Technische Universität Dresden Institut für Romanistik Seminar: Der Französische Roman des 18. Jhd.
HAUSARBEIT
«LES AVENTURES DE TÉLÉMAQUE»
Kunze, Silke-Katrin
7. Semester - Französisch / Englisch Lehramt Gymnasium
INHALTSVERZEICHNIS:
GRUNDLAGEN
FRAN ÇOIS FENELON
4
LOUIS XIV 6
DUC DE BOURGOGNE 8
LES AVENTURES DE TELEMAQUE 9
ROMANANALYSE
P ÄDAGOGISCHE ZIELE
12
POLITISCHE ASPEKTE 14
ZUSAMMENFASSUNG
19
BIBLIOGRAPHIE
PRIM ÄRLITERATUR 21
SEKUND ÄRLITERATUR
Grundlagen
François Fénelon
François de Pons de Salignac de la Mothe Fénelon wurde am 6. August 1651 auf Schloß Fénelon, Sainte-Mondane, Perigord, geboren. Seine Eltern, Pons de Salignac und Louise de la Cropte de Saint Abre, gehörten zum verarmten Hochadel. François hatte zwei Brüder, sowie elf Geschwister aus des Vaters erster Ehe. Obwohl für seinen Lebenslauf bis 1675 wenig gesicherte Kenntnisse vorliegen, scheint gewiß, daß er mit zwölf Jahren sehr gut Griechisch konnte und mit Eleganz Französisch und Latein schrieb. Außerdem studierte er wohl erst in Cahors und später Philosophie und Theologie in Paris. Daraufhin wurde er im Jahre 1675 Priester in Paris. Ihm 1678 vom Erzbischof von Paris anvertraut, übernahm er für zehn Jahre die „Leitung einer Erziehungsanstalt für zum Katholizismus bekehrte[r] Andersgläubige[r]“. 1 Im Rahmen dieser Tätigkeit verfaßte er 1687 De l’éducation des filles, eine Abhandlung, die neue pädagogische Methoden vorschlug. Durch sie, sowie die Unterstützung zweier Herren, des Herzogs von Beauvillier und Jacques-Bénigne Bossuets, „offizielle[r] Kanzelredner und Meister der oraison funèbre“ 2 , wurde der Pädagoge im August 1689 zum Erzieher des Thronerben, des Enkels Ludwigs XIV., des Herzogs von Burgund, ernannt. Er gab sein Bestes und verschaffte sich damit nicht nur die Freundschaft seines Schülers, sondern auch die Anerkennung des Königs. Letztere begann allerdings 1699 zu schwinden, als sein einzig und allein für den Thronerben gedachter Roman Les Aventures de Télémaque im April jenen Jahres an die Öffentlichkeit geriet. Der Grund: Ludwig XIV. stieß sich an dem, was er als Kritik an seiner Politik auffasste. Wem hatte François das zu verdanken? Der Untreue eines Abschreibers! Noch während er das Präzeptorat innehatte, wurde Fénelon am 7. März 1693 in die Académie française aufgenommen bzw. am 4. Februar 1695 zum Erzbischof von Cambrai berufen, so dass er fortan die Titel Duc de Cambrai und Prince de Saint-Empire trug. Als der Schriftsteller 1697 in dem Traktat Explication des maximes des Saints seine Anschauungen darlegte und sich damit in die Mühlen eines Theologenstreites begab, kam sein glänzender Aufstieg erst zu einem Halt und begann dann den Abstieg, denn nicht nur, daß er die Gunst
1 Naumann, Manfred (Hg.). Lexikon der französischen Literatur. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1987, S. 195.
2 Engler, Winfried. Geschichte der französischen Literatur im Überblick. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 2000, S. 134.
5
des Königs verlor, der diesen Anschauungen opponierte, sondern 1699 wurden auch 23 Thesen dieser letzten Schrift vom Papst verurteilt. 3 Ab dem 1. August 1697 vom Hof verbannt, zog er sich nach Cambrai zurück und widmete sich dort seiner Diözese, die sich durch Erbarmen und Nächstenliebe auszeichnete. François Fénelon verstarb am 7. Januar 1715 in Cambrai. 4
Von 1713 bis 1714 hatte er noch an einem Brief an die Akademie gearbeitet. Dieser erschien 1716. 5 Darin erklärte er seine Opposition gegenüber dem Akademismus von Versailles und schlug vor, sowohl die Sprache zu bereichern als auch die Rhetorik, die Poetik, die Dramaturgie und die Geschichte dem Formalismus zu entziehen. 6 Doch nicht nur das Jahr 1716 lag nach seinem Tode, sondern selbstverständlich auch das Jahr 1793. In jenem Jahr nämlich brachte Marie-Joseph Chénier François Fénelon mit dem Stück Fénelon ou les religieuses de Cambrai auf die Bühne. Es handelte sich dabei um eine Tragödie, die am 9. Februar 1793 im Théâtre de la République uraufgeführt wurde.
