Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Unterrichtseinstieg - Was ist ein Einstieg?
2.1. Was ist die Funktion eines Unterrichtseinstiegs?
2.2. Welche Probleme können entstehen?
3. Die vier Einstiegstypen nach Gerhard Schneider
3.1. Sachanalyse: Vorstellung des historischen Kontexts
3.2. Der animative Einstiegstyp
3.3. Der repetitive Einstiegstyp
3.4. Der sedative Einstiegstyp
3.5. Der problematisierende Einstiegstyp
3.5.1. Zur Theorie der Kognitiven Dissonanz
3.5.2. Die unterrichtspraktische Bedeutung
3.5.3. Kognitive Dissonanz als didaktischer Königsweg?
4. Schluss
Anhang
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Es ist für jeden Lehrer 1 erstrebenswert, mit einem guten Gefühl zu unterrichten, damit am Ende einer Unterrichtsstunde sowohl der Lehrer mit dem Lernergebnis der Schüler als auch die Schüler mit dem Unterricht an sich zufrieden sind. Doch wie muss der Unterricht sein, der dieses positive Gefühl sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern auslöst? Welche Merkmale muss guter Unterricht aufweisen? Hilbert Meyer benennt zehn Merkmale guten Unterrichts 2 :
- Klare Strukturierung des Unterrichts
- Hoher Anteil echter Lernzeit
- Lernförderliches Klima
- Inhaltliche Klarheit
- Sinnstiftendes Kommunizieren
- Methodenvielfalt
- Individuelles Fördern
- Intelligentes Üben
- Transparente Leistungserwartungen
- Vorbereitete Umgebung
Dies sind anspruchsvolle Kriterien an einen erfolgreichen, schülerorientierten Unterricht. Doch wie steigt ein Lehrer am besten in den Unterricht ein, um die Aufmerksamkeit und das Interesse seiner Schüler gleich mit Beginn des Unterrichts zu fesseln? Wie macht er die Schüler neugierig und wissbegierig auf den Inhalt der Unterrichtsstunde oder -einheit? Welche Unterrichtseinstiege eignen sich dafür? Besonders vor dem Hintergrund des absolvierten Fachpraktikums erscheint dieses Thema als eine der Grundlagen des Unterrichts. Im Geschichtsunterricht wie auch in den meisten anderen Fächern spielen Einstiege in neue Themen eine wesentliche Rolle. Sie sind oftmals die erste Begegnung des Schülers mit einem ihm zuvor unbekannten Thema. Einstiege bilden daher einen wesentlichen Teil der didaktischen Konstruktion einer Unterrichtsreihe. Diese Tatsache wurde mir auch während des Fachpraktikums häufiger bewusst, als ich während meiner Hospitationen miterlebte, wie manche Fachlehrer ihren Unterricht mit immer demselben, einstudierten Ritual begannen, was für die Schüler uninteressant und zuweilen sogar demotivierend wirkte. Denn
1 In der vorliegenden Arbeit wird die grammatisch männliche Namensform von „Lehrer“, „Schüler“
etc. zur Bezeichnung von männlichen und weiblichen Personen verwendet. Lediglich wenn
ausdrücklich auf einen Unterschied verwiesen werden soll, wird vom generischen Maskulinum
abgewichen.
2 Vgl.: Meyer, Hilbert: Was ist guter Unterricht, Berlin 2004, S. 23-126.
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Fakt ist, dass der Unterrichtsstoff die Schüler in den seltensten Fällen aus sich heraus interessiert und zur Weiterarbeit motiviert. Vom Gelingen des Unterrichtseinstiegs hängt zumindest teilweise ab, inwieweit sich Schüler in den folgenden Stunden für das Thema interessieren und beigeistern lassen. Bezüglich der Geschichtsdidaktik ist Gerhard Schneider der Einzige, der sich bisher intensiv mit der Problematik der Einstiege in den Geschichtsunterricht auseinander gesetzt hat. Aufgrund dessen dient sein Werk „Gelungene Einstiege“ 3 als geschichtsdidaktische Grundlage dieser Arbeit. Im Folgenden werde ich aufzeigen, was allgemeindidaktisch unter einem Unterrichtseinstieg zu verstehen ist, was dessen Funktionen sind und welche Probleme dabei entstehen können. Daran schließt sich die Sachanalyse der für das Seminar ausschlaggebenden Französischen Revolution 4 an, um anschließend die unterschiedlichen Einstiegstypen, so wie Schneider sie ausgeführt hat, vorzustellen und mit Hilfe von Beispielen zur FR zu verdeutlichen. Detaillierter wird dann auf den problematisierenden Einstiegstyp eingegangen, der mittels der Theorie der Kognitiven Dissonanz näher untersucht wird und ebenfalls unter Zuhilfenahme eines Beispiels aus der FR veranschaulicht wird. Abschließend erfolgt eine Reflexion der zuvor dargelegten Inhalte.
