Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Katholisch-Theologisches Seminar
Hauptseminar:
Kirche in ökumenischen Dokumenten
Sommersemester 1996
Hausarbeit:
Das Amtsverständnis in den Dokumenten
des methodistisch - römisch-katholischen Dialogs
eingereicht von:
Markus Raschke
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1. Methodismus und Ökumene. 2
1.2. Der methodistisch - römisch-katholische Dialog 3
1.2.1. Die vorliegenden Dokumente. 3
1.2.2. Relevanz und Stellung des Themas „Amt“ 3
2. Die Diskussion um das Amtsverständnis 4
2.1. Entwicklungslinien 4
2.2. Übereinstimmungen und Anfragen im Denver-Bericht 4
2.2.1. Punkte grundlegender Übereinstimmung 4
2.2.2. Anfragen an die katholische Auffassung. 5
2.3. Diskussionspunkte im Dublin-Bericht 6
2.3.1. Das apostolische Amt. 6
Übereinstimmungen und Unterschiede 6
Bewertung und Lösungsansatz. 8
2.3.2. Die Schwierigkeiten mit dem „Priestertum“ 9
Bewertung und Lösungsansatz. 10
2.3.3. Ordination. 10
Übereinstimmungen und Unterschiede 10
Bewertung und Lösungsansatz. 12
2.4. Die Frage der Amtstruktur im Nairobi-Bericht 12
2.5. Die Diskussion im Paris-Bericht 14
2.5.1. Ordination. 14
2.5.2. Sakramentalität. 15
2.5.3. Aufsicht 15
2.5.4. Das Problem: Wer ordiniert wird 17
3. Gesamteinschätzung und Herausforderung 18
4. Literaturnachweis 20
4.1. Quellentexte. 20
4.2. Sekundärliteratur 20
2
1. Einleitung
1.1. Methodismus und Ökumene 1
Um den ökumenischen Dialog mit den methodistischen Kirchen besser verstehen zu können, scheint es hilfreich, einen kurzen und gezielten Blick in die Entstehungsgeschichte und das Selbstverständnis des Methodismus zu werfen:
Der Methodismus entstand als Frömmigkeitsbewegung um die Geistlichen John und Charles Wesley 2 innerhalb der anglikanischen Kirche. Eine Verselbständigung als Kirche geschah im Zusammenhang mit der Auswanderung von Anhängern nach Amerika, für die eine eigene Organisation notwendig wurde und daher ein ‘Superintendent’ bestellt wurde. In England dagegen blieb der Methodismus noch recht lange eine inneranglikanische Erneuerungsbewegung, die erst 1891 zur eigenständigen „Wesleyanischen Methodistenkirche“ wird. Darüber hinaus entstehen noch weitere methodistisch geprägte Gemeinschaften bzw. Kirchen, so daß sich der Methodismus weltweit zügig ausbreitete. Bereits im 19. Jahrhundert beginnen Bemühungen, die eng verwandten Kirchen miteinander zu vereinigen, was ab 1897 zu einzelnen Vereinigungen zumeist auf regionaler Ebene führt und (erst) 1968 mit der Vereinigung zur „United Methodist Church“ weltweit zum Abschluß kommt.
Von seiner Entstehung her kann der Methodismus also kaum als ‘Abspaltung’ von einer Großkirche angesehen werden. Entsprechend verstehen sich die Methodisten selbst auch nicht als eine Konfession, sondern als ‘Denomination’, „womit die Einheit im Wesentlichen betont wird bei gleichzeitig möglicher Vielfalt in den äußeren Ausformungen“ 3 . Aufgrund seiner internen Entwicklung ist die Ökumene ein Wesensmerkmal des Methodismus, das auch in seiner Verfassung festgeschrieben ist („nach Einheit auf allen Gebieten des kirchl. Lebens zu streben“, auch „durch Vereinigung mit anderen Kirchen“ 4 ). Dies beruht genauerhin darauf, daß „der Methodismus zu keiner Zeit eine Bewegung gegen Kirche und Theologie, sondern immer gegen Unglauben und Gleichgültigkeit war“, und damit „problemlos theologische Traditionen anderer Kirchen aufnehmen“ konnte. 5 Insofern kann der Methodismus als Vorreiter der ökumenischen Bewegung insgesamt eingeordnet werden.
1 Vgl. zum diesem Abschnitt den Artikel „Methodismus / Methodisten / Evangelisch-methodistische Kirche“ im Kirchenlexikon, S. 132-137.
2 John Wesley lebte 1703-91, sein Bruder Charles 1707-1788.
3 Kirchenlexikon, S. 135.
4 Art. 5 der Verfassung, zitiert nach Ökumene-Lexikon, Sp. 801.
5 Ökumene-Lexikon, Sp. 801.
3
1.2. Der methodistisch - römisch-katholische Dialog
Diese Entstehungsgeschichte und dieses Selbstverständnis als Hintergrund, ergeben sich wichtige Chancen für den ökumenischen Dialog zwischen Methodisten und Katholiken: Zunächst gibt es keine Geschichte von Konflikten und von formeller Trennung zwischen beiden Kirchen, so daß der ökumenische Dialog in diesem Falle sich nicht zunächst mit der (meist schwierigen) Aufarbeitung solcher Konflikte beschäftigen muß. Dies zusammen mit dem methodistischen Selbstverständnis als Denomination (nicht Konfession) ermöglicht eine grundlegende und in den Dokumenten auch zu spürende Offenheit im Dialogprozeß sowie die Entstehung übereinstimmender Positionen.
