Dies kommt vor allem in einer Resolution des Senats vom 21. März 1947 zum Ausdruck, mit der die Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa im Rahmen der Vereinten Nationen gefordert und die vom Repräsentantenhaus unterstützt wurde.
Die Truman-Administration und insbesondere das State Department verhielten sich nach Beendigung des Krieges hinsichtlich einer genauen Formulierung ihrer Europapolitik zunächst jedoch defensiv und abwägend. Aus mehreren Gründen: Zum einen wollte man die direkte Zusammenarbeit im besetzten Deutschland mit der Sowjetunion nicht durch zu schnelle Festlegungen gefährden. Außerdem war es notwendig, die Interessen der verschiedenen europäischen Staaten angemessen zu berücksichtigen. Zum anderen konnte wegen unterschiedlicher Auffassungen zwischen den verschiedenen Behörden innerhalb der Administration keine klare Position formuliert werden, zumal im State Department selbst die zukünftige Politikausrichtung für Europa umstritten war. Michelle Cini spricht in diesem Zusammenhang von einem Gegensatz zwischen free traders, die eine Zollunion aber ohne bevorzugende Vereinbarungen zwischen den westeuropäischen Staaten unterstützten, und planners, die für eine supranationale Lösung eintraten. Von diesen Beobachtungen ausgehend hat Hans-Jürgen Schröder die These abgeleitet, dass die USA kein echtes Integrationskonzept für Europa besessen hätten.
Das wichtigste Ziel der amerikanischen Deutschlandpolitik war es zunächst zu verhindern, dass sich Deutschland erneut zu einer Gefahr für den Frieden entwickelte. Darüber hinaus sollte es sich nachhaltig am wirtschaftlichen Wiederaufbau in Europa beteiligen und zur Erhaltung der politischen Sicherheit beitragen. Zur Erreichung dieser Ziele wurden nach 1945 zunächst durch Absprachen im Alliierten Kontrollrat gemeinsame Maßnahmen zusammen mit der Sowjetunion eingeleitet. Die wachsenden ideologischen Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion und die sich abzeichnende Blockbildung erschwerten den auf amerikanischer Seite für essentiell erachteten schnellen wirtschaftlichen Wiederaufbau in ganz Europa. Die Bemühungen der USA konzentrierten sich deshalb zunehmend auf die Länder Westeuropas. Die Konzeptionen sahen zudem vor, dass die westlichen Besatzungszonen Deutschlands stärker in diese Bemühungen einbezogen werden sollten. Dies wird in einem Memorandum von George F. Kennan (Direktor des Policy Planning Staff) vom 16. Mai 1947 deutlich, in dem es heißt: Ein Aufbauprogramm
“[…] should be designed to encourage and contribute to some form of regional political association of western European states. Our occupational policies in Germany and Austria must be shaped toward enabling the western zones of those countries to make the maximum contribution to economic restoration in Western Europe in general”. 2
2 Memorandum des Direktors des Policy Planning Staffs (Kennan) vom 16. Mai 1947, in: FRUS 1947 III, S.220-223, hier S. 221.
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Der Rede des amerikanischen Außenministers George C. Marshall vor der Harvard-University am 5. Juni 1947 wurden diese Überlegungen zugrundegelegt. Marshall konstatierte darin eine Zerstörung des wirtschaftlichen Gleichgewichts in Europa und schlug als Gegenmaßnahme ein Hilfsprogramm zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung vor. Die Initiative für ein solches Programm sollte von den Europäern ausgehen, nicht zuletzt um dem Eindruck eines amerikanischen Diktats entgegenzuwirken. Mit dem nachfolgend zur Marshall-Rede ausgehandelten European Recovery Program (ERP) waren wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft Europas verbunden: Größte Bedeutung muss hierbei der Entscheidung der Sowjetunion beigemessen werden, auf einer eigenen Teilnahme am ERP (und damit auch aller anderen in ihrem Einflussbereich befindlichen europäischen Staaten) zu verzichten. So gesehen manifestierte der Marshallplan die Ost-West-Teilung Europas. Darüber hinaus wurde mit der OEEC (Organisation of European Economic Cooperation; gegründet zur Koordinierung der nationalen Wiederaufbauprogramme) ein institutioneller Rahmen geschaffen, der die westeuropäischen Staaten kurz nach dem Krieg in Konsultationen zusammenbrachte und durch Kooperationen Verständigung anregte. Zwar ist die wirtschaftliche Bedeutung des ERP heute umstritten, doch kann man feststellen, dass der Marshallplan einer möglichen Abschottung der Märkte entgegengewirkt und finanzielle Mittel zur wirtschaftlichen Modernisierung bereitgestellt hat. Darüber hinaus muss der Marshallplan aber auch als ein Symbol und Bekenntnis der USA verstanden werden, sich langfristig auf dem europäischen Kontinent