Für die Bearbeitung des Textabschnittes aus Apg 8,14-25 habe ich mich aus mehreren Gründen für die Luther-Übersetzung in der revidierten Fassung von 1984 1 entschieden: Meiner Meinung nach löst sie den Spagat zwischen Genauigkeit und Stil für die Zwecke einer Exegese ganz gut: auf der einen Seite versucht sie, die grammatische Struktur des griechischen Textes annähernd beizubehalten, achtet aber auf der anderen Seite auch auf Mehrdeutigkeit der Worte (Polysemie) und weicht auch von grammatischen Strukturen ab, wenn eine wörtliche Übersetzung (wie zum Beispiel Genitive, Dative und Partizipien) im Deutschen nur schwer, oder gar nicht verständlich wäre. Je nach Zielgruppe müssten aber einige Worte (z. B. V. 22: Buße) erklärt werden, damit sie heute noch verstanden werden können. Wenn ich eine noch präzisere Wiedergabe von grammatischen Strukturen oder eine wörtlichere Übersetzung der im Griechischen verwendeten Worte brauche, benutze ich das „Konkordante Neue Testament“ 2 , dass die Verständlichkeit der Luther-Übersetzung aber nicht immer erreicht. Einige weitere Übersetzungen dienen dem zusätzlichen Vergleich. 3 Anhand von Apg 8,15-17 kann man besonders gut sehen, wie Sätze klar gegliedert sind und Abhängigkeiten beachtet werden:
15 Die kamen hinab
16
17
In Vers 20 sieht man, wie darauf geachtet wurde, die Mehrdeutigkeit im Griechischen angemessen zu übersetzen. Das KNT übersetzt: „Dein Silber sei mit dir zum Untergang“. „argurion“ heißt zwar auch Silber, wird aber allgemeiner auch für Geld verwendet und wäre hier angebrachter, vor allem weil davor in Vers 18 von „crhma“ (Geld, Geldsumme, Vermögen) die Rede ist. Die RevELB übersetzt: „Dein Geld fahre mit dir ins Verderben“, die LUT84 bringt mit „Dass du verdammt werdest mitsamt deinem Geld“ den Aspekt noch deutlicher rüber, dass es dabei um den Verlust des Ewigen Lebens geht. 4 Genauso auch in Vers 21, wo das KNT (ähnlich wie die S2000) übersetzt: „Dir ist kein {An}teil und kein Los an diesem Wort {beschieden}“. „kleroj“ heißt zwar in erster Linie „Los“, kann aber auch den (zugelosten) Anteil meinen, auf den man einen Anspruch hat. Auch für „logoj“ passt in diesem Fall die Übersetzung „Sache (über die gerade gesprochen wurde)“ 5 eher, als die vom KNT benutzte Hauptbedeutung „Wort“. Die LUT84 übersetzt hier verständlicher mit „Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache“.
1 Thompson Studienbibel (Luther 1984), Neuenhausen-Stuttgart: Hänssler 1986
2 Konkordantes Neues Testament, 6. Auflage 1995, Konkordanter Verlag Pforzheim, ISBN 388475-008-3, 3 Revidierte Elberfelder (RevELB), Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), Schlachter 2000 (S2000), Einheitsübersetzung (EÜ), Konkordantes Neues Testament (KNT), Neues Leben (NeL), Gute Nachricht (GN), Neue Evangelistische Übertragung (NeÜ), Hoffnung für Alle (HFA)
4 Griechisch-Deutsches Strong-Wörterbuch der „Online Bibel“: G684 5 Griechisch-Deutsches Strong-Wörterbuch der „Online Bibel“: G3056
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Der behandelte Text ist Teil der Apostelgeschichte, die nach Neudorfer um ca. 61/62 nC 6 vom Evangelisten, Arzt und Historiker Lukas 7 an einen gewissen Theophilus, vielleicht einem Beamten in Rom, der dem Christentum mindestens positiv gegenüber stand, geschrieben wurde. Aufgabe dieser Ausarbeitung ist es, einen Überblick über das achte Kapitel zu geben, und die Verse 14-25 ausführlicher auszulegen. Fragen, die in diesem Zusammenhang untersucht werden sollen, sind unter anderem: Wieso müssen die Apostel aus Jerusalem nach Samarien kommen? Wieso erhalten die Samaritaner den Heiligen Geist erst durch die Handauflegung der Apostel? Kann man eine Regel ableiten, nach der die Erfüllung durch den Heiligen Geist geschieht? Ist das, was die Samaritaner erleben (Erfüllung durch den Heiligen Geist erst später nach der Taufe durch Handauflegung) normal und welche Bedeutung hat das für die Gemeinde heute?
III. ANALYSE
Literarischer Kontext
Lukas beschreibt in Kapitel acht, wie eine Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem Enger
Kontext
ausbricht und die Christen fliehen müssen. Der Blick wird dabei ganz auf Philippus, einen Diakon und Evangelisten, gerichtet, der durch Samaria zieht und Christus predigt. Seine Botschaft wird von Dämonenaustreibungen und Heilungen begleitet, so dass die Menschen bereitwillig zuhören und eine große Freude entsteht. Wo die Menschen im Bann eines Zauberers mit Namen Simon gefangen waren, wenden sie sich jetzt der frohen Botschaft zu, glauben ihr und lassen sich taufen. Auch Simon glaubt schließlich und lässt sich ebenfalls taufen.
