Inhaltsverzeichnis
1.) Vorwort/Begriffsbestimmung Individualisierung. 3
2.) Individualisierungsansätze in der Soziologie. 4
2.1) Die zweite Moderne- Ulrich Beck und Anthony Giddens 4
2.2) Pierre Bourdieu und sein Habituskonzept 5
2.3) Brückner und die Frage nach den Strukturzusammenhängen. 5
3.) Hauptbedingung für Individualisierung 6
4.) Sozialpsychologie des Kapitalismus 7
4. 1.) Herrschaft der Kulturindustrie 10
5.) Die Transformation der Demokratie. 10
6.) Klassenfragmentierung im Postfordismus- Begriffsbestimmung. 11
6.1.) Postfordismus -Umbrüche in der Ökonomie 11
6.2.) Klassen(lagen)definition- und analyse 13
7.) Die Transformation des Staates- ein historischer Abriss 14
7.1.) Entwicklung des Staatsmonopolkapitalismus 14
7.2) Vom Staatsmonopolkapitalismus zur neuen neoliberalistischen Weltordnung des
Finanzkapitalismus 15
7.3.)Weitere aktuelle Transformationen 15
8.) Schlusswort/Nachbemerkung 16
9.) Literaturverzeichnis: 17
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1.) Vorwort/Begriffsbestimmung Individualisierung
Wir befinden uns in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und Verunsicherungen. Unsere Zeit ist durch den Bedeutungsverlust und die Erosion von traditionellen Sozialformen wie Ehe, Familie, Klasse, Schicht, Beruf in den westlichen Industrieländern gekennzeichnet. Unter dem politisch eingefärbten Schlagwort der Flexibilisierung findet im Zeitalter des flexiblen Kapitalismus eine Erosion des Normalarbeitsverhältnisses statt; typische Karrieremuster verschwinden, die Menschen müssen kurzweiligen und sprunghaften Jobbeschäftigungen nachgehen. Dieser Verlust der Existenzsicherheit führt zu Konkurrenzkampf und ebenfalls zum Verlust von klassenstabilisierenden Sozialidentitäten.
Das Phänomen, welches für diese Entwicklung verantwortlich ist, hat, worauf ich im Anschluss noch näher eingehen werde, weitreichendste Folgen und wird gewöhnlich unter dem Begriff “Individualisierung“ subsumiert und so zu erklären versucht. Bei anderen, marxistisch fokussierten Autoren, wie zum Beispiel Ben Diettrich werden die gegenwärtigen Prozesse mit dem Titel des Gesamtkonzepts “Klassenfragmentierung im Postfordismus“ zusammengefasst, worauf ich aber im Verlauf meiner Arbeit im Anschluss noch näher
eingehen werde. (vgl. Diettrich; Ben (1999): Klassenfragmentierung im Postfordismus; Unrast, Hamburg-Münster, S. 11) Hinter dem Schlagwort “Individualisierung“ steht die These des Verschwindens sozialer Klassen und Schichten und der damit verbundenen partikularen Lebens- und
Bewusstseinsformen. (vgl. Mörth, Ingo (2006): Paradigmen der Gegenwartssoziologie- Ein Reader; Linz, S. 237) Individualisierung unter den heutigen kombinierten Bedingungen von wachsender Armut und Massenarbeitslosigkeit ist ein Garant zur Sicherung und Stabilisierung der neoliberalistischen Dominanz, deren Zeitalter einher geht mit dem zunehmenden Absterben und der Rückbildung des Staates, der sich immer mehr aus seinen sozialen Aufgaben (dem Bildungsauftrag, der Gesundheitsfürsorge und der Daseinshilfe) zurückzieht und diese nicht mehr wahrnimmt. (vgl. Bourdieu, Pierre (1998): Gegenfeuer. Gegen die neoliberale Invasion; Konstanz, Universitätsverlag Konstanz, S.43)
Die permanent drohende Armut und Arbeitslosigkeit schafft ein Klima der Angst und lässt die Menschen untereinander konkurrieren um am Arbeitsmarkt zu bestehen, was den Individuationsprozess durch verschwinden von Klassensolidarität und wiederum dadurch den Sozialabbau weiter anpeitscht. Stabile Solidaritätsbindungen werden durch die neoliberale Einimpfung des Konkurrenzkampfes unmöglich gemacht, welcher zu einer Vereinzelung innerhalb homogener sozialer Gruppen führt. So wird ebenfalls kollektives Handeln gegen die schrittweise stattfindende Aushöhlung des Wohlfahrtsstaates systematisch untergraben. (vgl. Bourdieu, Pierre (1998): Gegenfeuer. Gegen die neoliberale Invasion; Konstanz, Universitätsverlag Konstanz, S.43)
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2.) Individualisierungsansätze in der Soziologie
Viele SoziologInnen und SozialwissenschaflerInnen haben sich mit den vor drei Jahrzehnten einsetzenden Werte- und Lebensstilwandel auseinandergesetzt. Alle taten dies auf differente Weise, legten ihrem (politischen) Fokus folgend verschiedene Hauptaugenmerke ihren Untersuchungen zugrunde und zogen dementsprechend verschiedene Schlüsse. Jürgen Habermas erkannte schon früh die einsetzende Individualisierung. In seinem 1973 erschienenen Buch “Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus“ diagnostiziert er bereits den Identitätsverlust der Gesellschaft und die Verinnerlichung kapitalistischen Gedankengutes bei der Bevölkerung: Auch Entscheidungen im Privatleben unterliegen zunehmends dem Prinzip der Nutzen- und Gewinnmaximierung, menschliche Beziehungen verdinglichen. Habermas spricht in diesem Sinne von “Kolonialisierung der Lebenswelt“ (vgl. Dubiel, Helmut (1998): Kritische Theorie der Gesellschaft; Juventa, Weinheim/München, S.112)