2. Der Unterrichtseinstieg - Was ist ein Einstieg?
In den letzen Jahren hat sich die pädagogische Fachliteratur immer wieder mit der Frage des Unterrichtseinstiegs beschäftigt. Was ist unter diesem Begriff zu verstehen und welche didaktischen Funktionen stecken dahinter? Die Bedeutung des Begriffs „Einstieg“ im eigentlichen Sinne soll hier anfänglich aufgezeigt und anschließend auf die Schule übertragen werden. Dadurch soll verdeutlicht werden, welche besondere Bedeutung eine Einstiegsphase in den Unterricht hat.
Wird in etwas eingestiegen, zum Beispiel in ein Auto, liegt eine Aktivität des Einsteigenden vor. Es wird klar: Ein Einstieg, übertragen auf jegliche Gelegenheit, beinhaltet immer Aktivität. Der Einsteigende übernimmt außerdem eine Verantwortung für das, was geschieht: Er handelt beispielsweise sofort oder lässt Neues auf sich wirken. Deutlich wird: Im Begriff „Einstieg“ steckt die Selbstständigkeit einer Phase. Übertragen auf die Schule bedeutet dies, dass eine
3 Schneider, Gerhard: Gelungene Einstiege. Voraussetzung für erfolgreiche Geschichtsstunden
(Methoden historischen Lernens), Schwalbach 2004.
4 Im Folgenden FR abgekürzt.
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Einstiegsphase eine eigenständige Phase des Unterrichts ist, die Aktivität auf Schüler- und Lehrerseite erfordert, woraus sich wiederum ihre didaktische Relevanz ergibt 5 . Eine Einstiegsphase darf und kann folglich nicht auf einen überflüssigen Bestandteil des Unterrichts reduziert werden. Sie ist eine eigenständige Phase mit bestimmten didaktischen Funktionen. Jank und Meyer haben drei zentrale Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg aufgestellt 6 :
- Der Einstieg soll den Schülern einen Orientierungsrahmen für die vom Lehrer ins Auge gefasste Themenstellung vermitteln.
- Der Einstieg sollte an zentralen Aspekten des Gesamtthemas festgemacht sein.
- Der Einstieg ist nicht gezwungenermaßen lehrerorientiert. Schüleraktive Einstiegsformen sind genauso möglich.
Es soll ein Orientierungsrahmen für den zu erarbeitenden Sach-, Sinn- oder Problemgegenstand hergestellt werden. Dass diese Aufgabe primär in den Händen des Lehrers liegt, scheint, vor allem für den Lehrer, im ersten Moment einleuchtend, ist aber nicht immer der Fall. Wie der Lehrer den Unterrichtseinstieg gestaltet, hängt von ihm selbst, der Aufgabe und den Schülern ab. Außerdem betonen Jank und Meyer, dass der Lehrer sich nicht scheuen sollte, sein gesamtes Methodenrepertoire einzusetzen. Denn Ziel der Einstiegsphase soll sein, dass die Schüler sich mit dem Thema der neuen Unterrichtseinheit handelnd auseinandersetzen 7 .
