Inhaltsverzeichnis 3
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 3
1. Einleitung 5
2. Das theoretische Konstrukt 6
2.1 Die Idee vom sozialen Kapital 6
2.2 Dimensionen der Unterscheidung 8
2.2.1 Formelles und informelles Sozialkapital 8
2.2.2 Hohe Dichte und geringe Dichte von Sozialkapital 8
2.2.3 Innenorientiertes und außenorientiertes Sozialkapital 9
2.2.4 Brückenbildendes und bindendes Sozialkapital 10
3. Der empirische Vergleich 11
3.1 Die Fallauswahl 11
3.2 Mitgliedschaft in formellen Organisationen 12
3.3 Einbindung in informelle Netzwerke 14
3.4 Subjektives Wohlbefinden 16
3.5 Zwischenmenschliches Vertrauen 17
3.6 Vertrauen in politische Institutionen 18
4. Fazit: Mangel an generalisiertem Vertrauen 20
Literatur - und Quellenverzeichnis 23
Zusammenfassung 25
Einleitung 5
1. Einleitung
Spätestens seit den Untersuchungen des amerikanischen Politologen Robert David Putnam, bezweifelt kaum noch ein Gesellschaftswissenschaftler den Zusammenhang zwischen Netzwerken innerhalb der Bevölkerung und der Stabilität bzw. Effizienz eines demokratischen Regierungssystems. Es gilt als allgemein anerkannt, dass formelle und informelle Beziehungen, einen positiven Effekt auf das allgemeine Vertrauen in Menschen und das spezifische Vertrauen in die politischen Institutionen eines Staates haben. Dabei können Organisationen wie Sportvereine, Kirchengemeinden oder Lesekreise genauso vertrauensbildend wirken, wie politische Parteien, Gewerkschaften oder aber der persönliche Freundes- bzw. Bekanntenkreis. Putnam selbst beschränkte seine Untersuchungen vor allem auf die relativ stabilen Demokratien in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Italien. Hier versuchte er den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Wert des Sozialkapitals auszumachen und beschäftigte sich insbesondere mit zeitlichen bzw. regionalen Unterschieden in der Ausprägung formeller und informeller Netzwerkbildung. Doch nicht nur in etablierten Demokratien ist ein gewisses Reservoir an Sozialkapital von Bedeutung. Auch neu gegründete Volksherrschaften sollten der Theorie nach bestrebt sein, aktives, regelmäßiges und vielseitiges Engagement der eigenen Bevölkerung in den verschiedensten Netzwerken zu fördern. Je besser und schneller dies gelingt, desto höher sollte das Vertrauen in die politischen Institutionen und Eliten des jeweiligen Landes sein. Sie sollten Entscheidungen problemloser durchsetzen, Konflikte innerhalb der Bevölkerung schneller besänftigen und eine regelmäßige politische Partizipation eines Großteils der Bürger ermöglichen können. Eine vergleichende Fallanalyse dieser Prozesse, soll Thema der vorliegenden Arbeit sein. Anhand zweier, relativ junger Demokratien auf dem afrikanischen Kontinent, sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Bildung von Sozialkapital aufgezeigt und bewertet werden. Dass eine erschöpfende Untersuchung mehrerer Staaten im Rahmen einer Hausarbeit nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Dennoch sollte ein genauerer Einblick in Bedingungen und Voraussetzungen der Sozialkapitalbildung auch in diesem Kontext möglich sein. Vorab muss jedoch erst geklärt wer- den, was genau unter diesem theoretischen Begriff eigentlich zu verstehen ist.
