Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Differenz zwischen Philosophie und Literatur 3
3 Kunst in Schopenhauers Philosophie 6
4 Einfluss der Kunst auf die Form des Werkes Die Welt als Wille und
Vorstellung’.......................................................................................................... 9
5 Zusammenfassung 14
Bibliographie. 15
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1 Einleitung
Der Anfang dieses Gedichtes ‚Indische Geschichte’ des kroatischen Dichters Antun Gustav Matoš, welcher ein großer Verehrer Schopenhauers war, veranschaulicht die vom Willen getriebene persönliche Betrachtung der Welt (Stančić 113). Der Fakir betrachtet seinen Nabel als den Nabel der Welt, ist geplagt vom individuellen Problem der Migräne und beschäftigt sich mit vielen Themen, wo er doch stattdessen, nach der Beschäftigung mit Schopenhauer, wissen sollte, dass er erst in tiefer Kontemplation zur plötzlichen Erkenntnis der Ideen gelangen kann. Für diese sollte er besser in die Natur sehen oder ein Kunstwerk betrachten, denn im Aufgehen in diesen kann es ihm gelingen hinter die vom Willen geprägte subjektive Betrachtung zu objektiver Einsicht zu gelangen. Dieses plötzliche Ereignis der Einsicht bildet die Grundlage der Erkenntnis der Unterscheidung der Welt als ‚Wille’ und als ‚Vorstellung’. Aus diesem Grund meint Ingrid Krauss: „Schopenhauers Werke sind, da Erlebnis als Ursprung seines Systems angenommen werden muß, auch ganz Kunstwerken zu vergleichen“ (13).
Schopenhauer hat eine hohe Meinung von Kunst, besonders zur Einsicht in die Ideen und folglich als Grundlage seines gesamten Werkes. Wie wirkt sich diese Bedeutung auf den Stil Schopenhauers aus? Kann sein Werk tatsächlich als Kunst betrachtet werden? Zweifelsohne beschreibt er eine Philosophie, doch in dieser lassen sich ästhetische Elemente feststellen. Die Gründe in seiner Philosophie für die besondere Stellung der Kunst sowie mögliche Auswirkungen auf sein eigenes Schreiben sollen hier betrachtet werden.
2 Differenz zwischen Philosophie und Literatur
Bei der Erklärung von Schopenhauers Philosophie gibt es eine unausweichliche Differenz zwischen dem zu vermittelnden Inhalt und der Form des Textes. Auf der einen Seite steht der
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Inhalt, welchen Schopenhauer in der Vorrede zur ersten Auflage seines Hauptwerkes ‚Die
Welt als Wille und Vorstellung’ als einen mitzuteilenden Gedanken beschreibt (Schopenhauer
7). Jenen Gedanken definiert Schopenhauer selbst nicht direkt, aber dieser wurde unter
anderem beschrieben als: „Die Welt ist in zweifacher Weise erkennbar als Wille’ und als
Vorstellung ’“ (Gabriel 727) Eine weitere Auslegung lautet: „Die Welt ist die
Selbsterkenntnis des Willens“ (Appel 109) Schopenhauer zu Folge bildet dieser Gedanke
nicht die entscheidende Grundlage für darauf aufbauende Überlegungen. Vielmehr geht es um
dessen ganzheitliche Mitteilung (Gabriel 13) Damit muss jeder Einzelgedanke in diesem
einen integriert sein - ein solcher Gedanke sein, „wo jeder Teil ebenso sehr das Ganze erhält,
als er vom Gedanken getragen wird“ (Schopenhauer 7) Er selbst realisiert die Probleme
zwischen dem Inhalt und der Verarbeitung, denn ein Buch kann die von ihm gewollte
organische Einheit aufgrund ihrer Trennung in verschiedene Sätze nicht erreichen (ebd.) Die
Philosophie Schopenhauers, der Welt als Wille und Vorstellung, bildet den Stoff das Buch
bildet die Form. Schopenhauer erkennt: „ folglich werden Form und Stoff hier im
Widerspruch stehen“ (ebd. 8) Das Problem wird dadurch begründet, dass der Gedanke mit
einem mal vermittelt werden müsste, die notwendige Zuhilfenahme eines an Zeit gebundenen
Mediums wie Sprache allerdings dem gegenüber steht (Gabriel 14) Die Wahl eines gewissen
Mediums kann den Widerspruch also niemals aufheben, sondern nur versuchen ihm gerecht
zu werden (ebd.)
Die sich anschließende Frage lautet: Wie versucht Schopenhauer dieser Differenz
zwischen seiner Philosophie und der Darstellungsform der Literatur gerecht zu werden? Eine
erste Lösung bietet er erneut in der Vorrede. Er fordert den Leser dazu auf, „das Buch
zweimal zu lesen“ (Schopenhauer 8) Zunächst soll der Leser Geduld aufbringen und in der
Hoffnung auf den späteren Erkenntnisgewinn das Werk einmal bis zu seinem zu Ende lesen.
