Da ich Griechisch noch nicht in dem Maße beherrsche, dass ich den zu behandelnden Text eigenständig übersetzen könnte, bin ich auf eine vorhandene Übersetzung angewiesen. Ich habe mich aus mehreren Gründen für das „Konkordante Neue Testament 1 “ (im Folgenden auch KNT) entschieden: Da sich das Konkordante Neue Testament eng an die grammatische Struktur des griechischen Grundtextes anlehnt und versucht, diese möglichst genau wiederzugeben, kann man bei ihr den gedanklichen Aufbau besonders gut analysieren. Die Übersetzer haben außerdem versucht „sich allein auf den Wortlaut des Grundtextes zu stützen und nicht von anderen Übersetzungsmethoden und kirchlichen Dogmen beeinflussen zu lassen. Ihre Intention ist also eine möglichst grundtextnahe Wiedergabe.“ 2 Problematisch könnte der Ansatz der KNT sein, das gleiche Wort im Griechischen auch im Deutschen nach Möglichkeit immer mit demselben Wort zu übersetzen, wobei die letztendliche Bedeutung aber oft stark vom Kontext abhängt. Aus diesem Grund nehme ich die Luther 1984 (LUT84), die den Spagat zwischen Genauigkeit und Stil relativ gut löst, zur Hilfe. Einige weitere Übersetzungen 3 dienen dem zusätzlichen Vergleich.
17 Deshalb werdet nicht unbesonnen, sondern {sucht zu} verstehen, was der Wille des Herrn {ist}. 18 Berauscht euch auch nicht {mit} Wein, {was} zu{r} Liederlichkeit führt, sondern werdet mit Geist erfüllt, 19 {so daß ihr zu}einander in Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern sprecht {und} dem Herrn in eueren Herzen singt und {zum} Saitenspiel {lobsing}t, 20 für alles dem Gott und Vater i{m} Namen unseres Herrn Jesus Christus allezeit dankend, 21 euch einander unterordnend in {der} Furcht Christi. 22 Die Frauen sollen sich {ihren} eigenen Männern unterordnen, als {gälte es} dem Herrn; 23 d{enn der} Mann ist {das} Haupt der Frau, wie auch Christus {das} Haupt der herausgerufenen {Gemeinde ist}. Überdies ist Er {auch} Retter {Seiner} Körper{schaft}. 24 Doch wie die herausgerufene {Gemeinde} sich Christus unter-ordnet, so {seien} auch die Frauen in allem {ihren} Männern {untertan}.
1 Konkordantes Neues Testament, 6. Auflage 1995, Konkordanter Verlag Pforzheim, ISBN 388475-008-3, http://www.konkordanterverlag.de
2 Freie Enzyklopädie Wikipedia: „Konkordante Bibelübersetzung“, (Online), Url: http://de.wikipedia.org/wiki/ Konkordante_Bibel%C3%BCbersetzung; 24.05.2005, 18 Uhr
3 Revidierte Elberfelder (RevELB), Elberfelder 1871 (ELB1871), Schlachter 2000 (S2000), Einheitsübersetzung (EÜ), Neues Leben (NeL), Gute Nachricht (GN), Neue Evangelistische Übertragung (NeÜ), Hoffnung für Alle (HFA), New Revised Standard Version (NRS), New King James (NKJ), New American Standard Bible (NASB)
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Gegenstand und Aufgabe der Arbeit
Der behandelte Text ist Teil des Epheser-Briefes, der nach Mauerhofer um ca. 62 nC von Paulus in Rom an die Gemeinde in Ephesus geschrieben wurde. 4 Ausgelegt wird der Textabschnitt aus Kap 5, die Verse 17-24.
Parallelen zum Text finden sich auch in Kol 3,16ff und 1Petr 2f, wo aber nicht ganz so ausführlich auf die Thematik eingegangen wird, wie im Brief an die Epheser. Ein starker inhaltlicher Zusammenhang (teilweise fast wörtlich) zwischen den Stellen kann aber nicht geleugnet werden.
Aufgabe ist, die im Unterricht erlernten Methoden, dem Text und Thema des Textes angemessen, einzusetzen und die Analysen, Interpretationen und Beobachtungen interpretiert, übersichtlich und strukturiert zu präsentieren.
Fragen, die behandelt werden
Fragen, die im Folgenden behandelt werden sind zum einen strukturelle: Was sind die Themen des Textabschnittes, wie sieht der gedankliche Aufbau aus, bildet der Textabschnitt überhaupt einen zusammenhängenden Gedanken, wohin gehört dabei Vers 21 und welche Rolle spielt er? Aber auch inhaltliche Fragen sind Gegenstand der Arbeit: Was sind die Folgen des Erfüllt-Seins mit dem Heiligen Geist und der Erkenntnis von Gottes Willen, wie sieht richtiger Lobpreis aus und was bedeutet die Unterordnung der Frau unter den Mann?