Das theoretische Konstrukt 6
2. Das theoretische Konstrukt
2.1 Die Idee vom sozialen Kapital
Eine der ersten Definitionen des Sozialkapitals nach heutigem Verständnis stammt aus dem Jahre 1916 und wurde vom amerikanischen Pädagogen Lydia Judson Hanifan verfasst. „Nach Hanifan bezieht sich Sozialkapital auf ‚jene greifbaren Eigenschaften, auf die es im Alltag der Menschen am meisten ankommt, nämlich guter Wille, Gemeinschaftsgeist, Mitgefühl und geselliger Austausch zwischen den Einzelnen und den Familien, aus denen sich eine gesellschaftliche Einheit zusammensetzt [...] In gesellschaftlicher Hinsicht ist der Einzelne hilflos, wenn er auf sich selbst gestellt ist [...] Wenn er in Kontakt mit seinen Nachbarn kommt und beide wiederum mit weiteren Nachbarn, sammelt sich Sozialkapital an, mit dem sich seine gesellschaftlichen Bedürfnisse unmittelbar befriedigen lassen. Möglicherweise reicht dieses soziale Potential auch für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der gesamten Gemeinschaft aus.“ 1 Damit ist Robert David Putnams Ansatz des Sozialkapitals auf den Punkt gebracht: Wie Hanifan, geht er davon aus, dass die Einbindung des Einzelnen in Netzwerke sowohl privat, als auch öffentlich von Nutzen sein kann. Er versteht den Begriff daher wie folgt: „Social capital here refers to features of social organization, such as trust, norms and networks, that can improve the efficiency of society by facilitating coordinated actions [...]“ 2 Dass diese Wirkung sozialen Kapitals nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt eine Reihe von Studien, die Putnam anführt, um die vielfältigen Effekte von Netzwerken zu belegen. Er schreibt: „Forschungsarbeiten in den USA und Großbritannien zeigen, dass soziale Netzwerke - sowohl formelle als auch informelle - zur Verringerung der Kriminalität beitragen. Von Finn-land bis Japan ergeben sich übereinstimmende Hinweise darauf, dass sich das soziale Zugehörigkeitsgefühl stark auf die physische Gesundheit auswirkt.“ 3 Unter Umständen kann es auch als Antriebskraft wirtschaftlicher Entwicklungen dienen. 4
1 Putnam, Robert & Goss, Kristin: Gesellschaft und Gemeinsinn, Gütersloh 2001, S. 16 bis 17 2 Putnam, Robert: Making Democracy Work. Civic traditions in modern Italy, New Jersey 1993, S. 167
3 Putnam, Robert & Goss, Kristin: Gesellschaft und Gemeinsinn, Gütersloh 2001, S. 18 4 Vgl. Putnam, Robert & Goss, Kristin : Gesellschaft und Gemeinsinn, Gütersloh 2001, S. 18
Das theoretische Konstrukt 7
Doch Sozialkapital beeinflusst nicht nur statistische Größen wie Kriminalitätsraten, sondern kann auch bei der Durchsetzung politischer Anliegen von Bedeutung sein. Schließlich spielt gerade für das politische System gesellschaftliche Effizienz eine große Rolle. So ist es nach Patzelt die Aufgabe der Politik, „[...] auf die Herstellung und Durchsetzung allgemeinverbindlicher Regelungen und Entscheidungen [...] in und zwischen Gruppen von Menschen [...]“ 5 abzuzielen. Soziales Kapital fasst Putnam nun „[...] als eine Ressource, die dem System über die Vermittlung des Kollektivs zur Verfügung steht.“ 6 Anders ausgedrückt, kann die Einbindung eines Großteils der Bevölkerung in die verschiedensten Netzwerke also dafür sorgen, dass die Durchsetzungskosten für Entscheidungen des politischen Systems verringert werden. Dabei spielt es für die Produktion von Sozialkapital keinerlei Rolle, ob diese Netzwerke selbst einen genuin politischen oder aber einen apolitischen Charakter haben. Das Engagement im Fußballverein kann soziales Kapital genauso fördern, wie die Mitgliedschaft in religiösen Gemeinschaften oder regelmäßige Treffen mit dem völlig informellen, privaten Freundeskreis und der Familie. Dabei geht Putnam von einem mehrstufigen Prozess innerhalb der Netzwerke aus, der die Bildung von Sozialkapital ermöglicht. „So finden innerhalb dieser Netzwerke wiederholt Interaktionen statt (repeated Interactions), die ein positives Ende besitzen. Diese (positiven) Erfahrungen übertragen sich auf zukünftige Interaktionen, zuerst mit dem gleichen Partner, dann auf andere Partner und bilden Vertrauen aus. Dieses gewonnene Vertrauen ermöglicht letztendlich auch den politisch Handelnden einen gewissen Spielraum für Aktivitäten, da es Vertrauen in politische Institutionen durch die Bürger ausbildet.