Einleitung
1. Einleitung
Sie begleiten schätzungsweise dreizehn Millionen Deutsche 1 jeden Tag und lassen für ca. 30 Minuten in einen Alltag eintauchen, der durch ein Drehbuch vorbestimmt ist. Sie lenken von eigenen Problemen in Beruf, Partnerschaft und Familie ab und lassen hauptsächlich 14-29 jährige 2 mit ihren Darstellern
mitfühlen. Die Daily Soaps haben sich erfolgreich im deutschen Fernsehprogramm etabliert und sind für viele Zuschauer nicht mehr wegzudenken. Sie bestimmen das Vorabendprogramm und auch das Familienleben in vielen deutschen Haushalten, denn die Soaps avancieren sehr schnell zu einem wichtigen Bestandteil im täglichen Leben. Die Darsteller werden dann wie eigene Familienmitglieder in die Tagesplanung einbezogen, um die weitere Entwicklung in Sachen Liebe, Betrug, Verrat und verbotene Leidenschaften nicht zu verpassen. In den Daily Soaps wird eine Lebenswirklichkeit inszeniert, die den Zuschauer fasziniert und die in der Lage ist ihn jeden Tag von neuem zu fesseln. Der Soapfreund begleitet seine Darsteller in allen Lebenslagen und fühlt bei jedem Schicksalsschlag oder neuen Liebe mit. Die eigene Wirklichkeit tritt in den Hintergrund, wenn täglich zur gleichen Sendezeit gestritten, geliebt, betrogen und verlassen wird.
Die Entwicklung dieser Art der Unterhaltung lässt sich kontinuierlich verfolgen und ist zudem mehr als erstaunlich. Diesen Erfolg, den die Serien erfahren, verdanken sie auch zum großen Teil den Jugendlichen, die ihren Fernsehlieblingen die Treue halten. Genau diese Zielgruppe soll in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen und die Frage, ob die Daily Soaps aus dem privaten Bereich auch Einzug in den Deutschunterricht finden sollte? Müssen die gestellten Szenen mit ungewissem Ausgang didaktisch aufbereitet werden, um sie mit SchülerInnen zu diskutieren oder sollte das Phänomen Soap Opera als Trash-TV im Privaten eines jeden Einzelnen verborgen bleiben? Welchen Einfluss nimmt die Daily Soap auf die Schülerinnen und inwieweit müssen wir als LehrerInnen diese Entwicklung verstehen oder gar darauf eingehen?
1 Simon, Jeannine: Wirkungen von Daily Soaps auf Jugendliche. München: Verlag Reinhard Fischer 2004
2 ebd.
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Einfluss neuer Medien auf Jugendliche
Selbst wenn man der Meinung ist, dass die Soaps zu trivial sind und in keiner Weise einen Lerneffekt in sich tragen, so kommt man doch an diesem Phänomen nicht mehr vorbei. Deshalb soll diese Arbeit sich mit dem populären Fernsehen beschäftigen, in der die Daily Soaps den Schwerpunkt bilden. Die vorangegangenen Fragen sollen die Grundlage bilden, um am Ende durch die Auseinandersetzung mit dem Thema eine Tendenz für den Deutschunterricht zu erkennen. Es soll kurz auf die neuen Medien und deren Einfluss auf Jugendliche eingegangen werden, um einen allumfassenden Einblick in das Thema zu erlangen und auch darzustellen, wie schnell sich diese Medien entwickeln. Dies setzt wiederum eine stetige Beschäftigung mit dem Thema voraus, um mit der Entwicklung Schritt zu halten und sie auch nutzen kann. Dann soll es in den nächsten Kapiteln ausschließlich um die Daily Soaps und deren Verwendung im Deutschunterricht gehen, also um einen konkreten Unterrichtsentwurf.