III. ANALYSE
Literarischer Kontext
Paulus bezeichnet die Epheser als geliebte Kinder und fordert sie als solche auf, nach Gottes Enger
Kontext
Beispiel in der Liebe zu leben (Vv. 1-2). Er zeigt auf, wovor sie sich hüten sollen und begründet es damit, das alles Böse von Gottes Licht aufgedeckt und entlarvt wird (V. 13). Die Epheser sollen also weise handeln und danach suchen, Gottes Willen zu verstehen. Auf dieser Grundlage beschreibt Paulus, wie dieses Leben in der Liebe aussehen sollte. Luther gibt dem Abschnitt ab V. 21 (bzw. V. 20, s. U.) die treffende Überschrift „Die christliche Haustafel“ und tatsächlich wird hier bis Eph. 6,9 das Miteinander der Menschen, die in einem Haushalt zusammenlebten - damals gehörten im Gegensatz zu heute auch Sklaven dazu - ausführlich beschrieben: Die Beziehung der Frauen zu den Männern und umgekehrt. Die Beziehung der Kinder zu den Eltern, sowie der Väter zu ihren Kindern und zum Schluss das Verhältnis zwischen Herren und Sklaven.
4 Vgl. Mauerhofer, Erich, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments 2: Römer - Offenbarung, Holzgerlingen: Hänssler Theologie 2 1999, S. 123-133
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EXMETH: EXEGESE ZU EPHESER 5, 17-24 ABEL HOFFMANN
Eingebettet ist diese Christliche Haustafel in den Ermahnenden Teil des Epheserbriefes,
der sich von Kap 4,1 bis 6,20 erstreckt und an Paulus’ Erörterungen zum Geheimnis des göttlichen Heilsplanes (Kap 1,3-3,21) anschließt. Diese beiden Themen sind die Hauptpunkte des Epheserbriefes und werden nur noch von der Einleitung (Kap. 1,1-2) und dem Briefschluss (Kap. 6, 21-24) eingerahmt. 5
Der Abschnitt Eph 5, 17-24 schneidet zwei Themen an, genauer gesagt sind die Verse
17-21 der Abschluss des vorhergehenden Themas, welches das Leben in der Liebe nach Gottes Beispiel beschreibt und die Verse 22-24 der Anfang der Christlichen Haustafel, die zwar auf die vorhergehenden Verse aufbaut, aber trotzdem eine eigenständige Einheit darstellt.
Auffällig ist, dass die Übersetzungen den Text unterschiedlich unterteilen: in der LUT84 und den meisten neuen Übersetzungen (RevELB, GN, HFA, NeL, S2000, NRS) gehört Vers 21 zum neuen Thema:
20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.
Das KNT zieht (wie auch die EÜ, ELB1871, NeÜ, NKJ, NASB) den Trennstrich zwischen den Versen 21 und 22:
20 für alles dem Gott und Vater i{m} Namen unseres Herrn Jesus Christus allezeit dankend, 21 euch einander unterordnend in {der} Furcht Christi. 22 Die Frauen sollen sich {ihren} eigenen Männern unterordnen, als {gälte es} dem Herrn;
Leider kann ich die Gründe dieser unterschiedlichen Einteilung (noch) nicht direkt am Grundtext nachvollziehen und richte mich in meiner Einteilung nach der Übersetzungsvariante des KNT, die ich auch etwas schlüssiger finde (mehr dazu s. U.: IV 1b). Historischer Kontext 6
Ephesus war in vielen Hinsichten eine typisch helenistische Stadt, mit allem, was zur griechisch-römischen Kultur und Weltanschauung, inklusive der Rolle der Frau, dazugehörte. Schaut man sich die damaligen Philosophen und Schriftsteller an, fällt auf, dass die Frau, vor allem in den niederen Bevölkerungsschichten, kein großes Ansehen besaß: in Griechenland spielte sie eine doppelte Rolle: „gesunden Söhnen das Leben zu schenken (als Ehefrau) und Mittel zum Vergnügen zu werden (als Kurtisane).“ Nach Aristoteles (4. Jhdt vC) „sind die Frauen unvollkommene Männer“ und alle „ohne Wert“. Bildung wurde ihnen größtenteils verwehrt und oft hatten sie, außer zu religiösen Festen, noch nicht einmal das Recht, das Haus zu verlassen.
