Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. SOZIALISATION. 4
2.1. AKTIVITÄT VON MENSCH UND UMWELT. 4
2.1.2 Produktive Verarbeitung innerer und äußerer Realität 5
2.1.3 Sozialisationsinstanzen. 5
2.2. SYSTEMTHEORETISCHE BETRACHTUNG. 6
2.2.2. Autopoiesis. 6
2.2.3. Leistung der Systembildung 7
2.2.4. Soziale Systeme 9
3. SPIEL ALS MEDIUM 10
3.1. WESEN DES SPIELS 13
3.2. SPIEL ALS SYSTEM 15
4. BEDEUTUNG FÜR DIE PÄDAGOGISCHE PRAXIS. 16
4.1. FAMILIE. 17
4.2. SCHULE 19
4.3. FREIZEIT. 20
4.4 GLEICHALTRIGE 22
5. FAZIT. 23
LITERATURVERZEICHNIS 24
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1.Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Sozialisation und Spiel in systemtheoretischer Perspektive“. Ausschlaggebend für die Wahl des Themas waren ein Seminar zum Thema Sozialisation und eine eigene Beobachtung. Die Sichtung von Schildern mit der Aufschrift „Spielen verboten“ in anliegenden Grünanlagen von Wohngebieten, veranlasste mich zu einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema Spiel. Diese Auseinandersetzung erfolgte unter der besonderen Vermutung, dass es zwischen dem Spiel und dem Sozialisationsprozess des Kindes einen Zusammenhang geben müsste.
Kinder finden in ihren Wohngegenden anscheinend so wenig Raum zum spielen, dass in der wissenschaftlichen Literatur von einem schwinden der Straßenkindheit die Rede ist (vgl. Hohm 2006, S. 163). Zudem soll es für Kinder heutzutage mehr Möglichkeiten geben, ihre Freizeit in einem institutionellen Rahmen zu verbringen, denn je (Retter 1991, S.49). Ich halte es für nötig, diesen Sachverhalt näher zu betrachten. Zu diesem Zweck wähle ich eine system-theoretische Perspektive, denn diese ermöglicht mir die Position eines Beobachters einzunehmen. Nach systemtheoretischer Tradition ist es für den Beobachter nur möglich zu überprüfen, ob die Welt wie er sie sieht der Realität entspricht, wenn er sie mit den Sichtweisen eines anderen Beobachters vergleicht (vgl. Simon 2005, S.47). Die anderen Beobachter sind in diesem Fall Wissenschaftler, die sich mit dem Thema befasst haben und ihre Beobachtungen mittels der Schriftmedien für andere Beobachter zugänglich gemacht haben.
Zunächst soll der Begriff „Sozialisation“ im Allgemeinen definiert werden. Auf die Annahme von Hurrelmann und Ulich (vgl. 1991, S.7) es gäbe die Sozialisation als ultimative Beschreibung nicht, sondern nur sozialisationstheoretische Fragestellungen, stützt und begründet sich die Fragestellung:
Welche Bedeutung hat das Spiel für den Sozialisationsprozess von Kindern und welche Bedeutungen ergeben sich daraus für die pädagogische Praxis?
Anhand von Klaus Hurrelmanns Ansatz der produktiven Realitätsverarbeitung soll in einem nächsten Schritt auf die Eigenaktivität des Menschen und seiner Umwelt hingewiesen werden. Mittels dieser kurzen Skizzierung der Sozialisationstheorie nach Hurrelmann soll ein Zugang zu einer systemtheoretischen Perspektive geschaffen werden. Dem Leser soll die Analogie zwischen Sozialisationstheorie und der Systemtheorie der Luhmannschen Schule näher gebracht werden. Im Anschluss daran soll dem Leser die Verknüpfung mit der Spielthematik geboten werden. Der abschließende Teil soll den Bezug zur Praxis herstellen.
