S e i t e 2
Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Analyse 4
2.1 Kontextanalyse 4 - 6
2.2 Formanalyse 6 - 10
2.3 Sachanalyse 10 - 11
2.4 Motivanalyse 12 - 13
2.5 Situationsanalyse 14 - 15
2.6 Gattungsanalyse 16
3. Fazit 17
4. Literaturverzeichnis 18 - 19
1. Einleitung
Diese Hausarbeit soll in Form einer exegetischen Auslegung das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erläutern. Dass ich mich gerade für dieses Gleichnis entschieden habe, lässt sich damit begründen, dass das Gleichnis vom barmherzigen Samariter eines der klassischen Gleichnisse Jesu ist, die oftmals auch im Schulunterricht thematisiert werden. Die Intention die in diesem Gleichnis steckt, ist nach wie vor von höchster Aktualität und Priorität. Dies zeigt die im letzten Semester im Rahmen der systematischen Theologie behandelte Enzyklika „Deus Caritas Est“ des Papst Benedikt XVI. „Jesus hat dieses Gebot der Gottesliebe mit demjenigen der Nächstenliebe aus dem Buch Levitikus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“(19,18) zu einem einzigen Auftrag zusammengeschlossen (vgl. Mk 12,29-31)“. 1 Somit möchte Papst Benedikt in seiner ersten Enzyklika von der Liebe sprechen, „mit der Gott uns beschenkt und die von uns weitergegeben werden soll.“ 2
In dieser gottgewollten Nächstenliebe sieht Papst Benedikt den zentralen Punkt im christlichen Glauben und somit auch letzten Endes den einzig wahren Weg zu einem erfüllten Leben.
Die heutige Zeit lässt kaum noch Gelegenheit sich in dem Maße um seinen Nächsten zu sorgen, wie es die Kirche heute predigt und auch gerne sehen würde. Doch hier sollte darauf hingewiesen werden, dass es der Kirche nicht darauf ankommt den Menschen karitative Wunder abzuverlangen, sondern sie uns lediglich sensibel für ein nächstenliebendes Handeln machen möchte.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist daher ein besonders gutes Beispiel für selbstlose Nächstenliebe, da gezeigt wird, dass es nicht darauf ankommt Wunder zu vollbringen, sondern man bereits im Kleinen Großes vollbringen kann. Die nun folgende Analyse der Perikope vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37) beginne ich mit einer Kontextanalyse. Im weiteren Verlauf folgt eine Form-, Sach- und Motivanalyse. Daran werde ich noch eine Situations- und Gattungsanalyse anschließen.
In einem abschließenden Fazit möchte ich noch einmal die grundlegenden Gedanken meiner Hausarbeit zusammenfassen und die Bedeutsamkeit des Gleichnisses auf heute übertragen.
1 Papst Benedikt XVI, Enzyklika „Deus Caritas Est“, S. 5
2 Papst Benedikt XVI, Enzyklika „Deus Caritas Est“, S. 6
2. Analyse
2.1 Kontextanalyse
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37) gliedert sich in den Kontext des Evangeliums nach Lukas. Weitere Gleichnisse wie zum Beispiel das vom verlorenen Sohn, vom klugen Verwalter oder aber vom Pharisäer und dem Zöllner sind wertvolle Überlieferungen, die wir sonst in keinem anderen Evangelium finden. 3 Dieses Evangelium stellt anders als die übrigen Evangelien keine abgeschlossene dar, sondern bildet zusammen mit der Apostelgeschichte ein einheitlich großes Doppelwerk.
