Grundlagen und Herausforderungen von Entrepreneurship i
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlagen 1
1.1 Einleitung und Motivation 1
1.2 Historische Entwicklung des Entrepreneur“-Begriffs 2
1.2.1 Ursprung des Begriffs Entrepreneur“ 2
1.2.2 Der Unternehmer als Tr ager von Unsicherheit 3
1.2.3 Der Unternehmer als Koordinator im Markt 4
1.2.4 Der Unternehmer als Innovator 5
1.2.5 Der Unternehmer als Entdecker 8
1.2.6 Synthese und Bewertung 9
1.3 Beweggr unde f ur einen Unternehmer 10
2 Herausforderungen von Entrepreneurship 13
2.1 Wirtschaftliche Herausforderungen 13
2.2 Gesellschaftliche Herausforderungen 14
Literaturverzeichnis 16
1 Grundlagen
1.1 Einleitung und Motivation
Entrepreneurship, Gr¨ undungswelle, New Economy, Venture Capital. Begriffe, die der wirtschaftlich interessierte Leser w¨ ahrend der B¨ orsenhausse des Neuen Markts in den vergangenen Jahren in geradezu inflation¨ arem Ausmaß zu h¨ oren bekam. Deutschland, so bekam man den Eindruck, erlebt den gr¨ oßten Gr¨ underboom seit dem Deutschen Wirtschaftswunder unter Ludwig Erhard. Jede halbwegs gr¨ oßere Stadt veranstaltete Gr¨ undermessen, an den Hochschulen des Landes wurden Zentren f¨ ur Existenzgr¨ under eingerichtet, der Nachrichtensender n-tv etablierte die ” Wirtschaftswoche-Startup-Show“, bei der zwei Gr¨ undungsteams um die beste Gesch¨ aftsidee wetteifern und in den Wirtschaftsmagazinen wurde allw¨ ochentlich ein neuer Jungunternehmer als Vertreter der neuen Selbstverst¨ andlichkeit der Selbst¨ andigkeit euphorisch bejubelt.
Der interessierte Beobachter musste sich zwangsl¨ aufig wundern, was sich da in seinem Land abspielte. Die Deutschen—ein Volk von Unternehmern und Existenzgr¨ undern? Was war pl¨ otzlich aus der ” Vollkasko-Mentalit¨ at“ in unserer Gesellschaft gewor-
den, die jede Form von Eigeninitiative und Mut zum Risiko stets kritisch be¨ augt und das soziale Netz des Staates nicht nur engmaschig, sondern auch am liebsten so bequem h¨ atte, dass ” soziale H¨ angematte“ der eigentlich treffendere Begriff w¨ are? Ist es wirklich so einfach geworden, ein Unternehmen zu gr¨ unden und kompetent zu f¨ uhren? Braucht es daf¨ ur nicht mehr als eine vage Gesch¨ aftsidee, Grundkenntnisse in BWL, ein paar IT-Fachleute und willige Geldgeber? Das der Hausse folgende vielzitierte Platzen der Internet-Blase gab darauf in der Zwischenzeit eine eindrucksvolle und deutliche Antwort.
Diese Entwicklung gibt Anlass, einmal zu hinterfragen, was genau denn nun eigent-
lich ein ” Entrepreneur“ ist. Gen¨ ugt es, den ” Unternehmer“ zu ¨ ubersetzen und ihn mit ebensolchem gleichzusetzen? Woher stammt ”
der Begriff urspr¨ unglich und welchen Bedeutungswandel hat er im Laufe der Jahre erfahren? Wie wurde die Rolle des Entrepreneurs von den verschiedensten Wirtschafts-theoretikern gesehen? Was bewegt einen Menschen dazu, ein eigenes Unternehmen zu gr¨ unden und welche Voraussetzungen sind daf¨ ur unabdingbar? Auf diese Fragen werde ich im ersten Teil meiner Arbeit, den Grundlagen, versuchen eine Antwort zu geben. Im zweiten Teil, den Herausforderungen, werde ich auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen eingehen, denen sich ein Entrepreneur gegen¨ uber- gestellt sieht.