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2. Sozialisation
Das Kind wurde in der Vergangenheit in der pädagogischen Literatur und in der Literatur anderer Disziplinen, oft als hilfebedürftiges „Mängelwesen“ (vgl. Schweizer 2007, S.26) beschrieben, welches rein durch die Hand des Erwachsenen sozialisiert wird. Diese Ansicht hat sich bis heute geändert. Sozialisation wird nicht mehr als gradliniger Vorgang gesehen, welcher ausschließlich in der Kindheit von Bedeutung ist. Es ist ein lebenslanger Prozess, an dem der Mensch aktiv teilnimmt (vgl.ebd. 2007, S.153).
Heute scheint man in diversen Konzepten Wert darauf zulegen, den Eigenanteil des Menschen zu betonen, einer der bekanntesten Vertreter ist in diesem Fall Klaus Hurrelmann. Nach seinem Konzept wird der Mensch mit seinen biologischen Grundeigenschaften in eine Welt hin-eingeboren, in der er sich mit den Gegebenheiten arrangieren muss, die in der Gesellschaft vorherrschen, sowohl auf sozialer, als auch auf materieller Ebene. In einem wechselseitigen Prozess entsteht die Persönlichkeit des Menschen. Sie ist jener komplexe Teil, welcher die Merkmale, Eigenschaften, Einstellungen und die Kompetenzen umfasst, mit denen der Mensch sich in seiner sozialen und materiellen Umwelt bewegt. Die Erziehung ist der Einfluss von außen, der zielgerichtet eingesetzt wird um auf die Persönlichkeitsentwicklung einzuwirken. In Arbeiten von Klaus Hurrelmann wird betont, dass der Begriff „Persönlichkeit“, ein Bestandteil der Definition des Begriffs Sozialisation ist, während der Begriff „Erziehung“ eine Unterkategorie ist, solange er sich nur auf die gezielten Versuche der Einflussnahme auf die Persönlichkeitsentwicklung von außen bezieht (vgl. Hurrelmann 2001,S. 14 f.).
Mit einer Einordung des Begriffes „Sozialisation“ und mit der Abgrenzung von anderen Begriffen, wird der Gefahr vorgebeugt, den Sozialisationsbegriff übermäßig universal zu deuten. Es gibt einen Hinweis darauf, was Sozialisation ist und was es nicht ist(vgl. Schweizer 2007, S.52).
2.1. AktivitätvonMenschundUmwelt
Dem Menschen wird also eine biologische und psychologische Grundausstattung zugesprochen, mit der er der Umwelt entgegentritt. Seine Umwelt besteht aus zwei Ebenen; den Menschen die sich um, mit und zu ihm bewegen und den gegenständlichen Dingen die ihm begegnen und denen er begegnet. Dabei ist der Mensch nicht passiv, sondern wirkt aktiv mit ein. Nach Hurrelmann und Bründel ist dies die produktive Verarbeitung der Realität, in einem Wort; die Sozialisation. Die Sozialisationstheorien der Psychologie, der Pädagogik und der Soziologie haben gemeinsam, dass sie die Sozialisation als ebendiese produktive Verarbei-
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tung von Realität begreifen (vgl.Hurrelmann/Bründel 2003,S.12).Deutlich wird herbei das Wechselspiel zwischen den Anlagen, welche der Mensch selbst mitbringt und den Gegebenheiten der Umwelt, die im Prozess die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen. Dabei sind die genetischen Anlagen nicht über zu bewerten, da sie zwar Entwicklungsmöglichkeiten bereit stellen, dennoch nur durch das Wechselspiel mit der Umwelt entfaltet oder unterdrückt werden. Die Umwelt kann Anregungen bereitstellen, die das Potential des Einzelnen fördern. Wie diese Anregungen vom einzelnen Menschen verarbeitet werden, beeinflusst wiederum die genetische Ausgangslage (ebd,S.14).