Um sich einen groben Überblick über das Lukasevangelium machen zu können ist es wichtig die wesentlichen Themen des Evangeliums zu kennen:
Grobgliederung des Lk 4 :
1, 1 - 4: Proömium
1, 5-2,52: Geburtsgeschichten 3, 1- 4, 13: Vorbereitung der Wirksamkeit Jesu 4, 14- 9,50: Wirksamkeit Jesu in Galiläa 9, 51- 19, 27: Reisebericht (Jesu auf dem Weg nach Jerusalem) 19, 28- 21, 38: Wirksamkeit Jesu in Jerusalem 22, 1- 23, 56: Passion 24, 1- 53: Ostern und Himmelfahrt
Zum einen weist das Lukasevangelium ganz zentral das Motiv des durch den Heiligen Geist geleiteten Weg des Heiles auf. Zum anderen die Theologie des Wortes Gottes und weiter die Problematik des Umgangs mit irdischen Besitztümern. 5 Diese wesentlichen Themen des Lukasevangeliums lassen sich auch in der Apostelgeschichte wieder finden. Den engere Kontext (Mikrokontext) von Lk 10, 25-37 bilden die Kapitel 9,51-19, 27. Diese Kapitel beschreiben den Weg Jesu nach Jerusalem und werden oft auch als „Reisebericht“ 6 bezeichnet. Aber warum ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem?
3 Vgl. Die Bibel-Einheitsübersetzung, Das Evangelium nach Lukas, Herder, S. 1153
4 Bull, Klaus- Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 33
5 Vgl. Bull, Klaus-Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 31
6 Vgl. Bull, Klaus- Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 35
„Jesu Reise nach Jerusalem ist somit - das darf nicht übersehen werden - eine Reise in die Hauptstadt Israels. Die „Scheidung und Entscheidung“, die sich 5,1- 9,50 schon anbahnte (s. dort), kann erst in Jerusalem zu ihrer (vorläufigen!) Endgültigkeit kommen, weil Israel erst hier - durch die „Aufnahme“ Jesu (9,51) - in entscheidender Weise vor die „Christusfrage“ gestellt wird, vor seinem Messias, der nunmehr „zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel“ (2,34) werden soll.“ 7
Nach Lukas macht sich Jesus mit seinen Jüngern auf den Weg nach Jerusalem, um sich den Menschen dort als Messias zu offenbaren. Jesu Wanderung nach Jerusalem gestaltet sich jedoch etwas schwierig.
Er kommt nur schwer voran, „weil sein Wandern als „prophetischer Lehrer“ ein mobiler Verkündigungsvorgang in vielerlei ansprechenden Begegnungen ist.“ 8 Jesus ist auf seinem Weg stets umgeben von Menschentrauben, die ihn und seine Jünger sehen möchten. Nicht selten kommt es vor, dass Jesus bei manchen öffentlichen Auftritten auf Ablehnung oder Unverständnis unter den Volksscharen stößt. So kam es, dass Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von einem Gesetzeslehrer gefragt wird: „ (…) Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ 9 Jesu Antwort darauf ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).
„Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Tatsache, daß das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte eine Reihe von Texten enthalten, die nur hier vorkommen, und in denen entweder Samarien Schauplatz des Geschehens ist oder jemand aus Samarien eine wichtige Rolle spielt: (…).“ 10
Die Perikope der „ungastlichen Samariter“ (Lk 9,51-56) deutet ausdrücklich darauf hin, dass der Weg Jesu nach Jerusalem durch Samarien geführt haben soll, aber er und seine Jünger im dortigen Dorf keine Herberge fanden.
„Die Frage nach dem ewigen Leben konkretisiert sich in der Frage der Nächstenliebe. Jesus ruft dazu, zum Nächsten zu werden (10,36f).“ 11
Auf Lk 10, 25-37 folgt die Perikope Maria und Martha (Lk 10, 38-42). Durch die Kombination mit der oben genannten Forderung, nämlich sich zu seinem Nächsten zu bekennen und der Geschichte von Maria und Martha, warnt der Evangelist vor einem bloßen Aktionismus.