“ 7 Sigrid Roßteutscher kommt in diesem Zusammenhang zu dem Schluss: „Mit einem vielschichtigen sozialen Netzwerk ausgestattete Gemeinschaften und bürgerschaftliche Vereinigungen haben Vorteile, wenn es darum geht, Armut und Verwundbarkeit zu begegnen, Konflikte zu lösen und Vorteile aus neuen Möglichkeiten zu ziehen.“ 8
5 Patzelt, Werner: Einführung in die Politikwissenschaft. Grundriss des Faches und studiumbegleitende Ordientierung, Passau 2003, S. 23
6 Pickel, Susanne & Pickel, Gert: Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theorien, Methoden. Eine Einfürhung, Wiesbaden 2006, S. 140
7 Pickel, Susanne & Pickel, Gert: Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theorien, Methoden. Eine Einfürhung, Wiesbaden 2006, S. 141
8 Roßteutscher, Sigrid: Soziale Partizipation und Soziales Kapital in: Kaina, Viktoria & Römmele, Andrea [Hrsg.]: Politische Soziologie. Ein Studienbuch, Wiesbaden 2006, S. 171
Das theoretische Konstrukt 8
2.2 Dimensionen der Unterscheidung
In der wissenschaftlichen Diskussion haben sich mittlerweile vier etablierte Dimensionen der Unterscheidung herausgebildet, die Putnam selbst zur genaueren Differenzierung verschiedener Arten sozialen Kapitals heranzieht. Das war nötig, da sich bei empirischen Studien zeigte, dass nicht alle Formen sozialen Kapitals vergleichbar zu betrachten sind. Einigen Arten fehlt es sogar vollkommen am positiven Effekt für die Demokratie. So gibt es mitunter Formen, die auf die soziale Gesundheit einer Gesellschaft destruktiv wirken oder aber zumindest das dafür notwendige Potential in sich tragen. Dennoch bleibt die Unterscheidung nicht so klar, dass die eine Art sozialen Kapitals eine andere vollständig ausschließt. Sie unterscheiden sich zwar, können aber durchaus auch komplementär wirken. 9
2.2.1 Formelles und informelles Sozialkapital
Die Unterscheidung zwischen formellem und informellem Sozialkapital wurde bereits angesprochen. Sie beschreibt den Umstand, dass sich soziales Kapital sowohl in formell organisierten Kreisen - beispielsweise Bürgerinitiativen oder Parteien - oder aber in informellen, folglich nicht organisierten Kreisen bildet. Das könnten beispielsweise der regelmäßige Discobesuch am Samstagabend mit dem Freundeskreis oder aber ein spontanes Gespräch mit Fremden auf der Bahnfahrt zur Arbeit sein. In beiden Fällen können sich Beziehungen mit einem Nutzen für den Einzelnen sowie die Gemeinschaft entwickeln. Viele Forschungsarbeiten beschränken sich bis heute auf formelles Sozialkapital, da es empirisch leichter zu messen ist. Dennoch kann auch informelles Sozialkapital - teilweise gar mehr als formelles - einen öffentlichen Nutzen für die Gesellschaft haben. Der positive Effekt geselliger Runden mit Freunden oder der Familie darf also keinesfalls unterschätzt werden. 10
2.2.2 Hohe Dichte und geringe Dichte von Sozialkapital
Die Dichte sozialen Kapitals hängt vor allem mit der Anzahl und Regelmäßigkeit von Interaktionen innerhalb einer Gruppe zusammen. Ein Bekanntenkreis, in dem jeder mit jedem befreundet ist und in dem man einer Vielzahl von Aktivitäten ge-
9 Vgl.Putnam, Robert & Goss, Kristin : Gesellschaft und Gemeinsinn, Gütersloh 2001, S. 24 bis 25 10 Vgl. Putnam, Robert & Goss, Kristin : Gesellschaft und Gemeinsinn, Gütersloh 2001, S. 25 bis 26
Arbeit zitieren:
Florian Philipp Ott, 2010, Mangel an Vertrauen, München, GRIN Verlag GmbH
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