die aristotelische Vorstellung von Gemeinwohl wird in diesen zwei Werken zusammenhängend erarbeitet, da Politik und Ethik bei Aristoteles zwei Teile einer praktischen Philosophie sind. 4
1 Siehe dazu O. Kirner, G.: Polis und Gemeinwohl - Zum Gemeinwohlbegriff in Athen vom 6. bis 4.
Jahrhundert v. Chr. Erschienen in: Münkler. H., Bluhm H.: Gemeinwohl und Gemeinsinn - Historische
Semantiken politischer Leitbegriffe, Berlin 2001 S. 31-63.
2 Münkler, H., Bluhm, H.(Hrsg.): Gemeinwohl und Gemeinsinn als politisch-soziale Leitbegriffe Berlin
2001, , S. 16, Einleitung von den Hrsg.
3 Zitiert wird aus Aristoteles: Politik, Übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von Eugen
Rolfes, Mit einer Einleitung von Günter Bien, Hamburg 1981 (Weiter Pol.) und Aristoteles: Nikomachische
Ethik, Auf d. Grundlage d. Übers. von Eugen Rolfes hrsg. von Günter Bien -4., durch ges. Aufl. Hamburg, 1985
(Weiter NE).
4 Siehe dazu Nulas B.K.: Ethik und Politik bei Aristoteles, Athen 1977.
3
1. Zum Begriff des Gemeinwohls bei Aristoteles
Das Gemeinwohlkonzept wird in den Werken von Aristoteles nicht speziell thematisiert. Es gibt auch keinen einheitlichen Begriff für dieses Konzept. Die Erarbeitung einer Vorstellung über das Wohlergehen einer staatlichen Gemeinschaft wird jedoch in philosophisch-ethischen Kategorien vollzogen. So sucht Aristoteles nach dem „ vollkommenen Leben“ 5 oder nach dem „begehrenswertesten Leben“ 6 bzw. nach dem „wahren Glück“ 7 für den Staat.
Im siebenten Buch der Politik wirft Aristoteles die Frage auf, ob das wahre Glück des einzelnen Menschen und das eines Staates dasselbe sind. Um auf diese Frage zu antworten, führt er folgende Beispiele an: die den Reichtum schätzende Individuen werden den reichen Staat als glücklich bezeichnen, die die Herrschaft Schätzenden werden den Staat für glücklich halten, „der am meisten Untertanen hat“ 8 , wenn die Individuen aber die Tugenden schätzten, so werden sie den tugendhaften Staat glücklich nennen. Aufgrund dieser Beispiele macht der Autor die Schlussfolgerung, dass das Glück für den Einzelnen und für den Staat dasselbe ist. Wir sehen in dieser Überlegung den Zusammenhang des Gemeinwohls mit den Werten, die in jeweiliger Gemeinschaft vorherrschen. In den heutigen Abhandlungen zum Gemeinwohl würde man es als eine Abhängigkeit zwischen dem Gemeinsinn (die Integration der Werte und der Normen einer Gemeinschaft ins Handeln des Individuums) und dem Gemeinwohl (das Ergebnis solches Handelns aller Mitglieder der Gemeinschaft) verstehen 9 . Solch eine Abhängigkeit setzt dabei in heutigen Staatengemeinschaften das Gemeinwohl hauptsächlich mit dem nationalen Interesse gleich, was die Akzeptanz der vielfältigen Gemeinwohlmodelle fordert. Dies ist bei Aristoteles jedoch kein Fall. Er sucht nach einer Lebensform, die sowohl für den Einzelnen als auch für den ganzen Staat „ den Vorzug verdient“ 10 . Dabei ist ein universaler Staat gemeint. Die gesuchte Lebensform muss also für alle Staaten von Vorzug sein. Dafür entwirft Aristoteles in seiner Politik ein Staatsmodell, das alle Voraussetzungen für die Realisierung der besten Lebensform besitzt. Dieses Staatmodell werden wir aber später untersuchen. Im nächsten Kapitel richten wir unser Augenmerk auf die
5 Pol. VII, 1, 1323 b18.
6 Ebd. 1323 a 14.
7 Pol. VII, 2, 1324 a 3.
8 Pol. VII, 2, 1324 a 3.
9 Siehe dazu z.B. Richter, E.: Die Wurzeln der Demokratie, Wielerwist 2008, S. 230-231.
10 Pol. VII, 2, 1324 a 3.
4
beste Lebensform für den Einzelnen, was für uns eine Grundlage für Verständnis der besten Lebensform für die staatliche Gemeinschaft schaffen wird.
2. Die beste Lebensform für den Einzelnen
Im ersten Buch der Nikomachischen Ethik stellt Aristoteles fest, dass es drei Lebensformen gibt, die die Menschen führen. Manche ziehen das Genussleben, manche das politische Leben und andere das betrachtende Leben vor. Die genannten Lebensformen unterscheiden sich voneinander durch das Ziel des Lebens, das in jeder Lebensform ein anderes ist.
2.1. Das Endziel des menschlichen Handelns
Durch Beobachtung der menschlichen Künste, Lehren, Handlungen und Entschlüsse stellt Aristoteles fest, dass sie auf ein Ziel gerichtet sind, das als etwas Gutes wahrgenommen wird. Da sie aber viele sind, gibt es auch viele verschiedene Ziele. Alle Ziele kann man laut Aristoteles jedoch in eine Rangordnung einordnen. So kann das Erreichen jedes Zieles als Voraussetzung zur Erreichen eines anderen Zieles dargestellt werden. Die Zielsetzung soll aber nicht als ein unendlicher sinnloser Prozessvorgestellt werden, die ins Leere läuft. Der Besitz des Verstandes setzt für den Menschen ein Endziel voraus, das als das höchste Gut gilt. Dabei besitz dieses Ziel ein besonderes Merkmal. Sie ist selbstgenügsam. „Als selbstgenügsam gilt [.] dasjenige, was für sich allein das Leben begehrenswert macht und vollständig bedürfnislos“ 11 . Das Endziel ist also autark. Man braucht zu ihm kein anderes Ziel hinzuzufügen, da sie alle Ziele einschließt.
In weiteren Analysen stellt Aristoteles fest, dass eine solche Beschaffenheit der Glückseligkeit eigen ist. Dabei gibt er an, dass es keine feste Definition der Glückseligkeit gibt. Er selber versucht den Begriff dadurch zu definieren, dass er ihn als einen spezifischen Bestandteil des menschlichen Lebens betrachtet 12 . Dafür sucht Aristoteles nach „einer eigentümlichen Leistung des Menschen“ 13 . Die Leistung muss ihn von allen anderen Lebewesen unterscheiden.
11 NE, I, 1097 b 7.
12 Siehe näher zu der Methode der Definition bei Wolf, Ursula:„ Aristoteles’ Nikomachische Ethik“,
Darmstadt 2002, S. 38.
13 NE,I, 6, 1097 b 7.
Arbeit zitieren:
Lyaysan Kasymova, 2009, Aristoteles über das Gemeinwohl, München, GRIN Verlag GmbH
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