7 Schürmann, Heinz, Das Lukasevangelium-Zweiter Teil, Freiburg-Basel-Wien 1993, S. 8f.
8 Schürmann, Heinz, Das Lukasevangelium-Zweiter Teil, Freiburg-Basel-Wien 1993, S. 9
9 Die Bibel- Einheitsübersetzung, Lk 10, 25, S. 1171
10 Böhm, Martina, Samarien und die Samaritai bei Lukas, Tübingen 1999, S. 1
11 Bull, Klaus-Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 37
„Die folgenden Episoden mit Maria und Martha (10,38-42) und der Übergabe des Vaterunser an die Jünger (11,1-4; vgl. 11,5-13) werden auf ihre Weise zeigen, dass Frömmigkeit und Mitmenschlichkeit, Hören und Tun, Gebet und Barmherzigkeit in der Nachfolge Jesu untrennbar zusammengehören.“ 12
2.2 Formanalyse
Das Beispiel vom barmherzigen Samariter: Lk 10, 25-37
25 Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 26 Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? 27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft
und all deinen Gedanken und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 28 Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. 29 Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30 Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann
gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. 31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. 32 Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. 33 Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, 34 ging zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. 35 Am anderen Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn
brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? 37 Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (entnommen aus der Einheitsübersetzung)
Die Perikope des barmherzigen Samariters bildet einen in sich schlüssigen Text. Der Dialog mit dem Gesetzeslehrer lässt sich, nach Böhm, auch als Streitgespräch deuten. 13 Doch hierbei drängt sich die Frage auf, ob der Dialog zwischen Jesus und dem Gesetzeslehrer nicht einfach nur als eine angeregte Diskussion verstanden werden kann. Ich möchte mit dem Begriff „Streitgespräch“ hier etwas vorsichtig sein.
Während des narrativen Schlagabtausches zwischen Jesus und dem Gesetzeslehrer, lässt sich jedoch eine gewisse Spannung nicht von der Hand weisen.
„(…) mit seinem hin- und herwogenden Dialog von Frage (V 25b) und Gegenfrage (V 26), Antwort (V 27) und Rückantwort (V 28), erneuter Frage (V 29), dann die Antwort mit
12 Thomas Söding und Christian Münch, Kleine Methodenlehre zum Neuen Testament, Herder 2005, S.74
13 Vgl. Böhm, Martina, Samarien und die Samaritai bei Lukas, S. 240
Arbeit zitieren:
Mascha Juliane Dohmen, 2008, Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Rolle des Glaubens in den matthäischen Wundergeschichten am Beispi...
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Unterrichtsstunde, katholische Religion: Mose wird durch Gott gerettet
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 11 Seiten
Die Malerei im Text / Der Text in der Malerei - Die Lehre der Sainte-...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 45 Seiten
Unterrichtsqualität und ihre Anforderungen an den Lehrer
Hausarbeit, 25 Seiten
Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft und die Bedeutung für uns heu...
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit, 14 Seiten
Exegese von Mk 3,1-6 (Jesus heilt am Sabbat einen Menschen mit einer e...
Theologie - Biblische Theologie
Seminararbeit, 22 Seiten
Bildungspolitische Maßnahmen für die Verbesserung von Schulquälität: V...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Schillers 'Braut von Messina' und Dürrenmatts 'Besuch der ...
Ein Vergleich der Gestaltung u...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Metamorphose "Ophélies" zu "Ophelia". Die Entw...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 24 Seiten
Gottesvorstellungen von Jugendlichen erarbeitet an Einzelbefragungen u...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 104 Seiten
Iroschottische und angelsächsische 'Mission' im Mittelalter
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Mascha Juliane Dohmen hat einen neuen Text hochgeladen
Neutestamentliche Exegese im 21. Jahrhundert
Grenzüberschreitungen. Für Joa...
Thomas Schmeller
Neutestamentliche Exegese im Dialog
Hermeneutik - Wirkungsgeschich...
Peter Lampe, Moisés Mayordomo, Migaku Sato
Apollonios von Tyana in der neutestamentlichen Exegese
Forschungsbericht und Weiterfü...
Erkki Koskenniemi
Neutestamentliche Wissenschaft nach 1945. Hauptvertreter der deutschsp...
Hauptvertreter der deutschspra...
Cilliers Breytenbach, Rudolf Hoppe
EinFach Religion. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,1-3. 11-32)
Jahrgangsstufen 9 - 13
0 Kommentare