2.1) Die zweite Moderne- Ulrich Beck und Anthony Giddens
Die Analysen der Vertreter der so genannten “zweiten Moderne“,namentlich wesentlichst Giddens, sind durch einen deutlich optimistischen Blick und eine derartige Einschätzung der untersuchten Vorgänge gekennzeichnet. Weiters zeichnet diese die Negation der Tatsache, dass ökonomische Macht und Ohnmacht den Handlungsspielraum des Einzelnen bestimmen und ökonomische Ohnmacht diesen eben gewaltig einschränkt, aus. (vgl. Weber, Klaus In: Brückner, Peter (2004): Sozialpsychologie des Kapitalismus; Psychosozial-Verlag & Argument-Verlag, Gießen- Hamburg, S. 11)
Beck überbetont in seinen Werken deutlich die positiven Aspekte der Individualisierung als freiheitsverheißenden Prozess, welcher die Menschen ihre traditionellen Fesseln von unfreien Sozialbeziehungen und wertbedingten Verpflichtungen sprengen lässt und ihnen ermöglicht, ihre sozialen Beziehungen selbst zu gestalten und zu bestimmen. Sein Hauptaugenmerk liegt deutlich auf der Pluralisierung der Lebensstile, den laut ihm konkret vorhandenen uneingeschränkten Wahl- und Lebensmöglichkeiten und der von Beck so genannten heterogenen, lebensabschnittsspezifischen Querverteilung von Armut und Arbeitslosigkeit. Das bedeutet, dass alle, auch privilegierte, qualifizierte sozialen Gruppen ihrer einst statusbedingten Existenzsicherheit beraubt werden (Beispiel: zunehmende
AkademikerInnenarbeitslosigkeit), andererseits bleibt in dieser Risikogesellschaft ihr Klassencharakter weiterhin bestehen (Arme werden ärmer). (vgl. Beck, Ulrich (1994): Riskante Freiheiten-Individualisierungstendenzen in modernen Gesellschaften; Suhrkamp, Frankfurt/ Main, S. 52 und 60) So tendiert Beck stark dazu, die Risiken für die sich verschärfende Ungleichheit zu individualisieren und ihren Klassencharakter zu verleugnen.
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Der neoliberale Theoretiker Giddens geht noch weiter und fordert in seinem Buch “Die Frage der sozialen Ungleichheit“ die Entstaatlichung und den radikalen Abbau sozialer Hilfeleistungen um soziale Anreizmechanismen, sprich Konkurrenzkampf nicht länger zu erdrücken. Um die beim entfesselten Konkurrenzkampf auf der Strecke Gebliebenen sollen sich in der von Giddens gewünschten Gesellschaft, welche er sarkastischerweise als “Zivilgesellschaft“ tituliert, private Wohltäter oder private Stiftungen kümmern. (vgl. Giddens, Anthony (2001): Die Frage der sozialen Ungleichheit; Suhrkamp, Frankfurt am Main, S. 97ff.)
2.2) Pierre Bourdieu und sein Habituskonzept
Bourdieu definiert Klassen durch deren Anteil oder Nichtanteil an der vier verschiedenen Kapitalsorten: ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital. Diese sich daraus ergebenden unterschiedlichen analytischen Klassenpositionen konstituieren sich durch ihren Unterschied zu anderen Klassenpositionen. In diesem Klassifikationssystem ergibt sich aufgrund ähnlicher früherer Erfahrungen bei Angehörigen einer ähnlichen Klassenposition eine Ähnlichkeit in ihren Wahrnehmungs- Denk- und Handlungsmustern; ihrem Habitus. Der Habitus ist soziale Identität, er bestimmt den Geschmack, welcher als Lebensstil, als Produkt des Habitus, den Menschen immer losgelöst von ihrer Schicht als natürlich erscheint. (vgl.
Bourdieu, Pierre (1987): Die feinen Unterschiede; Suhrkamp, Frankfurt am Main, S. 279) Diese Feststellung Bourdieus, dass Geschmackspräferenzen mit Schichtpositionen korrelieren, liegt diametral zum gegenwärtigen individualistischen Postulat, dem Verschwinden von milieubedingten Lebensstilen.
2.3) Brückner und die Frage nach den Strukturzusammenhängen
Peter Brückner versucht als Sozialpsychologe, die entstandene Dysfunktionalität älterer Werte und Denkgewohnheiten durch Veränderungen in den ökonomischen Strukturen zu erklären. Die mit der kapitalistischen Produktionsweise einsetzende Zersetzung gewohnter Traditionen führte auch zur Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte und leitete somit das menschliche
(Ver)einzelgängertum ein. (vgl. Brückner, Peter (2004): Sozialpsychologie des Kapitalismus; Psychosozial-Verlag & Argument-Verlag, Gießen- Hamburg, S. 28).
Ruhe und Ordnung, Sauberkeit, Konventionalität, Gehorsam, Häuslichkeit waren in der bürgerlichen Erziehung des 18en und 19en Jahrhunderts dominierende Tugenden. Diese Tugenden sind Tugenden des unterwürfigen Bürgers, sie prädestinieren den autoritären Charakter. Im 20en Jahrhundert wurden für Mittelstandskinder, aufgrund der veränderten ökonomischen Anforderungen und besserer Aufstiegsmöglichkeiten für das Bürgertum, diese Tugenden anachronistisch; an ihre Stelle traten Eigenschaften wie Selbstständigkeit, Initiative
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Arbeit zitieren:
Katharina Bergmaier, 2006, Zusammenhänge zwischen Individualisierung und Neoliberalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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