Aus geschichtsdidaktischer Perspektive hat Gerhard Schneider diese an den Unterrichtseinstieg geknüpften Bedingungen wie folgt definiert:
„Als Unterrichtseinstieg bezeichnet man jenes didaktisch reflektierte Verfahren von meist kurzer Dauer, mit dem man eine Unterrichtsstunde bzw. eine Unterrichtseinheit oder ein Projekt beginnt. Überlegungen zu dieser Unterrichtsphase müssen sich auch auf den allgemein als schwierig erachteten Übergang zur Arbeitsphase, also zum Kern des
8 Unterrichtsgeschehens, beziehen.“
Es gilt als unbestritten (und dies zeigte sich auch während des Fachpraktikums), dass der Lehrer ein produktives, freundliches Arbeitsklima schaffen muss, da sich in der Einstiegsphase entscheidet, ob die Unterrichtsstunde wie geplant verläuft oder scheitert.
5 Vgl.: Greving, Johannes/ Paradies, Liane: Unterrichts-Einstiege. Ein Studien- und Praxisbuch,
Berlin 2007, S.17.
6 Vgl.: Jank, Werner/ Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, Berlin 1991, S. 328-330.
7 Vgl.: Ebd.
8 Schneider, Gerhard: Einstiege, in: Mayer, Ulrich/ Pandel, Hans-Jürgen/ Schneider, Gerhard (Hg.):
Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (Forum historisches Lernen), Schwalbach 2004, S.
595.
5
2.1. Was ist die Funktion eines Unterrichtseinstiegs?
Bezüglich der Funktionen des Unterrichtseinstiegs hat Schneider sechs Thesen formuliert, die er aus der aktuellen geschichtsdidaktischen Diskussion zusammengefasst hat. Diese unterschiedlichen Funktionen schließen sich aber nicht gegenseitig aus, sodass mit einem Unterrichtseinstieg nur ein Zweck verfolgt werden könnte. Ganz im Gegenteil. Es ist ratsam, den Einstieg möglichst vielschichtig zu gestalten. Denn die verschiedenen Funktionen sprechen verschiedene Bereiche des Schülers an: Zum einen kognitive Fähigkeiten, zum anderen emotionale Gegebenheiten des Schülers. Aufgrund dessen sollte der Lehrer bei der Planung des Unterrichts darauf achten, seinen Einstieg so zu gestalten, dass dadurch beide Bereiche des Schülers angesprochen werden 9 , da diese Unterrichtsphase den Verlauf des anstehenden Lernprozesses strukturiert und über die Motivation und damit einhergehend über den Lernerfolg maßgeblich mitentscheidet 10 . Aber der Lehrende sollte sich auch bewusst darüber sein, was er mit dem Einstieg erreichen will, um die entsprechenden Funktionen sinnvoll nutzen zu können. Allerdings ist die Kombination dieser Ziele nicht einfach zu gestalten 11 .
Im Folgenden werde ich die von Schneider ausgearbeiteten Funktionen vorstellen.
1. Wiederholung und Verknüpfung
Die erste Funktion des Unterrichtseinstiegs, die Schneider nennt, ist die Wiederholung des bereits gelernten Stoffs, der mit dem Stoff der kommenden Stunde verknüpft werden soll 12 .
2. Vorbereitung
Als eine weitere Funktion der Einstiegsphase nennt Schneider den Zweck, dass die Schüler durch den Einstieg auf den neuen Unterrichtsgegenstand eingestimmt und vorbereitet werden sollen. Dieses Verfahren wird beispielsweise auch in Geschichtslehrbüchern angewendet. Dabei soll auf so genannten Auftaktseiten eine Vorstrukturierung des Unterrichtsstoffs geboten werden 13 . Die Schüler können somit ein übergeordnetes Konzept bilden, in welches sie die folgenden neuen Lerninformationen einordnen können. Diese Funktion des Einstiegs erinnert
9 Vgl.: Sauer, Michael: Einstiege, in: Sauer, Michael (Hg.): Geschichte unterrichten. Eine Einführung
in die Didaktik und Methodik, Seelze-Velber 2001, S. 84.
10 Vgl.: Greving/ Paradies: Unterrichts-Einstiege, S. 11.
11 Vgl.: Schneider: Einstiege, S. 595.
12 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 10.
13 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 10 f..
6
an einen Aspekt der Formulierung Janks und Meyers, die sagen, dass Schüler einen Orientierungsrahmen für die vom Lehrer ins Auge gefasste Themenstellung brauchen.
