Stephanie Schrön Eduard Bernstein
I. Einleitung
Meine Hausarbeit beschäftigt sich mit dem sozialdemokratischen Politiker Eduard Bernstein. Er wird auch als der „Vater des Revisionismus“ 1 bezeichnet. Sein Wirken erstreckte sich von 1872, seinem Eintritt in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), bis 1921, als Gastredner an der Berliner Universität. Ich werde Bernsteins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914 thematisieren.
Beginnen werde ich die Arbeit mit seiner Biographie. In dieser Biographie seien nur die wichtigsten Daten und Ereignisse genannt, die für dieses Thema relevant sind. Der Hauptteil der Arbeit konzentriert sich auf Bernsteins außenpolitisches Denken bis zum Kriegsbeginn 1914. Die Themen umfassen unter anderem die Kolonialpolitik, Bernsteins Stellungsnahme zu Polen und das Wettrüsten mit Eng-land. In der Schlussbetrachtung gehe ich auf den Einfluss Bernsteins in der Politik ein und ob er die gesellschaftliche Entwicklung erkannte.
Nach der Aufschwungphase der Wirtschaft 1895 wurde nach einer neuen revolutionsstrategischen Interpretation verlangt. Bernstein hatte den Versuch unternommen, die Theorie der Realität an-
1 Fletcher,Revisionism and Empire. Socialist Imperialism in Germany 1897-1914. London
1984, S. 126.
2 Manfred Asendorf / Rolf von Bockel (Hrsg.), Demokratische Wege: deutsche Lebensläufe
aus fünf Jahrhunderten. Stuttgart 1997
3 Eduard Bernstein, Der Revisionismus in der Sozialdemocratie. Ein Vortrag gehalten in
Amsterdam vor Akademikern und Arbeitern. Amsterdam 1909
4 Eduard Bernstein, Aus den Jahren meines Exils. Berlin 1918
5 Francis Ludwig Carsten, Eduard Bernstein 1850-1932. Eine politische Biographie. Mün-
chen 1993
6 Roger Fletcher, Revisionism and Empire.
7 Herbert Frei, Fabianismus und Bernstein’scher Revisionismus 1884-1900. Eine ideologie-
komparatistische Studie über wissenschaftstheoretische, philosophische, ökonomische,
staatstheoretische und revolutionstheoretische Aspekte der Marx’schen, fabischen und
Bernstein’schen Theorie. Bern 1979
8 Dieter Groh / Peter Brandt, „Vaterlandslose Gesellen“. Sozialdemokratie und Nation 1860-
1990.München 1992
9 Teresa Löwe, Der Politiker Eduard Bernstein. Eine Untersuchung zu seinem politischen
Wirken in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1924). Bonn 2000
10 Paul Mayer, Neue Deutsche Biographie. Zweiter Band. Berlin 1955
11 Ehrenfried Pößneck, Eduard Bernstein. Eine Dokumentation seiner politischen Anschau-
ungen. Politisch-philosophische Studientexte der Leipziger Gesellschaft für Politik und
Zeitgeschichte e.V. o.J.
12 Peter Zolling, Deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart. Wie Deutschland wurde,
was es ist. Bonn 2005
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zupassen, während die sich formierende Linke nach einem geschichtsphilosophischen Ansatz suchte.
II. Biographie
Eduard Bernstein wurde am 6. Januar 1850 in Berlin geboren. Er war ein sozialdemokratischer Theoretiker und Politiker. Aus finanziellen Gründen musste er das Gymnasium verlassen, um von 1866 bis 1878 als Bankkaufmann zu arbeiten. 1872 trat er der SDAP bei. 2 Ausschlaggebend dafür war eine Festrede die August Bebel vor dem Demokratischen Arbeiterverein in Berlin hielt und Bernstein sehr beeindruckte. 1875 kam es zur Vereinigung mit dem 1863 von Ferdi-nand Lassalle, einem Radikaldemokraten, der sich für die Einführung einer demokratischen Verfassung einsetzte, gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) und der SDAP. Bernstein arbeitete mit der unbestrittenen Leitfigur der deutschen Sozialdemokratie August Bebel und Wilhelm Liebknecht das „Gothaer Programm“ für den Einigungsparteitag aus. Drei Jahre später wurde er literarischer Privatsekretär des sozialdemokratischen Mäzen Karl Höchberg. „Höchberg, Sohn eines reichen Bankiers, hatte Erbe und persönliche Fähigkeiten in den Dienst der Arbeiterbewegung gestellt.“ 3 Durch Höchberg, der die erste wissenschaftliche Zeitschrift des Sozialismus „Die Zukunft“ herausgab, bekam Bernstein erstmals die Möglichkeit, Zeitungsartikel zu veröffentlichen. Nach dem Erlass des Bismarckschen Sozialistengesetzes im Oktober 1878 wurde „Die Zukunft“ eingestellt und er zog mit Höchberg nach Zürich. Am 19. Oktober 1878 wurde mit der Stimmenmehrheit der Konservativen und Nationalliberalen das Gesetz „wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ 4 im Reichstag verabschiedet. „Bismarcks Intention war es, den zu- 2 TeresaLöwe, Der Politiker Eduard Bernstein. Eine Untersuchung zu seinem politischen
Wirken in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1924). Bonn 2000, S. 5.