1.2 Historische Entwicklung des ” Entrepreneur“-Begriffs
1.2.1 Ursprung des Begriffs ” Entrepreneur“
Das Wort ” Entrepreneur“ stammt urspr¨ unglich aus dem Franz¨ osischen. Sein Ursprung reicht weit bis ins 14. Jahrhundert zur¨ uck, die Bedeutung war am Anfang nicht eindeutig. Die historische Entwicklung dieses Wortes wird sehr treffend mit
The most general and probably the earliest meaning of the word entrepre-
”
neur is celui qui entreprend, which means an active person with initiative. The word originates in the verb entreprendre, which has a meaning similar to ,getting things done‘. Up unto the sixteenth century entrepreneur meant: (1) grasp, take hold of (saisir ), (2) surprise, discover (surprendre)“ 1
beschrieben. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Bedeutung des Begriffs weiter und wurde verwendet, um Leute zu bezeichnen, die Risiken eingingen, insbesondere w¨ ahrend eines Krieges. Im 16. Jahrhundert bezeichnete ” Entrepreneur“
a large scale businessman who contracted to supply, having taken upon
”
himself the responsibilities to combine the factors of production at his own expense and risk.“ 1
Dieser Begriff wurde zum ersten Mal von dem Iren Richard Cantillon (1680-1734) in seinem Werk ” Essai sur la nature du commerce en general“ (entstanden 1730-1734)
Entrepreneurship is defined as self-employment of any sort. Entrepreneurs
”
buy at certain prices in the present and sell at uncertain prices in the future. The entrepreneur is a bearer of uncertainty.“ 2
und dem Franzosen Jean-Baptiste Say (1767-1832)
The entrepreneur is the agent ” who unites all means of production and
who finds in the value of the products . . . the reestablishment of the entire capital he employs, and the value of the wages, the interest, and rent which he pays, as well as profits belonging to himself.“ 2
1 Elkjær, Jørgen R. (1991), S. 805
2 http://www.staff.fh-vorarlberg.ac.at/pj/KFE.htm, [Stand Mai 2002]
im Zusammenhang mit der ¨ okonomischen Theorie verwendet. Cantillon legt also besonderes Augenmerk auf die (Einkommens-)Unsicherheit, mit der der Unternehmer umzugehen hat, w¨ ahrend Say hingegen die Hauptfunktion des Unternehmers in der Koordination der anderen Produktionsfaktoren sieht. Diese unterschiedliche Betonung der Unternehmerfunktion wurde in der folgenden Zeit von verschiedenen Wirtschaftswissenschaftlern aufgegriffen, weiterentwickelt oder um neue Theorien erweitert. Die vier wichtigsten Betrachtungsweisen sollen im Folgenden genauer beschrieben werden.
1.2.2 Der Unternehmer als Tr¨ ager von Unsicherheit
Wie bereits oben erw¨ ahnt, gehen die Wurzeln dieser Richtung auf Cantillon zur¨ uck. W¨ ahrend aber Cantillon ganz allgemein vom Unternehmer als ” bearer of uncertainty“, also als ” Tr¨ ager von Unsicherheit“ spricht, und damit in erster Linie Preisunsicherheit meint, geht der Wirtschaftstheoretiker Frank Hyneman Knight (1885-1972) einen
Schritt weiter. Knight, der als Vertreter der sog. ” gens auch der renommierte US- ¨ Okonom und Nobelpreistr¨ ager
Milton Friedman
(geb. 1912) gez¨ ahlt wird, verfeinert diese Unsicherheit in seinem ersten Buch ” Risk, Uncertainty and Profit“ (1921) dahin gehend, dass er zwischen
Risiko
und
Unsicherheit
differenziert. Unter Unsicherheit versteht Knight, die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses nicht zu kennen. Es gibt also keine M¨ oglichkeit, das Eintreten eines unsicheren Ereignisses quantitativ erfassbar zu machen. Risiko hingegen bedeutet f¨ ur Knight, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines bestimmten Ereignisses zu kennen. Dadurch, dass die Wahrscheinlichkeit bekannt und somit quantifizierbar ist, kann sie ver- bzw. abgesichert werden.
Die Umwandlung von Unsicherheit eines Marktteilnehmers in kalkuliertes Risiko ist gerade heute die alleinige Existenzgrundlage der Versicherungsunternehmen, die sich f¨ ur diese Leistung mit (Risiko-)Pr¨ amien entlohnen lassen. Doch auch an den Terminm¨ arkten, wo sich z.B. viele H¨ andler mit Terminkontrakten auf bestimmte Rohstoffe wie Weizen, Soja oder Roh¨ ol absichern, wird die Verwandlung von Unsicherheit in Risiko deutlich.
Der Profit, den ein Unternehmer nach Abzug all seiner Kosten erh¨ alt (auch Residualeinkommen genannt) ist f¨ ur Knight die Kompensation f¨ ur das Treffen der individuellen Produktions- und Handelsentscheidungen verbunden mit dem Tragen der daraus resultierenden Unsicherheit. 3
3 vgl. Ripsas, Sven (1997), S. 14
Arbeit zitieren:
Thomas Vocke, 2002, Grundlagen und Herausforderungen von Entrepreneurship, München, GRIN Verlag GmbH
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