2. Einfluss neuer Medien auf Jugendliche
Medien sind aus unserem Leben kaum noch wegzudenken und dienen unter anderem unserer alltäglichen Unterhaltung. Während die Entwicklung neuer Medien und Formate eher zäh und in Jahrzehntschritten voran ging, ist man heutzutage schnell nicht mehr up-to-date was das Internet, die Programm-landschaft, Playstation und Co. betrifft. Diese Medien halten Einzug in alle Lebensbereiche und bestimmen zum großen Teil ihr Alltagsgeschehen. Hauptsächlich werden diese elektronischen Medien jedoch in der Freizeit genutzt, wovon SchülerInnen unter der Woche pro Tag rund vier bis acht Stunden haben, ca. elf Stunden stehen ihnen zur freien Beschäftigung am Wochenende zur Verfügung. Aus der 14. Shell Jugendstudie aus dem Jahre 2002 zu den „Häufigsten Freizeitbeschäftigungen von zwölf- bis 25jährigen“ 3 geht hervor, dass bei der Gestaltung ihrer Freizeit das Treffen mit Bekannten an erster Stelle steht, gefolgt vom Fernsehen. Auf Platz drei steht der Sport und der vierte Platz wird von dem Internetsurfen besetzt. Es ist also deutlich erkennbar welchen hohen Stellenwert die elektronischen Medien einnehmen. Jugendliche besitzen zunehmend immer mehr elektronische Medien, die sie meist ohne
3 Simon, S. 86.
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Einfluss neuer Medien auf Jugendliche
Einschränkungen nutzen können. Bereits im Jahr 2002 hatten 66% aller zwölf- bis 19jährigen einen eigenen Fernseher und die Möglichkeit das Internet zu nutzen 4 . Natürlich sind auch noch andere Medien wichtig für die Jugendlichen, doch möchte ich mich in dieser Arbeit auf Internet und Fernsehen beschränken.
Sieht man sich beispielsweise das Internet an, das vor ca. 40 Jahren nur Netzwerke miteinander verbunden hat, gibt es dem heutigen Nutzer die Möglichkeiten zu telefonieren, fernzusehen, rund um die Uhr einzukaufen und vieles mehr. Doch diese Entwicklung geschah nicht nach und nach in den letzten 40 Jahren, sondern realisierte sich explosionsartig in den letzten zehn Jahren. In viele Bereiche drang das Internet ein und veränderte so nachhaltig die Gesellschaft. Man verabredet sich nicht mehr per Telefon, sondern chattet bei „MSN“, „Skype“, „ICQ“ oder vielen anderen Portalen. Hier findet man auch den Partner fürs Leben, den richtigen Job, oder Hilfe für Hausarbeiten und Referate für die Schule und das Studium. Auch beim Einkauf muss man nicht mehr die lokalen Ladenöffnungszeiten beachten, denn geshoppt werden kann rund um die Uhr und auf der ganzen Welt, da man ja auch seine Liquidität per Onlinebanking mit einem Mausklick abrufen kann. Aus den Augen verliert man sich nicht mehr, denn bei Portalen wie „StudiVZ“, „Facebook“, „Jappy“ oder „Xing“ geht eigentlich niemand seiner Freunde verloren. Dort stellt man sich und seine Karriere dar oder man wird sogar gleich berühmt, durch das Einstellen seines Könnens als Video bei „My Video“ oder „Youtube“.
Das Internet kennt keine Grenzen mehr, doch mit den ganzen Vorteilen häufen sich auch die Gefahren, die es nun gilt richtig zu erkennen und einzuschätzen. Es entstehen ganz neue Krankheitsbilder, Privatsphärenverletzungen und kriminelle Energien. Die Kaufsucht wird noch schwieriger zu kontrollieren, Kinder verlieren sich stundenlang in Internetspielen, Mobbingopfer sitzen hier wehrlos auf dem Präsentierteller und Onlinekonten sind nur ein Passwort entfernt. Deshalb kann die Entwicklung des Internets nicht einfach verteufelt oder gar ignoriert werden. Die Gesellschaft muss sich dementsprechend auch weiter entwickeln. Gerade Jugendliche dürfen nicht mit Sanktionen belegt werden, sondern müssen einen adäquaten Umgang mit dem Medium lernen
4 Simon, S. 97.
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Einfluss neuer Medien auf Jugendliche
und auf die Gefahren, die sich dort für sie ergeben, aufmerksam gemacht werden. Da diese Entwicklungen jedoch unaufhaltsam sind, sollte man sie eher sinnvoll nutzen, als sich dagegen zu verschließen. Dies gilt für Eltern und Pädagogen gleichermaßen.