„Im Konflikt zwischen formalen Anforderungen seines Amts u. Geboten der Menschlichkeit, die sich stellen, als Fénelon von erzwungenen Gelübden in einem Nonnenkloster erfährt, entscheidet er sich für den Bruch mit der entleerten Tradition, befreit die Frau und Tochter seines Freundes d'Elmance aus dem Kloster und gibt ein Beispiel aufgeklärter Toleranz.“ 7
François Fénelon hat übrigens auch einmal einen Brief an Ludwig XIV. adressiert, ihn aber dessen heimlicher Gemahlin Madame de Maintenon geschickt. Seiner Ansicht nach, hätte sie Ludwigs Aufmerksamkeit auf den fatalen Zustand des Landes lenken können. Der Brief stellt die Frage nach der Art des Regierens und stellt den idealen Monarchen als denjenigen dar, der großzügig ist und sich um den wirtschaftlichen Wohlstand, den Frieden, aber auch um die Bereinigung von Ungerechtigkeiten sorgt. Beabsichtigt war, dem König gut zuzureden und ihm verständlich zu machen, daß Kriege um die Eroberung von Gebieten außerhalb des Landes nur die Kräfte innerhalb des Landes zerstören. 8
3 vgl.: Manfred Naumann Lexikon der französischen Literatur 1987, S. 195.
4 vgl.: Fénelon, François. Les Aventures de Télémaque. Paris: Edition de J. L. Goré, Classiques Garnier, 1987, S. 11-13, 33, 36, 40.
5 vgl.: Collection Seghers. Dictionnaire des Auteurs Français. Paris: Editions Seghers, 1961, S. 143-144.
6 vgl.: Beaumarchais, Jean-Pierre de, Daniel Couty, Alain Rey (Hg.). Dictionnaire des Littératures de la Langue Française, E-L. Paris: Bordas, 1984, S. 864-865.
7 Engler, Winfried. Lexikon der französischen Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 3 1994, S. 386.
8 vgl.: Alexandre (S 2) (2001). Fiche de synthèse: Fénelon, « lettre à Louis XIV ». http://www.ac-reunion.fr/pedagogie/lyvergerp/FRANCAIS/EAF_2001_Syntheses/Montee_Argent/ PalavA- lex_Fenelon.htm (6.1.2002).
6
Louis XIV
Ludwig XIV. wurde 1638 geboren und war von 1643 bis 1715 König von Frankreich. Wie die letzten Daten verraten, war er erst fünf als sein Vater starb. Aus diesem Grund ging seiner Königsherrschaft von 1643 bis 1661 auch die Regentschaft seiner Mutter, Anna von Österreich, voraus. Kardinal Mazarin war damals der leitende Minister, verstarb jedoch 1661. Der neue König hatte eine starke und herrschaftsbewußte Persönlichkeit. Er konzipierte z. Bsp. seine Stellung in Frankreich gänzlich neu.
Ludwig XIV. regierte nach dem Prinzip der königlichen Allmacht, die, unerreichbar, nur Gott untergeordnet war. Damit war es ihm möglich, Gesetze einzuführen, zu verändern oder gar abzuschaffen wie es ihm beliebte. Er scherte auch nur wenige politische Ratgeber um sich: einen Kanzler für das Justizwesen und drei Staatssekretäre, jeweils einen für das Äußere, das Kriegswesen und die Marine.
Zu seiner Zeit war Frankreich nicht nur in der Politik und Verwaltung sehr stark, sondern es versuchte auch, die Literatur, die Architektur, die Musik und die Kunst zu beeinflussen, wobei es dem Monarchen in der Kunst darauf ankam, daß von ihm ein Bild geformt wurde, daß ihn ins Zentrum stellte und aller Augen auf ihn lenkte, denn das war für ihn gleichbedeutend mit Machtsicherung und Machterweiterung. Den Höhepunkt dieses Kunst- und Herrschaftswillens bildet der Bau des Schlosses von Versailles. Von dieser Selbstdarstellung abgesehen, wurde alles daraufhin untersucht, „ob und wo Rechte der französischen Krone gegenüber anderen europäischen Mächten geltend gemacht werden konnten“ 9 , so daß es beispielsweise von 1672 bis 1679 zum Krieg gegen Holland bzw. 1702 bis 1714 zum Spanischen Erbfolgekrieg kam. Das erklärt auch, warum es unter ihm eine Militärmonarchie gab. Hatte er 1665 noch ein stehendes Heer von nur 45 000 Mann, so be-stand dieses 1672 bereits aus 120 000 und 1703 sogar aus 400 000 Mann. Dementsprechend lagen auch die Investitionen in die Heeresmacht, darunter der Bau von Kasernen, Lazaretten und Übungsplätzen. Welch erstaunliche Leistung seiner Diplomatie bzw. Staatssekretäre trotz aller Kriegspolitik diese immer wieder auf diplomatischem Wege auszugleichen!
9 Hinrichs, Ernst (Hg.). Kleine Geschichte Frankreichs. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 1997, S. 201.
Arbeit zitieren:
Silke-Katrin Kunze, 2002, Francois Fenelons "Les Aventures de Telemaque" - Eine Romananalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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