Die Erweckung kommt auch den Aposteln in Jerusalem zu Ohren und so schicken sie Petrus und Johannes, die für die Samaritaner beten sollen, weil diese den Heiligen Geist noch nicht erhalten haben. Als der (ehemalige) Zauberer Simon sieht, dass die Menschen, denen Petrus und Johannes die Hände auflegen, tatsächlich vom Heiligen Geist erfüllt werden, bietet er ihnen Geld an und bittet sie, ihm diese Fähigkeit ebenfalls zu verleihen. Darauf weist Petrus ihn hart zurecht und fordert ihn auf, seine Sünde zu bereuen und sich von Grund auf zu ändern, weil er sieht, dass Simon noch gar nicht zu Gott gefunden hat. Simon bittet Petrus, für ihn zu Gott zu beten, um eine mögliche Strafe abzuwenden. Nachdem die Apostel wieder nach Jerusalem zurückgekehrt sind, berichtet Lukas, wie Philippus auf einer einsamen Straße einen äthiopischen Finanzminister trifft, der eine lange Reise auf sich genommen hatte, um im Tempel in Jerusalem zu beten. Dieser Äthiopier ist in einen Text des Propheten Jesaja vertieft, hat aber Probleme, ihn zu verstehen. Hier kann Philippus anknüpfen und dem Reisenden das Evangelium von Jesaja her erklären. Davon ergriffen, lässt sich der Äthiopier taufen und zieht als neuer Mensch weiter.
6 Vgl. Neudorfer, Heinz-Werner: Apostelgeschichte 1. Teil (Edition C), Neuenhausen-Stuttgart: Hänssler 1986, S. 8f 7 Vgl. Stott, John: Die Botschaft der Apostelgeschichte, Holzgerlingen: Hänssler Theologie 2000, S. 20-36
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SEMINAR APG: EXEGESE ZU APOSTELGESCHICHTE 8,14-25 ABEL HOFFMANN
Eingebettet sind diese Ereignisse in die Erzählungen von den Anfängen der ersten christ-
lichen Gemeinden und dem Wirken Jesu durch seine Nachfolger. In Kapitel zwei berichtet Lukas, wie die Christen vom Heiligen Geist erfüllt werden und damit eine wichtige Grundlage für ihr Leben als Christen erhalten: unerschrockenes Bekennen, eine neue Leidenschaft für Jesus und füreinander und viele Zeichen und Wunder, die unter ihnen geschehen, sind Zeugen davon. Die erste Zeit ist von Selbstlosigkeit, enger Gemeinschaft und Wachstum geprägt, wobei die Gemeinde aber auch schon hier nicht von Versuchungen verschont bleibt: Mehrmals werden Apostel verhaftet und von den Priestern und Schriftgelehrten verhört, einige Gemeindeglieder versuchen sich Anerkennung zu erschleichen, bezahlen dafür aber mit dem Leben und erste Streitereien tauchen in der Gemeinde auf, weil sich die Griechisch sprechenden Juden sich in der Versorgung ihrer Witwen vernachlässigt fühlen. Um dieses Problem zu lösen und die Apostel zu entlasten, werden sieben Diakone gewählt, unter denen sich auch Philippus befindet.
Nach Kapitel acht wendet sich Lukas’ Blick wieder anderen Personen zu: Er berichtet von Paulus’ Bekehrung, von Gottes Wirken an Petrus und dem Prozess, dass Heiden als vollwertige Mitglieder des neuen Volkes Gottes anerkannt werden. Ab Kapitel 13 lesen wir dann hauptsächlich von Paulus’ Missionsreisen.
Das achte Kapitel ist als eine Überleitung zu sehen: es zeigt, wie die Christen beginnen Grenzen zu sprengen und sich die Verheißung Jesu in Apg 1,8 Schritt für Schritt zu erfüllen beginnt: Das Evangelium breitet sich langsam über die Grenzen Jerusalems und Judäas in Richtung Samaria und mit dem Äthiopier darüber hinaus, bis an das Ende der Welt aus. Es zeigt die Anfänge der Mission unter Heiden und damit die Erfüllung der Prophetie, dass einmal auch die Heiden zum Volk Gottes gehören werden (Jes 49,6).
Insgesamt kann man das achte Kapitel in fünf Teile gliedern:
I. 8,1-3: Eine Christenverfolgung, an der Saulus aktiv beteiligt ist, bricht aus, als Folge dessen zerstreuen sich die Christen.
II. 8,4-13: Philippus predigt den Samaritanern, viele von ihnen nehmen Jesus Christus an und lassen sich taufen, auch ein Zauberer mit Namen Simon kommt zum Glauben. III. 8,14-17: Nachdem Petrus und Johannes für die getauften Samaritaner beten und ihnen die Hände auflegen, erhalten diese den Heiligen Geist.
IV. 8,18-25: Simon will, wie die Apostel, die Fähigkeit besitzen, anderen durch Handauflegung den Heiligen Geist zu verleihen, er wird dafür aber hart zu Recht gewiesen. V. 8,26-40: Philippus trifft einen äthiopischen Finanzminister, der sich taufen lässt, nachdem ihm Philippus die Heilige Schrift erklärt.
Ich habe mich entschlossen eine Exegese des dritten und vierten Teils zu erarbeiten, weil diese Abschnitte eine Schlüsselposition einnehmen, zusammen eine Einheit bilden und vor allem interessante Fragen aufwerfen.
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Arbeit zitieren:
Abel Hoffmann, 2006, Exegese zu Apostelgeschichte 8,14-25, München, GRIN Verlag GmbH
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