engagieren zu wollen. Gleichwohl verfolgten die USA mit dem ERP auch eigene Interessen: Mit einem wirtschaftlichen Wiederaufbau verbanden die USA die Hoffnung, über mehr Wohlstand die Stabilität demokratischer Strukturen vergrößern und damit zur Sicherheit in Europa beitragen zu können. Ebenso war man aber auch daran interessiert, einen Absatzmarkt für die Überschussproduktion der eigenen Wirtschaft (durch Überwindung der „Dollar-Lücke“) und auf lange Sicht hin einen effizienten und leistungsstarken Handelspartner aufzubauen, der zu einer Belebung der Weltwirtschaft insgesamt beitragen könne. Die Einbeziehung Westdeutschlands in das ERP ergab sich vor allem aus dessen wirtschaftlicher Position in Europa. Westdeutschland war einer der wichtigsten Lieferanten solch dringend benötigten Güter wie Kohle, Bergbaumaschinen und Industriebauteile; gleichzeitig bildete es selbst einen wichtigen Markt für europäische Produkte. Es war deshalb nur folgerichtig, wenn die USA wiederholt auf die inneren europäischen wirtschaftlichen Abhängigkeiten hinwiesen. Die Steigerung der deutschen Wirtschaftskraft war auch hinsichtlich einer Minderung der finanziellen Belastungen, welche mit der Besatzung in Deutschland verbunden waren, von Bedeutung. Vor dem Hintergrund des sich verstärkenden Ost-West-Konflikts waren die USA zudem zu der Überzeugung gelangt, dass Westdeutschland aus dem sowjetischen Einflussbereich
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herausgehalten werden müsse. Dies konnte aber nur über eine enge Anbindung an die demokratischen Staaten Westeuropas und eine Eingliederung in den europäischen Wiederaufbau gelingen.
Die unterschiedlichen Strategien der französischen und britischen Europapolitik
Die französische Außen- und Europapolitik nach 1945 war zunächst von den unmittelbaren Erfahrungen des Krieges geprägt, wobei auf der einen Seite das Erlebnis von Besatzung und collaboration, auf der anderen Seite die Erfolge der inneren und äußeren résistance standen. Im Kontext dieser Erfahrungen bildete der Umgang mit dem ‚deutschen Problem’ das wichtigste Element der Außenpolitik Frankreichs. Aus dem eminenten Bedürfnis nach Schutz vor einer erneuten deutschen Bedrohung heraus verfolgte Frankreich eine Politik der engen sicherheitspolitischen Bindung an die USA. Hinsichtlich Deutschlands forderte Frankreich eine starke Kontrolle durch die Besatzungsmächte ein. Die Bildung eines einheitlichen Staates sollte verhindert und die Abkopplung des Saargebiets vollzogen werden. Die französischen Vorstellungen widersprachen damit in weiten Teilen denen der amerikanischen Deutschlandpolitik. Aus seiner schwachen Position heraus konnte Frankreich aber weder die Einbeziehung Westdeutschlands in den Marshallplan, noch die Planungen zur einer deutschen Staatsgründung verhindern. Man bemühte sich deshalb mit der Bildung von regionalen Bündnissen der abzusehenden Erstarkung Deutschlands zuvorzukommen, wobei Großbritannien als der wichtigste Partner angesehen wurde. Gleichzeitig versuchte Paris, die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft auf dem Weltmarkt durch staatliche Lenkungsmaßnahmen zu vergrößern („Monnet-Plan“). Dies erschien vor allem mit Blick auf die schnelle Erholung der westdeutschen Wirtschaft als notwendig, die von einer kontinuierlichen Lockerung der Industrieniveaupläne durch die Besatzungsmächte unterstützt wurde. Allmählich setzte sich in Frankreich die Erkenntnis durch, dass sich die Reintegration Westdeutschlands nicht mehr verhindern ließe. Um an Entscheidungen über Deutschland beteiligt zu werden, musste man auf eine restriktive Politik der Dominanz verzichten. Die Initiative für den Politikwechsel ging am 9. Mai 1950 vom französischen Außenminister Robert Schuman aus, der den europäischen Staaten eine Zusammenarbeit in den für die Kriegswirtschaft wichtigsten Schlüsselsektoren, Kohle und Stahl, vorschlug. Der Schuman-Plan basierte auf einem von Jean Monnet entwickelten supranationalen Modell, wonach die Nationalstaaten ihre Souveränität über die beiden genannten Bereiche auf eine zu gründende Hohe Behörde übertragen sollten, deren Entscheidungen wiederum in den Staaten unmittelbar rechtlich wirksam sein sollten. Konrad Adenauer, vorab von Schuman unterrichtet, unterstützte diesen Plan nachdrücklich, zumal die Abgabe von Souveränität in einem Bereich, in dem man u.a. wegen des Ruhrstatuts nicht souverän gewesen war, für die Bundesrepublik eher einen Zuwachs an
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Arbeit zitieren:
Sebastian Rosche, 2004, Die USA und Westeuropa in der Zeit von 1945-1957, München, GRIN Verlag GmbH
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