Jedes Medium verlangt eine angemessene Rezeption, die den Unterschied zwischen bloßem Berieseln und sinnvollem Nutzen macht. Das Fernsehen bietet keine große Vielfalt an Möglichkeiten wie das Internet, doch wird es deshalb nicht weniger von Jugendlichen genutzt. Viele Jugendliche mit eigenem Fernseher nutzen diesen auch regelmäßig, wie das Diagramm zur „Verteilung der Fernsehnutzungsdauer in Stunden unter den befragten Jugendlichen“ 5 . Es wurden in einer Stichprobe 423 Jugendliche im Alter von elf bis 18 Jahren im Jahr 2002 befragt.
30 Anteil der Jugendlichen von 11-18 Jahren in %
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Unabhängig von der Qualität der Fernsehsendungen, wird hier die Quantität dargestellt, die zeigt, dass ein Durchschnitt von bis zu drei Stunden am Tag erreicht wird. Das Fernsehen nimmt also einen Großteil der Freizeit der Jugendlichen in Anspruch und sollte gerade deshalb mehr Beachtung in Hinsicht auf Medientraining finden. Genutzt wird das Fernsehen, um Langeweile zu vertreiben und um Spaß und Unterhaltung geliefert zu bekommen.
5 Simon, S. 99.
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Medien im Deutschunterricht
3. Medien im Deutschunterricht
Die neuen Medien werden meist entweder mit Euphorie betrachtet und eingesetzt oder aber es findet eine totale Verweigerung unter den LehrerInnen statt. Beides ist nicht sinnvoll, da nur der gezielte Einsatz der Medien im Unterricht auch Lernziele verfolgen kann, doch Verlegenheitseinsätze der Medien verpuffen und haben gar keinen Effekt auf das Lehren und Lernen. Der Fernseher ist kein wirklich neues Medium mehr, jedoch sehen viele LehrerInnen das Fernsehen als neu, unkontrolliert und schlecht an und verzichten im Unterricht komplett auf den Einsatz dieses Mediums. Doch verweigern sollten sich LehrerInnen keinesfalls, da man einen Großteil der heutigen Mediennutzung außer Acht lassen würde. Natürlich muss die technische Ausstattung in der Schule gegeben sein und ein passendes pädagogisches Konzept zum jeweiligen Medium entwickelt werden, damit das Medium das bisherige Lernen erweitern und ergänzen kann 6 .
Besonders die jüngeren Generationen reagieren schnell auf neue Medien und eignen sich ebenso schnell deren Benutzung an. So scheint die Anwendung von Computern, Handys und neuen Spielkonsolen innerhalb kürzester Zeit in den Alltag aufgenommen zu werden. Doch bedeutet die reine Anwendung auch, dass der richtige Umgang mit dem Medium gewährleistet ist? Diese Frage sollte vor allem auch LehrerInnen beschäftigen, die eben diesen Generationen etwas vermitteln wollen und sich der Entwicklung unserer Mediengesellschaft ebenfalls nicht entziehen können bzw. sollten. Letztlich entscheidet „der kompetente Nutzer“ 7 und nicht die einzelnen Medien wie sie verwendet oder aufgenommen werden. Die Kenntnisse zu den einzelnen Medien sollten unter anderem auch in der Schule vermittelt werden und so die Medienkompetenz der SchülerInnen erweitern und fördern. Doch welche Medien lassen sich besonders gut in den Deutschunterricht integrieren und welche stellen eher Stolpersteine dar? Diese Frage sollte sich jede Lehrkraft bei der Vorbereitung einer Unterrichtseinheit stellen und dabei berücksichtigen, dass es grundsätzlich auf
6 vgl. http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/gym/mmdidaktik/multimediadidaktik. htm
7 Ingendahl, Werner: Unterhaltung: „Massenmedium“ oder „Popkultur“? Gehört so etwas in den Deutschunterricht? in: Literatur im Unterricht 1/2004, S. 61.
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Arbeit zitieren:
Daniela Wolters, 2009, Medien im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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