H. E. Peplau: Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen - 2 -
Nach vier Semestern des Pflegemanagement- Studiums ist dieses Referat ein Bestandteil der Fachprüfung im Bereich Pflegewissenschaft. Es hat zur Aufgabe, eine Pflegetheorie zu beleuchten und ihren Bezug zu praktischen Anwendungsfeldern undkonzepten zu verdeutlichen, um so die Verknüpfung von wissenschaftlicher These und pflegerischer Praxis darzustellen.
Bei der Auswahl des Themas wurde ich im Wesentlichen durch meine eigene berufliche Sozialisation beeinflusst. Seit Beendigung meiner Pflegeausbildung bin ich ausschließlich in psychiatrischen Fachkliniken tätig gewesen und habe unterschiedliche pflegetheoretische Konzepte und deren mehr oder weniger gelungene Umsetzung erlebt. Grundsätzlich auffällig schien mir dabei stets das Problem Pflegender zu sein, Interaktion und Kommunikation als ihr „Handwerkszeug“ zu begreifen, statt Unzulänglichkeitsgefühle aufzubauen, weil sie kaum mit direkten, manuellen Pflegehandlungen betraut sind, die sowohl in der Pflegeausbildung als auch im Bereich der somatischen Pflege eine übergeordnete Rolle spielen. Andererseits geraten diejenigen , die eben diese Elemente als Hauptaufgabe ihrer täglichen Arbeit verstehen, häufig in ein Spannungsfeld zwischen pflegerisch kompetentem Handeln und unerwünschtem Co- Therapeutentum.
Was macht also qualifizierte psychiatrische Pflege aus und wie ist sie praktisch umzusetzen? Bei der Beantwortung dieser Frage scheint mir die Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen von Hildegard E. Peplau wichtige und richtige Antworten zu geben. Sie baut dabei nicht nur auf fachlichen Kompetenzen sondern auch auf der Grundlage menschlichen Zusammenlebens auf. Kommunikation, Empathie, und Interaktion sind alltägliche Vorgänge, die jeder Mensch mehr oder minder unterbewusst beherrscht. Der potentielle therapeutische Nutzen wird jedoch vielfach unterschätzt und kann durch gezielte und strukturierte Aus- Fort- und Weiterbildung von Pflegenden gefördert werden.
In diesem Sinn soll das Referat den Nutzen der Theorie für die praktische Arbeit verdeutlichen und Ansatzpunkte für ein zeitgerechtes Pflegemanagement aufzeigen.
Aus Gründen der Lesbarkeit wurden die einheitlichen Bezeichnungen „Pflegekraft“ und „Patient“
verwendet. Gemeint sind selbstverständlich beide Geschlechter.
H. E. Peplau: Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen - 3 -
INHALT
1 EINFÜHRUNG INS THEMA 4
1.1 Geschichtlicher Hintergrund 4
1.2 Wissenschaftstheoretischer Hintergrund 4
2 METAPARADIGMEN DER PFLEGE 5
2.1 Mensch und Gesellschaft 5
2.2 Gesundheit und Krankheit 5
2.3 Pflege 6
3 SCHLÜSSELKONZEPTE 6
3.1 Psychodynamische Pflege 6
3.2 Die Beziehung zwischen Pflegeperson und Patient 7
3.3 Rollen der Pflegenden 8
4 THEORIE UND PRAXIS 11
4.1 Bezugspflege und Pflegeprozeß 11
4.2 Möglichkeiten für das case management 13
5 KRITISCHE WÜRDIGUNG UND RESÜMEE 14
6 LITERATUR 16
H. E. Peplau: Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen - 4 -
1Einführung ins Thema
1.1 Geschichtlicher Hintergrund
Die 1909 in Pensylvania, USA geborene Hildegard E. Peplau schloss 1931 ihre Ausbildung zur Krankenschwester ab und arbeitete dann im Operationsdienst, bis sie 1936 Leiterin des Gesundheitsdienstes am Bennington College wurde und gleichzeitig begann, „Interpersonale Psychologie“ zu studieren, was sie 1943 mit dem Bachelor of Arts abschloss. Nach ihrer Tätigkeit als Leutnant des amerikanischen Armeepflegekorps in England absolvierte sie ein Studium am Teachers College der Columbia University, und erwarb dort den „Master of Arts“ in psychiatrischer Krankenpflege. Parallel zu ihrer Promotion zum Educational Doctor arbeitete sie sowohl im klinischen als auch ambulanten Bereich als psychiatrische Krankenschwester. 1954 ging sie an die Universität von New Jersey, wo sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1974 psychiatrische Pflege lehrte. Hildegard E. Peplau war außerdem tätig in verschiedensten Organisationen und Institutionen, unter anderem der Weltgesundheitsorganisation und dem amerikanischen Krankenpflegeverband. Sie wurde mehrfach für ihre Verdienste ausgezeichnet und erhielt vier Ehrendoktorwürden.
Ihr Buch „Interpersonal relations of nursing“ veröffentlichte Hildegard E. Peplau 1952 und revolutionierte damit die psychiatrische Krankenpflege der damaligen Zeit. Pflegewissenschaftlich relevante Hypothesen waren bis dato nur von Florence Nightingale aufgestellt worden, Virginia Henderson veröffentlichte ihre Definition der 14 Grundbedürfnisse erst 1955.