Beim zweiten Lesen wird der Text deutlicher, weil jeder Teil des Werkes von Bedeutung für
alle anderen Teile ist und diese fortan in einen klareren Kontext zueinander gebracht werden
k önnen. Dieselben Gründe führen dazu, dass Schopenhauer zu häufigen Wiederholungen
neigt. Diese stellen keinen schriftstellerischen Mangel dar, sondern begründen sich im
organischen Wesen seines Werkes. Weiter verlangt Schopenhauer ein nicht unerhebliches
Ma ß an Vorwissen. Sein Werk Über die vierfache Wurzel des Satzes vom Grunde’ wäre
eigentlich in Die Welt als Wille und Vorstellung’ integriert gewesen, wenn es nicht bereits
Jahre vorher erschienen wäre (ebd. 9) Zum vollständigen Verständnis setzt Schopenhauer
diese Lektüre jedoch zwingend voraus, weil ohne sie das Verständnis seines Hauptwerkes
unm öglich sei (ebd. 9) Neben dieser Schrift hebt er die Bedeutung Kants im Allgemeinen als
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auch für sein Werk hervor. Eigentlich, so meint Schopenhauer, könne man diese Forderung sogar übergehen, da sie als selbstverständlich für jeden vernünftigen Leser voraussetzt werden könne (ebd. 10). Dennoch fand er Fehler in Kants Philosophie und bespricht diese in dem Anhang „Kritik der Kantischen Philosophie“. Gleichzeitig ist eine Besprechung dieser Kritik auch innerhalb seines Hauptwerkes erneut nicht auszuschließen, genau so wenig wie die Forderung auch diesen Text zweimal zu lesen (ebd. 11). Kants Philosophie bildet ein Muss, wohingegen die darauf folgenden Forderungen an den Leser eine bessere Vorbereitung bilden, aber nicht zwingend vorausgesetzt werden. Die Rede ist von dem „göttlichen Platon“ (ebd. 11) und den Upanishaden, bedeutenden philosophischen Schriften des Hinduismus (ebd.). Aus diesen Ansprüchen lässt sich die Vermutung aufstellen, dass Schopenhauer durchaus an einen Erkenntnisgewinn bei seinen Lesern glaubt, wenn auch nur bei einer relativ geringen Anzahl (vgl. ebd. 13). Die Differenz seiner Erkenntnis und ihrer Vermittlung durch Literatur scheint also nicht unüberbrückbar.
Die zu vermittelnde Erkenntnis besteht für Schopenhauer darin zu erkennen, dass die Welt sowohl als ‚Wille’ als auch als ‚Vorstellung’ existiert -der eine Gedanke. Die Sicht auf die Welt ist im Normalfall oder besser im Alltagsverständnis der Menschen immer an den Willen gebunden (Weiner 37). So lange diese dem Willen unterworfen sind, fassen Menschen die Welt durch die Kategorien Raum, Zeit und Kausalität auf und sind damit immer dem Satz vom Grunde unterworfen (WI §2, Abendroth 47). Der Wille ist universal, treibt also auch anorganische Stoffe, Pflanzen, Tiere an (WI §35, vgl. Gabriel 727). Beim Menschen äußert sich der Wille als dessen Bewusstsein (WI §10). Dieses Bewusstsein eines jeden Menschen strebt, wie der Wille im Allgemeinen, weiter nach seiner eigenen Objektivierung. Nur ist dieses Streben blind, denn jeder einzelne Wille ist letztendlich nur Ausdruck eines Urwillens (WI §35). In den Objektivierungen der einzelnen Willen, kämpft der Urwille also ewig gegen sich selbst und kann als Folge dessen als blind bezeichnet werden (Krauss 12). Dieses blinde Streben ist für Schopenhauer die Ursache für das ständige Leid in der Welt, denn der Wille fordert immer mehr (WI §54). Die Befriedigung einer Lust führt nur zur Suche nach der Nächsten und findet nie ihr Ende.
Wie ist es nun überhaupt möglich die Erkenntnis zu gewinnen, dass Ideen außerhalb des Satzes vom Grunde existieren? Wenn unser Denken an unseren Willen gekoppelt ist und wir alle Dinge nur im Lichte unserer Bedürfnisse betrachten können, könnte niemand zu der Vorstellung ewiger Ideen, im Sinne Platons, gelangen. Schopenhauer zufolge erfahren wir die Welt nur als Objekte unserer subjektiven, weil an unseren Willen gebundenen, Sinne. Die Erkenntnis wahrer Ideen ist als Folge dessen nur möglich, durch eine Veränderung im Subjekt
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Arbeit zitieren:
Eric Busse, 2008, Über die Beziehung zwischen Philosophie und Literatur bei Schopenhauer, München, GRIN Verlag GmbH
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