1.2.1. Die vorliegenden Dokumente
Der methodistisch - römisch-katholische Dialogprozeß auf Weltebene begann mit einem ersten Treffen 1967, das auf die ökumenische Öffnung der römisch-katholischen Kirche durch das Zweite Vatikanische Konzil und einen Entschluß des Weltrats der Methodistischen Kirchen von 1966 zurückging. 6 Die daraufhin eingerichtete jährlich tagende Gemeinsame Kommission legte etwa alle fünf Jahre einen Bericht vor: 1971 den sog. Denver-Bericht, 1976 den Dublin-Bericht, 1981 den Honolulu-Bericht, 1985 den Nairobi-Bericht „Auf dem Weg zu einer Erklärung über die Kirche“ und 1991 den Paris-Bericht „Die apostolische Tradition“. 7
1.2.2. Relevanz und Stellung des Themas „Amt“
Folgt man den neutestamentlichen Aussagen über die Kirche, so können zwei parallel laufende Grundmomente von Kirche unterschieden werden: nämlich eine charismatische und eine amtliche Struktur. 8 In der römisch-katholischen Kirche, die durch ihre Größe ein entsprechendes Maß an Institutionalisierung erfordert, wird demgemäß vor allem die Amtsstruktur betont, womit in der Regel das Ordinierte Amt gemeint ist. Demgegenüber dürfte für den Methodismus als Frömmigkeitsbewegung weniger die Amtsstruktur, sondern die charismatische Struktur im Vordergrund stehen. Somit ergibt sich für den methodistisch - römisch-katholischen Dialog das Thema „Amt“ als zentrales Thema der Kirchenstruktur und des Kirchenverständnisses.
6 Vgl. Denver-Bericht: Teil I: Allgemeiner Rückblick, insbesondere § 1.
7 Die Themen, die im einzelnen behandelt wurden, sollen hier nicht aufgeführt werden.
8 Vgl. Wiedenhofer, S. 103-106.
4
2. Die Diskussion um das Amtsverständnis
2.1. Entwicklungslinien
Das Amtsverständnis wird bereits im ersten gemeinsamen Bericht (Denver-Bericht) behandelt. Darin wird ein weitgehend übereinstimmendes Grundverständnis festgestellt, und sogleich werden einige Anfragen der Methodisten an die Katholiken gestellt bzw. festgehalten, nicht jedoch diskutiert.
Bei der Wiederbehandlung des Themas im Dublin-Bericht werden die übereinstimmenden Grundlinien im wesentlichen, aber doch mit kleinen Nuancen wiederholt. Darüber hinaus werden ausführlich die Themen „Apostolizität“, „Priestertum“ und „Ordination“ diskutiert, wobei teilweise Übereinstimmungen erreicht werden, teilweise aber weiterhin Differenzen bestehen bleiben. Diese liegen jedoch kaum in der Gesamtheit des jeweiligen Themas, sondern in Detailfragen und Nuancen.
Im folgenden Honolulu-Bericht werden Fragen der Amtstheologie nicht behandelt, wofür auch keine Erklärung angegeben ist. Jedoch greift der Nairobi-Bericht das Thema wieder auf und erörtert die „Strukturen des Amtes“ (Dreistufigkeit). Desweiteren befaßt er sich ausführlichst mit dem Petrusamt.
Im Paris-Bericht spielt die Amtsfrage wiederum eine ganz zentrale Rolle. Dieser befaßt sich schwerpunktmäßig mit den Themen „Sakramentalität des Amtes“, „Ordination“ und „episkope“.
2.2. Übereinstimmungen und Anfragen im Denver-Bericht
2.2.1. Punkte grundlegender Übereinstimmung
Die Übereinstimmungen im Amtsverständnis liegen in grundlegenden Charakteristika des Amtes. Die feinfühligen Formulierungen im Denver-Bericht lassen vermuten, daß hier von vornherein die Gemeinsamkeiten betont sowie Fragen und Unklarheiten lediglich vorsichtig benannt werden sollten. Dennoch können m.E. diese „im Lichte gewisser allgemeiner Voraussetzungen bezüglich des Amtes“ (§ 88) gefundenen Übereinstimmungen als guter Ausgangspunkt der ökumenischen Bemühungen angesehen werden. So zählt der Denver-Bericht folgende Gemeinsamkeiten auf:
1. Das Amt leitet seine Autorität von der „vorrangigen Autorität und Endgültigkeit Jesu Christi“ ab. (§ 89)
2. Menschen gelangen durch Berufung als Wirken des Heiligen Geistes in das Amt. (§ 90)
Arbeit zitieren:
Markus Raschke, 1997, Das Amtsverständnis in den Dokumenten des methodistisch - römisch-katholischen Dialogs, München, GRIN Verlag GmbH
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