Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Enhancement 2
1.1 Vorstellung von Enhancement 2
1.1.1 Potential von Enhancement 3
1.1.2 Unterscheidungen 4
1.1.2.1 Moderate und radikale Maßnahmen 4
1.1.2.2 Reversible und irreversible Maßnahmen 5
1.2 Probleme und Risken 5
1.2.1 Bildung einer Klassengesellschaft 5
1.2.2 Zwang zur Perfektionierung 6
1.3 Mentales Enhancement 7
1.3.1 Möglichkeiten 8
1.3.2 Ferne Zukunft oder nahende Realität? 9
1.3.3 Mögliche Auswirkungen 10
1.3.3.1 Beherrschbare Risiken? 10
2 Persönlichkeit 12
2.1 Beeinflussung der Persönlichkeit 12
2.1.1 Limbisches System 13
2.1.2 Gedächtnis und Persönlichkeit 13
2.2 Zwischenfazit 14
3 Ethische Betrachtung 16
3.1 Konservative und liberale Standpunkte 16
3.2 Utilitaristische Aspekte 17
3.2.1 Radikales mentales Enhancement 18
3.2.2 Moderates kognitives Enhancement 19
Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll das Thema ›mentales Enhancement‹ behandelt werden. Dazu werden Veränderungen sowohl kognitiver wie auch emotionaler Eigenschaften gezählt, da sie - wie sich zeigen wird - durchaus eng miteinander verknüpft sind. Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick über Enhancement, seine Chancen und Risiken zu geben und schließlich eine ethische Bewertung zu leisten. Dabei werden mögliche Gefahren, die das Individuum betreffen, an passenden Stellen zwar besprochen, jedoch des öfteren ausgeklammert, da sich die Arbeit vorwiegend den möglichen gesellschaftlichen Risiken widmet.
Dazu wird im ersten Abschnitt zunächst das allgemeine Enhancement vorgestellt werden, wobei auch einige wichtige Potentiale und Risiken mit behandelt werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei jedoch im abschließenden Teil, in dem das mentale Enhancement, aufbauend auf dem bereits Erarbeiteten, erörtert wird.
Im sich daran anschließenden zweiten Kapitel steht die menschliche Persönlichkeit im Mittelpunkt. Es soll dargestellt werden, welcher Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit des Individuums und dessen Gehirn besteht. Denn nur im Bewusstsein dieses Zusammenhangs kann erklärt werden, weshalb ein Eingriff in die kognitiven Fähigkeiten oder die emotionalen Empfindungen letztlich auch eine Beeinflussung der Persönlichkeit ist. Um dies zu verdeutlichen, werden insbesondere aktuelle Ergebnisse der Neurobiologie herangezogen.
Im dritten Kapitel schließlich erfolgt die Vorstellung verschiedener Standpunkte der Debatte und ihre Haltung zu Enhancement. Das Hauptgewicht bildet die Überlegung, ob mentales Enhancement eher ein individuelles oder ein gesellschaftliches Thema ist. Hierbei wird der Schwerpunkt bei den Risiken und Auswirkungen gesetzt, welche mentales Enhancement mit sich bringen kann. Denn letztlich ist die Entscheidung darüber wichtig für die Frage, ob mentales Enhancement generell erlaubt, verboten oder nur unter Einschränkungen zugänglich sein sollte.
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1 Enhancement
Im Folgenden soll das Thema Enhancement kurz im Allgemeinen vorgestellt werden, um einen Überblick über die verschiedene Aspekte zu geben. Eine vollständige Darstellung kann aufgrund des großen Umfangs nicht geleistet werden, vielmehr dient dieses Kapitel dazu, die Grundlage für die vorliegende Arbeit zu bilden. Dazu soll ein grober Umriss des Themengebietes erfolgen, indem seine Möglichkeiten und technischen Hilfsmittel ebenso wie die Kontroverse um das Thema selbst vorgestellt werden. Dabei wird insbesondere deutlich, dass sowohl eine eindeutige Definition, wie auch eine scharfe Abgrenzung zur „normalen“ Medizin schwer ist. Einige Teilbereiche, die für die vorliegende Arbeit besonders wichtig sind, werden etwas detaillierter betrachtet, um sie am Ende des Kapitels aufgreifen zu können.
1.1 Vorstellung von Enhancement
Der Begriff Enhancement wird im Bereich der Bioehtik unterschiedlich interpretiert und ausgelegt, jedoch generell auf die Eingriffe und Therapien angewendet, die nicht normale menschliche Eigenschaften und Leistungsfähigkeit wieder herstellen oder erhalten, sondern diese übertreffen sollen. 1 Um Enhancement einordnen und bewerten können, bietet sich ein Vergleich mit anderen medizinischen Behandlungen an: Zunächst gibt es notwendige Behandlungen, welche sich gegen Krankheitsbilder richten und auf die ein Patient gegenüber einem Arzt und seiner Krankenkasse einen Anspruch hat. Diese Behandlungen werden in Abgrenzung zu den anderen Eingriffen als ›Therapie‹ bezeichnet. 2 Weiterhin bezeichnet man Behandlungen, welche keinen Erfolg versprechen, als sinnlose Behandlungen. Sie helfen dem Patienten nicht weiter und werden daher eigentlich nicht benötigt.
