1. Einleitung
Im Rahmen dieses Essays soll geklärt werden, warum die deutschen keine Kinder mehr bekommen. An Hand dieser Fragestellung soll aus wissenschaftlicher Sicht dargelegt werden, welche Gründe es gibt, dass die Geburtenrate relativ niedrig konstant ist. Dazu ist es zunächst entscheidend die Geburtenrate aus historischer Sicht zu erklären und daher historische Gründe für die niedrige Geburtenrate auf zu zeigen. Nach der historischen Sichtweise wird im Rahmen dieses Essays auf neuere Gründe für die Kinderlosigkeit der Gesellschaft Bezug genommen und versucht neue Ursachen für die niedrige Geburtenrate dar zulegen.
Letztlich erfolgt ein abschließendes Fazit, wobei nochmals die Fragestellung reflektiert und erklärt wird, inwieweit sich diese Fragestellung an Hand der Literaturrecherche beantworten ließ.
Dazu nutzte ich Literatur, Zeitschriften und aktuelle Internetlinks, welche für die Beantwortung der Fragestellung hilfreich war.
Als allgemeines Lexikon für Definition nutzten wir den Brockhaus. Dieser bietet zwar nur einen allgemeinen oberflächlichen Überblick, ist aber ausreichend für allgemeine Definitionen. Weitere Quellen und Literatur sind im Literatur- und Quellenverzeichnis zu finden.
2. Gründe des Geburtenrückgangs aus historischer Sicht
"Deutschland bekommt zu wenig Kinder" 1 heißt es immer wieder in aktuellen Berichterstattungen. Die durchschnittliche Geburtenrate liegt aktuell im Durchschnitt bei 1,38 Kinder pro Frau. 2 Für die Erhaltung der Gesellschaft wäre eine durchschnittliche Geburtenrate von 2,1 Kinder pro Frau notwendig. Allerdings wird diese Zahl bei weitem nicht eingehalten. Aus der niedrigen Geburtenrate und dem zunehmenden Durchschnittsalter der Bevölkerung folgt eine drastische Belastung der sozialen Sicherungssysteme, wie Renten, Krankenversicherung und der Pflegeversicherung. Die Folgen für die Wirtschaft sind des Weiteren auch immens, da ausgebildete Fachkräfte für die Industrie fehlen. Außerdem gibt es einen
1 Krischer, Markus (2010): Wir killen unsere Zukunft - Nachwuchsmangel. Online unter URL: http://www.focus.de/politik/deutschland/nachwuchsmangel-wir-killen-unsere-zukunft_aid_497751.html (Zugriff am 4.5.2010).
2 Familienentwicklung in Österreich. Erste Ergebnisse des „Generations and Gender Survey (GGS)“ 2008/09. S.12.
2
"Intelligenzverlust", da die Kinderlosigkeit besonders häufig bei Akademiker vorzufinden ist. 3 "Im vergangenen Jahr hatte in Westdeutschland fast jede zweite Akademikerin (43 Prozent) zwischen 37 und 40 Jahren keinen minderjährigen Nachwuchs. In den neuen Bundesländern waren es 24 Prozent der gleichaltrigen Frauen mit Hochschulabschluß, die keine Kinder unter 18 Jahren hatten." 4 Andere Quellen sprechen davon, dass 40% der Akademiker keine Kinder bekommen. Schaut man auch die historische Sicht so hat sich die Geburtenrate stark verändert. Gerade die Sicht auf die Geschichte ist für das Ergründen der neuen "Kinderlosigkeit" sehr bedeutend, da Kinder heutzutage eine andere Stellung einnehmen als damals.
3 Dr. Sturzbecher: Vorlesung der Familien- und Jugendsoziologie. Vorlesung 2.
4 O.A. (2005): Kinderlose Akademiker und eine überraschende Studie. Online unter URL: http://www.welt.de/print-welt/article185728/Kinderlose_Akademiker_und_eine_ueberraschende_Studie.html (Zugriff am 4.5.2010).
3
Schaut man sich die Abbildung 1 "Wandel der Geburtenrate" an, ist festzustellen, dass sich die Geburtenrate stark verändert hat. Seit der statistischen Aufbewahrung bzw. Speicherung der Geburtenrate von 1871 blieb die Geburtenrate bis 1881 konstant hoch bei 4,7 Kinder pro Frau. 1901 gab es einen kleinen Einbruch der Geburtenrate, da die Geburtenrate von 4,7 auf 4,2 Kinder pro Frau sank. Dies nennt man auch en Ersten demographischen Übergang. Der Grund der Reduzierung der Geburtenrate ist, dass sich "veränderte Verhaltensmuster durchgesetzt haben und die Kinder ihre Rolle als Arbeitskräfte und Altersstütze für die Eltern verloren." 5 Das die Kinder nun nicht mehr vorwiegend als Arbeitskraft eingesetzt werden ist ein Hauptgrund für den Geburtenrückgang (da Fortschritt der Industrie). Damals ging es demzufolge um materielle Gründe für Eltern ein Kind zu bekommen, da die Kinder vorwiegend als Arbeitskraft eingesetzt wurden.
Nach dem ersten demographischen Übergang prägten weitere Geburtenrückgänge Deutschland. Während des ersten Weltkriegs sank die Geburtenrate auf 2 Kinder pro Frau. Der Grund war, dass die Männer im Krieg waren und die Zukunft für die Familienplanung ungewiss war. Nach dem ersten Weltkrieg stieg die Geburtenrate wieder von 2 Kinder pro Frau auf 3,5 Kinder pro Frau. Nach dieser Zeit sank die Geburtenrate wieder. Die Weltwirtschaftskrise verursachte einen Geburtenrückgang auf 1,9 Kinder pro Frau. Danach stieg die Geburtenzahl wieder und sank wieder während des zweiten Weltkrieges. Ab 1950, also im Zuge des Wirtschaftswunders Deutschlands stieg die Geburtenzahl auf rund 2,6 Kinder pro Frau 1965. Im Jahr 1972 gab es dann einen Einbruch der Geburten, da die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs erfolgte. Die Geburtenzahl sank daher auf 1,4 Kinder im Westen. Diese Zahl blieb in Westdeutschland auch bis heute konstant. In Ostdeutschland sank die Geburtenrate auch, aber diese stieg Anfang der 80er Jahre auch wieder auf ca. 1,9 Kinder pro Frau. Der Grund im Osten war, dass die Familienbetreuungsangebote in der DDR sehr gut waren und das Land sehr familienfreundlich eingestellt war. Nach der Wende 1990 und während des Zusammenschlusses der beiden deutschen Staatsteile brach die Geburtenrate im Osten von "1,52 auf 0,77 ein" 6 Dies war die niedrigste Geburtenrate, welche jemals in der Welt registriert wurde. 7 In Westdeutschland blieb die Geburtenrate konstant auf 1,4 Kinder pro Frau. In Ostdeutschland glich sich die Zahl an das westdeutsche
5 Dr. Sturzbecher: Vorlesung der Familien- und Jugendsoziologie. Vorlesung 2.
6 Ebenda.
7 Ebenda. 4
Arbeit zitieren:
Christoph Staufenbiel, 2010, Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr?, München, GRIN Verlag GmbH
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