5 Vgl. Mauerhofer, Erich, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments 2: Römer - Offenbarung, Holzgerlingen: Hänssler Theologie 2 1999, S. 122
6 Vgl. Kuen, Alfred, Die Frau in der Gemeinde, Wuppertal: R. Brockhaus 1998, S. 34-47, sowie Köstenberger, Andreas J. (Hg.) u. A., Frauen in der Kirche, Gießen: TVG Brunnen 1999, S. 63-68
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EXMETH: EXEGESE ZU EPHESER 5, 17-24 ABEL HOFFMANN
So versuchten sie die Benachteiligung durch Religion auszugleichen: Zu erwähnen wären hier vor allem der Dionysoskult, wo es zu Exzessen kam und bei dem die Zusammenkünfte durch Extasen, Zungenreden, Prophetien und Obszönitäten geprägt waren, sowie die Mysterienkulte, bei denen die Frauen unverschleiert, mit unschicklicher Kleidung oder ganz nackt auftraten.
Auch im Judentum nahmen Frauen (hier aber vor allem in den Städten, in der oberen Bevölkerungsschicht) zur damaligen Zeit nicht am öffentlichen Leben teil. Sie durften nur verschleiert aus dem Haus, wurden nicht im Gesetz unterwiesen und vermieden sogar in der eigenen Familie Kontakt mit den mänlichen Familiengliedern. Josephus Flavius fasst das Denken der Zeit mit den Worten „Das Gesetz sagt: Die Frau ist dem Mann in allen Dingen unterlegen“ treffend zusammen. Dabei war diese Haltung im Judentum nicht schon immer selbstverständlich: Im Alten Testament gab es durchaus mehr Freiheiten für Frauen - einige wurden sogar ziemlich bekannt und galten als Vorbilder (z. B. Sarah, Mirjam, Deborah, Ruth, Hannah, Hulda). Erst nach dem babylonischen Exil wurden die Rechte im öffentlichen und religiösen Leben beträchtlich eingeschränkt. Besonders stark kommt das im apokryphen Buch Jesus Sirach zum Ausdruck, wo es heißt: „Wenn sie (die Ehefrau) dir nicht auf Wort und Wink folgt, dann schicke sie weg“ (25,26) oder „Selbst die Schlechtigkeit eines Mannes ist immer noch besser als die Güte einer Frau“ (42,14).
Mit diesem Hintergrund sieht man im Christentum und in den Empfehlungen des Paulus viel mehr eine starke Aufwertung und Achtung der Frau, als eine Beschränkung ihrer Rechte. Paulus’ Aufforderung zu Demut und Bescheidenheit dürften damals auch nicht ungewöhnlich oder unangenehm gewirkt haben. Auch in den höheren hellenistischen Bevölkerungsschichten, denen wohl einige Frauen der Gemeinde in Ephesus angehörten, waren Bescheidenheit und Demut maßgebliche Ideale: „Die besondere Tugend einer Frau ist Bescheidenheit, denn dadurch ist sie in der Lage ihren Mann zu ehren und zu lieben“ (Phintys, Tochter des Callicrates, eines pythagoräischen Philosophen). Auch Plutarch (der aber erst nach Paulus wirkte) gab in seinen Schriften Anweisungen zum äußeren Erscheinungsbild, Bescheidenheit und Schweigen, die noch strenger wirken, als Paulus’ Anordnungen. Paulus’ Empfehlungen sollten also den Neubekehrten, die aus dem Heidentum kamen, helfen, Darstellungen und Praktiken nicht in den christlichen Gottesdienst zu übertragen. Die Verwechslung und Vermischung des Gottesdienstes für den heiligen Gott mit dem Gottesdienst und den orgiastischen Kulten für falsche Götter sollte dadurch vermieden werden.
IV. KOMMENTAR
1. Seid geisterfüllt, lobt Gott und ordnet euch einander unter
a) V. 17-18: Erkennt Gottes Willen und lasst euch vom Heiligen Geist erfüllen.
Der Abschnitt fängt mit „deshalb“ an, ist also Teil der Schlussfolgerungen, die Paulus aus
seinen Ausführungen ab Kapitel vier zieht: Als Antwort darauf, dass sie nun Kinder des Lichts sind und im Bewusstsein, dass vor Gott alles Böse aufgedeckt und offenbar wird, sollen die Epheser den Willen Gottes erkennen und sich vom Heiligen Geist erfüllen lassen.
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Abel Hoffmann, 2005, Exegese zu Epheser 5,17-24, München, GRIN Verlag GmbH
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Aussagen des Neuen Testaments über die Rolle der Frau
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
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