In Abgrenzung dazu werden medizinische Eingriffe, die nicht direkt gegen ein Krankheitsbild gerichtet sind, 3 allerdings auch keine Wirkungslosigkeit mit sich bringen, als
1 Vgl. JUENGST, Eric T.: Was bedeutet Enhancement. In: SCHÖNE-SEIFERT und TALBOT (2009), S. 25.
2 Vgl. JUENGST (2009), S. 28.
3 Hierbei besteht bei strengen Restriktionen durchaus die Gefahr, dass im Rahmen der Nachfrage neue Krankheitsbilder „geschaffen“ werden. Vgl. hierzu DEUTSCHES REFERENZZENTRUM FÜR ETHIK
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›Enhancement‹ bezeichnet. Eine klare und deutliche, stets gültige Abtrennung ist jedoch wegen der fließenden Übergänge zwischen Therapie und Enhancement nicht möglich. 4
Schon per Definition beinhaltet der Begriff ›Enhancement‹ eine Verbesserung, wobei zu klären ist, ob letztlich auch die Folgen dieser „Verbesserungen“ Gutes mit sich bringen. Denn Zweifel an den moralischen Werten von Enhancement hängen nicht direkt mit dem intrinsischen Wert der veränderten Eigenschaft zusammen, sondern mit den Zielen, die durch die Veränderung erreicht werden sollen. 5 Denn häufig wird Enhancement als unlautere Abkürzung, als eine Form von Betrug angesehen. 6 Einerseits fehle die Leistung und Anstrengung, welche sonst nötig wäre, um eine ähnliche Verbesserung zu erreichen. Andererseits verschafft sich eine Person, die sich „enhancen“ lässt, durchaus auch einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Menschen. 7 Auf einige der durch Enhancement zu erwartenden Probleme und Konflikte wird im Abschnitt 1.2 exemplarisch näher eingegangen.
1.1.1 Potential von Enhancement
Der relativ junge Bereich des Enhancements eröffnet bisher nahezu ungeahnte Möglichkeiten, aber auch ganz pragmatische, schon seit Menschengedenken erstrebte Lösungen für gesundheitliche Probleme. Zu Letzterem gehören sicherlich Bestrebungen nach Heilung von Krankheiten mit Hilfe der Gentechnik. Denkbar wäre hier beispielsweise eine genetische Immunisierung gegen bekannte Krankheiten, ganz ähnlich den heutigen Impfungen - nur eben tiefgreifender und vererbbar. 8 Auch die Heilung von Erbkrankheiten durch Veränderung der menschlichen DNA wäre denkbar und würde durchaus Vorteile bringen können. 9
Schließlich gehören zum Potential des Enhancements aber auch - ja sogar gerade - die Verbesserungen menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten. Dies kann eine Steigerung der Intelligenz, Erhöhung der Aufmerksamkeit, der körperlichen Leistungsfähig- INDEN BIOWISSENSCHAFTEN (Hrsg.): Enhancement: Die ethische Diskussion über biomedizinische Verbesserungen des Menschen. Bonn 2002, (drze-Sachstandsbericht; 1), S. 65. oder auch JUENGST (2009), S. 30 f.
4 Vgl. JUENGST (2009), S. 26.
5 Vgl. JUENGST (2009), S. 27f.
6 Vgl. bspw. JUENGST (2009), S. 37f.; oder DEUTSCHES REFERENZZENTRUM FÜR ETHIK IN DEN BIOWISSENSCHAFTEN (2002), S. 68ff.
7 Oft wird hierzu als Vergleich die Problematik des Dopings im Leistungssport herangezogen. Vgl. DEUTSCHES REFERENZZENTRUM FÜR ETHIK IN DEN BIOWISSENSCHAFTEN (2002), Kap. 6.; oder auch SCHÖNE-SEIFERT und TALBOT (2009), Kap. 2.
8 Vgl. JUENGST (2009), S. 30.
9 Vgl. GESANG, Bernward: Perfektionierung des Menschen. Berlin 2007, S. 3.
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keit oder eine Verlängerung des menschlichen Lebens darstellen. Viele von Geburt an gegebene Einschränkungen könnten beseitigt und die ungleiche Verteilung von Fähigkeiten durch die ›natürliche Lotterie‹ durch Enhancement korrigiert werden. Theoretisch wäre dadurch die künstliche Herstellung einer absoluten Chancengleicheit möglich. Aber auch völlig neue, bisher nicht-menschliche Eigenschaften 10 wie das Sehen von UV-Licht oder eine Verbindung zwischen Gehirn und Computer 11 sind zumindest in der Theorie schon jetzt vorstellbar.