Besonders im Geschichtsunterricht wollen Schüler sich immer wieder verorten. Sie verlangen daher nach historischer Einordnung. Schneider spricht hierbei vom „Ankerkonzept“ 14 . Bei richtiger Anwendung dient die Vorstrukturierung der Erhaltung motivationsfördernder Momente. Dadurch wird auch die gemeinsame Planung des folgenden Unterrichts vorangetrieben.
3. Vorkenntnisse und Lernvoraussetzungen, Interesse
Ein weiterer Zweck der Einstiegsphase besteht laut Schneider darin, zu erfahren, welche Vorkenntnisse und Lernvoraussetzungen die Schüler haben, und sie für den neuen Unterrichtsinhalt zu interessieren 15 . Dies kann in der Form geschehen, dass ein plötzlicher Einstieg durch Anknüpfen an ein aktuelles Ereignis hergestellt wird. Somit ergibt sich für die Schüler die Möglichkeit, in einem freien Gespräch ihr Wissen über das neue Thema einzubringen.
Den bis hier genannten Zweckbestimmungen von Einstiegen ist gemein, dass die Schüler bezüglich der weiteren Verlaufsplanung des Unterrichts selten aktiv werden können. Die Entscheidungen bezüglich des Unterrichtseinstiegs werden vom Lehrer getroffen.
Die neuere Didaktik setzt genau da an. Die Schüler sollen aktiver am Unterrichtseinstieg beteiligt werden. Sie sollen mehr Mitspracherecht hinblicklich der Planung erhalten, da besonders der Unterrichtseinstieg diese Möglichkeit bietet. Sie sollen eine Vorstellung davon bekommen, „was wie warum und wie lange im Unterricht […] behandelt werden soll.“ 16 . Hierdurch lassen sich auch die Rahmenrichtlinien für das Fach Geschichte am Gymnasium realisieren 17 , die unter anderem die Einbindung der Schüler in die Unterrichtsgestaltung vorschreiben. Die folgenden Funktionen sind neuerer didaktischer Natur. Sie sehen vor, dass die Schüler für das neue Thema gewonnen werden und das neue Thema den Schülern erschlossen wird. Dies soll durch mittelbare oder unmittelbare Hilfe des Lehrers geschehen. Bei den Schülern soll eine Fragehaltung geweckt, sie sollen
14 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 10.
15 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 11.
16 Schneider: Gelungene Einstiege, S. 11.
17 Vgl.: Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.): Kerncurriculum für das Gymnasium.
Schuljahrgänge 5-10. Geschichte, Hannover 2008, S. 9, auf:
< http://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/kc_gym_gesch_08_nib.pdf >, Zugriff am: 14.05.2009.
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neugierig gemacht werden. Ihre Aufmerksamkeit soll auf das neue Thema gelenkt, und es soll eine Vernetzung von Bekanntem und Neuanfang geschaffen werden.
4. Planungsgespräch
Ein weiterer Zweck eines Unterrichtseinstiegs kann auch der sein, dass der Einstieg als Planungsgespräch zwischen Schülern und Lehrer konzipiert ist. Diese an die neueren geschichtsdidaktischen Diskussionen angeknüpfte Funktion dient vor allem als Einstieg in eine mehrstündige Unterrichtseinheit. Denn die neuere Geschichtsdidaktik unterteilt den Unterricht in drei Teile: den Einstieg, die Arbeitsphase und die abschließende Phase 18 . Durch das Planungsgespräch können die anderen Phasen des Unterrichts oder der Unterrichtseinheit vorgeplant und strukturiert werden. Allerdings ist diese Art des Einstiegs stark vom Schülerinteresse abhängig. Wenn es das neue Thema nicht vermag, die Schüler von sich aus für den kommenden Unterricht zu erwärmen, werden diese kein Interesse an der Planung des neuen Unterrichtsgegenstandes haben. Wenn das neue Thema jedoch für die Schüler von Anfang an interessant scheint, können sich Diskussionen über Planung und Durchführung zu Beginn der Stunde bzw. der Einheit als sehr ergiebig für den weiteren Verlauf herausstellen.