2.1.2 ProduktiveVerarbeitunginnererundäußererRealität
Hurrelmann und Bründel unterscheiden weitergehend zwischen einer inneren und äußeren Verarbeitung Realität. Dabei wird betont, dass der Prozess der Auseinandersetzung mit den eigenen Anlagen und den Bereitstellungen der Umwelt von Mensch zu Mensch verschieden ist und sich damit seine Einzigartigkeit zeigt. Wie er seine speziellen physischen und psychischen Anlagen nutzt, liegt bei ihm.
Im Laufe seiner Entwicklung muss das Kind immer wieder die ihm gegeben Anlagen und die äußerlichen Einflüsse ausbalancieren und für sich ein repräsentatives Bild seines Selbst und des Äußeren finden, dass ihm hilft sich selbst einzuschätzen und seinen Standort in der sozialen Umwelt zu orten. Die innere Realität wäre somit das „psychische Temperament“ welches z.B. möglicherweise sehr offensiv und fordernd ist. Die äußere Realität wären die „Freundesgruppen“ in denen das Kind sich bewegt (vgl. Hurrelmann/Bründel 2003, S.15f.,). Die Sozialisation wird schlussendlich als produktive Verarbeitung von innerer Realitätsverarbeitung beschrieben, weil gerade die aktive Rolle des Kindes betont werden soll.
2.1.3 Sozialisationsinstanzen
Gleichaltrige, Familie und Institutionen dienen als „Vermittler der Äußeren Realität“ (Hurrelmann/Bründel, 2003,S.18) und werden Sozialisationsinstanzen genannt. Von diesen Instanzen bekommt das Kind Hilfestellungen und Impulse für die produktive Realitätsverarbeitung, die es abgewandelt in sich aufnimmt. Unterschieden wird zwischen „informellen Instanzen“ (Hurrelmann 2003,S.19) zu denen Gleichaltrige und Freunde gehören und den „formellen Instanzen“ (ebd. 2003,S.19) wie z.B. der Schule und dem Kindergarten. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben.
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2.2. SystemtheoretischeBetrachtung
Nachdem die Sozialisation als produktive Verarbeitung von innerer und äußerer Realität erkannt wurde und Gleichaltrige, Freunde, Familie und die Schule durch die Betitelung als „Sozialisationsinstanzen“ als sozialisationsrelevante Orte benannt werden können, soll nun weiter untersucht werden, welche Bedeutung die soziale Umwelt für das Individuum hat. Als theoretische Grundlage eignen sich hier nun die soziologischen Sozialisationstheorien, da hier der Akzent auf der“[…] Analyse des Prozesses der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt[…]“ liegt (vgl.Hurrelmann 1993,S.40).
Dazu passend taucht der Begriff „Selbstsozialisation“ in der heutigen Kindheitsforschung in der systemtheoretischen Perspektive vermehrt auf und deutet darauf hin, dass in der modernen Gesellschaft dem Kind ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit zu gesprochen wird (vgl. Schweizer 2007, S.192). Im Allgemeinen ist unter dem Begriff Selbstsozialisation die Selbstbeteiligung des Kindes an seiner Sozialisation, durch sein bevorzugten Tätigkeiten und seine vorgenommen Selektionen verstanden (vgl. Siegler/De Loache et al. 2008, S. 487). Auch Hohm verwendet diesen Begriff in Bezug auf die verschwindende Straßenkindheit(vgl. Hohm 2006, S.163).
Im Zuge der Moderne ist der Kontrast zu der Erwachsenenwelt noch größer geworden. Kinder schaffen sich ihre eigenen Räume in der sie einer eigenen Logik des Handelns folgen. Herbert Schweizer erwähnt in diesem Zusammenhang den Begriff der Autopoiesis, obgleich er die Vorstellung von Kinderwelten als autopoieistische Systeme für übersteigert radikal hält, da sie implizieren würde, dass Kinder sich ohne den erzieherischen Eingriff von Erwachsenen selbst sozialisieren würden. Dass heißt, sie müssten auch selbst für Disziplin und Ordnung sorgen (vgl. Schweizer 2007, 192f.). Eine zunächst vertiefende Betrachtung des Autopoiesis-Gedanken soll klären, ob es sich im Bezug auf die Welt des Kindes um eine vermeidlich zu radikale Perspektive handelt oder ob mit Hilfe einer systemtheoretischen Perspektive der Luhmannschen Schule am Ende ein Erkenntnisgewinn stehen könnte.