1.1.2 Unterscheidungen
1.1.2.1 Moderate und radikale Maßnahmen
Nachdem der Begriff des Enhancements von anderen medizinischen Behandlungen abgegrenzt und das Potential umrissen wurde, soll er nun kurz intern gegliedert werden, da auch hier deutliche Unterschiede beachtet werden müssen. So kann zunächst einmal zwischen moderaten und radikalen Maßnahmen differenziert werden. 12 Die Klassifizierung erfolgt dabei nicht primär nach der Schwere des Eingriffs, sondern nach dessen Auswirkungen.
Von einem moderaten Enhancement ist daher zu sprechen, wenn dabei menschliche Eigenschaften verändert werden, die ohnehin schon vorhanden sind. Zusätzlich dürfen diese lediglich in kleinen Schritten verbessert werden, also nicht über das Maß des Bekannten hinaus. Als Anhaltspunkt für moderates Enhancement wäre denkbar, dass alle dadurch potentiell erreichten Ergebnisse auch duch herkömmliche Methoden - wie Erziehung und Lernen, Psychotherapie oder aber auch Training - hätten erreicht werden können. 13
Dem gegenüber wird von radikalem Enhancement gesprochen, wenn die Ergebnisse der Behandlung mit herkömmlichen Mitteln nicht zu erreichen wären. Dazu zählt sowohl eine Steigerung von vorhandenen Begabungen über bisherige Grenzen hinaus, wie auch die Schaffung von neuen Fertigkeiten, die keine menschlichen sind. 14 Als Beispiele dafür seien neben dem „Sehen von UV-Strahlung“ auch ein nicht ermüdendes Gehirn mit stark erhöhter Merkfähigkeit oder andere künstliche „Erweiterungen“ des Menschen
10 Vgl. GESANG (2007), S. 3.
11 Vgl. SCHWAN, Ben: Gehirn steuert Computer, In: Technology Review http://www.heise.de/tr/artikel-/Gehirn-steuert-Computer-937587.html (24.02.2010).
12 Vgl. GESANG (2007), S. 39f. und S. 63ff.
13 Vgl. GESANG (2007), S. 40.
14 Vgl. GESANG (2007), S. 40f.
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genannt. Solche Eingriffe in die menschliche Natur scheinen zwar noch ferne Zukunftsmusik zu sein, angesichts medizinischer Fortschritte wirken jedoch einige dieser Ideen - wie zum Beispiel Implantate für das Gehirn als Schnittstelle zu Computern - nicht allzu unwahrscheinlich. 15
1.1.2.2 Reversible und irreversible Maßnahmen
Als weitere Unterscheidung von Enhancement sei noch die Klassifizierung in reversibel und irreversibel 16 angeführt. Während sich hinter Letzterem endgültige Eingriffe verbergen, wie zum Beispiel das Ändern der DNA, können Erstere jederzeit wieder deaktiviert, d.h. rückgängig gemacht werden. Zu dieser Art von Enhancement zählt also die Einnahme von Medikamenten, aber auch das Nutzen von Implantaten, die wieder abgesetzt oder abgestellt werden können. Diese Vorgehensweise bietet eine gewisse Sicherheit und auch Fehlentscheidungen macht sie revidierbar. Doch bleibt gerade vor dem Thema des noch näher zu betrachtenden ›mentalen Enhancements‹ ein gewisses Restrisiko. Denn ein Eingriff lässt sich zwar auch hier vielleicht rückgängig machen, aber eben nicht ungeschehen. Die Erfahrungen, die ein Mensch mit seinen neuen künstlichen Fähigkeiten auf kognitiver und insbesondere auch auf emotionaler Ebene gemacht hat, bleiben ihm in jedem Fall erhalten. 17 Wie im Abschnitt 2.1.2 der vorliegenden Arbeit gezeigt werden soll, kann aber gerade dies, trotz zurück genommenen Enhancement, dauerhaft die Person verändern.
1.2 Probleme und Risken
Die Möglichkeit des Enhancements wirft einige Probleme auf, welche in ihrer vollen Stärke wohl erst in Zukunft auftreten werden. Im Folgenden können auch nicht alle Risiken aufgezeigt, sondern es sollen nur zwei der Weitreichendsten beschrieben werden.
1.2.1 Bildung einer Klassengesellschaft
Durch einen freien Zugang zu Enhancement, insbesondere zu den radikalen Maßnahmen, könnten massive soziale Probleme entstehen. Denn die Kosten für derartige Be- 15 Vgl.GESANG (2007), S. 26.
16 Vgl. GESANG (2007), S. 11.
17 Vgl. GESANG (2007), S. 89.
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Arbeit zitieren:
Lutz Spitzner, 2009, Kognitives und moralisches Enhancement , München, GRIN Verlag GmbH
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