5. Motivation und Aktivierung
Die Einstiegsphase in den Unterricht kann und sollte nach Möglichkeit dazu dienen, die Schüler zu motivieren und zu aktivieren. An dieser Funktion sieht man in besonderer Weise, dass ein Unterrichtseinstieg nicht nur einen Zweck verfolgen kann. Diese Funktion sollte nach Möglichkeit in jedem Einstieg enthalten sein, auch wenn der Einstieg primär einen anderen Zweck erfüllen soll. Motivation und Aktivierung können beispielsweise durch den Einsatz entsprechender Materialien und Medien erreicht werden 19 . Um einen überraschenden, verblüffenden, unentschiedenen, lebendigen und geheimnisvollen Einstieg zu gestalten, kann der Lehrer kontroverse Quellen, überzeichnet darstellende Karikaturen oder provokative Bilder einsetzen. Allerdings darf das eingesetzte Material die Schüler nicht überfordern und zu lange binden, da ansonsten Probleme auftreten könnten, wie zum Beispiel, dass die Schüler auf Abwege gelenkt würden oder aber auch der gesteckte Zeitrahmen gesprengt würde.
18 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 13.
19 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 14.
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6. Kontroversen und Provokationen
Als letzte Funktion der Einstiegsphase nennt Schneider die Möglichkeit, sich widersprechende Fragen und Behauptungen der Schüler zu kontroversen Thesen zusammenzufassen, damit der Anreiz erhalten bleibt, dem Unterrichtsgegenstand auf den Grund zu gehen 20 . Dies ist für die Lernmotivation von dauerhafter Förderung. Dieser Zweck kann auch durch kontrollierte provokative Äußerungen zum Stundenbeginn, am besten in Form eines prägnanten Impulses erfolgen, oder dadurch, dass der Lehrer versucht, vermeintliche Klischees und Denkweisen der Schüler durch Gegenpositionen zu erschüttern.
2.2. Welche Probleme können entstehen?
Bezüglich der Durchführbarkeit eines Unterrichtseinstiegs, besonders hinblicklich der oben genannten Funktionen, können aber auch Probleme auftreten. Denn so sehr sich der Lehrer um die Motivation der Schüler für den Unterricht bemühen mag; diese Bemühungen scheinen hoffnungslos, wenn das Fach oder der Lehrer bei den Schülern negative Konnotationen hervorruft. In diesem Fall kann der Lehrer pädagogisch nur schwer intervenieren.
Des Weiteren ist ein Lehrer, der sich mit der Thematik des Unterrichtseinstiegs und den damit verbundenen Erfordernissen auseinandersetzt, auch häufig den Vorwürfen der „Gag-Didaktik“ 21 und der Effekthascherei ausgesetzt. Denn für Menschen, die dem Schulalltag fern sind, scheint beispielsweise eine Provokation von Seiten des Lehrers zum Unterrichtseinstieg sinnlos, da die Schüler dadurch nur unnötig verunsichert würden. In Einzelfällen mag das zutreffen, aber prinzipiell ist es die Absicht des Lehrers, dem Unterricht dadurch einen Impuls zu geben, der, zugegeben, nicht direkt erkennbar ist, aber auch nicht sein soll. Ein weiterer Punkt, den der Lehrer bei der Planung des Unterrichtseinstiegs nicht vernachlässigen sollte, ist, den Übergang zwischen Einstiegs- und Arbeitsphase zu gestalten. Denn selbst der beste Einstieg droht zu erlöschen, wenn konventionalisiert in die Arbeitsphase übergegangen wird. Außerdem dürfen die in der Einstiegsphase eingesetzten Reize nicht in eklatantem Kontrast zur meist nüchternen Arbeitsphase stehen, denn eine „Anfangslastigkeit“ 22 ist kontraproduktiv. Generell sollte bei der Planung einer Unterrichtsstunde oder -einheit darauf geachtet werden, diese im Gesamtzusammenhang zu planen. Norbert Zwölfer schlägt ein siebenstufiges Modell zur Unterrichtsplanung vor. Die
20 Vgl.: Schneider: Gelungene Einstiege, S. 14 f..
21 Schneider: Einstiege, S. 595.
22 Schneider: Gelungene Einstiege, S. 25.
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Philipp Schubert, 2009, Unterrichtseinstiege wirkungsvoll inszenieren - unter besonderer Berücksichtigung des problematisierenden Einstiegs, München, GRIN Verlag GmbH
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