2.2.2. Autopoiesis
Elemente des Sozialisationsprozesses sind also die dinglich-materielle Umwelt, die biologische Ausstattung, innere und äußere Prozesse, sowie die Sozialisationsinstanzen. In system-theoretischer Perspektive bildet jedes dieser Elemente, trivial ausgedrückt, ein System.
Systeme sind in sich geschlossen und dennoch offen für Informationen aus ihrer Umwelt. Sie erhalten sich selbst, indem sie die Elemente, die für ihre Erhaltung wichtig sind selbst produ-
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zieren. Nach Luhmann sind sie autopoietisch. Jedes System wird durch ein Letztelement reproduziert und von der Umwelt unterscheidbar gemacht. Der biologische Mensch kommt also mit einem „organischen System“ zur Welt, dessen Letztelement die Zelle ist. Für die weitere Betrachtung ist es der Körper des Menschen, der eine Bedeutung für die Thematik hat. Der Körper wandelt in sozialen Systemen, deren Letztelement die Kommunikation ist. Das soziale System wird also nicht auf Grundlage „psychischer Systeme“ reproduziert, sie funktionieren vielmehr mechanisch. Dennoch werden sie von den „psychischen Systemen“ beeinflusst, deren Letztelement das Bewusstsein und das Vorstellungsvermögen ist. Psychische Systeme wiederum werden durch die bloße Teilnahme an sozialen Systemen sozialisiert (vgl.Hohm 2006 S. 14f.). Dieser Gedanke geht wiederum mit dem Verständnis des aktiven Kindes nach Hurrelmann und Bründel einher. Somit ist das Kind, als psychisches System gedacht, durch das Letztelement der Gedanken und der strukturellen Kopplung an das organische und das soziale System selbst für das Ergebnis des Sozialisationsprozesses verantwortlich. Der Gedanke der „ Selbstsozialisation“, wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, ist demnach nicht abwegig.
Wenn nach Hurrelmann und Bründel die Sozialisation also als Leistung des Individuums der produktiven Verarbeitung von innerer und äußerer Realität gedacht wird, muss in systemtheoretischer Perspektive sich von der einseitigen Betrachtung gelöst werden. Im Folgenden soll in „Systemen“ gedacht werden.
2.2.3. LeistungderSystembildung
Nach Gerard de Zeeuw entsteht ein System "[…]durch Zugriff auf etwas, dass die Teile zusammenhält. Dies erfordert in der Regel Energie sowie Aufmerksamkeit für mögliche Gefahren oder Störungen in der Aufrechterhaltung des Systems." (vgl. Zeeuw 2005, S.151). Weitergehend sind Systeme die Summe von Elementen, die in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Nach Zeeuw bilden die Notwendigkeit der Erhaltung und die Möglichkeit von Elementen eines Systems, zu Elementen eines anderen Systems zu werden, zwei weitere Charakteristika. Ein System kann gesehen werden als Gruppierung von Elementen die miteinander interagieren und sich von anderen Gruppierungen unterscheiden, wirkt und funktioniert, sich den Mitteln ihrer Umwelt bedient und mit ihr interagiert. Die Mittel aus der Umwelt werden von den Elementen des Systems selbst verwaltet. Ziel des Systems ist es, sich selbst zu erhalten und weiterzuentwickeln. Zeeuw äußerst deutlich, dass Systeme die Umwelt brauchen, um sich selbst zu erhalten. Damit sie mit den Irritationen umgehen können, benötigen sie Ressourcen aus der Umwelt (vgl. ebd., S.151). Die Welt beherbergt unzählige Systeme,
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Arbeit zitieren:
Jennifer Koslowski, 2010, Sozialisation und Spiel in systemtheoretischer Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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