1.2 Wissenschaftstheoretischer Hintergrund
Peplaus Werk fußt auf den Grundannahmen der humanistischen Psychologie. So orientierte sie sich maßgeblich an Maslow (Motivationstheorie), Miller (Persönlichkeitstheorie), Symonds (psychoanalytische Theorie) und Sullivan (Persönlichkeitsentwicklung) und nutzte deren wichtigste verhaltenspsychologische und psychoanalytische Theorien zur Entwicklung ihrer spezifischen Beschreibung von Krankenpflege. Zu dieser Zeit stellte eine solche Art der Vorgehensweise in der Wissenschaft ein Novum dar.
H. E. Peplau: Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen - 5 -
Vor diesem Hintergrund stellte Peplau umfangreiche Beobachtungen in der pflegerischen Praxis an, um die alltagsweltlichen Erfahrungen von Pflegenden mit dem Verständnis des symbolischen Interaktionismus auf allgemein gültige Hypothesen zurückführen zu können - ein methodisches Vorgehen, dass wir heute mit dem Begriff der Grounded Theory beschreiben würden. Peplau stellte in ihrer Theorie die Beziehung von Pflegekraft und Patient in den Mittelpunkt und begründete dadurch die Schule der Interaktionstheoretiker/innen.
2 Metaparadigmen der Pflege
2.1 Mensch und Gesellschaft
Peplau versteht den Menschen als einen „Organismus, der in einem nicht stabilen Gleichgewicht lebt“ und sich „in Richtung auf einen stabilen Gleichgewichtszustand bewegt“, den er aber nie ganz erreichen kann. Somit trachte er nach fortdauernder Entwicklung seiner Persönlichkeit. Dadurch wird die Pflege zu einem Lernprozess, der auf die Entfaltung individueller Ressourcen abzielt. In diesem Zusammenhang spielen vier psychobiologische Erfahrungen eine zentrale Rolle und sind allen Menschen gleich, nämlich Bedürfnisse, Frustration, Konflikt und Angst. Diese führen zu Spannungen, die das Individuum zu reduzieren versucht..
Entwicklungspotential ist nach Peplau eng verbunden mit dem sozialen und kulturellen Kontext des Individuums, der durch die Pflege berücksichtigt und einbezogen werden muss. Das Maß an gesellschaftlicher Integration des Patienten ist dabei in engem Zusammenhang zu verstehen mit der Ausbildung von individuellen Bewältigungspotentialen und dem entsprechend bei der Planung, Durchführung und Evaluation der Pflegemaßnahmen zu berücksichtigen. Der Schwerpunkt Peplaus theoretischer Überlegungen liegt jedoch auf der Berücksichtigung zwischenmenschlicher Beziehungsprozesse.
2.2 Gesundheit und Krankheit
Gesundheit ist nach Peplau ein Wortsymbol, das eine konstruktive Entwicklung der Persönlichkeit und anderer menschlicher Prozesse in Hinblick auf ein kreatives, konstruktives, produktives, persönlich und gesellschaftlich anerkanntes Leben
Arbeit zitieren:
Christian Straub, 2003, Die Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen von H.E. Peplau und ihre Bedeutung für die Pflegepraxis in der Psychiatrie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Interpersonale Beziehungen in der Pflege nach Hildegaard Peplau
Referat (Ausarbeitung), 40 Seiten
Die Konfliktdidaktik von Hermann Giesecke
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 19 Seiten
Der Buena-Vista-Boom und die Musik Kubas: Eine einzigartige Melange au...
Seminararbeit, 14 Seiten
Der Deutsche Föderalismus-Modell für die EU?
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 19 Seiten
Gesundheitsförderung - eine Aufgabe für Pflegekräfte im Krankenhaus
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 16 Seiten
Ethnomethodologie - Theorie und Empirie
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 17 Seiten
Demokratie bei Carl Schmitt - Darstellung seiner Demokratiekonzeption ...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 21 Seiten
El Andalucismo - Ein spanischer Dialekt in der Untersuchung
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Konfliktanalyse nach Giesecke - Theoretische Grundlagen und Beispiel
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 33 Seiten
Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 18 Seiten
Streit um Differenz - Die Erkenntniserträge und -grenzen poststruktura...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Grundaussagen des Giddensschen Strukturierungskonzepts - Wandel in Org...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Christian Straub hat den Text Die Pflegetheorie der zwischenmenschlichen Beziehungen von H.E. Peplau und ihre Bedeutung für die Pflegepraxis in der Psychiatrie veröffentlicht
Christian Straub hat einen neuen Text hochgeladen
Zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflege
Ausgewählte Werke
Hildegard E. Peplau, Anita Werner O'Toole, Sheila Rouslin Welt, Ruth Raggenbass
Interpersonale Beziehungen in der Pflege
Ein konzeptueller Bezugsrahmen...
Hildegard E. Peplau, Gerhard Kelling, Maria Mischo-Kelling
Zur Realität und Bedeutung von Geschwisterbeziehungen innerhalb einer ...
Matthias Wildermuth
Macht in der zwischenmenschlichen Beziehung
Grundlagen einer Erziehung zur...
Michaela Glöckler
0 Kommentare