3 Manfred Asendorf / Rolf von Bockel (Hrsg.), Demokratische Wege: deutsche Lebensläufe
aus fünf Jahrhunderten. Stuttgart 1997, S. 52.
4 www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/sozialistengesetz/index.html 14.08.2006.
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nehmenden Einfluss der Arbeiterbewegung in Politik und Gesellschaft mit polizeistaatlichen Mitteln auszuschalten und die sozialdemokratischen Strukturen zu zerschlagen.“ 5 Allerdings verstärkte das Sozialistengesetz eher die Opposition und stärkte ebenso das Klassenbewusstsein der Arbeiter. In Zürich wurde Bernstein Redakteur des „Sozialdemokrat“, welcher in der Schweiz herausgegeben wurde. Der „Sozialdemokrat“ galt „als offizielles Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge“ 6 und war der Reichsregierung ein Dorn im Auge. Im Jahr 1887 wurden Bernstein und drei weitere Sozialdemokraten auf Verlangen Bismarcks aus der Schweiz ausgewiesen. Bernstein verstand diesen Akt der Ausweisung als Nötigung. Daraufhin verlegte er seinen Wohnsitz sowie die Redaktion des „Sozialdemokrat“ nach London. Der ohnehin schon enge Kontakt zu Friedrich Engels wurde in London noch enger. 7 Nach der Tätigkeit als Redakteur für den „Sozialdemokrat“ nutzte Bernstein den Freiraum für ein volkswirtschaftliches Studium. Für Bernstein bestand nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 nicht die Möglichkeit nach Deutschland zurückzukehren, da gegen ihn ein Haftbefehl bestand. Er lebte als freier Schriftsteller weiterhin in London und war in der Zeit von 1890 bis 1899 Korrespondent des „Vorwärts“. 1899 veröffentlichte Bernstein sein Werk „Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie“, worin er den Revisionismus begründete.
Nach Aufhebung des Haftbefehls gegen ihn, kehrte er 1901 nach Berlin zurück. In den folgenden Jahren propagierte er in zahlreichen Zeitschriftenartikeln, Büchern und Vorträgen seine revisionistische Theorie. Bis 1905 gab er eine eigene Zeitschrift, „Dokumente des Sozialismus“, heraus. In der Folgezeit wurde Bernstein mehrmals als Reichstagsabgeordneter für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) in den Reichstag gewählt. In den Jahren 1902 bis 1907 saß er für die SPD als Abgeordneter des Wahlkreises Breslau-West im Reichstag. Von 1912 bis 1918 ebenfalls. Während des
5 www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/sozialistengesetz/index.html 14.08.2006.
6 Paul Mayer, Neue Deutsche Biographie. Bd. 2. Berlin 1955, S. 133.
7 Ebd.
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1. Weltkrieges stimmte Bernstein gegen die Kriegskredite, wie viele andere auch, und trat 1917 in die USPD ein, wobei er dort nur kurze Zeit vertreten war. Von 1920 bis 1928 vertrat er die SPD des Wahlkreises Potsdam als Reichstagsabgeordneter. „Nach dem Krieg nahm Bernstein entschieden Stellung gegen nationalistische Tendenzen innerhalb und außerhalb der eigenen Partei, bekämpfte aber zugleich auch, seiner revisionistischen Überzeugung treu bleibend, die auf die Kollektivierung der Produktionsmittel gerichtete Politik der Linkssozialisten“ 8 .
Auch in seinen letzten Lebensjahren war Bernstein politisch aktiv und hielt Gastvorlesungen an der Berliner Universität. Am 18. Dezember 1932 starb Eduard Bernstein in Berlin. In der Bozener Straße 18 in Schöneberg, seinem letzten Wohnort, erinnert eine im Jahr 1981 von Hans Jochen Vogel, ehemals regierender Bürgermeister von Berlin, enthüllte Gedenktafel an Bernstein. Sein Ehrengrab wird auf dem Friedhof Eisackstraße vom Land Berlin gepflegt.
III. Revisionismus
Allgemein bezeichnet der Begriff Revisionismus „das Streben nach Änderung eines bestehenden [völkerrechtlichen] Zustandes oder eines [politischen] Programms.“ 9 Bei Bernstein versteht man unter dem Begriff des Revisionismus die Bezeichnung für seine The-orie, die den Marxismus einer veränderten gesellschaftlichen Wirklichkeit anpassen wollte. Bernstein lieferte damit die theoretische Rechtfertigung für den Reformismus. Er versuchte zu beweisen, dass die Prognosen von Marx in Bezug auf die Verelendung des Proletariats und Vernichtung des Mittelstandes, sowie der Niedergang des Kapitalismus, nicht zutreffend waren. Der britische Historiker Roger Fletcher beschreibt Bernstein als den „Vater des Revisionismus“ 10 ,
8 Frei, Fabianismus und Bernstein’scher Revisionismus 1884-1900. Bern 1979, S.92.
9 Duden, Das große Fremdwörterbuch. Mannheim 2000, S. 1168.
10 Fletcher, Revisionism and Empire. Socialist Imperialism in Germany 1897-1914. London
1984, S. 126.
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Stephanie Schrön, 2006, Eduard Bernsteins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914, München, GRIN Verlag GmbH
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